Der Adler landet

16. Dezember 2011 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer, Slideshow

von Bankhaus Rott

Klare Worte fand Lakshman Achuthan in seinem Report zu einer baldigen Rezession den USA. Achuthan, Chef des Economic Cycle Research Institut (ECRI),  ist keineswegs einem Lager schlecht informierter Schreihälse zuzuordnen. Das Institut ist in der Vergangenheit vielmehr durch Bedacht aber dennoch klare Aussagen aufgefallen…

Die nach Ansicht des Instituts kommenden Entwicklungen in den USA fasst man bei ECRI mit dem Satz If you think this is a bad economy, you haven’t seen anything yet kurz und bündig zusammen.

Bei ECRI sieht man wachsende Probleme für die Politik, der wuchernden Probleme Herr zu werden. Für Europäer ist dies bereits gelebter Alltag. Die Wirtschaftsentwicklung bilde zwar weiterhin zyklische Zwischenhochs, befinde sich aber in einem übergeordneten, weil strukturellen Abschwung. Eine vorzügliche Darstellung der ökonomischen Großwetterlage. Im Kleinen kennen so etwas viele Marktbeobachter vom Aktienmarkt. Seit 2000 per Saldo abwärts. Selbst wenn es nach deutlichen Abstürzen mal fix ein paar Hundert Punkte rauf geht, langfristig kommt man – bestenfalls  – nicht von der Stelle.

Der wöchentliche vorlaufende Index des ECRI-Instituts deutet mittlerweile darauf hin, dass die USA in Kürze wieder in eine Rezession eintreten. Wir haben an dieser Stelle eine alternative Darstellung der Zeitreihe gewählt, die zeigt, wie sich der aktuelle Indexstand historisch einordnen lässt. Von einer strukturellen Besserung kann keine Rede sein.

Der Verlauf erinnert an die Abwärtstendenz des Konsumentenvertrauens in den USA. Die wunderbare und glanzvolle Erholung der vergangenen Jahre entpuppt sich als fade Melange aus Basiseffekten und fehlgeleiteten Hoffnungen. Der Index spiegelt in eindrucksvoller Weise die Entwicklungen inflationsbereinigter Datenreihen wieder. Von nominalen Anstiegen lässt sich der Index nicht blenden.

Von den Medien hingegen werden nominale Anstiege, von denen nach der Bereinigung nichts bleibt, dennoch gefeiert. Einige Vertreter der Makroökonomie spielen dieses Spiel mit. Das liegt vermutlich daran, dass diejenigen Vertreter der Volkswirtschaft, die im TV zu sehen sind, bis zum Jahr 2000 sozialisiert wurden. Wer aus einer verwöhnten Wirtschaftskinderstube stammt, hat derzeit vermutlich ein Problem mit der Vorstellungskraft.

Es waren lange Zeiten, in denen alles stieg,  und wenn es mal nicht klappte, kam Onkel Greenspan mit seinem Speckledermäppchen hereinspaziert, erzählte wirre Geschichten und senkte dann die Leitzinsen, damit es auch mit den Aktien klappt. Der eine oder andere, der diese Zeiten miterlebt hat, kann sich möglicherweise nicht mehr vorstellen, dass auch das heißgeliebte buy-the-dips nicht ewig funktioniert. Fragen Sie mal einen Aktionär der Commerzbank. Auch der ewige Lärm um Zinssenkungen (gähn) ist über alle Maßen erstaunlich. Was sollen diese im großen Stil bringen, wenn Private und Unternehmen ihre Kredite per Saldo reduzieren?… (_Seite 2_)

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5 Kommentare auf "Der Adler landet"

  1. wolfswurt sagt:

    Zinssenkungen, Steuersenkungen oder ein Abbau von Regulierungen führen zu keiner Verbesserung der wirtschaftlichen Verhältnisse, wenn der Peak-Imperium überschritten ist.

    Im alten Rom dauerte der Prozess, Verfall mit Erhohlungen dazwischen, bis zum völligen Zusammenbruch 350 Jahre.
    Allerdings ging dem ein Aufstieg von über 600! Jahren voraus.

    Die USA wird für den Abstieg weniger als Rom benötigen, weil deren Aufstieg nur ein Bruchteil vom Aufstiegs Rom war.

    Der Weg ist Welle auf Welle nach unten gerichtet.

  2. Johannes sagt:

    Ich sehe das ganze Geldsystem mittlerweile als eine einzige Magelwirtschaft an.

    Banken buchen bei einem Kredit, im Rahmen von unzureichenden Vorschriften, einfach eine Zahl in den PC, den sie als Kredit ausgeben. Dabei wird jedoch nur die Kreditsumme gebucht, aber nicht die zu zahlenden Zinsen.

    Dh. für mich, jeder Kredit bedingt einen Mangel an Geld.

