Der Aktienindex: Ein fremdes System

12. Oktober 2015 | Kategorie: RottMeyer

von Bankhaus Rott

Wenn es bei der Geldanlage um Aktien geht, wird meistens von Indizes wie dem DAX oder S&P 500 gesprochen. Mittlerweile geben sich viele damit zufrieden, diese Indizes ohnehin nicht schlagen zu können. Warum man sich da so sicher ist und warum jeder Index nicht mehr als ein Handelssystem von vielen ist, bleibt unklar…

Wer etwas zum Thema Resignation lernen möchte, der ist am Finanzmarkt gut aufgehoben. Völlig entkoppelt von Gehaltsforderungen und Gebühren breitet sich die Meinung aus, den „Markt“ ohnehin nicht schlagen zu können. Die Definition von „Markt“ fällt, wie es bei Aussagen rund um den Finanzmarkt nicht unüblich ist, eher schwammig aus. Was ist der Aktienmarkt, den man nicht schlagen kann? Ist es der MSCI World als globaler Index? Ist es der schmale DAX oder der Dow Jones Industrial Average, der wie der Name schon sagt, ein Durchschnitt und kein Index ist?

Gewohnheitsmäßig picken sich viele immer den Teil des globalen Aktienmarktes heraus, der für einen selbst relevant erscheint oder dessen Wahl Vorteile mit sich bringt. Man könnte auch sagen, man nimmt den Teil, der einem gerade passt. Das gilt für Anleger wie Geldverwalter gleichermaßen. Der Geldverwalter pickt sich im Nachhinein diejenigen Indizes heraus, die er geschlagen hat. Der Anleger hingegen schaut auf die Indizes, die sein Depot oder seinen Fonds abgehängt haben. Man kann es halt nicht allen recht machen, schon gar nicht gleichzeitig.

Ausgeblendet wird beim Blick auf die Indizes, dass diese nichts anderes sind als sehr rudimentäre Handelssysteme mit (meistens) exakten Regeln. Wann welcher Titel auf Grund welcher Kriterien in einen Index aufgenommen wird oder aus diesem heraus fliegt ist klar geregelt. In Ergänzung zu Eintritts- und Rauswurfschwellen gibt es klare Regeln zur Gewichtung der Einzeltitel. Meistens werden die Titel nach ihrem aktuellen Börsenwert, der Marktkapitalisierung, gewichtet. Das klingt logisch, und mag für einen Index eine einfach umsetzbare Idee sein.

Ob dies jedoch eine schlaue Idee für die Geldanlage ist, darf man bezweifeln. Macht es Sinn einen immer größeren Anteil seines Depot in eine Firma zu investieren, die einen höheren Börsenwert hat? Wir bezweifeln das. Abgesehen von der Problematik, wenige dominante Titel im Portfolio zu haben, neben denen weite Teile kleinerer Firmen den Charakter einer Salatgarnierung haben, stellt sich auch die Frage, inwiefern so etwas ohne Rücksicht auf die Bewertung sinnvoll ist. Auch ein Unternehmen ohne Gewinne, dass sich an einer Vision oder an der price-to-clicks-Ratio misst kann einen hohen Börsenwert haben. Ob man so etwas haben muss, darf bezweifelt werden. Wie auch immer man diese Frage beantworten mag, einfach ohne Nachzudenken Geld auf ein fremdes System zu setzen ohne es zu hinterfragen ist in der Regel keine gute Idee.

Bezieht man die mittlerweile selbst vermittelte Ahnungslosigkeit einiger Branchenvertreter in die Betrachtung ein, so stellt sich folgende Frage. Einmal angenommen, man könne den Markt nicht schlagen. Dies würde im Umkehrschluss bedeuten, die Ergebnisse der Aktienauswahl wären mehr oder weniger zufällig. Warum aber sollte man dann den einen Titel, von dem man nicht weiß, wohin er sich bewegt, nur auf Grund seines höheren Börsenwertes stärker gewichten, als den anderen Wert, nur weil er einen geringeren Börsenwert hat? Müsste man nicht eher zu einer Gleichgewichtung tendieren, die jeder Wette mit ungewissem Ausgang das gleiche Gewicht beimisst?

Die Gleichgewichtung ist nicht der Weisheit letzter Schluss, bei einem großen Fonds ist es teilweise weder sinnvoll noch möglich, die kleinsten Nebenwerte so hoch zu gewichten wie etwa eine BASF. Aber die Denkrichtung ist vernünftig.  Auf diesen Trichter sind mittlerweile durchaus einige Anleger gekommen, so dass die Gleichgewichtung als erste Stufe im Umgang mit der professionelleren Ahnungslosigkeit gelten kann. Das ist keinesfalls despektierlich gemeint, denn es zeigt, dass selbst bei einer unterstellten Ahnungslosigkeit, das eigenständige Nachdenken zu etwas führen kann.

Das hat für Anleger zwei Implikationen. Zum einen sollte sich jeder darüber klar werden, welche Art der Gewichtung man für sinnvoll hält. Andererseits lohnt sich der Blick in die Unterlagen ihrer Fonds, vor allem bei Mandaten mit Performance-Gebühren. Wählt der Geldverwalter eine andere Gewichtung als die zu Grunde liegende Benchmark, so sollte man einen kurzen Blick auf den im Fondsprospekt genannten Vergleichsindex werfen. Wer mit einer schlichten Gleichgewichtung arbeitet, der sollte sich auch an einer gleich gewichteten Benchmark messen lassen. Andernfalls überlagert die Gewichtungssystematik oft den Beitrag der Aktienselektion.

Aktienauswahl und Gewichtung sind zwei unterschiedliche Entscheidungen eines Geldverwalters und diese sollten auch getrennt beurteilt werden, selbst wenn es natürlich am Ende auf den Gesamtertrag ankommt. Wer sagt, er könne das eine oder das andere nicht, sollte auch nicht dafür bezahlt werden.

 

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