Das Comeback des Sparens

18. Januar 2009 | Kategorie: Kommentare

Für die einen war 2008 mehr als nervenaufreibend, vor allem wenn man die Prophezeiungen der Experten ernst genommen hat. Fast alle ihre Prognosen gingen daneben. Es königliches Spektakel. Es gab dabei genügend Gründe, sich vor Lachen auf die Schenkel zu klopfen. Aber es gab auch Schmerzen für die anderen, die den Gurus folgten. Um einige ist es ja inzwischen recht ruhig geworden, so ruhig wie um die Themen Klimakatastrophe und Aufschwung. Die Sorgen vor Wanderdünen auf Autobahnen und Palmenwuchs im Vorgarten ist der Sorge um die Finanzmärkte gewichen. Und der Aufschwung? Na, sehen Sie sich bloß um.

Die Summe der Schwierigkeiten

Am meisten erstaunt aber, wie schnell die Realwirtschaft in Richtung Rezession schlittert. Mit dem Ende des Kreditzyklus haben zuerst die finanziellen Schwierigkeiten zugenommen, dann die Probleme der Unternehmen und Verbraucher. Das Verwirrspiel ist für Otto Normalverbraucher kaum noch zu verstehen. Instinktiv schränkt er seine Ausgaben ein und beginnt mit dem, was Politiker noch nie konnten: Sparen.

Doch damit beginnt das nächste Problem: Für Millionen Bürger ist in unserer globalisierten Arbeitswelt das Sparen schier unmöglich geworden. Jeder zehnte Bundesbürger ist inzwischen überschuldet. Andere, die sparen könnten, wissen nicht wie. Doch statt eine Stunde im Monat über die eigenen Finanzen nachzudenken, übergeben sie die Früchte ihrer Arbeit einem Vermögensberater. Dieser kümmert sich gerne um seine Schäfchen. Schließlich lebt er ja davon. Doch Eigenverantwortung ist für die meisten ein Fremdwort und ist so lästig wie Vorgesetzte im Karriererausch. Viele bekommen nicht das, was sie sich wünschen, sondern das, was sie verdienen.

Schein und Sein

Nach Jahren des kreditgetriebenen Aufschwungs steckt für viele die Finanzwelt in Schwierigkeiten. Die größte Wirtschaftsmacht der Welt erinnert an eine Feinstrumpfhose nach einem Spaziergang durch Heckenrosenbüsche. Jede fallende Masche wird mit einem Klecks Leim aufgehalten. Amerika klebt. Bei veröffentlichten statistischen Zahlen gewinnt man den Eindruck, sie seien zuvor aufgehübscht worden durch eine gehörige Tracht Prügel. Zeitungen kommentieren die US-Daten zu Wachstum und zur Inflation als kämen sie aus einem anderen Universum. Zwischen Schein und Sein klaffen Welten.

Und so könnte es ratsam sein, weiter in Deckung zu bleiben, um den Schrotkugeln aus den Gewehren der Inflation und Deflation aus dem Wege zu gehen und in der Zwischenzeit mal über das Thema Geld nachzudenken. Die einen glauben, dass sie reich werden, wenn sie an den Börsen agieren. Andere tun gar nichts und überlassen ihr Geld dem Fraß der Inflation. Dann gibt es viele die glauben, dass es sich beim Sparen so verhält wie der Kauf eines Flachbildschirms aus dem Sonderangebot. Und dann sind da noch diejenigen, die sich monatlich einen „riestern“ lassen, auf die gesetzliche Rente vertrauen, auf Lotto oder den Vater Staat.

Unsere Alten haben Erfahrungen

Wie haben das eigentlich unsere Alten mit ihrer Vorsorge gemacht? Sie haben doch ohne „effiziente Finanzmärkte„, Fonds und den DAX leben müssen. Ganz simpel: Sie haben einfach weniger ausgegeben als sie eingenommen haben und davon etwas zur Seite gelegt. Sie lachen? Sind unsere Alten dabei reich geworden? Ich weiß es nicht. Aber so ganz unzufrieden mit ihrem Leben waren sie offenbar nicht. Sie bekamen Kinder, gingen arbeiten und hatten Fähigkeiten und Fertigkeiten, die ihnen das Überleben im Notfall sicherten. Ihre Enkel glauben heute reich zu werden, indem sie nichts leisten müssen, sondern ihr Glück der Börse anvertrauen. Oder sie glauben den bunten Plakaten und den Experten die immer auf günstige Kaufgelegenheiten hinweisen und sich dann aus dem Staub machen. Unsere Alten sagten: „Spare wenn Du kannst, dann hast Du in der Not.“ Die meisten, die das taten, erwartete eine böse Überraschung. Sie haben nämlich in der falschen Form gespart.

Schon Voltaire (1694 – 1778 )schrieb, dass jedes Papiergeld am Ende auf seinen inneren Wert sinkt – auf Null nämlich. In der Hyperinflation der 20er Jahre verloren alle ihr Geld. Mit den Papierscheinen heizte man die Öfen. Nur diejenigen, die ihre Rücklagen in Gold und Silber besaßen, hatten einen einfacheren Start als alle anderen. Nach dem zweiten Weltkrieg lag nicht nur Europa in Trümmern, sondern auch wieder das Geld. Das Ersparte war wieder weg. Nur die Goldmünzen haben die geleistete Arbeitskraft wieder speichern können. Es war immer so: Wenn Unmengen Papiergeld aus dem Nichts erzeugt wurde, kam hinterher das böse Ende. Unsere Großeltern wissen das. Seit 1971 ist das Band zum Gold weltweit zerschnitten. Erst dadurch war es möglich, diese vielen neuen Billionen ungedeckter Gelder aus Banken und Notenbanken in die Welt zu drücken mit der Folge, dass die Finanzwelt verrückt wurde.

Wie die Alten sungen…

…so zwitschern jetzt auch etliche Jungen. Die klugen Investoren haben sich längst in der Geschichte umgeschaut und den Lebensweisheiten der Alten gelauscht. Geschichte wiederholt sich zwar nicht, doch sie reimt sich. Viele machen es heute deshalb den Omas und Opas nach und legen neben ein paar Euro auf die hohen Kante und ein paar edle Münzen unters Kopfkissen. Auch andere Dinge sind im Gegensatz zum heutigen Geld nicht beliebig vermehrbar: Grund und Boden – vielleicht mit einem Häuschen darauf. (selbstgenutzt und abbezahlt) Wahrscheinlich kommt es aber wie im Leben immer auf die Mischung an, nicht auf Versprechen.

Unsere moderne Finanzwelt wirbt mit intelligenten Produkten und intelligenten Strategien für intelligentes Investieren. Vieles stellt sich heute als dumm heraus und ringt den Göttern ein derbes Lachen ab. Intelligent zu investieren heißt auch, sich eigene Gedanken zu machen, Eigenverantwortung zu übernehmen und die Dinge einfach zu halten, kleiner und übersichtlicher. Und vor allem eins: Weniger ausgeben als man einnimmt.

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