Große und kleine Madoffs

11. Januar 2014 | Kategorie: Gäste

von Manfred Gburek

In den vergangenen Tagen ging eine Meldung durch die Medien, die Ihnen zu denken geben sollte: Die US-Großbank J.P. Morgan muss Anlegern, die von Bernard Madoff betrogen wurden, 1,7 Milliarden Dollar an Entschädigung zahlen. Denn der Betrüger hatte seine Geschäfte über die Bank abgewickelt, ohne dass diese offenbar Anstoß daran genommen hätte…

Das Ungeheuerliche an der Meldung erschließt sich erst, wenn man die 1,7 Milliarden in Relation zum Ausmaß des Betrugs setzt: Madoff hat Anleger in Höhe von 65 Milliarden Dollar betrogen, also mit dem 38-Fachen der Entschädigung.

Unter seinen Opfern befinden sich neben unzähligen Groß- und Kleinanlegern auch Promis wie der Friedensnobelpreisträger Elie Wiesel und der Regisseur Steven Spielberg. „Der größte Finanzbetrug aller Zeiten“, resümiert Amir Weitmann in seinem Buch „Madoff – Der Jahrhundertbetrüger“. Lesenswert!

Ich empfehle Ihnen dieses Buch zwar auch wegen seines spannenden Inhalts, in erster Linie aber, weil es viele Mini-Madoffs gibt, die das Verfahren des Jahrhundertbetrügers – wenngleich in kleineren Dimensionen – ebenso drauf haben, ohne dass Ihnen dies zunächst auffällt. Es heißt Schneeballsystem, was so viel aussagen soll wie: Geld schmilzt dahin.

Die Funktionsweise: Betrüger, in manchen Fällen auch nur naive Hasardeure, versprechen Ihnen eine stetige überdurchschnittliche Rendite, sagen wir aktuell 6 Prozent. Angenommen, Sie vertrauen ihnen Ihr Erspartes an und erhalten nach einem Quartal, alternativ nach einem halben oder ganzen Jahr den Betrag ausgezahlt, der dieser Rendite entspricht. Folglich sind Sie zufrieden und lassen Ihr Geld weiter so profitabel arbeiten (meinen Sie jedenfalls).

Doch Ihre vermeintliche Rendite entstammt nicht etwa einem profitablen Unternehmen oder einem Perpetuum mobile, sondern den Einzahlungen weiterer Sparer. Das geht so lange gut, wie sich solche Sparer in genügender Zahl finden. Bleiben sie jedoch aus, muss der Betrüger an die Substanz des Geldes gehen, das er schon kassiert hat, um den Rendite-Schein zu wahren. Oder er verschwindet mit dem ganzen Geld gleich auf Nimmerwiedersehen von der Bildfläche, was in den meisten Schneeballsystem-Fällen leider üblich ist.

Anlagebetrug findet natürlich nicht allein in der hier gerade beschriebenen Form statt; vielmehr gibt es unzählige Abwandlungen, die zum Teil ähnlich, zum Teil anders funktionieren. Einige Beispiele: Steuersparmodelle, sogenannte Bankgarantien, Tradingprogramme, vorgetäuschte Termingeschäfte, stille Beteiligungen, heiße Aktien (vor allem Penny Stocks), Zinsdifferenzgeschäfte und Anleihen… (Seite 2)

 

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2 Kommentare auf "Große und kleine Madoffs"

  1. samy sagt:

    Ach ja, Prokon! Da war doch was 🙂

    „http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/prokon-droht-anlegern-mit-insolvenz-a-942959.html#ref=rss“

    Hoffentlich hat hier keiner was von denen.

    VG

  2. Michael sagt:

    Man muss letztendlich selbst anlegen. Geld anlegen ist immer mit Arbeit verbunden. Wer das Gegenteil behauptet und mit großen Renditen lockt ist mit Vorsicht zu genießen.

    Was will man mit einer Anlage. Möglichst günstig ein Weg finden bei dem ‚monatlich‘ ein Betrag aufs Konto kommt. Kümmern soll man sich um jenes, das man selbst beeinflussen, das ist der Kaufpreis. Einen Crash macht man aus … der ist nicht zu übersehen.

