Der Abschied der sicheren Hände?

29. Juli 2013 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

von Ronald Gehrt 

Irgendwie kommt man momentan gar nicht auf die Idee, dass die über vier Jahre währenden Aufwärtstrends an den Aktienmärkten in nächster Zeit zu Ende gehen könnten. Zu viele kritische Phasen wurden durch die Flut des billigen Geldes einfach niedergewalzt…

… und es ist nun einmal normal, dass die Marktteilnehmer umso mehr der tückischen Emotion vermeintlicher Sicherheit verfallen, je länger ein solcher Aufwärtstrend andauert

Aber ist denn alles wirklich so friedlich, so bullish, wie es auf den ersten Blick erscheint? Im Augenblick geht man nicht davon aus, dass die „akommodierende Geldpolitik“, wie sie so schön genannt wird, in unmittelbar nächster Zeit enden wird. Einerseits, weil man momentan nicht genug Wachstum generieren kann, um sich das Entfernen der Krücke in Form des billigen Geldes leisten zu können. Andererseits, weil die EZB die Fortführung dieser Politik für die nächste Zeit versprochen hat und man mit Blick auf die sich regelmäßig widersprechenden Aussagen der US-Notenbank zumindest davon ausgeht, dass man sich dort kurzfristig nicht trauen wird, den Geldhahn zuzudrehen. Aber es könnte durchaus sein, dass sich insbesondere die Entscheider bei den großen Adressen über folgende Problematik sehr wohl im klaren sind:

Die Ertragslage der Unternehmen entspricht in den letzten Monaten angesichts der bislang bekannten Quartalsbilanzen aus den USA ebenso wie der aus Europa erstaunlich oft nicht mehr den Erwartungen. Und das, obwohl bislang noch kein einziger Euro oder US-Dollar weniger in die Anleihemärkte fließt. Gleichzeitig steigen langsam die Zinsen, in Deutschland ebenso wie in den USA. Das drückt noch mehr auf die Unternehmensgewinne, noch mehr auf den Konsum und zudem verteuert es die Refinanzierung der ohnehin überschuldeten Staatshaushalte. Was passiert, wenn sich die Notenbanken irgendwann darüber klar werden, dass sie ihre durch die jahrelang vollzogenen Anleihekäufe gigantisch aufgeblähten Bilanzen selbst in 10 oder 20 Jahren nicht mehr auf ein erträgliches Niveau herunterbekommen werden und die Notbremse gezogen wird, indem in einer solchen Situation auch noch Bestände von dort in den Markt gegeben würden?

Gut, da man sich auch entsprechend leichtfertig auf diese Spielchen einließ, darf man durchaus argumentieren, dass man sich dieser Gefahren, konkret der völlig unvorhersehbaren Konsequenzen eines Rückführens ihrer Bilanzen durch die Abgabe der gigantischen Bond-Bestände in den Markt, ebenfalls nicht bewusst ist. Aber dennoch schwebt dieses Problem wie ein Damoklesschwert über den Märkten, die, wie man auch angesichts der sukzessive schwindenden Wachstumsdynamik in China und Indien erkennen kann, langsam Konditionsschwächen aufweisen.

Wir sehen hier möglicherweise das natürliche Ende einer ohnehin schwach ausgeprägten Wachstumsphase, die nur entstanden ist, weil man durch die Politik des billigen Geldes versuchte, eigentlich unumgängliche und für eine Gesundung der Weltwirtschaft notwendige brutale Konsequenzen der fehlgeleiteten Politik der letzten 30 Jahre zu vermeiden. Es ist nun einmal so, dass sich Wachstum und Rezession in Zyklen bewegen. Und es darf nicht überraschen, wenn ein solcher Zyklus jetzt, in dieser Gemengelage, mit einer insbesondere in den USA und in großen Teilen der Eurozone erschreckenden, neuen „Sockelarbeitslosigkeit“ und fatalen Niveaus in der privaten wie der öffentlichen Verschuldung enden würde.

Was würde passieren, wenn sich die Entscheider unter den großen Adressen dieser Welt nicht nur bewusst wären, sondern auch aktiv darauf hinarbeiten, nicht mitten im Feuer zu stehen, wenn diese Blasen platzen? Sie würden versuchen, irgendwie ihre Bestände so gut und schnell wie möglich an diejenigen zu verhökern, die großenteils immer noch an den ewigen Aufschwung und an ein egal wie zu fabrizierendes gutes Ende dieses bösen Spiels glauben: an die Privatanleger. Aber gibt es denn irgendwelche Anzeichen dafür? (Seite 2)

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