Das wird alles verbrannt!

16. Februar 2014 | Kategorie: RottMeyer

von Bankhaus Rott

Der US-Erdgasmarkt ist in den letzten Monaten nach langen Jahren wieder in Bewegung gekommen. Während deutsche Unternehmen weiterhin von der Reindustrialisierung der USA durch hunder Jahre billiges Gas träumen und schon die Fehlinvestitionen von morgen planen, beginnt gerade die Schrumpfung des Preisvorteils…

Natürlich ist die aktuelle Kältewelle in den USA ein Grund warum vor allem die Spotpreise in den letzten Wochen stark angezogen haben. Jedoch ist wie am Arbeitsmarkt das Wetter nicht für alles verantwortlich zu machen. So rechnen nun auch nicht mehr alle mit einer deutlichen Entspannung der Preise in den kommenden Monaten. Da zahlreiche Investoren (und Industrieunternehmen) durch den raschen Preisanstieg auf dem falschen Fuß erwischt wurden, wird der Gasmarkt in den USA wohl auch weiterhin für beste Unterhaltung sorgen. Bei einer Aufwärtsbewegung von in der Spitze etwa 50% seit dem Dezember 2013 ist das derzeit hektische Treiben nicht verwunderlich. So wird am Spotmarkt weiter munter zugegriffen und die Futures ziehen ebenfalls deutlich an. Man wird sehen, wie sich eine eventuelle Normalisierung des Wetters angesichts der kritischen Vorratslage auswirkt.

Selbst vor dem Hintergrund der ungewöhnlichen Wetterlage sind die Veränderungsraten der Reserven bemerkenswert. So lag die Entnahme in der ersten Februarwoche um gut 35% über dem Mittel der letzten fünf Jahre. Betrachtet man die gesamte bisherige Heizperiode so wird das Fünfjahresmittel sogar um 47% übertroffen. Schaut man sich den langfristigen Verlauf der Reserven an, so kommt einem der Spruch in den Sinn, am Ende des Heizöls ist noch soviel vom Winter übrig.

Die folgende Grafik zeigt den Verlauf der Gasreserven. Zur besseren Einordnung haben wir die Daten eingetragen, an denen der jeweils zyklische Tiefpunkt erreicht wurde, eingetragen. Man sollte von einem noch deutlich tieferen Punkt ausgehen, bevor die Wende eingeläutet wird.

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Der Blick auf den historischen Verlauf seit Anfang der 90er Jahre zeigt, wie ernst die Lage ist und wie außergewöhnlich sich der Reservenabbau darstellt. Wenn der Abbau noch bis zu den mittleren Zeitpunkten der letzten Jahre anhält würde ein Rückgang erreicht, der in der Vergangenheit zu massiven temporären Preisspitzen führte.

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Man darf gespannt sein, wie lange sich die aktuelle Heizperiode hinzieht. Die Lage am Gasmarkt ist jedenfalls schon jetzt angespannt… (Seite 2)


 

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2 Kommentare auf "Das wird alles verbrannt!"

  1. bluestar sagt:

    Interessanter Artikel. Dass Lehrgelzahlen die Hauptbeschäftigung von vielen deutschen Unternehmen in den USA ist, war mir bisher nicht bekannt.
    Insofern konnte ich etwas lernen, und das auch noch kostenlos…:)

  2. Nix sagt:

    Natürlich kostet das Lehrgeld. Und gute Lehrer sind teuer.

    Das Auslandsvermögen der Deutschen müsste eigentlich die Summe aller Leistungsbilanzüberschüsse sein.

    Müsste! Leider ist es etwa 300 Mrd weniger.

    Wie die FAZ schreibt „“Abgesehen von statistischen Diskrepanzen ist die Differenz auf Abschreibungen auf Anlagen im Ausland zurückzuführen.” Auf Hochdeutsch: Auf Fehlinvestitionen. (http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftspolitik/gastbeitrag-ein-vermoegensbildungsfonds-fuer-deutschland-12674947.html)

    300 Mrd Lehrgeld für unsere hochqualifizierten Manager. Das sollten sie uns schon wert sein!

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