Das Zentrum kann nicht mehr lange halten

27. November 2011 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer, Slideshow

von Bill Bonner

Italien scheint zu weit gegangen zu sein. Die Rendite der italienischen 10jährigen Staatsanleihen ist auf über 7% gestiegen. Das sei „der Anfang vom Ende“, so die meisten Analysten. Aber des Endes von was?

Wenn es gut läuft, haben die Leute wenig Geduld, um Fragen zu stellen. Die sind beschäftigt, mit Geld verdienen und Geld ausgeben, kaufen und verkaufen. Aber wenn ein größerer Umschwung kommt, plötzlich, dann entwickeln sie die Aussagekraft von einem verhinderten Dichter in einer unglücklichen Ehe.

„Was zählt wirklich?“, fragen sie sich. „Und was tue ich hier überhaupt?“

In den USA wurden alle offenen Fragen durch den Bürgerkrieg geklärt. „Wir wollen einen gemeinsamen, zentralisierten Staat, oder wir werden Euch töten“, so in etwa die Ansicht von Abraham Lincoln. Später wurden die Rechte der Zentralregierung auf Kosten der Regierung der Bundesstaaten erweitert.

In Europa wurde auch einige Male eine Zentralisierung versucht. Martin Wolf nannte das in einem Artikel in der Financial Times „den Traum von Jahrhunderten“. Es waren große Träumer, die dachten, sie könnten so viele unterschiedliche Völker zusammentun. Cäsar…Bonaparte…Hitler. (Aus irgendeinem Grund, vielleicht schlechtes Gedächtnis, erwähnte Wolf Hitler nicht.) Aber der jüngste Zyklus der Zentralisierung wurde freiwillig eingeleitet. Die Europäer sahen diese als eine Möglichkeit an, Krieg zu verhindern und ihre Volkswirtschaften zu stimulieren.

Damit hatten sie eine Zeitlang recht, in beiden Punkten. Die Europäischen Volkswirtschaften legten in den „30 glorreichen Jahren“ nach dem Zweiten Weltkrieg einen Boom hin. Dann, als in den USA die Schulden der privaten Haushalte explodierten, finanzierte Europa seinen weiteren Anstieg des Lebensstils mit staatlichen Schulden, finanziert zu deutschen Zinssätzen. Die Staaten an der Peripherie Europas gediehen, indem sie sich verschuldeten und Geld ausgaben. Deutschland boomte, weil es ihnen Güter verkaufte.

Jetzt müssen sie alle zurückstecken. Der Rest sind Details. (—> Seite 2)



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2 Kommentare auf "Das Zentrum kann nicht mehr lange halten"

  1. Thomas sagt:

    „Und wenn die Deutschen in Hamburg die Griechen in Saloniki nicht unterstützen möchten, warum sollten sie dann die Deutschen in Dresden unterstützen?

    Bitte was? Weiß der von was er schreibt, oder ist das einfach nur journalistischer Zynismus! Das letztere möchte ich nicht hoffen!

  2. auroria sagt:

    “Und wenn die Deutschen in Hamburg die Griechen in Saloniki nicht unterstützen möchten, warum sollten sie dann die Deutschen in Dresden unterstützen?“

    Umgekehrt wird ein Schuh draus, wir wissen aus der Erfahrung mit der Wiedervereinigung welch große Anstrengungen und wie viel Zeit es braucht, um die Verhältnisse anzugleichen.

    Genauer gesagt um es zu versuchen. Denn die Erfahrung zeigt eben auch, dass es nicht, oder nur im gewissem Umfang gelingt. Egal wie viel Infrastruktur, etc. man baut. Es werden immer -teilweise sehr große- Unterschiede bleiben, auch Italien kann ein Lied davon singen.

    Deswegen sind wir bei Griechenland entsprechend skeptisch …

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