Das Geheimnis des jüngsten Preisanstiegs von Gold und Silber (Manfred Gburek)

24. Januar 2009 | Kategorie: Kommentare

Was treibt den Goldpreis – und mit ihm den Silberpreis – gerade jetzt nach oben? Warum ist er am Freitagnachmittag zwischenzeitlich sogar über 900 Dollar und der Silberpreis über 12 Dollar gestiegen? Für Sie als regelmäßigen Leser meiner Beiträge dürfte das nicht wirklich überraschend sein, weil ich Ihnen die entscheidenden Treibsätze immer wieder genannt habe. Auf einen, der den jüngsten Preisschub hauptsächlich verursacht, weil er Anleger scharenweise in die beiden Edelmetalle getrieben hat, möchte ich heute allerdings ganz besonders zurückkommen: die immanente Schwäche aller Währungen. Was dahinter steckt, ist kompliziert zu erklären. Versuchen wir es trotzdem:

Zwei Ereignisse aus der Obama-Woche werden für Anleger auch in Zukunft von großer Bedeutung sein: die Rede des neuen US-Präsidenten und der nun schon mehrfach gegen Dollar wie auch gegen Gold schwächelnde Euro. Obama macht, politisch-psychologisch gesehen, seit Monaten das einzig Richtige: Er weckt Emotionen – wie zuletzt bei seiner Antrittsrede – in weiten Kreisen der eigenen Bevölkerung, aber auch im Ausland, damit alle den Karren aus dem Dreck ziehen, den die Finanzwirtschaft dorthin gefahren hat. Dahinter steckt natürlich ein knallhartes Kalkül.

Umso unglücklicher ist das Timing beim Bonitätsverlust Spaniens, ausgelöst durch die Herabstufung der Kreditwürdigkeit des Landes von AAA auf AA+, und das ausgerechnet seitens der umstrittenen US-Ratingagentur Standard & Poor’s – eine miese Angelegenheit, zumal es vorher schon Griechenland mit der Herabstufung von A auf A- erwischt hat. Die Euro-Schwäche ist von daher nur eine logische Konsequenz, weil beide Länder zum Euro-Block gehören. Das heißt, in einer Zeit, da der Dollar wegen extrem schlechter volkswirtschaftlicher Daten der USA eigentlich in den freien Fall zum Euro übergehen müsste, erwischt es diesen wegen schlechter gewordener Daten von zwei Euro-Ländern, denen bald weitere folgen werden – mit kräftiger Unterstützung von Standard & Poor’s. Gewinner ist das Gold, gegen das beide Währungen schwach sind.

Dabei wird es im Trend bleiben, mindestens bis 2011: Aus der Dollar-Perspektive wegen der weiter sehr lockeren Geldpolitik der USA in Verbindung mit einem Haushaltsdefizit, das im laufenden Fiskaljahr mindestens 1,2 Billionen Dollar erreichen dürfte. Und aus der Euro-Perspektive, weil spätestens seit dem griechisch-spanischen Desaster klar ist, dass die europäische Gemeinschaftswährung auf einer politisch gewollten, volkswirtschaftlich aber immer noch fragwürdigen Konstruktion beruht.

So stritten sich denn auch führende EU-Politiker zuletzt in aller Öffentlichkeit über Spreads (Zinsaufschläge, in diesem Fall für Staatsanleihen), die z.B. den griechischen Staat schon bei der Anleihenemission drei Prozentpunkte mehr kosten als den deutschen, über mögliche gemeinsame Anleihen (ein Teufelszeug, das dem Euro weiter schweren Schaden zufügen dürfte) und über den nicht minder möglichen Austritt einzelner Länder aus dem Euro-Block, was fast einem Todesstoß für die Gemeinschaftswährung gleichkäme. Und das alles im Zuge der immer schlimmer werdenden Folgen der Finanzkrise, deren aktueller Stand nicht einmal annähernd auszumachen, geschweige denn, dass ihr Ende abzusehen ist.

Die USA haben es da trotz ihrer desaströsen volkswirtschaftlichen Daten leichter: Sie verfügen über eine Währung, die – auch bei noch so hohem Kaufkraftschwund – nicht an ihren Rändern ausfransen kann, wie der Euro im Mittelmeerraum. Und sie haben jetzt einen Präsidenten, der in der Lage ist, die ganze Generation auf seine Spur zu bringen, etwa mit seinem Ökoprogramm „New Energy for America“, das von den Vereinten Nationen in Erinnerung an die Bewältigung der Weltwirtschaftskrise in den 30er Jahren schon vorab als „Green New Deal“ bezeichnet wurde. Später, während des 2. Weltkriegs, schafften es die Amerikaner sogar, Schiffe wie am Fließband zu bauen und die Autoindustrie mit enormen Aufträgen aus dem Rüstungshaushalt auf Tempo zu trimmen.

Fazit: Die bisherige, auch von den Medien gebetsmühlenhaft veröffentlichte Formel, wonach der Goldpreis angeblich deshalb steigt, weil der Dollar schwach ist (oder umgekehrt), wird für die Zukunft noch weniger gelten, als sie – wenn überhaupt – in der Vergangenheit relevant war. Denn was wir zurzeit vor allem erleben, ist die Schwäche aller Papierwährungen im Verhältnis zum Gold. Die jeweils aktuelle Ursache dieser Schwäche mag mal im verzweifelten Versuch der US-Notenbank Fed liegen, den Teufel (Krise) mit dem Beelzebub (Gelddrucken) auszutreiben, mal in der Herabstufung der Kreditwürdigkeit von Ländern des Euro-Blocks, am Ende kann die einzig richtige Formel indes nur lauten: Egal, wie die Währungen sich verhalten, Gold bleibt Gold (und Silber bleibt Silber).

Jetzt noch ein Schmankerl zu Goldaktien, die ja bekanntlich vor allem im zweiten Halbjahr 2008 erhebliche Kursverluste erlitten haben, sich seitdem aber wieder kräftig erholen. Dem größten auf sie spezialisierten Fonds Blackrock World Gold ist es bekanntlich ebenso ergangen. Für Goldaktienanleger ist nun interessant, wie sich seine Aktienengagements im Lauf des Jahres 2008 verändert haben. Hier das Ergebnis mit den jeweils größten Positionen in der Reihenfolge 1 bis 5: Ende 2007 waren es Newcrest, Barrick, Kinross, Buenaventura und Lihir. Ein halbes Jahr später gab es leichte Veränderungen mit den Favoriten Newcrest, Barrick, Kinross, Impala und Goldcorp. Schließlich Ende 2008: Newcrest, Kinross, Barrick, Newmont und Goldcorp. Daraus lässt sich eine Schlussfolgerung sicher ziehen: Unter den favorisierten Aktien der führenden Goldkonzerne ragen zwar nach wie vor Newcrest, Kinross und Barrick hervor, aber die Gewinner sind Newmont und Goldcorp. Das ist ein wichtiges Indiz für die kommende Kursentwicklung.

Manfred Gburek, 23. Januar 2009 —————> www.gburek.eu

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