Demokratie 2.0: Lupenreine Demokraten auf Abwegen

20. März 2014 | Kategorie: RottMeyer

Kommentar von Frank Meyer

Sollte man sein „Demokratieverständnis“ neu definieren? Heutige Demokratie 2.0 ist etwas anderes als ihre Urform. Auch hierzulande nimmt die Umdeutung schon Formen an. Die moderne Variante des angestaubten Begriffs wird frisch verpackt medial ins Rennen geschickt…

„Bild Dir Deine Meinung!“ Unsinn! Meinung wird heute nach Hause geliefert. Je kostenloser, desto effektiver. Sie kann benutzt werden wie Waschpulver, Pflanzendünger und Zahnpasta. Eine eigene Meinung zu haben, gehört inzwischen schon in die Kategorie „Luxus“ und ist nur umständlich er erlangen.

Demokratie 2.0 wird heute neben Wetterberichten, Promi-Scheidungen und Tipps für Schnäppchen über die medialen Funktürme geschickt, wo Nachrichten inzwischen mit immer mehr offenen oder verdeckten Kommentaren gespickt werden. Wir leben in einer Zeit der neuen Worte und Begriffe. Aus einer Art agenturgesteuertem Einheitsjournalismus entwickelt sich hör – und sehbar inzwischen eine Art von Einheiz-Journalismus. Pöhser Butin! Liebe Ukrainer!

Es kommen unfreundliche Zeiten auf uns zu.

Ich erinnere mich noch, als die lupenreinen Demokraten den Russen-Präsidenten im Bundestag mit stehenden Ovationen gefeiert haben. Ein „lupenreiner Demokrat“ war er ja nie, aber er hat Öl und Gas. Und wenn jetzt die Hauptnachrichtensendungen melden, der Putin wäre böse, wird das am nächsten Tag überall nachgeplappert, während man Russlands Brennstoffe verfeuert. Übrigens muss man heute von Geschichte so viel wissen wie über das Befeuern von Atomkraftwerk mit Brennstäben. Zudem gilt es heute als äußerst schick, überhaupt keine Ahnung mehr zu haben, aber dafür eine Meinung. Müssten die Leute diese auf einem Markt verkaufen, sie würden nichts dafür bekommen. In diesem Klima von Desinteresse und Nachplapperei ist es nun einfacher denn je, den Leuten auch journalistisch einzuheizen. War es früher etwa anders? 

Demokratie bedeutete bislang „Herrschaft des Volkes“ als politisches System. Laut Wikipedia nimmt das Volk eine wesentliche, mitbestimmende Funktion ein. Das ist erstaunlich, wie dieses Prinzip in Sache Europa angewendet wird. „Wer in der Demokratie schläft, wacht in der Diktatur auf“, sagte einst, ich weiß es nicht mehr, scheint aber immer wieder so zu laufen.

Wikimannia liefert viele Aussagen von einst wichtigen Leuten, denen man heute abgrundtiefe Verwirrung nachsagen könnte, wie z.B. Konrad Adenauer: „Jede Partei ist für das Volk da, und nicht für sich selbst.“ Oder was halten Sie davon? „“Demokratie ist Herrschaft des Volkes durch das Volk und für das Volk.“. Der Satz ist von Abraham Lincoln.  Passender da schon ein Satz von Winston Churchill: „Demokratie ist die schlechteste Regierungsform – außer all den anderen Formen, die von Zeit zu Zeit ausprobiert worden sind.“

Ja, das Ausprobieren ist das heutige Testen der Grenzen einer Demokratie. Widerstand erfolgt erst dann, wenn es zu stark an den eigenen Geldbeutel geht. Anders lässt sich nicht erklären, dass die permanent um sich greifende Überwachung als normal hingenommen wirf. Dass es so wenig Protest gibt, regelt die Alimentierung derjenigen, die aufgrund ökonomischer Gegebenheiten durch das „normale“ Netz des Alltags gefallen sind.

