Der böse Kaufkraftverlust… Jetzt alles verfeuern!

7. August 2013 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

von Frank Meyer 

Haben Sie auch so große Angst vor dem Kaufkraftverlust? Die Zeitungen sind voll davon. Langsam spricht es sich ja herum, dass Gespartes auf dem Konto keine Zinsen mehr abwirft. Die Medien haben inzwischen das Thema entdeckt und auch die Anlageverkäufer finden damit ein ausschlachtbares Argument, Leute zu überreden, jetzt ihre Spargroschen loszuwerden…

Nullzins-Politik… Null-Zinsen… Da muss man sofort etwas tun, jetzt wo der DAX auch noch so schön gestiegen ist. Schließlich verlieren Sparer bares Geld, wenn sie es nur auf dem Konto liegen lassen, hört man auf SWR2. Ist es wirklich so viel Verlust, dass man dringend handeln sollte, vor allem, wenn es um die „eiserne“ Reserve geht? Eine einfache Rechnung…

Wer 10.000 Euro auf dem Konto liegen hat, unter der jährlichen (offiziellen) Inflationsrate von derzeit 1,9 Prozent leidet und sein Geld unverzinst herum liegen lässt, verliert 190 Euro Kaufkraft im Jahr. Das ist der Preis für Liquidität, den man heute zu zahlen hat. Normal ist das nicht, aber was ist heute schon normal in Zeiten der finanziellen Repression? Wahrscheinlich verliert man aber mehr als 190 Euro Kaufkraft auf 10.000 Euro. Das sind 52 Cents am Tag, ein Brötchen weniger oder 0,3 Liter Benzin. Wahnsinn! Wo soll man das überhaupt noch einsparen? Schnell mal auf dem neuen iPhone nachschauen.

10.000 Euro bei der Bank liegen haben für den Fall der Fälle? Oh ja! Man sollte aber wissen, dass man der Bank damit einen Kredit in gleicher Höhe gibt, womit sie wiederum etwas macht. Wenn Sie nett sind, lassen sie das Geld dort liegen. Wenn nicht, finden Sie einen besseren Platz für die unverzinste Baumwolle. Übergangsweise könnte man auch in den Milliarden von dauerbeworbenen Online-Rechnern nach dem besten Tagesgeld suchen. Autobanken bieten bis zu 1,5 Prozent im Jahr, was den bösen Kaufkraftverlust auf die Notfallreserve etwas erträglicher machen sollte. Doch lassen wir das und gehen von komplett unverzinsten Guthaben bei den Banken aus – so wie es inzwischen üblich ist.

Sind 3,64 Euro in der Woche ein Grund, sofort all seine Sparguthaben in etwas umzuschichten, was Anlageverkäufer empfehlen? Diese 3,64 Euro könnte man ja auch anderweitig einsparen. Derzeit jedenfalls noch. Vielleicht durch den Verzicht auf ein einziges Bier in der Kneipe? In Frankfurt ist übrigens die Schallmauer von fünf Euro für ein großes Bier überschritten worden. Zehn Mark! Nein, Bier für zehn Mark ist eine Art von Menschenrecht…

Das kleine Geld

Ich finde es erstaunlich, wie Anlagenverkäufer heute mit der Zinslosigkeit umgehen und daraus todsichere Argumente für todsichere Tipps stricken. Sie verdienen nicht nur am Verkauf von oft überteuerten Produkten, sondern auch am Umschichten der einen Anlage in eine andere. Dafür benötigen sie aber viel williges „Material“, welches ihren Tipps dankbar folgt… (Seite 2)

 

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7 Kommentare auf "Der böse Kaufkraftverlust… Jetzt alles verfeuern!"

  1. Lickneeson sagt:

    Hihihi, schön auf den Punkt gebracht.Wer jetzt seine Ersparnisse aus dem „Verlustbringer“ Tagesgeld in Aktienfonds umschichtet darf sich schon in Kürze an dem grossen Feuer wärmen, das seine brennenden Scheinchen erzeugen werden.

    Aber in Deutschland hat die mangelhafte Kenntnis in der Bevölkerung zum Finanzmarkt ja seit langem Tradition.Alles Teufelszeug.Statt sich selbst mal etwas schlau zu machen, wie z.B. vorm Autokauf, wird jedem Anzugträger und Finanzberater das Geld hinterhergeworfen.Vorzugsweise am Ende einer Hausse.

    Auch die Experten haben ja wieder hochkarätige Tips parat:

    „Nicht alle Eier in einen Korb“ – „Breit streuen“ – „Gold bringt keine Zinsen“

    Ach so, dann ist ja alles klar.Manche Marktinterviews sind so interessant und hilfreich wie Kochrezepte in Altägyptisch.

