Der „Botox-Dax“

5. März 2013 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

(von Robert Rethfeld) Der Deutsche Aktienindex (DAX) ist ein so genannter Performance-Index. Das bedeutet: Die Dividenden der enthaltenden Unternehmen werden in den Index reinvestiert. In den USA nennt man so etwas „Total Return Index“. International üblich sind Kursindizes. Diese spiegeln die Kursverläufe der Basiswerte…

Der Deutsche Aktienindex (DAX) ist ein so genannter Performance-Index. Das bedeutet: Die Dividenden der enthaltenden Unternehmen werden in den Index reinvestiert. In den USA nennt man so etwas „Total Return Index“. International üblich sind Kursindizes. Diese spiegeln die Kursverläufe der Basiswerte.

Die Verläufe des DAX als Performance- und als Kursindex sind auf dem obigen Chart abgetragen. Auch der Kursindex wird von der Deutschen Börse berechnet. Danach befindet sich der DAX deutlich unterhalb der Hochpunkte von 2000 und 2007. Der DAX-Kursindex beendete den Februar mit 4.217 Punkten.

Der Sonderweg, der in Deutschland gegangen wird, ist vielen Anlegern nicht klar. Wir groß die Verzerrungen sind, wird bereits deutlich, wenn man den DAX-Kursindex mit dem französischen Leitindex CAC40 vergleicht. Der französische Leitindex wird – wie alle anderen wichtigen Leitindizes – als Kursindex berechnet.

Danach hat sich der DAX erst in der jüngeren Vergangenheit von seinem französischen Pendant lösen können. Insgesamt zeigen der DAX-Kursindex und der CAC40 einen bemerkenswerten Gleichlauf. Diese Gestaltung kommt der Realität wesentlich näher als der Vergleich mit dem künstlich aufgeblasenen Performance-Index.

Ähnliches gilt für den Euro Stoxx 50. Die Werte aus der Peripherie bremsen den Euro Stoxx 50 seit 2008 aus, so dass der DAX-Kursindex seitdem stärker performt.

In einem Europa, das den Euro als gemeinsame Basis hat, werden Indizes vergleichbar. Es erscheint lächerlich, den DAX mit Botox aufzuspritzen, wenn doch der Kursindex der international übliche Standard ist. Die Realität öffnet sich bei Ansicht der Einzelverläufe. Betrachtet man alle DAX-Werte, so können sich Chemie/Pharma/Medizin/Drogeriewerte, der Autosektor (überwiegend), sowie Sportartikel (Adidas), Software (SAP) und Anlagenbau (Linde) sehen lassen. Der Rest – und das ist der größere Teil – befindet sich deutlich unterhalb früherer Hochpunkte wie 2000 oder 2007.

Indexiert man die Verläufe einzelner Kurs-Indizes mit dem Stichtag 1.1.1990 bei 100 Punkten, so fällt die die außerordentlich gute Performance des S&P 500 ins Auge.

Dabei stellen wir den S&P 500 bereits währungsbereinigt dar. Die positive Abweichung (roter Kreis) ergibt sich nur nicht aus der Schwäche des Euro zwischen Mitte 2011 und Mitte 2012, sondern hauptsächlich durch die relative Stärke des S&P 500 gegenüber den europäischen Indizes in diesem Zeitraum.

Fazit: Die gängige Ausweisung des DAX als Performance-Index erscheint als sonderbares Relikt eines Einzelweges. Die europäische und internationale Vergleichbarkeit ist nicht gegeben. Der Botox-DAX, der jetzt auf die 8.000-Punkte-Marke zusteuert und damit so stark wie die US-Indizes erscheint, verfügt in der Realität nur über einen kleinen Vorsprung gegenüber dem CAC40 und dem Euro Stoxx 50. Zudem sollte der DAX das repräsentieren, was die Kursverläufe seiner 30 Komponenten widerspiegeln.

Man könnte die Träger des Euro Stoxx 50, des CAC40, des FTSE 100, des Dow und des S&P 500 bitten, ihre Indizes ebenfalls als Performance-Indizes zu führen. Da dies aber schwerlich gelingen wird, kann die Forderung an die Deutsche Börse nur lauten, sich international üblichen Standards anzupassen. Der DAX-Kursindex sollte derjenige sein, der in der Öffentlichkeit als DAX wahrgenommen wird. Antizipieren Sie die Entwicklung der Finanzmärkte mit Hilfe unserer handelstäglichen Frühausgabe.

Robert Rethfeld
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Ein Kommentar auf "Der „Botox-Dax“"

  1. purity sagt:

    Wenn man mit den einzelnen Aktien den DAX nachbaut, so muss man noch die Kapitalertragssteuer auf die Dividenden (und eventuelle Kursgewinne) berücksichtigen.
    Ein Index, der die Besteuerung berücksichtigen würde, wäre mal interessant. Danach müsste man noch die reale Inflation einrechnen und schon hätte man Tränen in den Augen – als Aktionär.
    Vielleicht liest das einer, der so etwas berechnen kann?
    u.A.w.g.
    🙂

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