Der (draghische) Aberglaube an Papier und Geld

20. September 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

(von Frank Meyer) Wie lange ist Herr Weidmann noch der Bundesbank-Chef? Es spielt eigentlich keine Rolle, hat doch die Bundesbank als Stimme in der EZB ohnehin kein Gewicht mehr. Vielleicht gibt es noch ein paar Mahnungen aus dem einst so hohen Haus, verbunden mit ein paar Schlagzeilen. Dafür redet Weidmann jetzt offen über Papier und Geld…

Wie oft wird er sich das gewünscht haben? Jetzt, wo seine nie vorhandene Macht geschwunden ist? Wir wissen es nicht, allerdings sind seine Worte einer Begrüßungsrede auf dem Kolloquium des Instituts für bankhistorische Forschung in Frankfurt wohltuend und ehrlich offen.

„Heutiges Geld ist durch keinerlei Sachwerte mehr gedeckt. Banknoten sind bedrucktes Papier – die Kenner unter Ihnen wissen, dass es sich im Fall des Euro eigentlich um Baumwolle handelt.“

… und hat den alten Goethe und Faust II bemüht. Das hat schon was in Zeiten, in denen alle von Rettungen reden, indem sie das Streichholz an den Benzinkanister halten. Aberglauben ist hartnäckig, hartnäckiger als Papiergeld.

Täglich fallen neu die Hüllen. Wie erfrischend! Man wird doch wohl noch denken und diskutieren können in Zeiten, in denen es am nötigsten erscheint, sagte mir neulich ein Chefvolkswirt. In der Geschichte ging das mit dem Papiergeld (Baumwollgeld) immer schief. Eigentlich sollte das jeder Chefvolkswirt wissen. Aber… Das weiß der Bundesbankchef sicherlich schon länger.

Früher hätten Weidmanns Worte für einen Stoff mancher Verschwörungstheorie oder für eine schnelle Überweisung an einen guten Psychologen getaugt. Wie sich die Zeiten doch ändern. Heute liegen die alten Dinge aus der Geschichte, wie sie immer schon funktionierten oder eben nicht, klarer auf dem Tisch – auch wenn sich niemand darum sorgt bzw. kümmert. Das machen Geschichte und Mathematik von ganz allein, auch wenn Weidmanns Worte von denjenigen, die sie betreffen, ungehört bleiben.

Warum reden mehr und mehr Leute Klartext, denen man es nie zugetraut hatte? Weil sie nichts zu verlieren haben? Weil es ihnen stinkt? Weil die Realität eine andere ist als die aus den Medien? Weil die Erfahrungen aus der Historie mehr Gewicht haben als Durchhalteparolen? Zumindest kann der Bundesbank-Chef später sagen, er hätte vor den Schwierigkeiten gewarnt. Steckt dahinter ein Sinneswandel? Oder ist es eine persönliche Art und Weise für Krisenvorsorge, eben später sagen zu können, ich war ja im „Widerstand“? Wir werden es sehen.

Nur Baumwolle

Soso, der Euro ist gar nicht aus Papier, sondern aus Baumwolle. Von daher erübrigt sich auch die Berechnung der Holzmenge und Waldfläche, die für ein buntes Zettelgeld zum Opfer fallen. Ein 50-Euro-Schein wiegt 0,92 Gramm. Eine Million Euro also 18,4 Kilogramm. Diebe mit einer Million Euro rennen mit 18,4 Kilo Baumwolle umher – dieser Aufwand. Es wäre schlichtweg irre, wenn das der Dieb wüsste. Da dem modernen Geld magische Dinge nachgesagt werden und die Leute das glauben, sieht die Sache schon anders aus. Und wer es nicht glaubt, der bekommt schnell die Macht des Staates und der Zentralbank zu spüren. Sonst könnte ja jeder Baumwolle auf dem Kopierer vervielfältigen.

Eine Milliarde Euro in 50 Euro-Scheinen wiegen 18,4 Tonnen und eine Billion Euro entsprechend dem Tausendfachen, 18.400 Tonnen oder 0,07 Prozent der Weltjahresproduktion an Baumwolle. Keine Sorge! An Geld wird es nicht mangeln. Es wächst nach – ob im Wald, auf dem Feld oder in den Notenbanken. Sie müssen sich nicht sorgen. Wirklich nicht!

