Depression – Die unentrinnbare Folge eines Papiergeldbooms

29. Juli 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

(von Thorsten Polleit) Ein Papiergeldboom endet in der Depression – einem starken Einbruch der Wirtschaftstätigkeit. Diese ökonomische Gesetzmäßigkeit erfahren bereits einige Länder im Euroraum leidvoll – wie Griechenland, Portugal und Spanien. Gleiches wird aber auch alle anderen Volkswirtschaften ereilen, die jahrzehntelang im Zuge eines Papiergeldbooms chronisch auf Pump gewirtschaftet haben. Erinnerungen an die „Große Depression“ drängen sich geradezu auf...

Die „Große Depression“ steht für einen traumatischen Zusammenbruch der Wirtschaftsleistung in den Vereinigten Staaten von Amerika und nachfolgend auch in vielen anderen Ländern gegen Ende der 20er Jahre des vergangenen Jahrhunderts, genauer: in der Zeit 1929 bis 1933.

Die wohl eindrücklichste Illustration der Großen Depression ist der Verlauf des US-Aktienmarktes. Der Dow Jones Industrial fiel von mehr als 380 Punkten im August 1929 auf 44 Punkte im Mai 1932; und erst im November 1952 erreichte der Aktienmarktindex wieder seinen Höchststand vor der Krise.

In der Zeit von August 1929 bis Juli 1932 fiel die US-Industrieproduktion um 53 Prozent. Die Arbeitslosigkeit stieg auf 25 Prozent. Geschäftsbanken gingen reihenweise Pleite: 1929 gab es noch etwa 25.000 Banken in den Vereinigten Staaten, 1933 waren es weniger als 15.000.

Mit der Pleite von Banken gingen Bankdepositen im wahrsten Sinne des Wor-tes verloren. Die US-Geldmenge M2 schrumpfte um mehr als 33 Prozent. Die Preise gaben auf breiter Front um 25 Prozent nach.

Um der Großen Depression zu entkommen, setzte US-Präsident Franklin D. Roosevelt (1882 – 1945) auf den „New Deal“: ein umfangreiches Staatsausgaben- und -reglementierungsprogramm, das keinen Wirtschaftssektor aussparte.

Der Staatssektor wuchs stark an. Vor der Großen Depression betrugen die Ausgaben der US-Zentralregierung etwa 3 Prozent des Volkseinkommens, 1939 hatten sie bereits 10 Prozent des Volkseinkommens überstiegen.

Doch der New Deal brachte nicht die erhoffte Erholung.

Die Aufwärtsentwicklung des Aktienmarktes und der Industrieproduktion setzten erst zu Beginn der 40er Jahre des vergangenen Jahrhunderts ein – also etwa mit Beginn des Zweiten Weltkriegs–, begleitet von einem starken An-schwellen der Geldmenge.

Das Geldmengenausweiten war vor allem deshalb möglich geworden, weil US-Präsident Roosevelt am 1. Januar 1934 den US-Dollar abwertete gegenüber Gold, und zwar von 20,67 USD pro Feinunze auf 35 USD pro Feinunze. Zudem erlaubten ab 1938 geldpolitische Änderungen, dass die amerikanischen Banken fortan mehr Kredit und Geld in Umlauf bringen konnten.

Bis auf den heutigen Tag streitet man über die Ursache der Großen Depression. Einige Ökonomen meinen – wie Milton Friedman (1912 – 2006) –, es seien Bankenpleiten und das damit einhergehende Schrumpfen der Geldmenge ge-wesen, die die Depression zu einer „Großen“ Depression gemacht hätten.

Andere Ökonomen sehen die Ursache der Großen Depression in einer unzu-reichenden gesamtwirtschaftlichen Nachfrage. Zu dieser Gruppe zählen vor al-lem Keynesianer. Sie beklagen, dass der Staat damals nicht ausreichend mit Ausgabenprogrammen „gegengesteuert“ hat und so die Krise verschlimmerte.

Wiederum andere Ökonomen geben dem staatlichen Einfluss im Geldwesen und den nachfolgenden Staatseingriffen in das Wirtschaftsleben (Preiskontrol-len etc.) die Schuld an der Krise und sehen darin auch die Ursache für die nachfolgend schleppende Erholung der Wirtschaft. Zur letzteren Gruppe zählen die Ökonomen der „Österreichischen Schule der Nationalökonomie“ – mit der sich Namen verbinden wie Carl Menger (1840 – 1921), Eugen von Böhm-Bawerk (1851- 1914), Ludwig von Mises (1881 – 1973) und Friedrich August von Hayek (1899 – 1992).

Insbesondere Mises und Hayek erkannten früh, dass ein Papiergeldboom in ei-ner Depression enden muss. Denn wenn Papiergeld zu künstlich gedrückten Zinsen ausgegeben wird, so entstehen Industrien und Arbeitsplätze, deren Überleben davon abhängt, dass immer mehr Papiergeld zu immer tieferen Zinsen in Umlauf gebracht wird… (Seite 2)

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