Der böse Ben!

20. Juni 2013 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

von Frank Meyer 

Trotz aller Zuversicht der letzten Wochen, zog plötzlich irgendjemand den Stöpsel aus der fröhlichen Badewanne an den Börsen. Das Einzige, was ging, war der US-Dollar. Schnell war man sich einig: Ben Bernanke war schuld. Wirklich? Und was ist mit dem plötzlichen Frost im chinesischen Banksystem?

Ich habe mir erlaubt, mich für einen kurzen Moment vor Lachen auf dem Fußboden zu wälzen, als die FED-Pressekonferenz am Mittwoch über die Schirme flimmerte. Ich tat das, ohne zu wissen, ob ich lachen, weinen oder ein Bier holen sollte. Schließlich kenne ich doch den Satz: „Don`t fight the FED!“.  Früher stimmte der sogar. Heute aber wissen wir, dass sich die FED an morschen Geländern festhält: Arbeitslosenquote und Inflation. Und da wird es schon wieder lustig.

Auf der einen Seite eine verbeulte Inflationsrate – auf der anderen Seite eine verprügelte Arbeitslosenquote von 6,5 Prozent. Das ist das Gerüst zum Handeln der „Währungshüter“. Die Inflationsrate ist Mumpitz und die Arbeitslosenquote Betrug. Wenn man will, sinkt die Arbeitslosenquote aus Alibigründen nie wieder auf 6,5% – unter Stirnrunzeln der Experten. Solange man das aber glaubt, läuft es. Schließlich sind die Maschinen an den Börsen darauf eingestellt. Und das weiß auch Mister Bernanke.

Ja, der Ben ist schuld, hieß es, als der DAX unter 8.000 Punkte fiel. Er kündigte irgendwie und irgendwann das Ende der Anleiheaufkäufe an. Meinte er das ernst? Soweit wir wissen, beginnt gerade die Diskussion um seine Nachfolge. Mag sein, dass er Ende des Jahres noch verbal die Geldhähne schließt. Janet Yellen als seine potentielle Nachfolgerin und erklärte Anhängerin von Negativzinsen wird sie wieder öffnen. Sie braucht dafür nur einen Grund. Der ließe sich schnell finden.

Das Wort eines Fischverkäufers auf einem Jahrmarkt hat mehr Glaubwürdigkeit als die gekräuselten Sätze eines heutigen Notenbankpräsidenten. Das Mittel der Verbalintervention ist eines der vielen Werkzeuge aus dem Zauberkasten, der früher noch Harry Potter aus Hogwarts gehörte. Fast alle fallen darauf herein. Wir wissen nicht, ob der etwas spröde wirkende Professor aus Prinston nicht abends zu Hause auf dem Sofa, sollte er eines besitzen, sich bei den Marktberichten nach seinen Pressekonferenzen scheckig wie seine Krawatten lacht.

Eigentlich hat Bernanke China und Japan den monetären Krieg erklärt, als er sagte, die FED werde später und unter genannten Umständen keine Anleihen mehr zu diesen aktuell supertollen Preisen aufkaufen, um die Zinsen im Zaum zu halten. Die Chinesen besitzen hunderte Milliarden dieser Anleihen. Wenn sie diese loswerden wollen, dann also jetzt, solange Ben sie noch haben möchte. War das der Grund für den Renditeanstieg auf 2,45% für 10-jährige Papiere und den Kursrutsch der Anleihen? Und die Japaner? Sie sitzen auch auf Bergen von US-Anleihen, die wohl künftig weniger wert sind als heute noch, wenn es Bernanke ernst meinen sollte.

War der FED-Chef wirklich Schuld an den vielen Minuszeichen bei DAX, Dow, Gold, Silber, Öl, im CCI, und der frostigen Stimmung unter den Experten? Das Geschehen aus China brachte eine wirklich kalte Dusche. Der Interbankenmarkt ist inzwischen fernab der öffentlichen Wahrnehmung eingefroren. Was tut sich dort? Ohhhhhhhh!

Lehman in China?

Man nennt das Debakel eine Kreditklemme. Keiner taut dem anderen. Das passiert, wenn Banken Mittel suchen, um Verpflichtungen mit Geld nachzukommen, sie ihnen aber niemand gewährt. Die chinesische Notenbank will nicht eingreifen. Das Ding hat Sprengkraft und ist im Gerangel um Interpretationen um Bernankes „Ausstieg“ unter gegangen. Offenbar leihen sich die chinesischen Banken gegenseitig kein Geld mehr „über Nacht“. Sie werden wohl wissen warum. Die Zinssätze jagen durch die Decke wie damals bei Lehman.

Misstrauen sich die Banken, wohl ahnend, wie strapaziert ihre Kreditbücher aussehen, aus denen faulige Flüssigkeiten des „Defaults“ tropfen? Wir wissen es nicht. Vergesst Bernanke! Schaut auf China! Dort spielt gerade die Musik unter den Flügelschwingen eines schwarzen Schwans. Schwarze Schwäne haben die Angewohnheit, als Küken auf die Welt zu kommen und im Erwachsenenalter dann in irgend etwas hinein zu fliegen. Also Augen auf!


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