    Je höher die Zinsen, umso höher der Mangel. Je mehr Kredit, umso höher der Mangel.

    Klar hat Greenspan mit der Senkung der Leitzinsen „Erfolg“ gehabt, er hat einen Mangel behoben.

    Die Amis beheben einerseits mit QE gewissermaßen einen Mangel, weil die Zinsen günstig sind, Schulden aber dennoch immer mehr auf was das ganze letztendlich wieder aufhebt.

    Daher ist es für mich auch logisch, dass ein ewiges Aufschulden nichts bringen kann, weil der Mangel immer größer und größer wird.

    Nur so meine Gedanken zum tollen Bankhaus Rott- Artikel. 🙂

    • Fnord23 sagt:

      Noch einer. Es tut so gut, wenn man nicht alleine ist.

      Der Kapitalismus als Wirtschaftsordnung und der Debitismus als Finanzordnung sind im Grunde Mangelsysteme.

      Für diese Aussage wurde ich letzens fast gesteinigt.

  3. crunchy sagt:

    Srukturelle Probleme, sind das Stichwort, das heute für ein ganz normales, einfaches Problem herhalten muss. Hergeleitet wir es in dem Bewusstsein, dass es an vielen Ecken und Enden hakt. Man sieht, dass Erwartungen nicht eintreffen und verliert sich in der Vielfalt der Störungen. Meine bescheidene Lebensweisheit ist: willst Du einen Problem lösen, suche nach seinem Grund. Diesen findet man, wenn man den gemeinsamen Nenner aller Probleme sucht. Man vereinfacht eben.
    Meine beste Aktienperformance hatte ich mit Tips im Japan-Boom. Meine schlechteste auch: Danach war ich per Saldo unter Wasser! Darauf fing ich an, mir meine eigenen Gedanken zu machen: Wieso kann man mit den qualitaitv hochwertigen japanischen Produkten kein Geld mehr verdienen?
    Den Aktiencrash hatte unbestritten die jap. Notenbank mit Zinseröhungen
    ausgelöst. Zinssenkungen verhinderten aber die anschliessende, immer noch andauernde Deflation nicht. Kurz: Keine mögliche Notenbankpolitik
    hat das Dilemma bis heute beseitigen können. Das Dilemma: Überproduktion durch technischen Fortschritt steht mangelnder Nachfrage gegenüber. Die Nachfrage kann aber durch Gelddrucken nicht angeregt werden, da seit Menschengedenken nur Werte gegen Werte getauscht werden können. Folge: Die Japaner verkaufen zunehmend das Gold, das sie sich in den fetten Jahren zugelegt haben. So werden wir das auch bald tun. Diese „strukturellen“ Zyklen ziehen sich, gerade vor dem Hintergrund ausgleichender Globalisierung (Handelsabkommen z.B.)in immer grössere Längen. Abkommen, d.h. Politik sind deshalb das Beste, was es gibt, wenn man ihre Schwächen versteht: Sie sorgen für Frieden. Das Zweitbeste ist Krieg: Er sorgt für Nachfrage. Vielleicht werden uns die Chinesen zeigen, dass es noch etwas Besseres gibt: kompromisslose Härte im Inneren und Frieden mit der Welt. Kleiner Mangel: Korruption. Die hat allerdings nur die Funktion des nicht regelbaren Ausgleichs, fördert das Zusammenleben also. Es klappt prinzipiell seit 3000 Jahren und das mit so vielen Menschen.
    Bitte keine Nobelpreise: Für Wirtschaft oder Frieden: Die haben manchmal auch Leute erhalten, die es nicht wert sind. Danke!

  4. Fnord23 sagt:

    Hallo crunchy
    „Das Dilemma: Überproduktion durch technischen Fortschritt steht mangelnder Nachfrage gegenüber…“

    Es mangelt erst an Nachfrage, die Überproduktion ergibt sich daraus. Aber nur, weil es für große Konzerne nicht möglich ist, die Produktion zurück auf Nachfrageniveau zurückzuführen? Die Vorlieferketten sind so ausnivelliert, dass das fast nicht geht.

    Die Boom und Bustphasen, ausgelöst durch die Struktur des Finanzsystems und die staatlichen Eingriffe kommen in immer kürzeren Abständen. Das macht ein gesundes Wirtschaften immer schwieriger.

    Das Problem ist, dass unsere Welt zyklisch abläuft. Der Mensch es eben gern linear hätte. Er versucht aus diese Zyklen eine lineare Entwicklung zu machen. Das gelingt auch eine Weile. Wer gegen Gesetzmäßigkeiten kämpft wird immer verlieren.

    destruktiver Lösung: Zerstörung und Krieg

    konstruktive Lösung: Bewußtseinswandel und neuer Technologieschub

    Ich denke die Kräfte, die eine konstruktive Lösung bevorzugen werden diesmal gewinnen.

    VG aus Sachsen

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