PS: Notenbanker schaffen es ja, in einem Satz etliche Lügen so zu verbauen, dass Märkte wie jetzt beim japanische Notenbankchef Masaaki Shirakawa reagieren. „Die BoJ hielt ein Handeln für erforderlich, damit die Wirtschaft nicht vom Kurs abkommt“. Er will mit der Lockerung der japanischen Geldpolitik die Erholung der Wirtschaft sicherstellen. Welche Erholung? Welche Sicherung? Welche Lockerung, wenn alles schon lose umher schwirrt? Das erinnert doch an den Chef des AKW-Betreibers Tepco. Da war auch alles in Ordnung. Eigentlich hätten beide rufen können: „Wir sind hilflos, wir können nicht anders!“


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10 Kommentare auf "Der (draghische) Aberglaube an Papier und Geld"

  1. 4fairconomy sagt:

    Das meiste Geld ist heute nicht mal mehr Papiergeld sondern Bit-Geld, also praktisch rein virtuell. Nur noch eine Information, fast ohne jegliche Materie. So lässt es sich auch in Millisekunden in beliebiger Höhe um den Globus verschieben. Und von den Geschäftsbanken fast beliebig vermehren. Genau genommen ist das meiste Geld kein Notenbankgeld sondern nur ein Geldsurrogat, ein Anspruch auf Notenbankgeld. Und trotzdem funktioniert die weitaus grösste Mehrheit der Transaktionen mit diesem virtuellen Giral- bzw. Geschäftsbankengeld oder Kreditgeld, weil es nur durch Kreditvergabe entstehen kann. Fast jeder vertraut darin, dass sich dieses Giralgeld problemlos in Zentralbankengeld umwandeln lässt. Und so lange man damit zahlen kann, ist es eigentlich den meisten Wurst, worin die Zahlungseinheit besteht. Es ist nur eine Information.

    Ohne Strom wäre das Giralgeld allerdings alle. Die Bits auf den Datenträger unlesbar. Die Welt steht unter Strom. Ohne Strom kein Giralgeld. Trotzdem ist nicht der Strom Schuld an die wirtschaftlichen Verwerfungen und niemand käme auf die Idee, der Finanzwelt den Stecker zu ziehen, weil sie mit dem Strom immer wieder toxische Blasen produziert.

    Die Tauscheinheit „Geld“ erhält letztlich ihren Wert durch dem, was damit gekauft werden kann. In der Wüste reicht das grösste Vermögen nicht, um ein tropfen Wasser zu kaufen. Es ist wertlos. Noten- und Geschäftsbanken können keine Kaufkraft schöpfen, nur die Anzahl Geldeinheiten, welche einem gegebenen Sozialprodukt gegenüberstehen. Deshalb sollte ihre grösste Pflicht sein, die Geldeinheiten in einem konstanten Verhältnis zum Sozialprodukt zu halten.

    Wenn aber der Kreislauf von Ersparnissen und Investitionen nur funktioniert, wenn dabei die Geldmenge exponentiell vermehrt wird, kommt zwangsläufig der Punkt, an dem entschieden werden muss, das Schneeballsystem krachen zu lassen oder es mit immer mehr virtuellen, wertlosen Geldeinheiten füttern zu müssen. Worauf die Information gedruckt oder gespeichert wird spielt keine Rolle bzw. höchstens, dass dies der Alimentierung des Schneeballsystems keine Schranken setzt als wenn der Informationsträger in seiner Menge beschränkt ist.

    Der zu verteilende Kuchen wird mit noch so viel mehr (Giral-)Geld nicht grösser, eher im Gegenteil, wenn das Geld mehr der Geldvermehrung als Selbstzweck dient als der realwirtschaftlichen Tauschfunktion. Kein noch so geartetes Geld kann die Verantwortung der Geldmacher der Wirtschaft gegenüber ersetzen.
    Wenn sie sehen, dass ihr Geld nicht mehr den gewünschten Nutzen hat, nämlich Bedürfnisse und erschaffene Produkte zusammen zu bringen, müssten sie sich entsprechend Gedanken machen. Ein Geld, welches zwar beliebig vermehrt werden kann es aber die Bedürftigen nicht befähigt, mit ihrer Leistung und Produkteerzeugung an die benötigten Produkten heranzukommen, funktioniert alles andere als optimal.

