Den Göttern so nah – in 185 Metern Höhe

23. September 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

(von Frank Meyer) Die EZB in Frankfurt bekommt 2014 ein neues und groß-artiges Domizil. Jetzt wurde Richtfest für das 185 Meter hohe und die Stadt überragende Gebäude gefeiert. Noch steht es „oben ohne“ da. Niemand schaut dort so genau hin, im Gegensatz zu anderen „oben ohne“- Schlagzeilen…

 

Der Turmbau zu Frankfurt kommt zeitlich etwas unpassend. Die Mehrheit der Deutschen ist nach Umfragen inzwischen gegen den Euro. Daran wird auch der neue EZB-Tower wenig ändern. Gefeiert werden konnten auch die Mehrkosten für den Turm der Gelddrucker. Die Planungskosten von einst 500 Millionen Euro haben sich erst auf 850 Millionen und jetzt auf überraschende 1.050 Millionen Euro erhöht, denn die Inflation, selbst geschaffen im hohen Haus, schlug mit zusätzlichen 200 Millionen Euro zu Buche. Soweit der Blick in die offizielle Statistik. Vielleicht braucht es auch ein so großes Haus für so viele Mitarbeiter, die riesige Supercomputer betätigen, in denen künftig noch größere Zahlen herumgeistern. Wer weiß?

Je höher sich Häuser und noch größere Vorhaben den Göttern nähern, desto zynischer werden diese.

Das Gebäude erinnert an Mordor, einem Ort aus dem „Herr der Ringe“, wo ein „sehendes Auge“ die Geschicke im Land beobachtete. Notenbanken können auf diese Symbolik verzichten, denn sie haben Computer, mit denen sie Geld herstellen und Experten, die dessen Preis, also den Zins festsetzen – allwissend und angeblich alles könnend – wo die Götter schon wieder lachen.

Zudem sitzen ja an den Druck-Knöpfen inzwischen diejenigen aus den Schuldenländern, die sich mit Inflation gut auskennen.

In Zeiten der Rettungspakete hätte man jeder größeren Stadt Europas so einen Turm hinstellen können. Doch wer möchte schon so etwas. Zudem ist das Geld an die Banken verschleudert worden.

Ob man, wenn es gut geht, in zwei Jahren aus 185 Meter Höhe dann die Dinge klarer sehen kann? Vielleicht ist das dann ja gar nicht mehr nötig.

©Frank Meyer, Kolumne (Langfassung) aus den Lübecker Nachrichten


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2 Kommentare auf "Den Göttern so nah – in 185 Metern Höhe"

  1. Ashraf Khan sagt:

    Das wäre ein großartiger Treppenwitz, wenn der EZB-Tower nach Fertigstellung umgewindmet werden muss, weil es die EZB nicht mehr (für Deutschland) gibt 😉

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