Überhaupt scheint das Volk ein ausgemachter Störfaktor zu sein, denn sonst würde man es ja fragen, was es will. Man muss das Volk in einer Demokratie 2.0 vor sich selbst schützen. Will es etwas anderes als das heiße Herz politischer Klardenker, wird wie in Irland noch einmal gewählt. Oder eine Volksbefragung ist plötzlich „undemokratisch“, während die echten Demokraten plötzlich OligarchInnen wie Timoschenko hofieren und mit ausgewiesenen Faschisten in der Ukraine verhandeln. Die neuen Demokraten in Brüssel erkennen das Referendum auf der Krim nicht an. Anerkennung muss heute übereinstimmen mit dem politischen Willen einer Führung… (Seite 2)


 

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9 Kommentare auf "Demokratie 2.0: Lupenreine Demokraten auf Abwegen"

  1. Avantgarde sagt:

    Vielen Dank für diesen überaus trefflichen Kommentar!

    „..Man muss das Volk in einer Demokratie 2.0 vor sich selbst schützen. Will es etwas anderes als das heiße Herz politischer Klardenker, wird wie in Irland noch einmal gewählt. Oder eine Volksbefragung ist plötzlich “undemokratisch”, während die echten Demokraten plötzlich OligarchInnen wie Timoschenko hofieren und mit ausgewiesenen Faschisten in der Ukraine verhandeln. Die neuen Demokraten in Brüssel erkennen das Referendum auf der Krim nicht an. Anerkennung muss heute übereinstimmen mit dem politischen Willen einer Führung…“

    Dazu Merkelsprak original aus der ARD:
    „Unmittelbar vor dem EU-Gipfel zur Krim-Krise hat Bundeskanzlerin Angela Merkel Russland mit weiteren Strafmaßnahmen gedroht. Der Anschluss der Krim an Russland erfordere „die entschlossene wie geschlossene Antwort Europas und seiner Partner“, sagte die Regierungschefin in einer Regierungserklärung im Bundestag. Sollte sich die Lage weiter verschärfen, sei die Europäische Union „jederzeit“ zu weiteren Sanktionen bereit. „Dazu werden auch wirtschaftliche Sanktionen gehören“, sagte Merkel. Sie kündigte zudem eine Ausweitung der EU-Liste der bisher 21 Personen an, gegen die Reisebeschränkungen und Kontensperrungen verhängt wurden….
    ……..Merkel kritisierte erneut die Volksabstimmung auf der Krim, in der am vergangenen Wochenende rund 97 Prozent der Befragten für einen Beitritt der ukrainischen Halbinsel zu Russland votiert hatten. Die Abstimmung sei illegal gewesen:….“

    Die Volksabstimmung war also Illigal – ja genau.
    Volkes Willen ist tatsächlich nur noch dann berücksichtigenswert wenn es um den eigene Vorteil geht.

    Ach wäre ihr die Illegalität doch schon vorher bei den nicht so ganz passenden Volksabstimmungen in der Schweiz eingefallen….
    ….vielleicht hätten wir die Kavallerie doch noch brauchen können…
    Die Folgen dort zwar nicht so schwerwiegend aber alles scheint tatsächlich auf Demokratie 2.0 hinauszulaufen.
    Und – Marktkonform für die „Richtigen“ muß so eine Demoktratie 2.0 selbstverständlich auch nocht sein.

    Wirklich unfassbar – da kann man wirklich vom Glauben abfallen.
    🙁

    • bluestar sagt:

      @Avantgarde
      „Wirklich unfassbar“ – das ist auch mein Empfinden.
      Wir sind Zeitzeugen gewaltiger geopolitischen Auseinandersetzungen – und hoffentlich
      nicht auch Opfer. Was Merkel abzieht grenzt an Hochverrat. Bewusst werden die Interessen der uns ausspionierenden (!!!) USA über die legitimen Interessen des deutschen Volkes gestellt. F. Hellmeyers Prognose, dass wir die Rechnung bezahlen werden, teile ich voll und ganz.
      Unfassbar- dass so eine nasser Waschlappen auch noch als Mutti der Deutschen von Deutschen gewählt wird. Was sagte einst Brecht: „Ich kann gar nicht so viel essen wie
      ich kotzen könnte“. Ist schon ekelerregend aber auch beängstigend, wenn man über den ganzen Wahnsinn tiefer nachdenkt.

  2. FDominicus sagt:

    Demokratie – ohne Volk noch besser.