    Heute können die Bedürftigen ihre Bedürfnisse nur befriedigen, wenn sie mehr produzieren als sie mit ihrer Kaufkraft kaufen können. Ein teil der Produktion dient der Finanzierung der Kapitalerträge. Wenn aber die Empfänger der Kapitalerträge kein Interesse daran haben, den Markt leer zu räumen, bleiben die Erwerbstätigen auf ihre Überschüsse sitzen. Damit sind sie aber für die Investoren unrentabel und werden wegrationalisiert. Damit wird die Masse der Menschen, welche immer mehr Bedürfnisse hätte zwar grösser, aber diesen Menschen fehl auch immer mehr die Kaufkraft dazu. Eine Zeit lang kann der Staat helfen, in dem er sich die überschüssig vorhandene Kaufkraft borgt.

    Diese überschüssige Kaufkraft konzentriert sich immer mehr bei einer Minderheit, welche aber immer weniger Konsum- und Investitionsbedürfnis hat. Und der Staat kann nicht ewig diese Kaufkraft borgen ohne sie je zurückzahlen zu können. Das System blockiert sich irgendwann selbst. Und die Hauptursache der Blockade ist die Möglichkeit, Geld zumindest nominal verlustfrei horten zu können. Damit ist das Investitionsbedürfnis derjenigen, welchen immer mehr Kaufkraft zufliesst, nur dann vorhanden, wenn sich diese Investitionen im Verhältnis zu nominell 0% für Liquiditätshaltung auch genügend lohnen. D.h. die Vermögen müssen dabei exponentiell wachsen. Dies entzieht aber denjenigen Kaufkraft, welche mit ihrer Arbeit diese erschaffen. Ein Teufelskreis. Nur wenn die Wirtschaft genügend wächst, funktioniert es.

    Wenn die Wirtschaft nicht genügend wächst, müssen wenigstens die Investoren die Illusion erhalten, dass ihre Vermögen nicht schrumpfen sondern wachsen, weil sie sich sonst noch mehr zurückziehen. Zur Not muss dann immer mehr Geld ein Wachstum vortäuschen – rein virtuell. Den Stecker zu ziehen wäre die Brachialmethode, dem Treiben ein Ende zu setzen. Eine andere wäre es, dem Halten von Liquidität eine Gebühr zu verpassen. Damit investieren auch dann attraktiv bleibt, wenn sich dabei die Vermögen im Schnitt nicht exponentiell vermehren lassen.

    • GoldeneRegel sagt:

      „Eine andere wäre es, dem Halten von Liquidität eine Gebühr zu verpassen. Damit investieren auch dann attraktiv bleibt, wenn sich dabei die Vermögen im Schnitt nicht exponentiell vermehren lassen.“

      Sie wollen einen solchen Zwang installieren oder durch eine Regierung
      installieren lassen?
      Den gibt es doch heute schon.Staatlich verordnet.Durch die Tatsache, daß er
      „seinen“ Bürgern dieses aus dem Betrugsgeldsystem entstehende „Geld“ als gesetzliches Zahlungsmittel aufzwingt.Mit der damit verbundenen
      Inflations-Gebühr.Die gibt es gratis zu den 75% Steuer-und Abgabenlast hinzu, um welche die arbeitenden Menschen in D von der Regierung per Zwang erleichtert werden.Wußten Sie das nicht?

      Kennen Sie ein Unternehmen, daß Sie zu irgend etwas zwingt?
      Kennen Sie eine Bank, die Sie zu irgend etwas zwingt?
      Kennen Sie eine andere Organisation, die Sie zu irgend etwas zwingt?

      Ich für meinen Teil kenne nur zwei Organisationen, die Menschen zu etwas
      zwingen: Staat und Mafia:

      Teil 1 http://www.youtube.com/watch?v=W5WDeIr946g&feature=relmfu
      Teil 2 http://www.youtube.com/watch?v=-Hd4zIHX8Bw&feature=plcp

      • 4fairconomy sagt:

        Weil die Menschen nicht im Schlaraffenland leben, sind sie gezwungen, die Güter, welche sie zum Leben benötigen herzustellen. Und wenn die Menschen mehr als nur von ihren eigenen Landwirtschaftserzeugnisse leben wollen und sich die Gesellschaft hin zu einer vielfältigeren Kultur entwickeln soll mit mehr individuellen Möglichkeiten, so sind die Menschen gezwungen, diese Vielfalt auch herzustellen.

