Der Euro als Goldstandard

6. Dezember 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

(von Robert Rethfeld) In der NZZ-Printausgabe vom 23. November erschien unter der Überschrift „Eine österreichische Verteidigung des Euro“ ein Artikel von Jesus Huerta de Soto. Der Autor vertritt die Ansicht, dass der Euro mit der Abschaffung von Wechselkursen quasi die Funktion eines Goldstandards übernommen hat. Man sollte wissen, dass Jesus Huerta de Soto ein recht prominenter Vertreter der Österreichischen Schule ist…

Die NZZ ließ keine Online-Veröffentlichung folgen. Es existiert jedoch ein Text des Autors, der zwar nicht deckungsgleich ist, aber doch die Gedanken in ähnlicher Art und Weise transportiert.

Huerta de Soto vertritt die Meinung, dass die Währungsunion den Forderungen der Vertreter der Österreichischen Schule entgegenkommt. Solange noch kein Goldstandard existiert, sei der Euro die zweitbeste Lösung. Die „Österreicher“ sind gehalten, so Huerta de Soto, „alles zu unternehmen, um damit sich das gültige Geldsystem sowohl in seiner Funktion als auch in seinen Ergebnissen dem Ideal annähert. Dies erfordert den monetären Nationalismus soweit als möglich zu begrenzen; die Möglichkeit zu beenden, dass jedes Land eine autonome Geldpolitik entwickelt; und der inflationären Politik der Kreditausweitung ein so enges Korsett wie möglich anzulegen.“

Tatsächlich wurde den Politikern im Korsett des Euro die Möglichkeit genommen, mit Hilfe einer lokalen Währungsabwertung Inflation zu erzeugen. Huerta de Soto:

„Zum ersten Mal haben sich die Länder der Währungsunion mit einer tiefen Wirtschaftsrezession auseinandersetzen müssen, ohne über eine autonome Geldpolitik zu verfügen. Bis zur Einführung des Euro handelten die Regierungen und Zentralbanken bei Beginn einer Krise unweigerlich auf die gleiche Weise: Sie injizierten dem System die notwendige Liquidität, ließen die lokale Devise nach unten treiben und abwerten, und verschoben auf unbestimmte Zeit die schmerzhaften Strukturreformen der ökonomischen Liberalisierung, Deregulierung, Preis- und Marktflexibilisierung (vor allem des Arbeitsmarktes), die Verringerung der Staatsausgaben, sowie den Rückzug und die Demontage der Macht von Gewerkschaften und des Wohlfahrtstaats. Mit dem Euro ist trotz aller Fehler, Schwächen und Kompromissen … diese Art von unverantwortlicher Flucht nach vorn nicht mehr möglich gewesen.“ (Quelle)

Man kann die Frage stellen, wie „erfolgreich“ diese Korsettlösung tatsächlich ist. Dazu zwei Charts. Spanien, Griechenland und Portugal verzeichnen hohe Arbeitslosenquoten.  

Quelle: Eurostat; 2013 und 2014 von der EU-Kommission geschätzt

Zudem hat sich die Reallohnentwicklung angeglichen. Betracht man die Entwicklung seit 2003, so weist die Reallohnentwicklung in Griechenland und Portugal erstmals schwächere Werte für diese Periode aus als die Reallohnentwicklung in Deutschland.

Quelle: Europäischer Tarifbericht des WSI

Das Argument, ohne die Währungsunion wäre es erst gar nicht erst zu starken Übertreibungen in den Volkswirtschaften am Mittelmeer und Irlands gekommen (Stichwort Immobilienblase), ist nicht von der Hand zu weisen… (Seite 2)

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