Der Euro bleibt, Deutschland zahlt, Gold- und Silberaktien kommen

25. August 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

(von Manfred Gburek) Anlegern stehen extrem spannende Wochen bevor. Denn zum einen müssen Europas Politiker endlich Erfolge ihrer intensiven Verhandlungen zur Euro-Rettung nachweisen. Zum anderen wartet alle Welt darauf, was wohl Zentralbanker bei ihrem Treffen vom 30. August bis 1. September in Jackson Hole im US-Bundesstaat Wyoming austüfteln werden… Eines steht jedenfalls fest: Die Zeit ist reif für Entscheidungen, und die werden alles beeinflussen, was mit Geld zu tun hat, von der Geldpolitik der Zentralbanken über die Fiskalpolitik der führenden Wirtschaftsblöcke bis zu den Wertpapier-, Devisen-, Edelmetall- und Rohstoffmärkten.

In Sachen Q3 (Abkürzung für das dritte Quantitative Easing = zusätzliches Anwerfen der US-Notenpresse) wird nur noch über die Modalitäten diskutiert. Der Befreiungsschlag in der Eurozone muss erst noch kommen. Das Problem hier: 17 Länder, die sich untereinander nicht einigen können, sind zu politischen Entscheidungen gezwungen, während ein Großteil der Entscheidungsgewalt sich längst auf die Europäische Zentralbank verlagert hat. Um die zu erwartende Lösung gleich vorwegzunehmen: Der Euro bleibt bestehen, egal ob mit oder ohne Griechenland. Deutschland wird den mit Abstand größten Teil der Lasten stemmen. Bräche die Eurozone auseinander, hätte das katastrophale Folgen für die ganze Weltwirtschaft. Die Geldentwertung wird fortschreiten. Anleihen haben ihre beste Zeit hinter sich, Edelmetalle und Aktien noch vor sich.

Das alles ist für Sie in der Gesamtbetrachtung sicher nicht neu. Es gibt indes einige besonders interessante neue Aspekte, aufgeschnappt in einem kleinen Kreis am vergangenen Donnerstag im Nobelhotel Frankfurter Hof. Referenten: Friedrich Heinemann vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung, unter anderem als Sachverständiger beim Bundesverfassungsgericht zuständig für die Verfassungsbeschwerden in puncto Rettungsschirm ESM, außerdem Tobias Schmidt, Vorstandssprecher, und Axel D. Angermann, Mitglied der Geschäftsleitung von Feri EuroRating Services.

Hier einige pikante Details: Dass Griechenland die Eurozone verlässt, hält Heinemann für „vorstellbar, Europa muss sich diese Option offen halten“. Man dürfe die Krise auf keinen Fall sich selbst überlassen und damit den Märkten. Die Abwärtsspirale komme schnell in Gang, aber die Reformen greifen nur langsam. Das Bundesverfassungsgericht habe die meisten Bedenken in Bezug auf den ESM schon zur Seite geräumt. „Den Löwenanteil wird Deutschland zahlen“, kommentiert Heinemann die Lastenverteilung bei der Euro-Rettung.

Wie es dazu kommen kann, versucht er mit dem Kürzel „FIRE“ zu begründen (Fiscal Interest Rate Equalization). Damit meint er: Länder mit niedrigen Zinsen finanzieren den Zinsausgleich für Krisenländer, allerdings unter der Bedingung, dass die Zusage dafür nach einem Jahr nur verlängert wird, falls die Krisenländer Wohlverhalten zeigen. Dieses Verfahren sei finanzierbar, transparent, von den Bedingungen her glaubwürdig, die Geldpolitik bleibe außen vor, und es gäbe kein Haftungsproblem. Aber: „für kurzsichtige Haushaltspolitiker in Niedrigzins-Staaten unpopulär“.

Schmidt und Angermann spielen zwei Szenarien durch: 1. Erhalt, 2. Auseinanderbrechen der Währungsunion. Im ersten Fall seien grundlegende Reformen notwendig, unter anderem die Fiskalunion mit einem europäischen Finanzminister, der auf nationale Haushalte durchgreifen könne, ferner Transfers bei exogenen Schocks und eine gemeinsame Haftung mittels Eurobonds. Daraus ergäbe sich unter anderem eine neue Rolle für die EZB und ein Anstieg der Inflationsrate im Euroraum auf 3 bis 4 Prozent. Im Idealfall sei eine koordinierte weltweite Interessenvertretung Europas möglich.

Und was würde geschehen, wenn die Währungsunion auseinanderbricht?(Seite 2)

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6 Kommentare auf "Der Euro bleibt, Deutschland zahlt, Gold- und Silberaktien kommen"

  1. MARKT sagt:

    Schön Herr Gburek, zuerst stellen Sie etwas negativ dar (Fiskalunion). Mit Sätzen wie Deutschland wird bezahlen und deshalb wird die Inflation unweigerlich kommen unterstützen dieses Szenario und fördern beim Leser ein ungutes Gefühl. Die Lösung haben Sie natürlich prompt parat. Hoffentlich haben wir (Deutschland) dann auch noch genügend Mittel um zu zahlen, oder Zahlen wir mit Unzen? Solange die Politik und die Lobby das gesetzliche Zahlungsmittel vorschreibt wohl eher nicht.
    Gleichzeitig spekulieren oder hoffen sie auf dieses (böse)Szenario. Und das auch noch sehr einseitig. Die Erfahrung sollte Ihnen zeigen, dass meistens das Gegenteil von dem Eintritt, was für die meisten plausibel ist und von „allen“ favorisiert wird.
    Ich wünsche Ihnen und uns allen, dass alles so einfach ist und ganz schnell so kommen wird. Denn dann hätten wir alles ganz schnell hinter uns.

