Das Comeback des Sparens

7. Dezember 2008 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

Für fast alle war 2008 an der Börse ein Schuss in den Ofen. Die meisten Prognosen der Fachleute gingen komplett daneben bzw. nach hinten los. Wie so oft. Das ständig gesehene Licht am Ende des Tunnels war ein entgegendkommender Schnellzug. Anleger sehen sich mit dem größten Börsencrash seit 1929 konfrontiert. Und der Aufschwung? Na, sehen Sie sich doch bloß um! Und jetzt lernt der Bürger auch noch das Sparen…

Wenn es je einen Aufschwung gegeben hat, der auch noch bei den Menschen angekommen sein soll, so hat der sich so schnell verabschiedet wie der DAX von seinem Höchststand. Am meisten erstaunt aber, wie schnell die offiziell nicht vorhandene Kreditklemme die Realwirtschaft in den Abgrund reißt. Amerika ist seit Dezember 2007 in der Rezession, melden die hohen Räte. Holla! Hatte irgendjemand daran gezweifelt, selbst als beißender Optimismus aus Gießkannen verschüttet wurde?

Der Kreditzyklus ist unterbrochen. Die Totenglöckchen haben zuerst an den Finanzmärkten geläutet. Jetzt sind Unternehmen und Verbraucher arm dran. Obwohl es vor Rettungsschirmen wimmelt, die FED mit 8,5 Billionen USD neuem Geld hantiert, und andere Notenbanken ihr nicht nachstehen, zucken die Märkte in sich zusammen.

Wer will sich heute noch mehr und noch höher verschulden? Instinktiv schränkt Otto Normal seine Ausgaben ein und beginnt mit dem, was Politiker noch nie konnten: Sparen. Kleinere Autos, hin und wieder das Fahrrad, weniger reisen, weniger Luxus, weniger Schnickschnack und weniger Dinge, die nicht unbedingt nötig sind. Und weniger Kredit. Nicht dass Sparen sonderlich Spaß macht, vor allem nicht, wenn man sich dazu gezwungen sieht.

Für Millionen Bürger ist in unserer globalisierten Arbeitswelt das Sparen inzwischen unmöglich geworden. Jeder zehnte Bundesbürger beispielsweise ist überschuldet. Andere, die sparen könnten, wissen aber nicht wie. Statt aber eine Stunde im Monat über die eigenen Finanzen nachzudenken, übergeben sie die Früchte ihrer Arbeit einem Experten. Eigenverantwortung ist für die meisten ein Fremdwort und so lästig wie Vorgesetzte im Karriererausch. Und so bekommen die meisten nicht das, was sie sich wünschen, sondern das, was sie verdienen.

Schein und Sein
Nach Jahren des kreditgetriebenen Aufschwungs steckt die Welt in Schwierigkeiten. Die Weltwirtschaft zeigt sich wie eine Feinstrumpfhose nach einem Spaziergang durch Rosenbüsche. Jede fallende Masche wird mit einem Klecks Leim oder einem Rettungsschirm versehen. Es könnte ratsam sein, in Deckung zu bleiben, um den Schrotkugeln aus den Gewehren der Inflation und Deflation aus dem Wege zu gehen. Vielleicht werden die Weihnachtsgeschenke etwas kleiner? Man könnte inmitten der besinnlichen Zeit auch mal über das Thema Geld nachdenken.

Die einen glauben, dass sie reich werden, wenn sie an den Börsen agieren. Seit einer ganzen Dekade gab es dort nichts zu holen. Andere investieren in Schulden von Staaten und Unternehmen, hoffend, dass sie jemals zurückgezahlt werden. Eine 10-jährige Bundesanleihe bringt heute 2,8% im Jahr. Viele tun gar nichts und überlassen ihr Geld dem Fraß der Inflation. Dann gibt es die große Gruppe die glaubt, dass Sparen etwas mit dem Anschaffung eines Flachbildschirms zu tun hat. Andere lassen sich monatlich einen „riestern“, vertrauen auf die gesetzliche Rente, auf Lottogesellschaften, den Vater Staat oder den Weihnachtsmann.

