Demokratischer Zaster

13. September 2016 | Kategorie: RottMeyer

von Ralph Malisch

Für unsere Heftkategorie „Löcher in der Matrix“ sammeln wir laufend Erstaunliches und Schräges aus der Welt der Medien. Unser wöchentliches Update.

„Estnischer Präsident: für Demokratie auf Bargeld verzichten“ (sputniknews.com, 8.9.2016)

Sputniknews.com? Darf man die überhaupt zitieren? Man darf, falls sich die betreffenden Informationen im deutschen Medieneinerlei partout nicht finden lassen wollen. Es gibt viele Argumente gegen Bargeld. Die meisten davon stehen auf so schwachen Füßen…

…dass sie inzwischen kaum mehr als ein müdes Lächeln hervorrufen, wenn sie gebetsmühlenartig wiederholt werden. Zwar gibt es auch sehr stichhaltige Beweggründe, die allerdings werden aus gutem Grund nicht in den Vordergrund gestellt:

Ohne Bargeld lassen sich beispielsweise Sparer über Negativzinsen noch schneller enteignen. Ohne Bargeld lässt sich über jeden einzelnen ein lückenloses Einnahmen- und Ausgabenprofil anfertigen und natürlich kann dieser einzelne dann auch per Knopfdruck jederzeit finanziell „abgeschaltet“ werden. Nun könnte man auf die Idee kommen, dass eine solche bargeldlose Gesellschaft auf dem Wunschzettel aller Autokraten und Möchtegern-Diktatoren ganz oben stehen müsste.

Doch weit gefehlt. Nach der eingangs zitierten Sputniknews-Meldung, habe der estnische Präsident Toomas Hendrik Ilves angeregt, auf Bargeld zu verzichten und zwar für … Tataaaah … die Demokratie! Cash ist demnach also kein „demokratischer Zaster“?

Als Argument soll er folgenden Zusammenhang konstruiert haben: „In den Ländern mit einer schwachen Demokratie gedeihe die Korruption, bei der das Bargeld eine große Bedeutung habe“. Empirische Belege, lieferte der Präsident nach dieser Quelle nicht. Auch ist nicht ganz klar, was wir uns unter einer „schwachen Demokratie“ vorzustellen haben. Etwa eine, in der dubiose NGOs und „Aktivisten“ die gewählten Entscheidungsträger vor sich her treiben?

Und selbst wenn eine „schwache Demokratie“ und Bargeld Hand in Hand gingen, ist dies noch lange keine Aussage über eine mögliche Kausalität. Ist die bundesdeutsche Alternativlos-Demokratie beispielsweise schwächer geworden, weil die Leute mehr Bargeld horten oder horten sie mehr Bargeld weil die Demokratie schwächer geworden ist? Oder ist sie gar stärker geworden, jetzt wo sich alle „Demokraten“ bei jeder Wahl unterhaken und fest gegen das Böse zusammenstehen?!

Aber natürlich wollen wir uns nicht alleine auf Aussagen des „digitalen Satelliten des Kremls im Netz“ verlassen, der „die Welt mit russischer Propaganda versorgen“ soll (vgl. faz.net). Also suchten wir nach anderen Quellen. Vielleicht liefert die erwähnte „Konferenz ‚Forum der offenen Gesellschaft‘ in Tallinn“ einen Hinweis?

Und tatsächlich finden wir die Website des „XXI Open Society Forum“ mit dem schönen Thema „Russia in Europe: What Does The Future Hold“. Der Beitrag des estnischen Präsidenten stand übrigens unter der Überschrift „Europe´s war on disinformation“ („Europas Krieg gegen die Desinformation“). Ob das „Bargeld vs. Demokratie“-Argument vielleicht nur als Beispiel für besonders plumpe Desinformation angeführt wurde, ist uns nicht bekannt.

Bekannt ist dagegen der Veranstalter, die „Open Estonia Foundation“. Und diese ist hinsichtlich möglicher Propaganda oder gar Einflussnahme auf Institutionen und Regierungen über jeden Zweifel erhaben, wurde sie doch bereits im April 1990 mit Unterstützung des bekannten Menschenfreundes George Soros gegründet („with the support of philanthropist George Soros“) .

Wenn auch Sie sich gegen Propaganda und Desinformation engagieren wollen, dann werden Sie doch einfach Mitzeichner der Initiative „Stop Bargeldverbot“.
Ralph Malisch – Homepage vom Smart Investor

 

Ein Kommentar auf "Demokratischer Zaster"

  1. FDominicus sagt:

    Mein Gegenvorschlag: Für Demokratie verzichten wir auf Politiker. Und schon wird „was draus“

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