    Kauft man halt, wenn sich die Lage beruhig ein paar Investmentzertifikate, geht die Gegenbewegung mit und verkauf so viel ab, sodass der Einstandspreis relativ günstig bleibt für den verbleibenden Rest. Der wirft sowieso jährlich Erträgnisse ab. Jetzt baut mal gemütlich ein paar solche Positionen auf mind 12.

    Damit haben sie ein Modell das nach geraumer Zeit durchaus laufende Erträgnisse bringt. Damit kann man auch in das Anlagethema reinwachsen.

    Wichtig ist, dass man die Erträgnisse gedanklich, wie bei Geld überhaupt ratsam, mental ausblendet. Die Rendite ist an sich hoch. Die Ausschüttung kann man nicht beeinflussen, bleibt der Einstandspreis.

    Wann man Investmentzertifikate irgendwann kauft, dann ist der Preis bezogen die Ausschüttung zu hoch. Die gängigen ausschüttungsbereinigt tragen nicht viel.

    In 40 Jahren kommen nicht 12 Crashes. 4 bis 6 sind zu erwarten – also sollte man so ca. 2,5 Monate Erträge pro Crash auf den Weg bringen.

    Je älter man ist desto irrelevanter werden die Zahlungen, die Zertifikate liegen ja auch noch da plus die Ausschüttungen – mehr als 20 Jahre würde ich nicht aufheben. Die kann man beruhigt in Anleihen investieren. Dann kauft man aus den Erträgnissen die Anleihen – aus dem Zins letztendlich.

    Wichtig ist jede Position eigenständig zu beurteilen und abgeschlossen zu betrachten. Wenn man das hinter sich hat 10 Jahre, dann sollte man an sich der Lage sein mit Aktien usw… direkt zu arbeiten oder darüber hinaus.

    Ein kontinuierliche vorsichtige Strategie performed später aber die Zeit spielt einem entgegen. Wenn man den Weg beschreitet, sieht man abseits des Weges viele die sich die Wunden lecken. Es gibt progressivere Strategien, zugegeben. Aber das war jetzt die Variante für den Hausgebrauch mit Fokus auf etwas Versorgung in unruhigen Zeiten oder hohem Alter.

    Anleihen machen Sinn wenn namhafte Schuldner ob des allgemein hohen Zinsniveaus hohe Zinsen zahlen respektive ein Sparbuch auch Zinsen trägt. Spesen reduzieren ist Gold wert. Anleihefonds kann man vergessen. Es sind immer jene gemeint die man überall bekommt. Es ist eher wichtig aus ZIns (Finanzertrag) Zins zu erwirtschaften. Meine Zinserträge laufen auch in ein Ansparprogramm.

    Performant ist der Weg nicht. Ein Profi der im Aufschwung die richtigen Werte ausmacht hat die bessern Karten, aber der halt auch schon mehr Erfahrung als ein Einsteiger. Just zu Beginn – Erträge die etwas höher waren sind nach 30 bis 40 Jahren sowieso eher wertlos. Ein stetiges Plus ist immer gut.

    Diese Betrügereien gibt es in mehreren Formen. Kenne jemanden der wurde überredet eine Summe in eine Immobilie zu investieren.

    Ein Investoren(Anleger)kreis. Normale Menschen wie ich und du hat gefangen, indem man mit ihnen hat ein ‚Gremium‘ besetzt und die Illusion von Mitsprache suggeriert. Übrig geblieben ist nichts – ist aber schon lange her.

    Bei uns legendär. MEL – Meinl European Land mit Sitz auf Jersey, wenn mich nicht alles täuscht – eine Kanalinsel. Sehr europäisch:). Ist aber jetzt kein ‚Betrug‘ aber ist einer meiner Lieblinge ob des Unternehmenssitzes und des Namens.

    In Griechenland vor und um die Jahrtausendwende wurden Schneeballsysteme noch und nöcher aufgesetzt. Das war beinahe gang und gebe.

    Hastig kommt keiner zu Wohlstand. Es liegen zuviele Steine am Weg über die man in der Anlage stolpert. Damit jemand über den Schnitt performed mit der Rendite muss ein anderer unterm Schnitt sein.

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