Rotierende Wegweiser

23. August 2015 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Seit seinem Hoch im April hat der DAX inzwischen mehr als 2.000 Punkte bzw. 17 Prozent verloren. Die Jahresgewinne sind nahezu ausgelöscht. Beim DAX-Kurs-Index, dem echten DAX, sind sie es bereits. Ganz schön crashig!

Erinnern Sie sich noch an den „Tag der Aktie“? Damals bei Preisen von über 12.000 Punkten konnten man diese bei einigen Banken ohne Gebühren kaufen, dafür aber zu Höchstkursen. Na, wenn das mal kein Zeichen war. Aber Aktien waren ja so billig und wurden immer billiger. Außerdem galt bis vor wenigen Tagen unter den Experten, niemand käme um Aktien nicht herum. Vielleicht mag das sein, aber der Preis spielt auch eine Rolle. Nicht aber, wenn es fremdes Geld ist.

Und es hieß: Dividenden wäre der neue Zins-Ersatz. Wir haben diesen Unsinn hier ausgiebig behandelt. Vom jetzigen Niveau aus dauert es bei drei Prozent Dividendenrendite nur sieben Jahre, bis der DAX-Rückgang ausglichen ist. Vielleicht auch etwas länger, wenn Dividenden nicht mehr so üppig gezahlt werden. Aber das ist ja vollkommen ausgeschlossen. Also etwas Geduld bitte – wie bei RWE, E.ON – und wenn Sie es ganz ganz ganz ganz langfristig lieben, auch gerne die Commerzbank. Die Versorger waren bekanntlich immer DIE Dividendentitel, die man unbedingt haben musste. Oder Rohstoffe, vorzugsweise mit einem seltsamen Schnick-Schnack-Zertifikat, denn getankt und geheizt wird ja immer…

Die Experten wundern sich schon wieder. Dabei war Börse noch nie vorhersagbar, nur mit dem Blick in den Rückspiegel. Wäre dem so, würden Experten automatisch steinreich und müssten die Öffentlichkeit nicht mit ihren rotierenden Wegweisern segnen. Sie werden aber dafür bezahlt, nichts zu sehen. Sollten sie trotzdem etwas sehen, dann dafür, dass sie nichts sagen. Übrigens senkte die Deutsche Bank ihre DAX-Prognose für Ende des Jahres von 12.000 auf 11.300 Punkte – bzw. passte ihre Prognose den Kursen an. Denen ist es ziemlich egal, was ihnen prophezeit wird. Trotzdem liegt es voll im Trend, solchen Irrlichtern nachzujagen.

Aktien kauft man, wenn sie billig sind. Aber wann sind sie das? Meist dann, wenn Experten orakeln, die Preise können nur noch fallen wie die für Gold. Dann wurde Gold auch zum Erstaunen der Glaskugel-Jongleure teurer. Apropos Gold: Die ganz klugen Leute unter ihnen waren neulich der Meinung, dass die mehr als 5.000-jährige Tradition des Goldes in Kürze enden würde. Wie einfältig! Genauso einfältig wie zu erwarten, dass es jetzt im September in den USA zu einer Zinswende kommt.

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6 Kommentare auf "Rotierende Wegweiser"

  1. waltomax sagt:

    Früher kaufte man mal Aktien unter Würdigung der Bonität der emittierenden Unternehmen. Billige Aktien von „billigen“ Unternehmen mied man. Aber das war früher mal. Wie es jetzt gehalten wird, verstehe ich schon lange nicht mehr und halte mich raus.

  2. Hinterfrager sagt:

    Zuweilen agiert selbst die US-Notenbank gegen jegliche Markterwartung und Vernunft. Mal sehen, ob im Sabbath-Jahr 2015 Janet Yellen Ihre berüchtigte Stricknadel in diverse Blasen stechen wird…

  3. Manuel sagt:

    Das gibt bestimmt nichts mehr….

  4. Christoph sagt:

    Kann es vielleicht sein , das wir gerade Zeuge einer Neuheit an der Börse werden , dass der Crash noch vor der Prognose der „Verschwörungstheoretiker“ Eintritt 🙂 ???

    Grüße

  5. The Observer sagt:

    genau meine Meinung!!!!!!!!!

  6. Heinz Olm sagt:

    Stelle sich einer vor, es gäbe keine Analysten. Dann gäbe es einen noch größeren Überhang an Büroräumen… Analysten sind ebenso wie Wahrsager durchaus berechtigt, ihren Markt zu beackern, schließlich sind alle Teilnehmer über 18…

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