    Wer statt eines neuen IPhones ein „Idiotenhandy“ für 10 Euro kauft hat nicht nur mehr Zeit gewonnen sondern zugleich 4 Jahre Geldverlust „rausgeholt“.Wenn man dann noch vom Protzneuwagen auf einen kleinen, gebrauchten umsattelt gewinnt man schon wieder.Sparen gleich gewinnen, Donald.

    Dagobert Duck

  2. gilga sagt:

    Tja Frank, wo Du Recht hast… 😉

    Vergessen hast Du allerdings noch die gute alte Abgeltungssteuer (25% auf alles über 801€). Nehmen wir mal einen „kleinen“ Anlagebetrag von 20.000€. Und nehmen wir weiterhin der Einfachheit halber an man Investiert in einen ausschüttenden und keinen thesaurierenden Fond. Gehen wir weiterhin davon aus, dass es keine weiteren Zinseinnahmen gibt (was ziemlich dumm wäre; angesprochene Liquiditätsreserve; wären die vorhanden wird die Rechnung noch schlimmer) und es sich um einen „Single“ ohne Kinder handelt.

    Schaut man sich die „Gewinne“ in den letzten Jahre so an ergibt sich meist sowas wie:-20, 4, 7, 23, 11 (wäre so eine typische Kurve seit 2008). Eine durchschnittliche Rendite von 5%… immerhin. Schon bei den oben genannten 20.000€ darf man da jedoch in Jahr 3 (bei den 7%) 600€ Abgeltungssteuer in Höhe von 150€ zahlen. Auch in Jahr 4 (4600 – 800 = 3600€ => 900) und 5 (2200 – 800 = 1400 => 350) drücken wir so ordentlich die Rendite. In Summe also mal locker 1.400€ und da ist der Soli (+ggf. Kirchensteuer) sowie die von Dir genannten Ausgabeaufschläge + Fondsgebühren noch gar nicht dabei.

    Man kann jetzt weiter rechnen, aber schon so wird klar, dass, wenn man eine typische Festzinstreppe abschließt und die Zinseinnahmen „glättet“ man deutlich besser daher kommt. Bei bis zu knapp 4% Zinsen pro Jahr (ja, momentan nicht möglich; real wären es knapp über 2%; zumindest über der offiziellen Inflationsrate) zahlen wir nicht ein einziges mal Abgeltungssteuer. Und auch darüber sind die Beträge im Vergleich eher moderat.

    Im Gegensatz zum (sicher im Gegensatz zu 2009/2010 nicht gerade geringem) Kursrisiko und der Unsicherheit zu den Dividendenzahlungen haben wir nun etwas höheres Währungsrisiko und das Risiko von Bankenpleiten (dem Fond dürfte es in diesem Fall aber auch nicht gut ergehen; und wer glaubt das Aktienbesitzer bei einer Situation mit Zusammenbruch der Einlagensicherungssysteme etc. ungeschoren davon kommen… nun gut). Das bezahlen wir mit einer (nach Steuern!) etwas geringeren Realrendite (Differenz sollte deutlich unter 2% liegen).

    Ich glaube solche Investitionen in Richtung Fonds etc. lohnen nur wenn wirklich „viel“ Kapital vorhanden ist, so dass sich eine Streuung (mit Langfristperspektive) empfiehlt und das Thema Abgeltungssteuer so oder so durch Liquiditätsreserve + Festverzinsliches auf den Tisch kommt.

    PS: Am Besten gefallen mir die Leute die ihre Autos/Telefone/… finanzieren und zugleich Geld in Fonds anlegen. Ja, so sieht Erfolg aus… 😉

    • Frank Meyer sagt:

      Gut auf den Punkt gebracht… man finanziert eine Kapitalanlage 🙂 wie ein Haus mit vermeintlicher Planungsssicherheit von 30 Jahren und alles schön inkl. Kindergeld auf Kante genäht. So macht Investieren richtig Spaß! Vor allem die Einweihungsparty!

  3. Jochen sagt:

    Hallo Herr Meyer !

    Die Sache mit der Inflation ist und bleibt eine wundersame Sache. Ich bleibe dabei, dass eine offizielle Inflationsrate Blödsinn ist,da die Rate pro Haushalt total unterschiedlich ist.

    Hervorragend sparen (ohne Qualitätsverlust) kann man besonders einfach, wenn man beim Einkauf akribisch auf Preisunterschiede achtet und sich halbwegs professionell organisiert. Die Preiskluft alleine bei Lebensmittel ist teilweise gigantisch und ‚bringt‘ im Jahr etliche Hunderter.