  3. Michael sagt:

    Genauer gesagt. Scheitert der EURO scheitert die E.U. Wen störts:) Ich kenne keinen. Die E.U. ist ein politisches Projekt. In dem Sinne reicht es Politiker nachhaltig das Leben zur Hölle zu machen. Das ist gelebte Demokratie.

  4. bluestar sagt:

    Lieber Frank Meyer,
    herzlichen Dank für diesen klugen und mutigen Artikel !!!100% Zustimmung.
    Zum Zwecke des Gehirn-Wellness lese ich Ihre Artikel oft mehrmals.
    Es grenzt schon an Vergewaltigung des gesunden Verstandes , was für verfaulter geistiger Müll
    täglich in den Massenmedien verbreitet wird. Und: Wie bei falscher Ernährung beim Körper auch, hinterlässt das Spuren in den Köpfen.
    Genau das ist die Absicht. Demokratie 2.0 funktioniert nur mit ahnungs-und willenlosen Menschen. Die geistige Trägheit der Massen noch dazu, ergeben dann die gewünschten Wahlergebnisse. Notfalls auch bei Wiederholung.
    „Was hilft es zu klagen?“
    Klagen hilft natürlich nicht, denn die Zustände werden in immer kürzeren Abständen für alle freiheitsliebenden Deutschen schlechter. Keine Illusionen, dafür sorgt schon die insolvente Supermacht mit ihre schleimigen Lakaien in Form der GROKO. Das Zeitfenster bis zum vormundschaftlichen Staat wird leider immer kleiner.
    Auf der anderen Seite habe ich in sehr vielen unabhängigen Foren noch nie so eine breite Ablehnung gegen die abartige Politik inkl. dazugehöriger Manipulation vernommen. Was fehlt ist eine Organisation zur Sammlung aller zersplitterten Kräfte gegen den Wahn von Dauerverdummung, Lügen, Euro, EUdSSR und Kriegsgeschrei.
    Wenn diese Front der Vernunft und Freiheit steht und sich dazu die Lebensverhältnisse der Ahnungslosen drastisch verschlechtern, dann besteht eine geringe Chance die
    Schlafschafe zu wecken und Veränderungen auf demokratischer Weise herbeizuführen. Aber: Vielleicht stirbt die Hoffnung auch zuletzt.

    VG aus Sachsen

  5. Skyjumper sagt:

    Lieber Herr Meyer,
    liebe Mitkommentatoren,

    ich muss ausnahmsweise mal widersprechen. Selbstverständlich haben wir eine lupenreine Demokratie. Es fehlt nur den meisten am historischen Verständniss dafür, was Demokratie bedeutet.

    „Das Wort „Demokratie“ ist im antiken Griechenland entstanden und bedeutete dort die direkte Volksherrschaft. Der Begriff „Volk“ wurde in jener Zeit sehr eng gefasst, da mit diesem nur einer äußerst begrenzten Gruppe von Bürgern politische Partizipationsrechte eingeräumt wurden. So konnten in einer griechischen Polis nur freie Männer an Volksversammlungen teilnehmen. Die Abkehr vom Grundgedanken der Demokratie wurde Ochlokratie („Herrschaft des Pöbels“) genannt.“

    Also liebe Mit-Pöbelanten. Keiner hat behauptet in Deutschland oder sonstwo in Europa würde eine Ochlokratie bestehen. Nein, nein. Auch unser Grundgesetz, und daran sind unsere sogenannten Verfassungsrichter gebunden, besteht darauf, dass die BRD eine Demokratie sei. Eine äusserst begrenzte, und sorgsam ausgesuchte, Gruppe von Menschen bestimmt in der BRD, das kann man nun kaum leugnen. Also ist alles in bester Ordnung, bitte wieder entspannt zurücklehnen.

  6. JayJay sagt:

    In etwas wie einer Demokratie leben wir schon noch, auch wenn es sich wandelt. Aber das soll es ruhig, da den meisten Bürger es sowieso egal ist. Wichtig sind doch nur noch 3 oder 4mal Urlaub im Jahr, Zweitwagen, Dritthandy u.s.w. alles andere interessiert den einfachen Biedermeierschläfer 2.0 nicht udn das ist gut so, vorläufig.
    Denn das böse erwachen wird kommen, für alle.

