DAX und Experten auf Irrflug?

3. August 2014 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Die Börse war schon immer eine Bühne für Komödien und Tragödien. In dieser Wocher wurde jedoch ein Drama geboten. Der DAX hing plötzlich mit 500 Minuspunkten in zwei Tagen über der Kloschüssel…

„Gewinnwarnungen“ machten die Runde. Dabei wird weniger vor Gewinnen gewarnt, sondern dass diese mies ausfallen, also weniger rosarot wie gehofft. Adidas, Osram und SMA Solar hat es zerlegt, nach Software AG, Bilfinger und Draegerwerk. Und das war nur eine Auswahl. Seltsam, dass Kursrückgänge beim DAX noch nicht verboten wurden. Früher gehörten sie zur Normalität.

Erstaunlich ist, dass schon für das gesamte letzte Jahr die Umsätze der DAX-Konzerne stagnierten. Die Gewinne und daran gekoppelten Boni für die Chefs stiegen oft nur durch Sparprogramme. Ist die Schraube jetzt überdreht?

Auf der Showbühne wurde gnadenlos aufgeräumt, bei diesen rosigen Aussichten. Die Gewinnwarnungen der letzten Tage zeigen, dass bei vielen Managern in den letzten Monaten Showtime angesagt war. Das macht jetzt Pause. Man kann es auch so sehen, dass die Ausgabe eines Managements auch darin besteht, Wünsche nach höheren Börsenkursen mit Ausblicken zu untermalen, die beim genauen Hinschauen schon im Vorfeld als etwas abenteuerlich erscheinen.

Drei Streifen? Drei Minuszeichen!

Adidas ist ein gutes Beispiel dafür und wurde in dieser Woche regelrecht nieder getrampelt. Gegen Sie mal über die Straßen und vergleichen Sie die Häufigkeit des Auftauchen der drei Streifen mit dem Nike-Symbol. Da spricht der normale Menschenverstand vor Ort Bände. Oder spielen Sie Golf? Sie sollten! Dann würde auch die Golfsparte den Herzogenaurachern etwas mehr Spaß bereiten statt gar kein Spaß – und das über die letzten Jahre hinweg.

Adidas ist übrigens eines der wenigen Unternehmen aus dem DAX, das keine Schulden hat. Dafür gibt es ein dickes Margenproblem. Oder wie ist anders zu verstehen, wenn der Umsatz für dieses Jahr nicht mehr acht oder neun Prozent steigt, sondern nur noch fünf bis neun Prozent, der Gewinn aber von den prognostizierten 830-930 Millionen Euro nun auf 650 Millionen Euro reduziert wurde? Liegt es nur am Geschäft in Osteuropa? Nicht nur…

Ach ja, von den 100 Milliarden neu produzierten WM-T-Shirts mit den vier Sternen habe ich auf dem Volksfest in unserer fussballverrückten Gegend gestern ein einziges gesehen. Vielleicht war ich ja falsch unterwegs…

Wunsch & Wirklichkeit

Oh weia, die Ökonomen und Volkswirte sind schon wieder ratlos, vor allem, weil es wirtschaftlich doch so gut aussieht, wenn man die Realität ignoriert. Der Zuckerguss auf ihrer Torte erweist sich zunehmend als Salzkruste.

Kürzlich hieß es noch, der DAX muss unbedingt, schnell, unausweichlich und wird sowieso auf mindestens 12.000 Punkte steigen, denn Aktien selbst auf Höchstständen seien spottbillig. Plötzlich wurde aus dem vermeintlichen Sommermärchen ein Sommerschlussverkauf. Wen aber reißen acht Prozent Rabatt vom Hocker? Nach einem achtprozentigen Rückgang ist der DAX eben noch spottbilliger. Dennoch ist es bitter, wenn sich Märkte nicht an Vorgaben halten. Und die meisten wissen, ahnen oder hoffen doch, dass notfalls die Notenbanken bereit stehen werden…

Mich fragte jemand, was ein Volkswirt sei. Man fragt sie nach Rat, wenn man keine Münze zur Hand hat, um eine Entscheidung zu treffen. Vielleicht hatte der Beruf früher etwas mit dem Volk zu tun. Heute aber, so meine Vermutung, schon mehr mit einem Wirt, der dem Volk etwas einschenkt. Manches Buchstabengesöff verursacht dabei rauschartige Zustände. Was sind dann Ökonomen? So etwas wie Volkswirte, medial aber wichtiger und ihre Prognosen vielleicht sogar auch noch ökologisch abbaubar.

Frank Meyer, Kolumne aus den Lübecker Nachrichten (Langfassung)


 

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8 Kommentare auf "DAX und Experten auf Irrflug?"

  1. Avantgarde sagt:

    Und die meisten wissen, ahnen oder hoffen doch, dass notfalls die Notenbanken bereit stehen werden…

    Und genau das könnte sich als Trugschluß erweisen.
    Die Notenbanken schreiten schon ein aber nicht allein wegen dem Aktienmarkt – die Sache mit dem Aktienmarkt ist dann eher eine der möglichen oder vielleicht auch nicht möglichen Folgen.

    Der Nikkei ist trotz heftigster Interventionen der Zentralbank seit 1989 nicht mehr an seine Höchststände herangekommen.

