Der Dumme ist der Depp

25. Mai 2013 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

von Frank Meyer

Seltsame Zeiten an der Börse. Man wird geplagt von Experten, die behaupten, Aktien können nie mehr fallen. Das Geld stünde auf der Seitenlinie und wartet auf Einstiegskurse. Nie waren Aktien billiger als heute. Gegenüber was? Und dann sagen sie auch noch, der DAX eile von Rekord von Rekord…

Im letzten Punkt haben sie Recht. Nominal rannte der DAX als Performance-Index tatsächlich von Rekord zu Rekord. Der echte DAX, also der ohne das Botox der Dividenden, der Kurs-Index, hat noch 30 Prozent vor sich, bevor auch er nominal auf einem Allzeithoch stehen würde. Aber wer kann heute schon den einen vom anderen unterscheiden.

Im Vergleich zu den US-Indizes liegt der sogenannte K-DAX weit abgeschlagen. Dow Jones und S&P 500 sind wie der K-DAX Kurs-Indizes – zwar auch aufgepumpt, aber wirklich auf Rekord.

Ich bekomme vom großen Jubel, von dem in den Zeitungen steht, direkt an der Börse nichts mit. Im Gegenteil. Die Händler fassen sich an den Kopf. Mancher Jornalistenkollege versprüht etwas Optimismus, aber das sieht nur so aus oder beruht auf der Fixierung auf die nominale Zahl.

GfK  – Geh fein kaufen!

Was habe ich mich aufgeregt, als aus allen Kanälen strömte, dass die Deutschen in absoluter Kauflaune seien. Als Beweis wurden Leute vor Mikrofone und Kameras gezerrt, die sagten, sie geben mehr Geld aus. Diejenigen, die weniger Geld ausgeben, waren vor den Einkaufstempeln wahrscheinlich nicht so zahlreich vertreten und konnten deshalb auch nicht befragt werden. Das nur nebenbei. Erstaunlich ist auch, dass die Leute das Geld angeblich nur so raushauen, ohne dass die Einzelhandelsumsätze spürbar anziehen. Im Gegenteil. Vielleicht wurden die Befragungen durch die Konsumforscher der GfK direkt in einem Shopping-Center beim jetzigen Sommerschlussverkauf durchgeführt. In der DDR hätte man das bestimmt so gemacht. Bloß gab es da nicht so viel zu kaufen.

Noch erstaunlicher finde ich aber, dass die Innenstädte trotz der offiziellen Vollbeschäftigung an einem Freitag Vormittag oder Donnerstag Nachmittag so voll sind und mein Einkaufsbeutel-Indikator keinen Alarm geschlagen hat. Vermutlich lebe ich in einer anderen Welt. Wo bin ich?

Ach ja, die Leute kaufen mehr Autos. Am 3. Mai schrieb Focus Online, dass die privaten Autokäufe wegbrechen. Seltsam. Während die Konsumstimmung gerade mal wieder durch die Decke jagt, sind die Autoabsatzzahlen in Deutschland in den ersten vier Monaten um 8,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr gesunken. Gleichzeitig gibt es laut Ferdinand Dudenhöffer (ehem. VDA) Rabatte wie seit 17 Jahren nicht mehr. Die Deutsche Autoflotte ist mit durchschnittlich 8,7 Jahren so alt wie kaum zuvor, während von den Autobauern die Test- und Vorführwagen und auch Flottenfahrzeuge in den Markt gepumpt werden, weil die Zahlen so besser aussehen… (Seite 2)

 

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16 Kommentare auf "Der Dumme ist der Depp"

  1. wolfswurt sagt:

    Also wer aus Angst vor einem Haircutt des Geldvermögens in den Aktienmarkt geht, erlebt dann den Haircutt der Aktien durch einen Crash.

    Rasiert wird immer dann, wenn ein Markt so richtig schön aufgepumt ist.

    Schöner Artikel über den Zustand desm Systems: http://www.propagandafront.de/1171020/am-abgrund-absturz-der-finanzmarkte-nur-noch-eine-frage-des-wann.html

    Einfaches Naturgesetz: Was morsch ist wird fallen.