    ICh kann mir allerdings kaum vorstellen, dass alles so einfach ist, aber warten wir es ab.

  2. crunchy sagt:

    „Das Bundesverfassungsgericht habe die meisten Bedenken in Bezug auf den ESM schon zur Seite geräumt.“ Starker Tobak! Wozu haben wir in einer Gesellschaft Regeln aufgestellt? Doch nur um friedlich zusammenleben zu können. Erst werden sie in Europa gebrochen, anschliessend in Deutschland verwässert. Ich glaube nur noch an meine Kiste voller Rand und meinen Colt. Demokratische Rechte sind für die Doofen.

  3. Wollen sagt:

    Hat es überhaupt einen Sinn den Euro zu halten?,außer als politisches Gegenmittel für andere.
    Wirtschaftlich weniger,wenn nur ein Land finanziell aufkommen soll für den weiter bestand des Euro-pa?
    Die restlichen 16 Länder klatschen Beifall, weil einer der Dumme ist?
    Kann ich mir nicht vorstellen,

  4. Lotus sagt:

    Ich glaube, daß Sie in der momentanen Zeit/Lage recht haben. Aber es wird nicht so bleiben. Denn die Ideologie eines Europa des Handels kann mit dem Euro nicht funktionieren. Zumal jeder Wirtschaftsbereich einer mächtigen Klasse dieses Ziel durchboxen will, ohne die Völker/Menschen mitzunehmen/zu informieren. Im Rahmen der Aufklärung (des logischen Denkens, Unterscheidens) funktioniert das schon durch die breite Informationsmöglichkeit des Internets nicht. Oder anders gesagt, die Menschen lassen sich durch ihr ungutes Gefühl und dem daraus folgenden Zwang, sich zu informieren, nicht täuschen. Im Moment erleben wir diese Tatsache, die nicht durch öffentliche Publizitäten, ja sogar durch Schweigen in der Öffentlichkeit, stattfindet. Es rumort im Volk, Politiker, Bänker/Versicherer, Wirtschaftswissenschaftler, Ökonomen, TV-Moderatoren werden verhöhnt und die Gegenwehr durch Wut, Hass, Kriminalität (Steuerverweigerung des bürgerlichen Pöbels) zeigt allen Ortes Wirkung.

    Im Alltag ist dies überall zu spüren, zu hören, zu sehen. Nicht der kleinste Betrieb/Inhaber hält sich mehr an Moral, Ehrlichkeit und Menschenwürde. Nein, der Strudel einer korrupten Gesellschaft ist im Gange, der sich von oben nach unten etabliert hat.

    Insofern wird der Euro eines Tages verschwinden, da ihm zu viel Bedeutung beigemessen wird und Gesellschaften zerstört. Die heutigen Probleme, egal welche, sind ideologisch begründet und steuern unaufhaltsam in eine Katastrophe. Die Menschen in D. wissen das alle. Was fehlt, ist der Ausweg und eine Lobby der öffentlichen Aufklärung. Leider ist die Zeit noch nicht reif, obwohl es hätte gestern schon stattfinden müssen.

    • crunchy sagt:

      Ich glaube, das die Aufklärung des Internet von den Etablierten noch immer unterschätzt wird. Sie wirkt sich in etwa so aus, wie Voltaires `Mann mit der Maske´: Den auf königliches Dekret Verhafteten hat es wohl nie gegeben. Ähnliche Fälle zu Hauf. Die Legende war aber in die Welt gesetzt und die Saat für die Französische Revolution gesät.
      Voltaire erlebte den Sturm auf die Bastille, in der Maskenmann verstorben sein sollte, nicht mehr. Wir hingegen, werden den Sturm wohl in ca. 5 Jahren miterlebt haben. Der erste, heftige Wind hat uns schon frösteln lassen. Der Herbst ist näher, als wir denken.

  5. crunchy sagt:

    Noch was technisches zum US-Dollar-Index: Im April habe ich der Analyse des Düsseldorfers: „Wer wird hier schwach?“ vehement widersprochen und die gegenteilige Position vertreten. Ich weiss nicht, was er im Moment prognostiziert, doch scheint sich der Dollar-Bulle nach dem ersten Run gegen die Bretterwand (84 Punkte) auf einen neuen Ansturm vorzubereiten. Die Wette, dass er diesmal durchbricht, halte ich nicht! Nur Eines sollte auch klar sein: Hat die Welt das Vertrauen in den Euro verloren, so wie es aussieht, und geht dann dann der Dollar auch noch schwach, was bleibt dann am Ende?
    Jo, jo: Mit Gold und Silber sin´mer Alle froh!

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