        Ja, das Geld soll durchaus mit einem Anreiz versehen sein, die Menschen bei ihrer wirtschaftlichen Tätigkeit nicht zu behindern, in dem es sich nach Belieben und ohne Kosten für die Verursacher vom Kreislauf zurückziehen kann. Das Geld soll ein die Menschen dienendes sein und nicht umgekehrt. Geld soll dabei nicht mehr umsonst streiken dürfen.

        Schliesslich kann auch niemand sein Wagen mitten auf der Strasse abstellen mit dem Argument, es sei seine Freiheit, sein Eigentum und er habe alle nötigen Abgaben und Steuern dafür bezahlt. Liquidität zu horten ist aber für die Wirtschaft dasselbe! Einkommen sind vorher immer auch Ausgaben – ausser eben das Geld wird jedesmal frisch gedruckt, weil es sonst zu wenig hat, damit die Menschen genügend Kaufkraft erhalten, um die Güter, welche sie produzieren vom Markt zu räumen. Dies, weil eine Minderheit immer wieder die Tauschmittel mitten im Kreislauf liegen und diese sich dort akkumulieren lässt.

        Mit einem Umlaufgesicherten Vollgeld kann die Staatsquote massiv reduziert werden. Ein umlaufgesichertes Vollgeld ist bei weitem die günstigste, unbürokratischste Absicherung gegen Konjunkturschwankungen und Massenerwerbslosigkeit.

        Ein umlaufgesichertes Geld ist die Voraussetzung, damit das Say’sche Theorem unabhängig des Wirtschaftswachstums gültig sein kann.

        Ein umlaufgesichertes Geld ist die Voraussetzung, damit die segensreichen Verheissungen der Marktwirtschaft auch jeden erreichen können, der gewillt ist, entsprechend sein Anteil am Sozialprodukt zu leisten. Ein Geld, welches nach Lust und Laune der Liquiditätsbesitzer liegen bleiben kann, verunmöglicht das korrekte Funktionieren einer freien Marktwirtschaft, es führt immer wieder zu Blockaden, wie wir sie heute gut beobachten können und deren Folgen man mit Staatsausgaben auf Pump und / oder Gelddrucken zu mildern versucht.

        • GoldeneRegel sagt:

          @4fairconomy

          Ich hätte gerne eine Antwort auf diese eine Frage:

          Würden Sie mich dazu zwingen, an Ihrer Vorstellung eines umlaufgesicherten Geldes
          teilzunehmen?

          • 4fairconomy sagt:

            Erstens ist es nicht meine Vorstellung eines umlaufgesicherten Geldes sondern eine Vorstellung, welche seit Silvio Gesell existiert und die viele Menschen – inkl. Keynes – als wertvollen Beitrag erachten in der Diskussion um Alternativen zum bestehenden System.

            Zweitens geht es hier darum, nicht nur Kritik am bestehenden System zu üben sondern eben auch Alternativen zu diskutieren und zu vertreten. Und nach meinem Wissen und meinen Kentnissen ist der Vorschlag, ein umlaufgesichertes Vollgeld einzuführen, der logisch überzeugendste von allen. Er beruht auf eine logisch überzeugende Analyse woraus gut nachvollziehbare Schlüsse gezogen werden.

            Selbstverständlich kann und muss eine Geldreform demokratisch legitimiert sein.

            Wie gesagt, jede Gesellschaft hat das Geldsystem, welche sie verdient – inkl. der Folgen.

        • Ashraf Khan sagt:

          @4fairconomy

          Sie schreiben immer wieder die gleichen Argumente unter fast jeden Artikel zu dem es passt. Dadurch wird die ganze Sache aber nicht wahrer.