  2. Bankhaus Rott sagt:

    So mancher Gläubiger ist schon zum Eigentümer geworden 🙂

  3. Michael sagt:

    Alles wird gut. Das Wachstum kehrt zurück … besonders nach .de wo es bisher doch nicht ausblieb oder? Schauen wir mal wie der gestern Abend in Euronews berichtete Rückzug des Westens (vermutlich Europa) aus den Ländern in die zuvor ‚investiert‘ wurde ausfällt usw… usw… Der Tenor war, die sollen ihre Ressourcen selbst einsetzen… Naja glaube ‚uns‘ ist keiner bös wenn wir uns auf den Kontinent zurück verrollen.

    http://www.youtube.com/watch?v=iZiO9bqzHzg
    (wir sinken nicht – aus „erik der wikinger“)

    Solange Esoteriker in der Politik rudern, der Steuermann von .de zum Lotsen von Europa wird … bleiben die Pforten Valhalla’s für jeden Europäer sperrangelweit geöffnet. Hereinspaziert, hereinspaziert …

    http://www.youtube.com/watch?v=PP1Ics9pBog
    (Schwarzer Afgane – Wolfgang Ambros)

    Bis die ersten sagen, uns reichts, das süsselt zu viel – sagten die das nicht schon?
    http://www.youtube.com/watch?v=gXxmsuVZHcE

    Blumenkinder in Brüssel … das einzige wofür die Papier brauchen in zum Wuzeln von Joints … oder Ventures im besten Fall. Kein Wunder, dass da keiner mehr so wirklich sein Erspartes hinbringt … die Aktien halten sich solange billiges Geld reinläuft … vermutlich.

    Das Argument lahmt mittlerweile und zieht auch so wirklich nicht mehr und schon gar nicht, den Karren aus dem Dreck.

    Am Schluss werden die Staaten dann die Aktien kaufen, damit alles heil bleibt… weil sich keiner mehr findet dem man das doch etwas überteuerte Papier, Aktien im Kontext von Performanceindex nach längerer Zeit sind eigentlich retrospektivische Betrachtung der glorreichen Vergangenheit im Kontext der Erwartung einer achso rosigen Zukunft. Das hat was vom Hans Moser … Reblaus statt dem Afghanen oder beides fruchtbringend kombiniert.

    Da wird abgeseilt im Hintergrund … d.h. Genossen Autos kaufen, koste es was es wolle … Bevor der letzte Cent nicht gefallen ist, geben wir Euroland nicht auf … oder? Und wer seilt sich ab.

  4. Frank Meyer sagt:

    Oh ja,
    mit uns wird nicht nur aus Sonne Strom und Schulden… Die Gläubiger werden jetzt auch noch Aktionäre. Wie ist das denn bei Staatsanleihen?

  5. Chantal_N sagt:

    >Der echte DAX, also der ohne das Botox der Dividenden,
    >der Kurs-Index, hat noch 30 Prozent vor sich

    Hallo Herr Meyer! Seien Sie froh, dass Sie in ihrer properen Jugendlichkeit noch kein Botox benötigen, sonst würden Sie aus eigener Erfahrung wissen, dass Botox LÄHMT wie nichts Gutes… Also im Bedarfsfall auch den DAX… Die Dividenden sind also nicht das Botox, sondern eher das Ecstasy des Performance-Index‘.

    Ansonsten SEHR SCHÖN, wie Ihr Blog überhaupt!! Von zum Glück eher seltenen verunglückten Verlinkungen (zu unkomisch oder zu dümmlich oder zu rechts) abgesehen.

    Wegen der Botox-Schwächung nun erstmal wieder hinlegen.

    Grüße, und mit dem Wunsch, dass die Deutschen beim Endspiel in London gewinnen mögen – Ihre Chantal

    Apropos rechts: Was ist eigentlich aus diesem in seinen Verlautbarungen so unangenehm antidemokratisch und minderheitenfeindlich tönenden EM-Markt-Kommentator drüben beim sauerländischen Münzhändler geworden, der ist dort so plötzlich von der Bildfläche verschwunden, oder gucke ich durch mein Botox nur schief? Wurde der wegen Volksverhetzung oder Verfassungsgefährdung eingelocht?

    • Frank Meyer sagt:

      Hallo Chantal… ich weiß nicht so recht, wer der sauerländische Münzhändler ist. Stehe ich auf dem Schlauch?

      Nachtrag… Ahhh bei Herrn Ziemann? Keine Ahnung. Nie wieder was gehört. Hatten die nicht einen Eigentümerwechsel?