Unsere Alten haben Erfahrungen
Wie haben das eigentlich unsere Alten mit ihrer Vorsorge gemacht? Sie haben doch ohne „effiziente Finanzmärkte„, Fonds und den DAX leben müssen. Ganz simpel: Sie haben einfach weniger ausgegeben als sie eingenommen haben und davon etwas zur Seite gelegt. Sie lachen? Sind unsere Alten dabei reich geworden? Ich weiß es nicht. Aber so ganz unzufrieden mit ihrem Leben waren sie offenbar nicht. Sie bekamen Kinder, gingen arbeiten und hatten Fähigkeiten und Fertigkeiten, die ihnen das Überleben im Notfall sicherten. Ihre Enkel glauben heute reich zu werden, ohne etwas leisten zu müssen. Oder sie glauben an Experten oder bunte Plakate, die immer auf günstige Nachkaufgelegenheiten aufmerksam machen und sich dann schnell aus dem Staub machen.

Am Ende ist Geld nur Papier
Voltaire (1694 – 1778) schrieb, dass jedes Papiergeld am Ende auf seinen inneren Wert sinkt – nämlich auf Null. Die Hyperinflation der 20er Jahre ist unseren Alten von den Erzählungen und Entbehrungen ihren Eltern noch bekannt. Mit den Papierscheinen heizte man damals die Öfen. Geld war wirklich nur Papier. Diejenigen aber, die Rücklagen in Gold und Silber besaßen, hatten einen einfacheren Start als alle anderen.

Nach dem zweiten Weltkrieg lag nicht nur Europa in Trümmern, sondern auch mal wieder das Geld. Allein im letzten Jahrhundert sind 27 Währungen umgekommen. Das Ersparte war weg. Goldmünzen haben den Vorteil, dass sie geleistete Arbeitskraft speichern können. Wenn Unmengen Papiergeld aus dem Nichts erzeugt wurden, kam irgendwann immer das böse Ende. Unsere Großeltern wissen das noch. Seit 1971 das Band zum Gold weltweit zerschnitten wurde, ist unser heutiges Geld nur noch mit Vertrauen unterlegt. Erst dadurch war es auch möglich, dass dieses viele Geld aus Banken und Notenbanken auf die Welt kam und die Finanzwelt begann, verrückt zu werden. Das Ergebnis sehen wir heute.

Wie die Alten sungen…
…so zwitschern jetzt auch etliche Jungen. Unsere Alten sagten: „Spare wenn Du kannst, dann hast Du in der Not.“ Die klugen Investoren haben sich längst in der Geschichte umgeschaut und auch den Lebensweisheiten der Alten gelauscht. Geschichte wiederholt sich zwar nicht, aber sie reimt sich. Viele machen es heute deshalb den Omas und Opas nach und legen neben ein paar Euro auf die hohe Kante und ein paar edle Münzen unters Kopfkissen. Auch andere Dinge sind im Gegensatz zum heutigen Geld nicht beliebig vermehrbar: Grund und Boden – vielleicht mit einem Häuschen darauf. (selbstgenutzt und abbezahlt) Aktien von großen weltweit agierenden Unternehmen haben die Wirren auch meist überstanden. Aber die Schuldscheine? Wahrscheinlich kommt es aber wie immer im Leben immer auf die Mischung an, nicht auf Versprechen.

Unsere ach so moderne Finanzwelt wirbt mit intelligenten Produkten und intelligenten Strategien für intelligentes Investieren. Vieles von früher stellt sich heute als fürchterlich dumm heraus und die Götter kriegen sich vor Lachen nicht mehr ein, wenn sie ihre Hälse über die Wolken recken und uns zuschauen. Intelligent zu investieren heißt, sich eigene Gedanken zu machen, Eigenverantwortung zu übernehmen und die Dinge einfach zu halten, bescheidener und übersichtlicher. Und vor allem eins: Weniger ausgeben als man einnimmt.

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