          Ihrer Meinung nach muss das Geld immer in Bewegung gehalten werden, immer schneller durch die Wirtschaft fließen. Das impliziert aber den gleichen Effekt, den wir jetzt durch die stete Vermehrung der Geldmenge haben, nicht umsonst stehen Geldmenge und Geldumlaufgeschwindigkeit auf der einen Seite der Gleichung und Produktion und Preise auf der anderen. Auch durch Ihr umlaufgesichertes Geld würde es zu Fehlallokationen kommen, weil Sparer gezwungen werden Geld in Investitionen stecken bei denen Sie wissen, dass sie ökonomisch und damit in den meisten Fällen auch gesellschaftlich sinnlos sind. Allein das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen.

          Um das Problem des exponentiellen Zinseszinswachstums zu lösen, würde es völlig reichen das Teilreservesystem zu verbieten. Nur hier wird es möglich, dass auf einen eingezahlten Euro (der Zinsen für den Sparer bringt) mehrere Euro auszuzahlen (die durch Zinsen von den Empfängern bezahlt werden müssen). Es ist aber gar nicht möglich, in einem stabilen System diese Zinsen für Geld zu erwirtschaften, das eigentlich gar nicht da ist. Hier muss die Geldmenge eben exponentiell wachsen.
          In einem Vollgeldsystem kann jeder Euro hingegen nur einmal ausgegeben werden, entweder von mir, jetzt oder irgendwann (was mir aus ethischen Gründen auch zusteht, denn wenn ich die Arbeit geleistet habe um diesen Euro zu bekommen, warum soll mir dann irgendjemand vorschreiben dürfen, wann ich den auszugeben habe, mir schreibt ja auc niemand vor, wann ich den Baum, den ich gepflanzt habe zu fällen habe uum damit mein Haus zu heizen). Oder aber ich gebe das Geld gegen Zins jemandem, der damit investiert. Wenn ich mein Geld dann zurückbekomme ist das volkswirtschaftlich kein Problem, weil die entsprechende Investition ja tatsächlich dieses Zins erbracht hat. Bekomme ich mein Geld hingegen nicht zurück ist das volkswirtschaftlich auch kein Problem, denn dieses Geld war offensichtlich fehlallokiert, die Investition brachte keinen Gewinn und mein Zins erhalte ich folgerichtig auch nicht dadurch.

          In meinen Augen kann ein echtes Vollgeldsystem diese Probleme auch lösen, ohne einen neuen Zwang von oben zu generieren. Ihr System würde uns hingegen auch fleißig im Hamsterrad rennen lassen so schnell es geht, nur eben nicht angetrieben durch Geldmengenwachstum sondern durch die Erhöhung der Geldumlaufgeschwindigkeit.

          Zuletzt erlauben Sie mir noch den persönlichen Kommentar, dass ich es gelinde gesagt arrogant von Ihnen finde immer zu die gleichen Thesen zu verbreiten und Diskussionen darüber dann mit „Jeder hat das Geldsystem das er verdient“ zu beenden.

          • 4fairconomy sagt:

            @ Ashraf Khan 22. September 2012 at 14:36

            Ich habe nie geschrieben, das Geld müsse immer schneller durch die Wirtschaft fliessen. Es sollen kein Blockaden entstehen. Das ist ein Unterschied.

            Natürlich würde ein immer schnellerer Geldumlauf den gleichen Effekt haben wie eine Geldmengenerhöhung. Aber wie gesagt, es geht nicht darum, den Geldumlauf stets zu beschleunigen. Und falls sich dieser beschleunigen sollte, müsste natürlich die Geldmenge reduziert werden!

            Wenn Sie schon die Quantitätsgleichung (Geldmenge x Umlaufsgeschwindigkeit = Preisniveau x Transaktionen) ins Spiel bringen:

            Was geschieht, wenn durch Geldzurückhaltung die Umlaufgeschwindigkeit verringert wird? Es entsteht eine Deflation. Was wird heute dagegen getan? Die Geldmenge wird erhöht. Wenn also eine Deflation vermieden werden soll ohne die Geldmenge erhöhen zu müssen, muss eine Blockade der Umlaufgeschwindigkeit verhindert werden. Dies ist gegen die Deflation die logische Alternative zur Geldmengenausweitung .