  6. gilga sagt:

    „Verpassen Sie mal einer Aktie einen Haircut oder einen Haarschnitt.“

    Einfach mal (bei Aktionären) der CoBa vorbeischauen. Die Wissen wie das geht… 😉

  7. Frank Meyer sagt:

    Bitte mal bei Wikipedia nachschauen, was ein Haircut (mit einem „T“) ist.
    Börsenverluste aufgrund Käufen und Verkäufen sind keine Haicuts
    Übrigens interessant, wer alles bei 1,50 damals Coba gekauft hat.

  8. wolfswurt sagt:

    Erstmal Börsenveruste mit einem L(Wenn schon – denn schon).

    Interessant fand ich das auch, wer noch Coba zu 1,50 gekauft hat.
    Meine Wenigkeit war es nicht.

    Ein Haircut ist eine Verringerung von Vermögen(Forderung) und eine Ankündigung einer Kapitalerhöhung ist ebenfalls eine Verringerung, hier Aktienkurs, von Vermögen(Forderung).
    Zumindest die von der Coba.
    Eine Aktie ist heute deshalb eine Forderung, weil sie nicht mehr im Besitz des Aktieninhabers ist sondern bei einer Bank elektronisch „verwahrt“ wird.
    Diese kann selbstverständlich in nullkommanix ausgebucht werden.

    Ob man das als Haircut oder sonstwie bezeichnet, spielt für den Halter der Forderung glaube ich keine große Rolle.

  9. Frank Meyer sagt:

    Au weia! Sie wissen aber, was sie schreiben?

  10. gilga sagt:

    Es mag der Fall sein das die Definition eines „Haircuts“ hier nicht zutrifft. Zumindest in meinem Kommentar ging es jedoch um die zu beobachtende Konsequenz: Der Anleger hat am Ende weniger in der Hand als zuvor (und damit meine ich nicht Euro sondern Anteile), ohne das er gefragt wurde bzw. eine realistische Chance hatte dagegen vorzugehen.

    Klar, man hätte keine CoBa-Aktien halten müssen (und nein; ich war/bin davon nicht betroffen). Das kann man aber ebenfalls von allen anderen Arten von Assets behaupten. War die Sache vorhersehbar? Vielleicht, aber das war Zypern auch.

    Fakt ist: Ich würde mir zur „Sicherheit“ was Aktien (und alles andere) betrifft keine Illusionen machen. Nicht bei dem was sonst so abgeht. Wenn der Staat (oder wie im Beispiel jmnd. anderes) daran interessiert ist an Vermögen zu kommen, dann wird er eine Möglichkeit des Zugriffs finden. Siehe Zypern: die Einlagen waren ja „garantiert“, sie wurden eben nur (einmalig) besteuert. Fiktive kreative Erweiterung: Das Depot der Leute bleibt unangetastet. Dafür gibt’s eben eine Abgeltungssteuer von 75% und eine „Haltesteuer“ von 25% p.a. Das ist dann wrsl. nach Definition auch kein Haircut aber die Konsequenz ist die Gleiche. Und gut kommunizierbar: Die bösen Spekulanten die sich auf Kosten der Allgemeinheit bereichern usw…

    Die größte Sicherheit bieten m.E. nach noch kleinere Beträge verteilt auf verschiedene Klassen in denen die „Masse“ unterwegs ist. Möglichst verteilt auf eine große Anzahl realer Personen (Ehefrau, Kinder, …). Will man nicht gemeuchelt werden braucht man einen sozialen Anstrich bei solchen Aktionen. Das obige Setup schützt minimal.

    Das mag einige hier Schocken, aber dazu gehören dann eben auch überschaubare Sichteinlage bei der Bank, der Riester Vertrag etc. (gut der ist nicht sehr flexibel), sowie ein ordentlicher Hedge gegen massiv (!) anziehende Inflation (der klassische Teil EM mit z.B. 10%, abbezahlte Immo in Eigennutzung, belegbare Investition in eigene Fertigkeiten/Bildung, alle Arten des Sparens bei Energiekosten, …).

    Schwierig wird es bei „größeren“ Vermögen (ab einigen zehntausend Euro), da man hier im Fall des Falles als „Reich“ abgestempelt wird. Hier hilft wohl auch das gleiche Rezept: Kreativ verteilen (und beten). „Reicher“ wird davon jedoch kaum einer.

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