Der Draghödie nächster Teil

6. September 2014 | Kategorie: RottMeyer

von Claus Vogt

Als aufmerksamer Investor ist es Ihnen nicht entgangen: Am Donnerstag hat die Europäische Zentralbank (EZB) unter der Führung ihres Präsidenten Mario Draghi den Leitzins für die Versorgung des Bankensystems mit Zentralbankgeld von 0,15% auf 0,05% gesenkt. Auch der Zinssatz, den Banken für ihre Einlagen bei der EZB normalerweise erhalten, wurde weiter herabgesetzt. Er liegt jetzt bei minus 0,2%, nachdem er bereits im Juni auf minus 0,1% festgesetzt wurde.

Das bedeutet, dass die Banken nicht wie in normalen Zeiten üblich eine Verzinsung für ihr Geld erhalten, sondern ganz im Gegenteil eine Art Steuer auf ihre Zentralbankguthaben zahlen müssen. Das ist ein weitreichender Schritt, wenn man bedenkt, dass Sparen aufgrund seiner herausragenden volkswirtschaftlichen Bedeutung normalerweise belohnt werden muss.

Jetzt fragt sich jeder: Wie schlimm steht es um Europa wirklich?

Wie schlimm muss es also um die europäische Wirtschaft stehen, wenn Zentralbankbürokraten zu derart drastischen und ökonomischen Grundwahrheiten widersprechenden Mitteln greifen? Selbst unter zentralbankgläubigen Analysten wird zumindest hinter vorgehaltener Hand bereits von einem symbolischen Schritt gesprochen, der keine realwirtschaftlichen Effekte haben wird, sondern wirkungslos verpufft. Denn die weitere Reduzierung der ohnehin längst extrem niedrigen Zinsen wird die Kreditvergabe nicht beflügeln und auch nicht für zusätzliche Investitionen sorgen. Allenfalls kann sie die Spekulation an den Finanzmärkten vielleicht noch etwas weiter anheizen. Immerhin stieg der DAX nach dem Verkünden der Zinssenkung um 1%. Aber auch dieser Effekt dürfte sich in sehr engen Grenzen halten, weil der Unterschied zwischen 0,15% und 0,05% mit 10 Basispunkten überaus gering ist.

Mario Draghi hat die Zinsen de facto abgeschafft

Trotzdem fühlen sich viele Anleger jetzt sicher wie nie. Das erinnert mich sehr stark an die Zeit im Jahr 2000, kurz bevor die Internetblase platzte. Erinnern Sie sich noch an die vielen Aktien-Millionäre, deren Gier nicht zu bremsen war? Bis der Einbruch kam und viele alles verloren. Ich warne Sie daher sehr eindringlich, sich nicht von den Jubelschreien blenden zu lassen. Oder haben Sie es schon einmal erlebt, dass jemand reich geworden ist, weil er mehr ausgegeben hat als er verdient?

Bei diesem ganzen geldpolitischen Irrsinn darf man auch nicht vergessen, dass die US-Zentralbank ihre Anleihenkäufe bereits deutlich reduziert hat. Da die USA immer noch die Leitposition an den Finanzmärkten innehält, werden bald viele Anleger ganz schnell aus Ihrem Dornröschen-Schlaf erwachen. Denn eines ist so sicher wie das Amen in der Kirche: Auch diese Blase wird platzen! Und zwar mit einem sehr lauten Knall.


Leider haben wir mit unseren wichtigsten Prognosen Recht behalten. Ich wünschte, es wäre anders, aber mein Freund Roland Leuschel und ich haben den Hergang der sich weiterhin entfaltenden Krise in ihren groben Zügen bereits zu einer Zeit korrekt vorhergesagt, als sich die meisten Analysten das, was jetzt geschieht, überhaupt nicht vorstellen konnten. Wir hätten zwar nie zu glauben gewagt, dass die Notenbank-Mächtigen das Spiel so weit würden treiben können, ohne einen gewaltigen Aufschrei der Bevölkerung. Denn die zumindest teilweise sehr offensichtlichen Probleme der Überschuldung haben sie mit ihren Maßnahmen ja nicht etwa gelöst, sondern sogar deutlich vergrößert. Deshalb wird auch dieses Mal die Rechnung ihrer verfehlten und verantwortungslosen Politik wie schon in den Jahren 2000 und 2008 auf den Fuß folgen, und die unvermeidliche Bereinigungskrise wird entsprechend heftig ausfallen.