            „Auch durch Ihr umlaufgesichertes Geld würde es zu Fehlallokationen kommen, weil Sparer gezwungen werden Geld in Investitionen stecken bei denen Sie wissen, dass sie ökonomisch und damit in den meisten Fällen auch gesellschaftlich sinnlos sind. Allein das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen.“

            Die Sparer sollen wie heute die aus ihrer Sicht bestmöglichen Anlagen wählen. Natürlich sind wie heute Fehlallokationen nicht auszuschliessen. Also alles kann eine Umlaufsicherung nicht bewirken, die Selbstverantwortung der Marktteilnehmer wird nicht abgeschafft. Eine Umlaufsicherung ist in erster Linie ein Instrument gegen die Deflation und damit indirekt auch gegen eine inflationäre Geldmengenausweitung. Mehr nicht.

            Eine Deflation kann volkswirtschftlich gesehen auch als besonders schwerwiegende Fehlallokation gesehn werden, in dem das Geld in einer unproduktiven Anlage verschwindet. Was übrigens auch den meisten Sparer schadet, wenn sie sich dabei sozusagen selbst „auf dem Schlauch“ stehen. Nämlicht auf den, durch den ihre Einkommen fliesen. Letztlich profitieren nur wenige und viele haben das Nachsehen.

            Sie wollen das Geld ausgeben, wann sie wollen. Möchten Sie aber auch ihr Einkommen dann erhalten, wenn andere Lust haben, sich von ihren Geldüberschüssen zu trennen? Für 90% der Bevölkerung wäre zugegeben eine Umlaufsicherung nicht nötig, denn so viel Geld bleibt bei ihnen nicht hängen, dass eine Umlaufsicherung nötig wäre. Das Problem sind die 10%, denen weit über 50% des Volksvermögens gehört und ihnen entsprechend viel Kaufkraft in Form von Kapitalerträgen zufliesst, sie aber diese Kaufkraft gar nicht verkonsumieren möchten oder können. Wenn hier das Geld blockiert bleibt, ist dies für die Einkommenssituation der Mehrheit in unserer Gesellschaft nicht unerheblich.

            Und: es geht nur um die Freigabe der Tauschmittel. Selbstverständlich sollen Sie entscheiden können, wann Sie ihre Kaufkraft, ihr Guthaben verkonsumieren möchten. Sie sollen sehr wohl ihre verdiente Kaufkraft behalten können. Sie könnten breit divertifizierte Unternehmensbeteiligungen (z.B. Fondsanteile) erwerben u.a., Auch Edelmetalle können Sie kaufen. Darauf werden sicher viele ausweichen. Bis man wohl erkennen wird, dass ein breit divertifizietes Portfolio in Unernehmen doch stabiler ist als der spekulationsanfälligere Wert von Edelmetallen. Wie dem auch sei, Sparen durch Hortung von Edelmetall würde die Geldumlaufgeschwindigkeit nicht tangieren, oder wenn, dann nur unwesentlich.

            Womit wir beim Tretrad wären: im heutigen System kostet die Deblockade des Geldes den Menschen ca. 30% ihrer Kaufkraft. Dies in Form von in den Preis enthaltenen Zinsen bzw. Kapitalrtägen, welche den Sparern versprochen werden mussten, damit sie sich von ihrem Geld trennen. Und um diese horrende Summe, welche auch immer weiter wächst, finanzieren zu können, müssen die Menschen immer schneller im Tretrad laufen oder sich mit immer weniger begnügen.

            Das ändert sich mit einem umlaufgesicherten Geld. Die Sparer erhalten nur noch soviel an Zinsen und Kapitalertägen, wie die Menschen mehr produziern und konsumieren wollen. D.h. die Kapitalerträge werden sich dem Wirtschaftswachstum anpassen und nicht umgekehrt.

            Selbstverständlich werden die Sparer auch mit einem umlaufgesicherten Geld Zinsen bekommen, wenn die Wirtschaft wächst, d.h. wenn mit Investitionen mehr Geld zu verdienen ist, als investiert wurde. Nur werden sie dies nicht mehr immer als Bedingung diktieren können, damit sie sich von ihrem Geld trennen. Sie werden den Zins akzeptieren müssen, welcher konjunkturell bezahlbar ist. Wobei sich die Konjunktur den Bedürfnissen der Menschen anpassen wird. Heute muss sich die Konjunktur den Zinsforderungen der Sparer anpassen, d.h. die Wirtschaft muss genügend wachsen, damit die Zinsen bezahlt werden können.

