Vorwärts immer! Aber wohin?

18. Januar 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

(von Mack & Weise) Im Jahr 2011 dominierte die Schuldenkrise einzelner Euro-Teilnehmer-Staaten das Geschehen an den Finanzmärkten, und das, obwohl mit den USA, Großbritannien oder Japan gleich drei der führenden Industrienationen der westlichen Welt das Pleite-Prädikat „griechischer als Griechenland“ auch mehr als verdient hätten!

Eines Tages wird man offiziell zugeben müssen,
dass das, was wir Wirklichkeit getauft haben,
eine noch größere Illusion ist als die Welt des Traumes.“
Salvador Dalí, 1904-1989

Ausgehend von Griechenland, dessen offenkundige Pleite durch Europas „Spitzenpolitik“ mit immer neuen kreditfinanzierten Milliardeninjektionen seit über einem Jahr erfolglos geleugnet wird, erfasste die Vertrauenskrise im weiteren Jahresverlauf erst Portugal, dann Spanien und zuletzt auch Italien mit aller (Zinses-)Wucht!

Offenkundig frei von jeglichem ökonomischen Sachverstand,aber mit einem „riesigen“ Repertoire an Parolen ausgestattet („Es geht um alles: Denn scheitert der Euro, dann scheitert Europa.“ [15.10.2010] oder „Europa sei eine Frage von Krieg und Frieden.“ [20.09.2011] Dr. Angela Merkel), jagte 2011 ein historischer Krisengipfel den nächsten, um dann jedes Mal feierlich durch Präsentation immer neuer Schuldenverschiebebahnhöfe die nun endgültige „Lösung“ der Staatsschuldenkrise … für meist wenige Tage zu präsentieren.

Die so von ihren eigenen Entscheidungen getriebenen EU-Politiker haben nun, statt einer seinerzeit von Frau Merkel zur „Stabilisierung des Euro als Ganzes“ (03. 05. 2010) verteidigten und als „Ultima Ratio“ gewährten 110-Mrd.-Euro-Hilfe für Griechenland, über verschiedene „Rettungspakete“ – sprich: Gläubigerschutzschirme – mittlerweile sagenhafte 1,91 Billionen Euro (!) für die europäischen Pleitekandidaten versprochen, was den drastischen Anstieg der Zinsen in den betroffenen Ländern dennoch nicht verhindern konnte. Obwohl das diesen Ländern (außer Griechenland) nun abgeforderte Zinsniveau noch nicht einmal jene Höhe der Zeit vor der Euro-Einführung erreichte, attestierten die Zinsplanungs- und –senkungsspezialisten senkungsspezialisten der Europäische Zentralbank (EZB) den zunehmend risikoavers agierenden Investoren (Märkte), dass sie „gestört“ sein müssen. Aber so sehr sich die EZB auch bemühte, vermochte sie es nicht, ein steigendes Zinsniveau selbst durch eine massive Ausweitung der preismanipulierenden Staatsanleihenkäufe (211,419 Mrd. Euro per 30. 12. 2011) zu verhindern.

Der überraschende Verzicht des als Nachfolger auf den EZB-Chefposten hoch gehandelten damaligen Chefs der Deutschen Bundesbank Axel Weber, oder auch der Rücktritt des den „Quantitative-easing“-Kurs nicht länger mittragen wollenden einstigen Chefvolkswirts der EZB Jürgen Stark lassen keine Zweifel mehr offen, dass das nunmehr von den Pleitestaaten dominierte EZB-Direktorium (!) noch stärker als schon vorher politischen Einflüssen erliegen wird. Damit ist zu erwarten, dass das ehemals vorrangige Ziel der EZB, Preisstabilität zu gewährleisten, nun zugunsten einer „angelsächsischen“ Notenbankpolitik geopfert wird.

Doch mit der von Politik und Notenbank vorgetragenen Realitätsverweigerung in Bezug auf die ökonomische Fehlkonstruktion der Euro-Zone löst man keine Krise. Die Tatsache, dass eine Gemeinschaftswährung für Staaten wie Deutschland oder die Niederlande im Verbund mit wirtschaftlich dagegen stark abfallenden (Griechenland, Portugal) bzw. selbst weniger stark abfallenden Staaten (Spanien, Italien, Frankreich) nicht funktionieren kann, wurde und wird von den „Koste-es-was-es-wolle“-Eurokraten konsequent ignoriert. Und so soll nach deren Plänen der Euro nun über die Etablierung einer europäischen Fiskal- und Transferunion „gerettet“ werden, was allerdings auch bedeutet, dass ganz nebenbei „lediglich“ die nationalen Demokratien auf dem Brüsseler Traumaltar der Vereinigten Schuldenstaaten von Europa „geopfert“ werden sollen!

Das in Europa um die Einheitswährung herum angerichtete politische Chaos kannte aber auch unverdiente Gewinner wie beispielsweise die USA! Obwohl im Land der unbegrenzten Verschuldung selbige zunehmend außer Kontrolle gerät und die „technische“ Staatspleite im August nur durch die Anhebung der Verschuldungsgrenze in letzter Sekunde abgewendet wurde, erfreut sich das Land unverändert bester Bonitätsnoten der US-Ratingagenturen. Im Schatten der Euro-Krise gelang es den USA im abgelaufenen Jahr nicht nur, ihren Gesamtschuldenstand um einen weiteren Billionenbetrag auszuweiten (+1.198 Mrd. USD; was übrigens der bis Ende 2010 über Jahrzehnte aufgetürmten gesamten staatlichen Verschuldung von Spanien, Österreich und Finnland zusammen entsprach !), sondern groteskerweise auch noch ihre Schuldscheine quasi als „safe haven“ zu etablieren ! Glücklich der, der sich auf die – mit Vorliebe vor EU-Gipfeln – echte „Gipfelstimmung“ verbreitenden Timing-Qualitäten seiner Ratingagenturen verlassen kann! (—>Seite 2)

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2 Kommentare auf "Vorwärts immer! Aber wohin?"

  1. wolfswurt sagt:

    Vorwärts immer! Aber wohin?

    Wie beim Aufstieg schreitet man auch beim Abstieg vorwärts.
    Da sich kein Mensch beim Abstieg umdreht und diesen rückwärts vollzieht, bleibt der Eindruck des Vorankommens bestehen.

    In diesem Sinne – vorwärts!

    „Schildbürgerisch“ ist gut – als die Schildbürger beim heruntertragen der Baumstämme merkten das diese bergab von selbst rollen, trugen sie die Stämme wieder auf den Berg um sie dann herunter zu rollen.

    Der Vorteil des Schildbürgers ist die Fähigkeit der Intelligenz sich dummstellen zu können.

    Umgekehrt un-denk-bar…

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