    Die Sache mit dem Ausgabeaufschlag scheint sich tatsächlich noch nicht herumgesprochen zu haben……

    Bedenklich finde ich in diesem Zusammenhang, dass ‚Experten‘ wie Z. Bsp. Robert Halver schwafeln, man müsse zu 60 % in Aktien sein. Der Mann macht eigentlich einen guten Eindruck auf mich, aber an der Stelle scheint er mir völlig daneben.

  4. Avantgarde sagt:

    Vielen Dank!

    Ein Artikel bei dem ich jetzt mal uneingeschränkt zustimmen muß!
    🙂

    Und stimmt schon der pöse Kaufkraftverlust ist kaum zu kompensieren – einmal im Monat auf das erste Feierabendbier zu verzichten ist unvorstellbar.
    Lieber ganz sichere Sachwerte die auch garantiert im Wert steigen – also so was sie K+S….. Die anderen Bluechips wie Enrons, Kodaks, Worldcoms lassen wir jetzt der Vergesslichkeit halber weg.
    🙂

    Der Schönheitswettbewerb der sogenannten Sachwerte – wobei es nur darum geht was wohl der nächt grössere Idiot als man selbst auf den Tisch legen wird – geht weiter.
    Und klar – am Top waren Aktien auch schon seit Generationen eine Kaufgelegenheit.
    🙂

    Wenn man auf Freie Liquidität verzichtet bekommt man eine Prämie in Form von Zinsen.
    Über den Begriff „Freie Liquidität“ wird man sich wohl erst so richtig im Klaren sein wenn der Gegenpart plötzlich ausfällt.

    Ich glaube langsam, wir liegen in den letzten Zügen – die aller letzten Grössten Narren werden gesucht.
    Damit die Bigboys auch noch rechtzeitg rauskommen.

  5. Michael sagt:

    Wer weniger kauft und konstant ein Betrag aufwendet hat keinen Kaufkraftverlust. Die Kunst besteht darin nicht zu kaufen. Billiger reicht nicht. Das Ziel ist ja nicht der selbe Güterberg.

    Dann legt man halt 200 EUR aufs Sparbuch dazu. Das genügt trotzdem möglw. einen Hunderter mehr.

    Inflation wirkt auch nicht zwingend auf große Sparguthaben im gleichem Maße. Wenn die Häuser wieder gegen 50% vom aktuellen Preis zurückkommen, kann man sich locker eines kaufen. In solchen Fällen ist es eher bitter, da die Inflation gemessen auf die Güter des täglichen Bedarfs ganz Jahresnettogehälter (oder Teile davon) frisst, bezogen auf ein Durchschnittseinkommen. Das kann man so leicht nicht einlegen. Das kann zwar bei 10k EUR genauso gelten, das wäre eher das Kriterium. Aber wer das nicht schafft, der hat sowieso ein Problem – der muss was tun sonst verhungert er/sie auf Dauer.

    Es sind ja allein just jene Preise betroffen die künstlich geglättet sind. Die Produkte des alltäglichen Lebens. Beim Gemüse geht es so einfach eh nicht mehr. Klar bezogen auf die gelieferten Mengen (9 Semmerl statt 10 im Netz usw.) ist die Inflation relativ hoch. Wichtig ist dabei eher, dass man die Schummelei wahrnimmt. Bei uns werden Semmerl eingefroren und bei Bedarf aufgetaut. Der systematische ‚Betrug‘ ist größer. Da ist der Staat dahinter, dass das nicht auffällt.

    Wir führen auch noch ein Haushaltsbuch. Die ist nicht HVPI oder dem CPI gleich.

    In einem Wirtschaftssystem indem in einer 3er Beziehung allein zu Ungunsten von Dritten kann ein Geschäft gemacht werden ist bei Fondesgellschaft + Bank + Mensch der Verlierer klar auszumachen. Zumal eine Bank zumeist im Spiel ist, kann man davon ausgehen, dass man der Verlierer ist.

    Genauso wie bei Tarifverhandlungen der (Arbeitgeberseite + Arbeitnehmerseite) + Staat – Nachteil hat der Bürger. Es geht ja nicht die Erhöhung seiner Entlohnung:)

    Man darf aber einen Fehler nicht machen. Einerseits geht die Tendenz eher in Richtung Preisfindung auf Produktebene, aber die Inflation auf den Korb. Kaum tut sich irgendwo im Umfeld Wert und Bewertung ein Argument auf, haben sie schon wieder die schmierigen Hobbyanlageberater auf der Matte.

    Es ist besser Dependencies aufzulösen. Weniger kaufen, das dafür aber genau monitoren. Dann bekommt man gutes Gefühl für die Schlechtigkeit der Welt.

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