            Ein Vollgeldsystem ist ein grosser Fortschritt im Vergleich zum heutigen Geldsytem. Die erheblichen Probleme und Zwänge, verursacht durch den garantierten Mindestzins von 0% für Sparer, werden damit zwar deutlich gemildert, aber können nicht ganz überwunden werden.

            Trotzdem bin ich sehr für eine Vollgeldreform, denn dies ist ein wichtiger Schritt in de richtige Richtung. Dies beseitigt zumindest eine Absurdität, nämlich die Kreditgeldschöpfung durch Geschäftsbanken.

            Der Satz, den Sie arrogant bezeichnen, schreibe ich nicht leichtsinnig daher. Sondern dahinter stehen Überlegungen, deren Essenz eben dieser Satz ist (in Anlehung an den gleichen Satz bezüglich der Regierung).

  2. Lotus sagt:

    Fragt sich hier niemand, wieso eigentlich die Steuereinnahmen Schäubles und die Überschüsse der Krankenkassen steigen? Für mich total unlogisch, wenn geschätzte 50.000 Bürger in diesem Jahr entlassen wurden. Entweder sind das falsche Zahlen oder die Inflation und das billige Geld zeigen heute schon Wirkung.

    Wenn der Einzelhandelsumsatz von Monat zu Monat sinkt, sind das die Auswirkungen einer erhöhten Zahl von Einkommen, die sich minimieren bzw. der 50.000 Entlassenen, die fehlen. Komischerweise spricht auch niemand darüber, daß 4,3 Mio. Bürger aus der Mittelschicht abstürzten.

    Wieso kann dann Schäuble 13 % mehr Steuereinnahmen haben? Es ist nicht mehr nachvollziehbar, wie hier die Ankündigungen durch die Presse ohne Nachforschungen in die Welt gesetzt werden. Und sage mir niemand, daß die erhöhten Spritpreise zu mehr Steuereinnahmen führen. Diese Annahme kann einfach nicht stimmen. Bei über 1,70 Euro/Liter tanken die meisten Leute nur im Notfall.

  3. MARKT sagt:

    Weil Schäuble und die Steuerschätzer positive Menschen, oder eben Optimisten sind. Die Einkommenssteuer wird anhand der Gewinne und Einkommen des Vorjahres errechnet zzgl.des angenommen (hedonsichen?)Wachstums. Sie sind somit ein nachlaufender Konjunkturindikator.

    Ebenso beim Benzin. Es wird davon ausgegangen das genau so viele Liter Benzin/Diesel verbraucht werden(+dem obligatorischen angenommen Wachstum), mit der dann höheren Marge. Mit Inflation dürften die erhöhten Steuereinnahmen nichts zu tun haben.

    Für Inflation benötigen wir erst noch den Abbau der Produktionskapazitäten oder alternativ einen Kaufkraftschub bei den Konsumenten(sehe gerade aber nur das Gegenteil, selbst im Wirtschaftswunderland D).
    Aber da sind wir siehe Südeuropa „auf gutem Weg“. Aber das dürfte noch einige Zeit (Jahre)dauern.

    Ein Kollaps vor Vollendung dess „Planes“ durch einen exogenen Schock sollte dabei aber niemals komplett ausgeschlossen werden.

  4. samy sagt:

    Zum Thema Goethe, Weidmann und Gesinnungswechsel.

    Weidmann ist der jüngste Bundesbankpräsident, den es jemals gab. Muskeln wachsen nur, wenn sie gegen einen Widerstand arbeiten. Das braucht Zeit. Und das berühmte gerade Rückgrat, dass braucht Muskeln die es stützen. Damit will ich sagen, dass Weidmann Merkels Kanonenfutter war. Das begreift er langsam. Und zeigt er damit, dass er nicht zurücktritt, nicht wenigstens etwas Stil?

    Charismatisch,intelligent, versehen mit strengen Gesichtszügen und blitzenden klugen Augen, mit einen bereits ausgebildeten Rückrat, dass war der Herr Weber … als er zurücktrat.

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