DAX: Deutscher Aktienindex längst nicht mehr deutsch…

28. September 2014 | Kategorie: RottMeyer

von Manfred Gburek

Deutschen Privatanlegern sagt man oft nach, dass sie zu wenig Ahnung von Aktien haben und diese deshalb am liebsten links liegen lassen. Folglich besteht die Reaktion der meisten Medien auf eine zu Wochenbeginn veröffentlichte 15-seitige Bundesbank-Studie zur Eigentümerstruktur am deutschen Aktienmarkt…

…erstens im Bedauern über den mit nur 11,8 Prozent enttäuschenden Anteil privater Aktionäre an börsennotierten Aktiengesellschaften, zweitens im Erstaunen über den mit 57,1 Prozent hohen Anteil der Ausländer. Zieht man nur die Engagements an den im Dax enthaltenen 30 Aktien heran, ist der private Anteil mit 12,9 Prozent etwas, der Ausländeranteil mit 63,7 Prozent sogar beachtlich höher.

Hinter der Studie steckt freilich noch viel mehr. Wussten Sie etwa, dass von 2005 bis Mai 2014 bezogen auf alle börsennotierten deutschen Aktiengesellschaften der Anteil der Fonds von 8 auf 6,3 Prozent gesunken ist? Da muss bei den Fonds und ihren Verkäufern etwas schief gelaufen sein. Oder dass im selben Zeitraum der Anteil der Banken von 4,7 auf 2,7 und der Anteil der Versicherer von 2,6 auf 0,9 Prozent gefallen ist?

Diese Gewichtsverschiebungen gingen zugunsten sogenannter nichtfinanzieller Investoren, deren Anteil von 12,7 auf 18,3 Prozent zugelegt hat. Dahinter verbergen sich in größerem Umfang Beteiligungsgesellschaften aller Art, über deren mehr oder weniger spekulative Anlagepolitik außenstehende Analysten und Fondsmanager in der Regel nur wenig erfahren.

Beim Betrachten der Dax-Kurve fällt seit Juli die zunehmende Abflachung auf. Sie geht üblicherweise konform mit der Kurve der Gewinnerwartungen. Diese verläuft seit geraumer Zeit sogar noch flacher. Das spricht für eine Korrektur der Aktienkurse nach unten. Denn dass die Kurve der Gewinnerwartungen nach oben ausbricht, ist wegen der schlechter gewordenen Stimmung in der deutschen Wirtschaft unwahrscheinlich. Die Korrektur dürfte recht heftig ausfallen. Die Ursache: Ausländische Investoren verfolgen eine Momentum-Strategie. Sie besteht, vereinfacht gesagt, im Ausreizen der Kurse von überdurchschnittlich steigenden Aktien.

Die Bundesbank-Studie lässt auch noch in anderer Hinsicht ein brisantes Fazit zu.

Leiten wir es mit einem Zitat ein:

„Gemessen am Dax hat sich der Wert deutscher Aktien seit 1988 bis August 2014 insgesamt knapp verzehnfacht. Die reine Kursentwicklung ist dabei auf gut die Hälfte des Dax-Anstiegs verantwortlich.“

Das bedeutet: Knapp die Hälfte stammt aus Dividenden. Erinnern Sie sich an Jubelmeldungen vom Frühjahr, als die Dividenden überreichlich ausfielen? Jetzt ist der Jubel verhallt, und deutsche Konzerne wie zuletzt Merck und Siemens klotzen mit Investitionen in Amerika. Das heißt, Kapital wandert aus Deutschland ab, und bis es eine hohe Rendite einfährt, drücken die Konzerne auf die Dividendenbremse. Auch von daher ist bei deutschen Aktien Vorsicht angesagt.

Eine immer wieder auftauchende Frage ist: Was macht man mit Aktienfonds, zumal mit solchen, die der langfristigen Anlage dienen, etwa zur späteren Altersvorsorge?

Dazu erst eine Vorbemerkung: Kaum ein Aktienfonds kann sich fallenden Kursen entziehen, das ist nachweisbar. Es handelt sich um ein zyklisches Geschäft. Wer Einmalanlagen bevorzugt, läuft Gefahr, vor lauter Angst zu verkaufen, wenn ein Aktienzyklus gerade unten angekommen ist. Den Nachweis dazu liefert die Bundesbank-Studie ebenfalls. Antizyklisch einzusteigen, erfordert von Anlegern viel Disziplin und Geduld.

Ähnlich verhält es sich mit Anlageplänen, nur dass regelmäßiges Sparen einen gewissen Risikoausgleich mit sich bringt – vorausgesetzt, es handelt sich um einen erfolgreichen Fonds mit gutem Management und einem so hohen Volumen, dass nicht die Gefahr besteht, er würde in absehbarer Zeit von der Bildfläche verschwinden.

Einmal mehr drängt sich die Frage auf: Aktiendepot oder Aktienfonds?

cover_gIch selbst bin nach langer Beschäftigung mit dieser Materie zum eindeutigen Ergebnis gekommen: Aktiendepot. Dazu müssen jedoch gewisse Voraussetzungen gegeben sein: viel Zeit für die Beschäftigung mit der Materie, von der Interpretation der Kurskurven bis zu Recherchen in relevanten Medien (schon das Internet ist eine wahre Fundgrube), möglichst auch vor Ort, etwa aus Anlass von Betriebsbesichtigungen und Hauptversammlungen, ferner Diskussionen mit gleichgesinnten Anlegern, die zum Beispiel in Internetforen zu finden sind, und häufige Reisen, die ungemein helfen können, den Blickwinkel zu verändern.

Ohne Anlagepraxis geht es nicht, also ist immer wieder mit Anlagefehlern zu rechnen. Die bucht man dann, statt frustriert zu sein, am besten auf das Konto Erfahrung. Fünf bis zehn Aktien reichen zum Risikoausgleich. Disziplin und Geduld sind hier noch mehr vonnöten als beim Umgang mit Aktienfonds. Die Lernkurve verläuft am Anfang ziemlich flach, wird aber spätestens nach einigen Dutzend Transaktionen immer steiler.

Manfred Gburek – Homepage


 

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Ein Kommentar auf "DAX: Deutscher Aktienindex längst nicht mehr deutsch…"

  1. Michael sagt:

    Es ist noch lang nicht aller Tage Abend. Schauen sie am K-DAX. Das war die passende Nachricht. Im Moment ist die Divergenz sehr auffällig. Wenn man so einen 10 Jahres Rückblick zieht dann fällt auf, dass der K-DAX nach den 2 Hochs in 2014 eher sich neigt. Klassische Häschenohrenformation eher bummelig aber aus meiner Sicht eindeutig. Der Kursindex kommt nicht wirklich vom Fleck. Der weitere Verlauf steht auf des Messers Schneide… Weder rauf noch runter ist eher eine Rarität auch wenn die Korrekturen oder die Anstiege heutzutage eher, naja, von übertriebener Hoffnung und euphorischem Jauchzen sind geprägt. Aber wer jauchzt nicht voll der Freude wenn es mit der Rodel ins Tal geht?

    So geht es halt wenn man nach der Party aufwacht…
    https://www.youtube.com/watch?v=Za4pPCtsvdI

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