  2. Michael sagt:

    Die jetzige Korrektur ist an sich mal eine marginale. Der KDAX steht auf 4.8k und da war Ende 2013 und 2014 schon mal. Ob gute Dinge 3 wird man sehen. Vernünftige Menschen gehen raus und warten ab. Der eilige Anstieg letztes Jahr von 4.2k hat lässt wenig Spielraum bis mal 4.6k und dann geht es in Richtung ‚vorbei an Freund und Feind‘. Kommt mir noch etwas bald vor. Wer da auch immer noch Aktien kauft – Träumer und Phantasten.

    Wer jetzt kauft, egal ob Frankfurt oder New York der zahlt für Gewinne die 50 Jahre brauchen oder länger bis sie zurückfließen. Das ist keine Investition. Das wäre der pure Kredit und damit aus sich Konsum. Wie damals die RAPID Aktie – da sagte man, ‚ Ja der Fan investiert 1000 Schillinge und der Club lebt weiter‘. Bei den aktuellen Preisniveaus kann man sagen, kauft Aktien damit der Club der Oberen Zehntausend weiter gut auf Kosten anderer leben kann. Die Existenz von Derivaten ist an sich ja ein Zeichen dass Aktien selbst nicht der Heuler per se sind. Bei 15% vom aktuellen Kurs kann man diskutieren.

    Dass heute die abgezinsten möglw. zu erwarteten Erträge eingespreist sind ist meiner Erfahrung nach eher Resultat der zuvor hochspektulierten Preise und der Versuch diese zu begründen. Mehr als 2 Ausschüttungen auf den inneren Wert wäre die Entsprechung zur Realwirtschaft.

    Es wird gerne gesagt, die DAX Werte ausschütten und die U.S. Werte speichern gerne. Wenn man den DAXK auf Niveau 2004 (vor dem Anstieg gegen 2008) anschaut, das durchaus ein realistische Ausgangsbasis war, dann ist aber die Bepreisung der Aktien im KDAX höher als die U.S. Wert die verhalten ausschütten. Die Logik in der Argumentation ist ja
    – wir sind Deutschland wir sind so super (im Moment bestimmt)
    – und daraus wird abgeleitet die U.S. Werte wären hoch bewertet und könnten sauber korrigieren, obwohl sie noch nicht mal begannen. Selbst DAX vs. DOW ist auf 5 Jahre halbwegs ähnlich.

    Ziehen wir mal die zurecht von ihnen angemerkte Darstellung durch die rosarote Brille ob des EURO und dessen erbärmlichen Zustand ab, damit das Gesamtbild stimmig bleibt. Wenn ich die Korrektur nach 2000 als Korrektur sehe, dann war 2008 keine aber 14 Jahre später … wird es Zeit für eine Korrektur.

    Das kleine Gewitterchen in Form der 10 bis 20% Korrektur die noch ansteht im besten Fall. Das ist noch gar nichts. Es stellt sich die Frage, ob 2008 als Korrektur im Aktienmarkt wird gesehen … von der Mehrheit. In dem Falle würde der Bulle seiner Natur als Rindsvieh im weitern Sinne gerecht. Der Bär wird ja nicht geschlachtet, der nascht ja nur den Honig.

    Wie Avantgarde richtig bemerkt – Wo kein Bulle, da kein Bär. Der Verdacht nach 2008, dass nach einer heftigen Korrektur die Aktien als Instrument der Finanzierung durch die Öffentlichkeit und die Breite uninteressant werden und sei es für 30 Jahre ist da. Das kann in 7 Jahren auch passieren. Solange man Aktien als eine Art Konsum sieht. Aktien sind eine Investition und da muss Cashflow zurückkommen und hurtig. In der Wirtschaft muss sich eine Investition schnell rechnen oft in einem Jahr und dem Anleger würde erklärt in 10 Jahren – das ist stimmt nicht mehr zusammen. Das passt die Assettandler ins Konzept aber mit Investition und Wirtschaft hat das schon Dekaden nichts mehr zu tun. Die Entwicklung bis zu den 80ern die war nicht ganz falsch.

  3. Michael sagt:

    Mit den Worten jener die den Zustand der letzten Jahre an den Aktienbörsen im Bandnamen tragen … Bis zum Bitteren Ende
    https://www.youtube.com/watch?v=U9-ys4nBp_4

    Habe eine Version aus 2008 gefunden.

  4. Baldwin sagt:

    Die Wirtschaftswissenschaften gleichen heute eher der Astrologie als der Astronomie. Sie haben wunderbare mathematische Modelle, die mit scheinbarer Präzision Abhängigkeiten und Zusammenhänge beschreiben – nur sind die Schlussfolgerungen außerhalb des Modells bedeutungslos und helfen bei der Orientierung in der realen Welt praktisch gar nichts.
    Immerhin schafft sie damit Arbeitsplätze für sonst schwer Vermittelbare 😉

  5. samy sagt:

    N’Abend,

    ist zwar reichlich off-topic, aber wenn schon Irrflug, dann richtig . Was war mit dem Flug KLM643 los?

    Niederländische Linie, sollte in die USA und drehte über GB mit einigen Schleifen.

    http://de.flightaware.com/live/flight/KLM643

    VG

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