Rund 100 Jahre lang regierte das britische Pfund die Welt

17. April 2014 | Kategorie: RottMeyer

von Bill Bonner

„Wie machen sie das“, fragte ein amerikanischer Besucher vor einiger Zeit, als ich zwischenzeitlich in London lebte. „Wie zahlen sie ihre Rechnungen? Wie können sie es sich leisten, in London zu leben?“

Ein Imperium vor dem Untergang

Amerikaner können einfach nicht aufhören, sich Sorgen zu machen. Das Imperium steht vor seinem Untergang, aber es hat immer noch viel Untergang vor sich. Rom ging mindestens 300 Jahre lang unter, ehe die Barbaren es übernahmen. England steht schon – was Englands Stand in der Welt anbelangt – seit mindestens einem Jahrzehnt vor dem Untergang. Selbst heute, ist die letzte imperiale Hauptstadt der Welt immer noch ein angenehmer Wohnort, natürlich nur unter der Voraussetzung, dass man das Geld dazu hat.

London zählt zu den teuersten Städten der Welt. Die Hauptstadt eines Imperiums im Untergang muss keineswegs Armut leiden oder verwahrlost sein.

London ist sogar so teuer geworden, dass der Durchschnittslondoner in die weit entfernten Vororte gezogen ist und jedem Tag mit dem Zug in das Herz der Stadt reist. Eine Anfahrt von einer Stunde gilt als Standard. Viele Leute brauchen täglich zwei Stunden um zur Arbeit zu kommen. Man weiß von Leuten, die auf dem Weg zur Arbeit nicht nur Romane gelesen haben, sondern sogar welche geschrieben.

Eines Mittwochs ging ich zum Abendessen in einem altehrwürdigen Gentleman’s Club. Die Mitglieder sind sämtlich angesehene ältere Herren, viele davon mit Titeln, von Rang und Ehre und alle haben graue Haare. Ich bin dort Mitglied geworden, weil ich Mitglied eines amerikanischen Clubs mit wechselseitigen Privilegien bin. Und weil ich immer das Gefühl habe, dass man mich jeder Zeit raus werfen könnte, halte ich mich sehr zurück.

320 Dollar für ein Abendessen mit vier Personen

Ein Abendessen für vier Personen mit einer Flasche Wein kostete dort umgerechnet 320 Dollar. Und das erschien noch ziemlich günstig, verglichen mit den Preisen in der Stadt. London ist eine schöne Stadt mit sehr viel Geschichte, guten Taxis, vielen sehr angenehmen Restaurants, interessanter Architektur, mit einer reichhaltigen, dynamischen Industrie der Finanzdienstleistungen und einem Immobilienmarkt der Blasen wirft. Es ist ein guter Ort, um dort zu wohnen. Es ist nur zu schade, dass die meisten Engländer es sich nicht leisten können.

Wie konnte die Stadt so teuer werden, frage ich mich. Wie kommt es, dass die Stadt nicht zusammen mit dem englischen Imperium versank. Und was kann man aus dieser britischen Erfahrung lernen? Die Lektion der folgenden Überlegungen ist … bringt nicht viel Neues. Aber ein Blick auf die Details trägt dazu bei, dass ich in meinen bekannten Meinungen noch einmal gestärkt werde.

Von 1815 bis 1914 beherrschte das britische Pfund die Welt

Im 19. Jahrhundert war das britische Imperium ein Imperium, das mit Kohle angefeuert wurde und durch den Handel finanziert. Erfolgreiche Produzenten in Manchester und Bristol importierten das Rohmaterial und exportierten die fertigen Produkte in den Rest der Welt.

Die Gewinne verwendete man dazu, für neue Fabrikationsanlagen und Ausstattungen zu bezahlen. Die Gewinne trugen auch dazu bei, für die koloniale Verwaltung auf der ganzen Welt zu bezahlen. Die britische Industrie war solide, und genauso das Geld.

Das galt gute hundert Jahre lang, das Geld der Krone galt dem Rest der Welt als Reservewährung, so wie der Dollar heute. Vom Sieg über Napoleon in Waterloo 1815 bis zu den Schützengräben an den Ufern der Marne 1914 beherrschte das Pfund die Welt. Aber was hat das Pfund beherrscht? Gott war im Himmel, die Königin auf ihrem Thron. Die Bank of England würde eine Unze Gold für ungefähr 3,85 Pfund hergeben – ohne Angst es später vielleicht bereuen zu müssen. (Seite 2)

 

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