DAX 9.000: Pustekuchen statt Torte

27. Oktober 2013 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Der DAX hat die 9.000er geknackt! Bei so runden Marken rollte früher die Deutsche Börse immer eine große Torte aufs Parkett. Diesmal gab es aber statt Torte nur Pustekuchen…

Geizhälse! Typisch Einsparungen! Die Torte war gestrichen. Die Quartalszahlen des Börsenbetreibers werden wohl um Millionen höher ausfallen. Kleiner Scherz!

Sparen liegt im Trend, vielleicht auch an der falschen Stelle… Überall… Auch die ganzen Sparmaßnahmen der großen DAX-Konzerne trotz gigantischer Rekordgewinne halfen den Aktienkursen. Sind die 9.000 Punkte deshalb das Ergebnis eines soliden Wirtschaftens? Zum Teil. Allerdings lieferten die Zentralbanken mit ihrem Billiggeld die wahren Sprengsätze für die Börsen – und das weltweit. Etliches von den Billionen taucht nun auch auf der DAX-Tafel auf, während das Spargeld auf den Konten vergammelt.

Zwei Sachen sind erstaunlich: Die Hälfte der DAX-Papiere haben noch keine neuen Hochs gemacht. Zudem fehlt der Börse die Euphorie. Vor der Börse war am Freitag die Stimmung dank des Wochenmarktes besser als drinnen. Zudem sind Aktien unter den Deutschen weiterhin so beliebt wie Seiltänze unter dicken Hühnern oder ein Wadenkrampf.

Was haben wir heute? Sonntag! Willkommen in der Winterzeit! Sind Sie gut aus dem Bett gekommen? Jetzt regen Sie sich mal ab! Die armen Spanier leben schon seit 1942 in einer falschen Zeitzone, als sie damals die deutsche Zeit übernahmen. Es tat ihnen nicht gut. Experten sehen im ständigen Jetlag einen Grund für die Krise. Seit 60 Jahren hinkt man den meisten Europäern im Tagesablauf hinterher. Das erklärt einiges. Jetzt sollen die Uhren um eine Stunde zurückgestellt werden. Dann stünde einem Boom auch nichts mehr im Wege.

Und der Euro steht bei 1,38 zum US-Dollar. Der Begriff „Eurokrise“ sollte verboten werden. Aber das erwähnte ich ja bereits…

Am 31. Oktober ist übrigens Weltspartag. Da können Sie richtig knacksen! Schön, wenn man heute noch etwas sparen kann. In einer Umfrage unter 2000 Leuten der comdirect-Bank gaben drei von vier an, ihr Monatsgehalt würde nicht reichen. Heißt das, 75 Prozent der Befragten leben über ihre Verhältnisse? Wozu überhaupt heute noch sparen? Und in was? Meine Lieblingsschlagzeile des Monats lautet: „Schnäppchenjagd trotz Rekorden. Und vielleicht wird der Rekord noch rekordverdächtiger? Vielleicht pusten ja die Zentralbanken den DAX bald schon auf 10.000 Punkte – dem Gegenwert eines künftigen Pustekuchens? Lasst uns in die Hände klatschen! Nominale Zahlen sind so herrlich einfach zu verstehen…

©Frank Meyer, Kolumne aus den Lübecker Nachrichten (Langfassung)


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8 Kommentare auf "DAX 9.000: Pustekuchen statt Torte"

  1. EuroTanic sagt:

    Bisher konnte mir noch niemand plausibel herleiten “wie” Aktienkurse berechnet werden. Nicht formal, sondern real, und technisch. Wer hat die Software dafür geschrieben, wer ist Betreiber der Software, wer stellt die Daten zur Verfügung, wer sitzt da konkret und berechnet, wer bringt die Daten an die Öffentlichkeit etc. Und wer kontrolliert das Ganze? Ich brauche die Aktien gar nicht kompliziert durch reale Transaktionen manipulieren, ich brauche nur an irgendeiner Stelle der Datentransformationen eingreifen.

    • Frank Meyer sagt:

      Angebot – Nachfrage – Preise. Real. Software = Börse.
      Sie hatten mit Börse noch nichts zu tun?
      Da ist keine Verschwörrungstheorie.

      • Michael sagt:

        EuroTitanic treibt etwas die Sorge, dass es keiner Kaufs- und Verkaufsorder mehr gibt, etwas überzogen formuliert. Clearing und Settlement gibt es schon noch. Der Wilde Westen beginnt nicht in Frankfurt.

        Um das geht’s denke ich. Es ist auch nicht ganz unverständlich, da sehr viel vermischt wurde in der öffentlichen Diskussion
        a) Portfolios – Derivate
        b) High Frequency Trading
        c) Qualitativen Kriterien bei der Risikoanalyse z. B. bei Staatsanleihen.

        Wenn man davon ausgeht das autonome Systeme existierten die beliebig Orders generieren können, auch in der Hoffnung, dass andere Teilnehmer drauf einsteigen, könnte man den Preis manipulieren. Aber ab das so ist, wer weiß das schon. Die Frage die sich stellt, ist die Meinung zum Preis noch die Meinung des Auftraggebers als Mensch.

  2. EuroTanic sagt:

    Das meinte ich nicht. Welche Firma hat die Software programmiert, welche Firma speisst die Daten ein etc. Aber danke für die Hilfen 🙂

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