Der Beweis: Diesmal ist alles anders!

19. Oktober 2013 | Kategorie: Gäste

von Andreas Hoose

Früher war Börse langweilig. Negative Divergenzen beispielsweise, wie man sie derzeit zuhauf bei allen wichtigen US-amerikanischen Indizes findet, wurden noch vor wenigen Jahren regelmäßig nach unten aufgelöst: Die Aktienmärkte sind gefallen. Zuletzt war das so im Sommer 2011, wie der folgende langfristige Verlauf des S&P 500 zeigt. Achten Sie auf die roten Linien…

SPX lang WK-18-10-2013

Doch glücklicherweise haben sich die Zeiten radikal geändert. Diesmal werden die Kurse nicht fallen, nur wegen ein paar alberner Divergenzen. Denn wie wir alle wissen, wird die US-Notenbank mit viel billigen Geld dauerhaft dafür sorgen, dass die Aktienmärkte gar nicht mehr fallen KÖNNEN !

Herrlich!

Und wer sich womöglich dunkel daran erinnert, dass die Worte in der Überschrift gelegentlich als „teuerste Börsenweisheit überhaupt“ bezeichnet werden, der sollte solchen Quatsch nicht glauben. Natürlich ist diesmal alles anders.

Wir werden das jetzt beweisen:

Nehmen wir nur den Energieboom in den USA, der gerade durch das so genannte „Hydraulic Fracturing“, auch „Fracking“ genannt, ausgelöst wird. Bei dieser Technologie zur Förderung von Schiefergas aus tiefen Gesteinsschichten, im deutschen Sprachgebrauch ist auch von „hydraulischer Risserzeugung“ die Rede, werden Chemikalien in die Erde eingepresst, um diese aufzureißen und das dort lagernde Gas leichter fördern zu können.

Die Technik ist uralt und zeigt, wie schlau schon unsere Großväter waren: Fracking wurde in den 1940er Jahren entwickelt und 1949 erstmals kommerziell eingesetzt.

Möglich wurde der jüngste Gas-Boom in den USA nur durch den unnachahmlichen Weitblick von US-Präsident George Bush junior. Weil er das riesige Profitpotential der Technologie erkannte, änderte Bush im Jahr 2005 die Umweltschutzgesetze und nahm das Fracking aus der Trinkwasserschutzverordnung. Ein genialer Schachzug, denn seither kann das widerspenstige Schiefergas mit brachialer Gewalt und ohne lästige Umweltauflagen aus der Erde geholt werden.

Der Clou dabei: Weil auch noch kümmerliche Gasbestände im Gestein zugänglich gemacht werden, sinken langfristig die Energiepreise.

Volkswirtschaftlich gesehen ist das natürlich eine tolle Sache.

Nun hat zwar eine Studie des Brüsseler Bruegel-Instituts Anfang Oktober ergeben, dass nicht niedrige, sondern tendenziell hohe Energiepreise zu nachhaltigem Wirtschaftswachstum führen. Angeblich sei dann der Wettbewerbsdruck größer, was die Firmen dazu veranlasst, Innovationen voranzutreiben, was letztlich zu zukunftssicheren Arbeitsplätzen führt. Doch das ist natürlich blanker Unsinn.

Das beste Beispiel sind die Verreinigten Staaten. Dort sieht man, wie die Technologie die Volkswirtschaft geradezu beflügelt, was sich schon bald auch in den konjunkturellen Kennzahlen zeigen wird.

Denn Fracking drückt ja nicht nur die Energiepreise. Die Technologie hat weitere segensreiche Konsequenzen: So wurden etwa im US-Bundesstaat Ohio seitdem man die Erde dort im großen Stil mit hydraulischen Bohrern aufreißt, stolze 109 Erdbeben registriert!

Dazu muss man wissen, dass es vorher in Ohio über viele Jahrhunderte überhaupt keine Erdbeben gegeben hatte. Jetzt ist das endlich anders, und der volkswirtschaftliche Nutzen kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden: Durch die zahlreichen Gebäudeschäden profitiert die gesamte Bauindustrie. Heimwerkermärkte boomen! (Seite 2)

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2 Kommentare auf "Der Beweis: Diesmal ist alles anders!"

  1. Avantgarde sagt:

    Für billige Energie tut der Mensch einfach Alles!

    Nicht genug damit Radionuklide aus der gebunden natürlichen Form zu lösen, zu pulverisieren und mikroskopisch klein über den ganzen Erdball zu verteilen.
    Nein auch das Grundwasser darf für Generationen getrost geopfert werden.

    Der Schiefergasboom wird nicht sehr lange anhalten – dazu fallen die Fördermengen viel zu schnell. Die langfristigen Schäden an den Lebensgrundlagen für die Menschen aber werden noch sehr lange erhalten bleiben.

  2. bluestar sagt:

    Für billige Energie, für einen kleinen Vorteil in seinem kurzen und unbedeutenden Leben, selbst auf Kosten nachfolgender Generationen oder auch gern auf Kosten lebender Artgenossen macht dieser Affe mit Smartphone wirklich Alles.
    Und die Unteraffen wählen dann die Oberaffen der Herde um von ihnen dominiert zu werden. Tragisch für die Evolution und den Fortbestand ist allerdings , dass während in einer normalen Affenherde zum Schutz der Herde und zum Überlaben der Art die Starken und Klugen führen dies bei den Affen mit Smartphones offensichtlich nicht so ist.

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