Der Euro „Blues“ setzt sich fort

25. Mai 2011 | Kategorie: Aufgelesen

Das Schicksal der Eurozone wird an den Märkten von dem Schicksal Griechenlands, das 2,5% der Wirtschaftsleistung der Eurozone erzielt und 10 Mio. Menschen beherbergt, bestimmt. Eine gesamte Staatsschuld von 340 Mrd. Euro wird zum entscheidenden Thema an den Finanzmärkten. Zur Erinnerung: es bedurfte einer globalen Intervention in Höhe von 33.500 Mrd. um das Problem Lehman zu neutralisieren…

EZB Direktoriumsmitglied Noyer (BdF) schloss eine Umstrukturierung Griechenlands aus und nannte solche Pläne eine „Horrorstory“. Griechenland wäre laut Noyer von den Finanzmärkten auf Jahre ausgeschlossen. Die Reformen und Sparpläne seien sakrosankt weiter zu führen. Dieser von Noyer thematisierte Aspekt ist aber nur eine Facette des Problems. Der negative „Outfall“ für die Weltwirtschaft, für die politische Integrität der Eurozone als auch für das Finanzsystem wäre sehr viel dramatischer als das Lehman Problem.

Eine globale Interventionssumme von 33.500 Mrd. USD wäre voraussichtlich zu eng bemessen. Da die öffentlichen Haushalte heute jedoch sehr viel angespannter als zum Ausgangspunkt der Krise 2007 sind, ergäbe sich ein unvergleichbar höheres Risiko unkontrollierter Rezession bis hin zu Depression als auch politischer Instabilität auf globaler Ebene.

Carl von Menger (1840 – 1921) hat die Grenznutzentheorie entwickelt (Österreichische Schule). Diese Schule ist nach meiner Ansicht weitaus belastbarer als die mathematische Ausprägung der VWL nach angelsächsischem und US-Vorbild, da sie auch verbale Logik zulässt.

Ist die fiskalische Gesundung, die 70% der Welt im Zuge einer nachhaltigen Konjunkturerholung der Weltwirtschaft erfasst, wirklich zu riskieren wegen des Problems Griechenland? Das gilt um so mehr vor dem Hintergrund, dass Griechenland Reformen umsetzt und in diesem Prozess Erfolge vorzuweisen hat.

Diese Erfolge sind um so bedeutender, als dass Griechenland von einer Kontraktion der Wirtschaftsleistung um -4,5% per 2010 betroffen war. Was passiert, wenn positives Wachstum die Skaleneffekte der Reformen zum Tragen bringen?

Wenden wir uns den griechischen Erfolgen zu:

Reduktion der Neuverschuldung per 2010 um 5% (historischer Höchstwert!), Spanien folgt an zweiter Stelle mit 1,9%.

Das bereinigte Primärdefizit sank bei der Neuverschuldung im Jahresvergleich um 7,2%, Spanien nahm den zweiten Platz mit 2,4% ein.

Die Primärausgaben wurden um 3,6% reduziert. Nur Estland war 2010 besser mit einer Reduktion um 5%. Italien folgt mit 1,2% an dritter Stelle.

Einnahmen des Staates legten um 1,8% per 2010 zu. Zusammen mit Portugal belegt Griechenland den ersten Platz innerhalb der Eurozone.

Während der letzten sechs Monate legten die Exporte durchschnittlich um 35% im Jahresvergleich zu.

Das Handelsbilanzdefizit wird von 2008 auf 2011 um voraussichtlich 60% reduziert.

Das Leistungsbilanzdefizit wurde per 2010 von zuvor 14% des BIP auf 11,8% reduziert.

Das erste Quartal 2011 überraschte mit einem Wachstum im Quartalsvergleich um 0,8%. Im Jahresvergleich ergab sich nach zuvor -7,4% ein Rückgang um -4,8%.

Alle diese Erfolge, die Griechenland und die anderen Reformländer vorzuweisen haben und die durch markante und zum Teil schmerzhafte Reformen erreicht wurden, sind zukunftsweisend und wurden überwiegend in dieser Form nicht erwartet.

Die kognitive Dissonanz, die die Märkte gegenüber diesen Erfolgen tagtäglich leben, ist Ausdruck von wenig professioneller Diskontierung.

Das Thema „Gesunder Menschenverstand“ mit einer Portion nachhaltigen Humanismus sollte in dieser Diskussion um unsere Reformländer etwas tiefer Raum greifen. So etwas hilft und macht „Sinn“.

Wo wir bei „Sinn“ sind, ist der IFO-Index nicht weit. Der Index überraschte positiv. Per Mai stellte sich der Index im Monatsvergleich unverändert auf 114,2 Punkte. Der Index wurde umgestellt. Damit ergibt sich ein neues Niveau (zuvor 110. …)

Quelle: Bremer Landesbank, Forex-Report

 

 

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