DAX 8000: Ja, die nominalen Zahlen…

25. Januar 2013 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

(von Frank Meyer) Wie schon erwähnt, sind nominale Zahlen Nebelkerzen vom Feinsten. Ist ein DAX bei 8.000 Punkten teuer bzw. so „wertvoll“ wie im Jahr 2000 oder 2007? Damals versetzte die 8.000er Marke Börsianer, Experten und alles andere, was an der Börse kreucht und fleucht in Wallung. Und nun?

Soweit man sehen kann, ist der Mount Everest bis auf ein paar kleine Abweichungen immer 8.848 Meter hoch gewesen – sowohl im Jahr 2000 als auch 2007. Wie aber sieht es beim DAX aus, als der damals und jetzt in etwa gleicher Höhe steht? Ich bin mir nicht sicher, finde es aber äußerst interessant, weil kaum jemand das zu unterscheiden weiß.

Was bei Mengenangaben funktioniert, versagt bei Preisvergleichen. Vor zehn Jahren habe ich einen 50-Euro-Schein in einem Buch versteckt. Während des Umzuges fiel er mir wieder in die Hände. 50 Euro waren damals wesentlich mehr wert als heute. Anhand alter Quittungen aus der Steuererklärung 2002 bekam ich in etwa doppelt so viele Dienstleistungen und Waren des täglichen Bedarfs wie heute. Doch 50 bleiben 50. Oder nicht? Nein.

Da es sich um Geld handelt, und nicht um Kilogramm, Meter oder Liter, ist der Preis des Geldes bzw. der Preis entscheidend, der den bedruckten Baumwolllappen beigemessen wird. Offenbar ist dieser heute geringer als damals. Es gibt zwar mehr Dienstleistungen und Waren, aber wesentlich mehr Geld bzw. elektronische Verrechnungseinheiten. Der Preis des Geldes passt sich dem Umfang der Waren an.

Und der DAX?

Inzwischen notiert der Deutsche Leitindex DAX wieder in der Nähe der 8000er Marke – so hoch wie der Mount Everest in Metern. Da der Euro nur noch die Hälfte der Kaufkraft von damals besitzt, könnte der DAX bei rund 12.000 Punkten beginnen, wieder verrückt zu werden. Offiziell sind es ja nur 27 Prozent weniger Kaufkraft. Das zur Seite gelegte Bargeld hat offiziell um ein Viertel an Kaufkraft verloren. Das zeigt nebenbei, dass Bargeld als Wertaufbewahrungsmittel nichts taugt, vor allem nicht in Zeiten finanzieller Repression.

Trotzdem spricht die EZB von Preisstabilität, obwohl ich unter diesem Begriff das verstehe, was er ausdrückt: stabile Preise. Dass ich für 50 Euro von heute in etwa das Gleiche bekomme wie damals. Aber vermutlich ist das mehr Wunsch als Realität bzw. Pfennigfuchserei. Verzeihung, das mit dem Pfennig war jetzt politisch unkorrekt…

Wenn der Euro offiziell 27% an Kaufkraft eingebüßt hat, müsste der DAX mindestens auf über 10.000 Punkte steigen, um seinen Wert aus dem Jahr 2000 zu erreichen. Damals wurde er durch das Gewicht der Telekom von 25 Prozent regelrecht nach oben gezerrt bevor er durchdrehte. Experten und Anlageberater auch.

Doch sind DAX und Euro als Preiskomponenten überhaupt ein belastbarer Anker? Gegenüber Gold hat der Euro binnen einer Dekade um fast 70 Prozent abgewertet, was einerseits der gefühlten Inflation entspricht plus einem Abbau der Unterbewertung gegenüber der Währung. Anders herum ist Gold in Euro von 350 auf 1.250 Euro pro Feinunze gestiegen. Gold scheint mir wegen seiner unveränderlichen Einheit ein besserer Maßstab zu sein.

Wäre ich Zentralbanker, ich würde die Kaufkraftentwicklung des Euro an elektronische Bauelemente oder das an Vertrauen zur Politik koppeln. Da klappt es dann auch mit der Aufwertung der Währung… (Seite 2)

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