Das war der Gipfel!

24. Juli 2011 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

von Frank Meyer

Der Eurogipfel war doch ein gelungenes Familienfest. Oder? Zuvor wurden Drohkulisse aufgebaut und ein paar Sträuße mit Unwahrheiten auf Tischen verteilt. Bereit lagen auch die Nebelkerzen wie Knallbonbons zu Silvester…

Schnell ging man über zum Bleigießen,  nachdem man zuvor noch schnell ein paar schwarze Bilder an die Wände projizierte, die nach Katastrophe aussahen, wenn der Ouzo-Clan kein weiteres Geld bekommt. Nachdem man sich kurz zusammen gerauft hatte, ging man betrunken und glücklich nach Hause. Eine schrecklich nette Familie. Der Druck in der Kasse ist so groß wie die Schuldenlast ihrer Mitglieder. Die Kanzlerin braucht gute Schlagzeilen.

Europa ist eine seltsame Vielstaaten-Ehe mit etlichen Verständigungsschwierigkeiten. Erst wurden große Verträge besiegelt und noch größere Reden gehalten. Dann wurde schnell geheiratet. Damit konnte man erst die Keksdosen plündern. Wie in guten Familien fielen Seitensprünge und kleine Lügen gar nicht auf. Zur Versöhnung gab es keine Blumen, aber viele Worte. Und dann war die Keksdose plötzlich leer und das Geschrei groß.

Nun geht das Experiment in die nächste Runde. Einem Teil der Familie wurde vom Markt das Borgerecht entzogen, was den Familienrat zu Zwangsmaßnahmen greifen ließ. Die anderen Kinder schreien nach Keksen. Sie wissen: In der Schutzschirmbäckerei gibt’s so manche Leckerei und viele Teller Einheitsbrei – aber nur mit Zustimmung von Super-Nanny Merkel mit ihrem noch vollen Klingelbeutel und alternativlosen Erziehungserfolg. Man kann sich seine Familie eben nie aussuchen. Und leider ist diese auch nicht mal therapierbar.

Frank Meyer, Kolumne aus den Lübecker Nachrichten

 

Schlagworte: , , , ,

3 Kommentare auf "Das war der Gipfel!"

  1. Avantgarde sagt:

    DER Kardinalfehler den letzten Schritt vor dem ersten in Sachen vereintes Europa zu machen wird sich nun nicht mehr beheben lassen.

    Alle Pflästerchen und Wundertränke bringen lediglich eine zeitliche Verschiebung der Probleme.

    Man kann das Spiel auf diese Weise sicherlich noch eine Weile weiter treiben und es könnte nun durchaus noch eine ganze Weile gut gehen.

    Die grundsätzlichen Probleme wie das Demokratiedefizit der EU werden indes nicht besser sondern wohl eher schlimmer werden.
    Bestimmte Maßnahmen wie der EFSF sind ja schließlich alternativlos – und können tatsächlich nicht mehr zur Disposition gestellt werden weil ansonsten das Konstrukt sofort zerfiele.

    Ich teile die Meinung des sonst sehr geschätzten Düsseldorfers übrigens nicht, daß der nun so tolle große Anleihemarkt geplant war um den Dollar von der Klippe zu fegen.
    Da verrennt er sich wohl etwas.

    Die nächste europäische Krise wird den Gemeinschaft wohl zerreissen – vermutlich letztlich zum Schaden aller.

    Griechenland war die wirklich aller letzte Möglichkeit die EU zu reformieren.
    GR ist wirtschaftlich relativ unbedeutend – der EU hätte ein Autritt nicht geschadet.
    Der Finanzmarkt wäre durch die Verluste diszipliniert worden.
    Demokratiedefizite hätte man wenn auch langwierig nun angehen können um die Bürger für die eigentlich mal gute Idee vielleicht doch noch zu begeistern.

    So aber hat man das Vertrauen der Bürger wohl irreparabel geschädigt.

  2. stonefights sagt:

    Ich philosphiere gerade darüber, ob ein internet-Hoax bzgl. „Griechenland druckt Drachme“ es in die mainstreams schaffen würde…
    Wer weiss, vielleicht würde sogar der geheime Grieche im Keller seinen Papa anrufen und fragen, „woher wissen die das ?“…
    lg, stonefights

  3. Schon vorgesorgt? Viel Zeit bleibt nicht mehr! | yoice.net sagt:

    […] Das war der Gipfel! Der Eurogipfel war doch ein gelungenes Familienfest. Oder? Zuvor wurden Drohkulisse aufgebaut und ein paar Sträuße mit Unwahrheiten auf Tischen verteilt. Bereit lagen auch die Nebelkerzen wie Knallbonbons zu Silvester … (rottmeyer.de) […]

Schreibe einen Kommentar

Sie müssen eingeloggt sein, um einen Kommentar schreiben.