    Gold & Silber Ahoi 🙂

  7. Argonautiker sagt:

    Demokratie ist schon eine feine Sache, so es denn eine ist.
    Leider ist die Regierungsform die wir haben keine, sie ist eben wirklich eine Mogelpackung. Das einzige was bei uns annähernd demokratisch ist, sind die Wahlen. Wohl gemerkt annähernd.

    Demokratie setzt als erstes Freiheit voraus. Die Freiheit, sich grundsätzlich dazu zu bekennen, oder nicht. Und das „oder nicht“ ist SEHR wichtig. Nur was passiert, wenn sie in diese Welt hineingeboren werden? Werden sie gefragt, ob sie mit der Staatform einverstanden sind? Nein. Gut wer kann als Baby schon entscheiden. Aber die Religionen haben dies Problem z.B. mit ihren Initiationsriten gelöst. Kann man als Baby noch nicht entscheiden, wird man eben im Erwachsenwerden gefragt, ob man wirklich zugehörig sein möchte.

    Was tun hingegen alle Staaten? Richtig sie nehmen Sie ungefragt in Besitz. Natürlich nicht direkt, sondern auf geschickte Weise. Sie haben einefach ALLES Land in Besitz und unter ihre Kontrolle genommen, und wenn ihnen das, was der Staat macht, nicht gefällt, dann können sie ja gehen. Nur wohin. Es ist ja alles „besessen“. Es hat also defacto niemand mehr die Freiheit eigenverantwortlich auch ohne Staat sein zu können.

    An unterster Stufe sind wir also schon mal nicht demokratisch. Die Herrschaftssysteme welcher Art auch immer, haben sich die Welt aufgeteilt. Das ist schon mal der größte Irrtum, damit stellen sich alle Staaten über die Schöpfung. Und die Kirchen, die darüber wachen sollten, daß dies nicht passiert schauen zu.

    Wenn sie dann erwachsen sind, müssen sie sich natürlich am Erhalt des Staates beteiligen. Also Steuern zahlen. Müssen wohl gemerkt. Sie haben also weder die Möglichkeit in einem „Unbesessenen“, also freien Land einfach nach ihrem Gutdünken zu leben, noch haben sie die Möglichkeit, das was sie vielleicht gar nicht mögen, zu Mindestens nicht zu bezahlen. Der Staat zwingt sie zur Abgabe.

    Es ist natürlich klar, daß dies nie eine Demokratie werden kann, wenn schon an der Basis so vehement diktiert wird.

    Dabei wäre es so einfach. Ein Staat darf nicht alles Land mit seinen Werten und Gesetzen besetzen, sondern hat eine gehörig Portion Land frei zu lassen. Es gibt mehr, als sich eine Staat vorstellen kann, und auch dies braucht seinen Raum. Dafür hat er aber auch nicht die Pflicht sich um jeden Arsch kümmern zu müssen.

    Steuern dürfen nur auf freiwilliger Basis erfolgen. Das sichert übrigens, das, daß, die, die sie als demokratischer Souverän dafür bezahlen, das Land auch wirklich in ihrem Interesse verwalten, und das tun, was SIE von ihm wollen. Denn wenn nicht, zahlen sie nicht mehr.

    Die durch Hoeneß und Schwarzer letztens mal wieder aufgekeimte Steuerdebatte ist soundso ein Witz. Man sollte sich durchaus mal fragen, wenn man selbst einem Anderen keine Geld abzwingen darf, weil man sonst das Delikt der räuberischen Erpressung begeht, warum darf das dann der Staat. Weil er Gemeinnütziges damit schafft? Ich darf das auch nicht wenn ich mit einem Teil des abgezwungenen Geldes Gemeinnütziges machen würde. Warum darf das dann der Staat? Richtig, da wären wir bei einem weiteren Punkt. Gesetze sollten auch für den Staat selbst gelten. Derzeit beschwert sich der größte Räuber, daß er beklaut wird.

    Man darf auch nicht töten, oder zum Töten anstiften. Warten wir mal den nächsten Krieg ab, dauert ja nicht mehr so lange. Da werden dann die, welche viel töten zu Helden, jedenfalls dann, wenn sie später als Sieger hervorgehen,…, wenn nicht,…, Pech gehabt.

    Ja ja, Weltverbesserer, aber so weiterleben geht doch auch irgendwie nicht, oder?

    Gruß aus Bremen

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