Denn die EZB und andere Zentralbanken befinden sich inzwischen in einer ausweglosen Lage, auf die wir schon während des Entstehungsprozesses immer wieder hingewiesen haben. Sie haben ihr geldpolitisches Pulver längst verschossen, aber der erhoffte selbsttragende Aufschwung auf breiter Front ist wie von uns prognostiziert ausgeblieben. Nur an den Finanzmärkten hat ein Boom stattgefunden, der sowohl an den Aktienmärkten als auch an den Rentenmärkten zu gewaltigen Spekulationsblasen geführt hat. Und nun?

Das EZB-Pulver ist bereits verschossen – Jetzt geht es ans Eingemachte

Die Wirtschaft befindet sich weiterhin oder schon wieder am Rande einer Rezession. Und sobald die Blasen platzen, wird sich ein ähnliches Szenario entfalten wie in 2008. Im Unterschied zu damals sind die Zinsen aber schon bei null. Und auch für neue keynesianische Ankurbelungsprogramme besteht kein Spielraum mehr, da die Staatsverschuldung seit 2007 weltweit bereits drastisch ausgeweitet wurde. Das wird sich natürlich auch dann nicht ändern, wenn die EZB die von ihr zum Besten gegebene Draghödie demnächst um den Akt „Ankauf von Unternehmenskrediten“ erweitert. Schließlich heißt das eigentliche Problem ja Überschuldung. Und wie ich oben schon erwähnt habe, ist noch keiner durch Geldausgeben und Schuldenmachen reich geworden.

Ich wünsche Ihnen ein sonniges Spätsommer-Wochenende
Ihr
Claus Vogt – Krisensicher Investieren


 

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2 Kommentare auf "Der Draghödie nächster Teil"

  1. bluestar sagt:

    „Jetzt fragt sich jeder: Wie schlimm steht es um Europa wirklich?

    Wie schlimm muss es also um die europäische Wirtschaft stehen, wenn Zentralbankbürokraten zu derart drastischen und ökonomischen Grundwahrheiten widersprechenden Mitteln greifen?“
    Und dazu noch ein selbst inszenierter Konflikt mit Russland, der unsere Wirtschaft und Energieversorgung auf Dauer negativ beeinflussen wird. Bei Analyse all der Tatsachen komme ich zu folgenden möglichen Ergebnissen.
    1. Der EU geht es nicht so schlecht wie wir alle einschätzen, man kann sich aus wirtschaftlicher
    Stärke heraus einen Konflikt mit Russland leisten.
    2. Die EU ist pleite und braucht zur Beherrschung und Manipulation der Masse dringend
    zwecks Machterhalt des Politbüros und Zentralkomitees Bedrohungs-und Angstszenarien
    durch die Schaffung eines Feindbildes. Schöner Nebeneffekt: Der die Politik beherrschende
    MIK kann mit sagenhaften Profiten rechnen, die der versklavte Steuerzahler erwirtschaften
    muss. Da mittlerweile Rüstungsgüter in Deutschland den Investitionen zugerechnet werden
    stimmt dann auch die Statistik. Äußere Feindbilder sind zudem ideal für die Schaffung
    diktatorischer Zustände gegenüber dem eigenen Volk, kennen wir ja von 9/11.
    Kritiker, Frager, Demokraten, Marktwirtschaftler, Freidenker, Rüstungsgegner usw. können
    so bestens verleumdet und später auch verfolgt werden.
    Für alle negativen Entwicklungen ist der Feind verantwortlich, ist das nicht schön für
    die herrschende Clique ?

    3. Die EU ist sowie pleite und wird dem dekadenten Imperium USA zwecks Verlängerung der
    Macht zum Fraße vorgeworfen. Ein Krieg in Europa wäre super, dann könnten die USA wie
    bei WK1 als Kreditgeber nach der Zerstörung die Europäer für sich arbeiten lassen, die
    dann auch gern wieder AMI-Produkte kaufen.
    Deutsches Gold in den USA. USA-Raketen in Deutschland – alles klar ?

    Also ich hoffe Punkt 3 trifft nicht zu und Punkt 1 wäre zu schön um wahr zu sein.

    VG und schönes WE.

