Dem DAX schavant Böses

10. Februar 2013 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

von Frank Meyer

An der Börse sollte man gehen, wenn es am schönsten ist. In der Politik ist es genau umgekehrt. Dort gehen Politiker meist erst, wenn es zu spät ist, oder sie gegangen werden. Am Schönsten war es noch am Montag auf dem Parkett, als die Stimmung so heiß war, dass man Fischstäbchen auf der DAX-Tafel hätte frittieren können…

Und am Ende der Woche war der DAX nur noch ein Plagiat seiner selbst, als ob ein schwarzer Schavan in die Tafel geflogen wäre. Wie kann das sein? Nichts war passiert!

Es hieß, die Eurokrise käme zurück. Unsinn! Die EZB deutete sogar weitere Zinssenkungen an, bzw. alles wäre offen. Auch mit Irland gab es einen Deal. Nicht dass irgendjemand noch seine Schulden zurück zahlen muss. Also werden aus Milliardenkrediten langfristige Staatsanleihen. Im Fitnessstudio nennt man so etwas „Stretching“.

Scheitern ist in Europa unmöglich geworden. Solide Bankbilanzen, steigende Kurse, gute Laune und Frohsinn aus Politik und Expertenschaft. Gesellschaftliche Probleme? Ach was!

Was für eine Enttäuschung, dass der DAX nicht schon weit über 8.000 Punkten steht, während man schon darauf wettet, wann er die 10.000er Marke knackt. Und so wurden erst einmal Aktien gegeben. Sogar das Krümelmonster brachte seinen goldenen Keks zurück. Ob der wenigstens echt ist, wird noch untersucht. Wahrscheinlich sehen wir alle Protagonisten der Woche 2014 im Dschungelcamp wieder. Die beste Idee stammt aber von einem Händler an der Börse. Er würde alles einfach umlackieren wie Alitalia ihr verunglücktes Flugzeug.

Achten Sie auf die VW-Aktie! Es stellt sich die Frage, ob der Schavan noch gebaut wird, oder ob alle ausgelieferten Autos zurück gerufen werden müssen. Sharan oder Schavan klingen zum Verwechseln ähnlich wie echte und unechte Doktorarbeiten. Was den DAX betrifft, wird es Zeit, dass sich der Karneval von draußen wieder zurück an die Börse verzieht.

© Frank Meyer, Kolumne aus den Lübecker Nachrichten (Langfassung)


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