Der Faktor Zeit in Bärenmärkten

22. August 2011 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

von Robert Rethfeld

Offensichtlich müssen die Finanzsysteme der Industrienationen etwa alle 75 Jahre so richtig durchgeschüttelt werden, damit ein neuer Aufwärtszyklus beginnen kann. So jedenfalls stellt es sich dar, wenn man die folgende Tabelle betrachtet..

Übersicht über bisherigen große Finanz- und Wirtschaftskrisen

Jahr Differenz
1637 84 Tulpenmanie
1721 72 Südseeblase
1793 64 Panik von 1797
1857 75 Erste Weltwirtschaftskrise
1932 76 Große Depression
2008 72 Finanzkrise

Die Auflistung der Krisen ist sicherlich nicht vollständig. Aber wer will bestreiten, dass die „Great Depression“ die letzte große globale Finanz- und Wirtschaftsdepression war? Und dass diese erst mit dem Eintritt der USA in den zweiten Weltkrieg endete? Die erste Weltwirtschaftskrise (mit der Panik von 1857) war ein weltweites, in den damals jungen Industriestaaten wütendes Phänomen, die erst mit dem fortschreitenden US-Sezessionskrieg ihr allmähliches Ende fand. Man könnte folgern, dass zwangläufig auf große Finanz- und Wirtschaftskrisen kriegerische Auseinandersetzungen folgen. Diese Zwangsläufigkeit ist jedoch nicht belegt. Im Gefolge der Südseeblase kam es zu einer Rezession und auch zu Unruhen, aber nicht zu einem ausgewachsenen Krieg. Klar ist jedoch, dass wirtschaftliche Depressionen das Potential zu Unruhen und Kriegen in sich tragen.

Die aktuelle Krise reicht an die Bedeutung der zuvor aufgelisteten Krisen heran. Wenn diese Einstufung richtig ist, so muss man die Frage nach dem Faktor Zeit stellen. Nehmen wir weitere große Bärenmärkte hinzu, so lassen sich für die folgenden Bärenmärkte Zeiteinheiten beschreiben.

Bärenmärkte

Periode Dauer in Jahren realer Verlust %
1966 – 1982 16 73 (inflationär)
1929 – 1932 3 85 (deflationär)
1906 – 1921 15 69 (inflationär)
1853 – 1857 4 66 (deflationär)
1835 – 1842 7 70 (deflationär)
2000 – ??? 11 (bisher) 54 (bisher)
Durchschnitt 9 73

Üblicherweise dauern inflationäre geprägte Bärenmärkte zwischen 10 und 15 Jahren (Beispiel 1970er Jahre). Deflationär geprägte Märkte neigen zu scharfen Abwärtsbewegungen, allerdings wird das inflationsbereinigte Tief sehr viel schneller (nach 3 bis 7 Jahren erreicht; Beispiel 1929 ff.).

Die Bestimmung des aktuellen Bärenmarktes hängt davon ab, ob man ihn im Jahr 2000 oder im Jahr 2007 beginnen lässt. Für China und viele Länder Asiens, aber z.B auch für Österreich oder die osteuropäischen Staaten begann der Bärenmarkt definitiv erst in 2007. In den USA und Westeuropa kann man dagegen den Beginn des Bärenmarktes auf das Jahr 2000 festsetzen. (Seite 2)

 

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3 Kommentare auf "Der Faktor Zeit in Bärenmärkten"

  1. Stuelpner sagt:

    Ja diese Zyklen hatte ja Kondratjew schon so ähnlich heraus gestellt incl. der Innovationen die erforderlich wurden (z.B. Erfindung Dampfmaschine) um nach dem Reset wieder in Gang zukommen.
    Deshalb ist die Angie jetzt auch so wild auf die Erfindung des Elektroautos oder der Solarenergie, das reißt, nachdem die Deutschen die Krise weggekauft haben die alternativlose Situation doch noch rum, da frage ich mich was erst passiert, wenn einer das Rad erfindet.

    Aus der Bärenmarkttabelle entnehme ich, das wegen der Dauer der jetzige Reset auf eine Inflation hinaus läuft, mit einer Deflation hätten wir schon hinter uns oder haben wir diesmal eine ganz neue Qualität !? Die 73% sind aauch schon erreicht, also wird jetzt alles besser (nee das wollte der Autor sicher nicht ausdrücken).

  2. Berliner sagt:

    Hallo Freunde,

    wie seht ihr die Entwicklung des Dax für die nächsten Tage?

    Die US-Zahlen waren heute ja nicht so gut und auch die ZEW-Konjunkturerwartungen waren schlecht. Der HARPEX zeigt auch weiter nach unten. Trotzdem ist der DAX/Dow gestiegen. Und ich bin seit gestern mittag short.

    Woher kommt die gute Stimmung? Freuen sich viele auf Freitag weil sie annehmen, dass dort QE3 verkündet wird oder wie soll man das verstehen?

    Wie seht ihr das momentan?

    Schöne Grüße
    Matthias

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