  2. Midas sagt:

    Unser Geld und unsere Geldersparnisse sind nicht durch Gold gedeckt, sondern durch die Leistungskraft von Kreditnehmern. Hinter jedem Euro steht ein Schuldner, der diesen Euro zu einem fälligen Termin zurückzahlen muß. Aber wie kann der Schuldner den Euro zurückzahlen, wenn der Sparer sich nicht von seinem Euro trennt? Gar nicht! Es geht nicht! Der Schuldner hat keine Chance. Er verliert sein Pfand an den Kreditgeber, das er als Sicherheit hinterlegte. Diese verhängnisvolle Tatsache wird nahezu vollständig verschwiegen. Wie ist das möglich? Ja, es gibt eine einzige Ausnahme und die wird oft jahrzehntelang angewendet, so daß die verhängnisvolle Tatsache den meisten aus dem Blickfeld gerät: Der Kreditnehmer erhält einen neuen Kredit für eine neue Investition, die er tätigen muß. Solange Geldsparer sparen und ihre Ersparnisse nicht ausgeben, müssen Kreditnehmer immer wieder neue Kredite für immer neue Investitionen aufnehmen, wenn sie nicht ihre verpfändeten Eigentumstitel verlieren wollen. Die Wirtschaft steht unter Wachstumszwang, das heißt, unsere Gesellschaft ist nicht frei, sondern zwanghaft. Alles nur, weil Geldsparer nicht zuletzt auch durch gesparte Zins- und Zinseszinsgutschriften die Ersparnisse und damit zwangsläufig auch die Verschuldung in unendliche Höhen treiben. In Höhen, wo Kreditnehmer keine Chance mehr haben, wertentsprechende Sachwerte als verpfändbare Sicherheiten zu erschaffen. Sobald die Vergabe neuer Kredite für neue Investitionen stockt, können alte Kredite nicht mehr pünktlich zurückgezahlt werden. Alles nur, weil Geldsparer immer mehr Geld sparen. Diese Tatsache wollen die meisten Geldsparer nicht hören. Wenn jeder Geldmillionär ist, hat jeder zumindest im Durchschnitt auch Millionen Schulden. Wer eine Überschuldung beklagt, muß, dazu ist er moralisch verpfichtet, auch eine Übersparung beklagen. Geldsparer wollen nur hören, wie wichtig angeblich das Geldsparen für die Wirtschaft sei. Aber das erste Geld kommt nicht durch einen Geldsparer in die Welt, sondern durch einen leistungsstarken Kreditnehmer, der einer Bank einen Eigentumstitel als Sicherheit übergibt und dafür ein umlauffähiges Zahlungsmittel, das Geld, erhält. Sobald der Kreditnehmer das geliehene Geld der Bank zurückgibt, erhält er auch seinen Eigentumstitel zurück. Das könnte er sofort tun, aber das ist ja nicht der Sinn der Sache. Normalerweise kauft der Kreditnehmer mit dem geliehenen Geld Waren und Dienstleistungen für ein Produkt ein, das er wieder verkaufen will. Würden alle Leute ihr verdientes Geld sofort wieder ausgeben, hätten wir erheblich kleinere Probleme. Wir hätten keinen Wachstumszwang, keine zwanghafte Gesellschaft, die wachsen und Kriege führen muß. Trotzdem wäre für Investitionen immer genug Geld vorhanden. Es genügen die verpfändbaren Sicherheiten (Eigentumstitel) leistungsstarker Kreditnehmer, um für jede gewünschte (und nicht erzwungene) Investition das erforderliche Geld herzustellen. Eine Zentralbank ist entbehrlich. Für ein einziges Zahlungsmittel mag man sie haben. Aber es spricht nichts dagegen, daß öffentlich kontrollierte Privatbanken umlauffähige Zahlungsmittel herstellen. Mit dem weit verbreiteten Giralgeld tun sie es schon ausgiebig. Es kommt darauf an zu verhindern, daß die Hintermänner der Banken sich das selbst geschaffene Geld in betrügerischer Absicht zu Lasten der Fleißigen in die eigenen Taschen stopfen, ganz genau so, wie das jetzt mit „unserem“ Euro-EZB-ESM-Regime für alle Banken möglich gemacht wurde. Es herrscht eine unglaubliche Ungerechtigkeit! Wo sind die Sparer, die sich darüber aufregen? Wo sind die Politiker, wo sind die Gewerkschaftsvertreter, wo sind die Kirchenvertreter, wo sind die Menschenrechtler, wo sind Ausländerreinschreier, wo sind all die selbsternannten Gutmenschen, die sich gegen das herrschende Unrecht auflehnen?

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