Der Fachmann staunt, der Laie ärgert sich

17. Oktober 2016 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Wenn schon ein Musiker den Nobelpreis für Literatur bekommt, warum erhalten dann nicht auch Statistiker und Ökonomen so einen Preis für Physik mit angeschlossener Zauberei?

Schließlich haben sie die Inflation wiederentdeckt, obwohl sie ja aus dem Alltag nie verschwunden war, sondern nur nach offizieller Lesart. Erst so wurden diese ganzen „Maßnahmen“ der EZB möglich.

So wurde im September der statistische Warenkorb um 0,7 Prozent teurer. Oh Wunder! Verflixt, denn die Sachen, die man wirklich benötigt wie Nahrungsmittel und Energie werden ständig teurer, das durchaus Verzichtbare aber immer billiger. Ein Rätsel bleibt, wo die Testkäufer einkaufen.

Was ist der offizielle Warenkorb wert? Wir wissen es nicht. Um diesen einigermaßen privat nachzubilden, muss man schon hungernd und frierend jeden Monat drei neue Computer und anderen wertlosen Schnickschnack kaufen. Dann passt es schon. Wirtschaftsexperten pochen beharrlich darauf, die Inflation wäre gut. Dabei ist Inflation das Geld-Erschaffen und die Teuerung die Folge davon. Verbraucher würden widersprechen, dass Teuerung für sie gut wäre.

Übrigens, bei Null-Zinsen und jetzt höherer Teuerung, selbst nach offizieller Lesart, werden Sparer automatisch ent-reichert. Das Beste: Sie müssen dafür gar nichts tun!

Inzwischen hat sich der Ölpreis seit Februar fast verdoppelt. Ein Liter Heizöl stieg von 0,38 auf 0,57 Euro. Auch heizt der fallende Euro jetzt noch die Ölimporte und nicht nur diese an. Danke EZB! Dafür wurde wenigstens Quark auf Jahressicht um 18 Prozent billiger, statistischer Quark noch viel billiger. Wundert es, wenn davon so viel produziert wird?

Was kann man tun? Sparen. Wie würde das wohl ein hoch dotierter Ökonom in seiner komischen Glaskugelwelt bewerkstelligen? Ganz einfach: Er dürfte wissen, dass er sechs Prozent an Kosten spart, wenn er die Raumtemperatur um ein Grad senkt. Logischerweise würde er bei zehn Grad Zimmertemperatur zwei Fenster öffnen und fünf Grad kalte Luft hereinlassen. Das ergibt für ihn dann wohlige 20 Grad. Vielleicht würde er bei Frost die Fenster öffnen, weil er so mehr als 100 Prozent spart und am Ende noch gewinnt, selbst wenn er längst erfroren ist.
© Frank Meyer, Kolumne aus den Lübecker Nachrichten

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2 Kommentare auf "Der Fachmann staunt, der Laie ärgert sich"

  1. marke-t-ing sagt:

    Gesetzt den Fall, dass die kriminelle energie unendlich ist, kann das system schon noch eine zeitlang aushalten.

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