Das Währungschaos kommt, der Goldpreis zuckt, und das ist gut so

19. Januar 2013 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

(von Manfred Gburek)

In den vergangenen Tagen musste ich über zwei Aussagen schmunzeln: Dass Kanzlerkandidat Peer Steinbrück angeblich Banken zwingen will, ihre Zinsen für Dispokredite drastisch zu senken, und dass Handelsblatt Online-Chefredakteur Oliver Stock sich am 15. Januar zu diesem Vorschlag hinreißen ließ: „Verkauft unser Gold!“…

Steinbrücks Wahlkampfparolen haben inzwischen wenigstens einen hohen Unterhaltungswert, der mit seinen sinkenden Popularitätswerten steigt, was sich etwa so verhält wie der seit 2001 steigende Goldpreis in Relation zur schwindenden Kaufkraft von Euro und Dollar. Aber Stocks Verkaufsempfehlung?

Immerhin reizt mich ein Vergleich: Am 5. März 2002 riet der ehemalige SPD-Sozialpolitiker Herbert Ehrenberg ebenfalls im Handelsblatt: „Verkauft das viele Gold!“ Hätte die Bundesbank seinen Rat befolgt, wäre Deutschland heute um zig Milliarden ärmer.

Wahrscheinlich werden Sie sich jetzt fragen: Was gibt es da zu schmunzeln? Zuerst kurz zu Steinbrück. Er will ja bekanntlich nicht nur die Dispozinsen, sondern auch die Mieten im Fall von Neuvermietungen deckeln, und zwar unter Hinzuziehung der ortsüblichen Vergleichsmieten, die in so einem Fall Steinbrück zufolge zukünftig nur um 10 Prozent überschritten werden dürfen. Liegen die, wie in den deutschen Metropolen üblich, weit unter dem Niveau bei Neuvermietungen, sind die Vermieter die Dummen, denn sie müssten dann Verluste in Kauf nehmen.

Mögliche Folgen: Renovierungsstau wie früher vielfach in der DDR, Zwangsverkäufe und -versteigerungen, falls die finanzierende Bank den Geldhahn zudreht, Zusammenbruch der Wohnimmobilienpreise, Neubaustopp und schließlich Wohnungsnot. Zwar sind nicht diese Konsequenzen zum Schmunzeln, wohl aber die absurden Ideen der SPD.

Nun zu Stock. Er begründet seine Verkaufsempfehlung für Gold so:

„130 Milliarden Euro ist der Schatz wert. Wenn allein die Hälfte in den Schuldenabbau gesteckt würde, bedeutete das eine gewaltige Entlastung für uns alle. Stattdessen lassen wir unser Gold rumliegen und bestaunen es wie eine ägyptische Mumie … Wir müssen ja unser Gold nicht gleich in griechische Staatsanleihen investieren. Aber etwas Sinnvolleres, als es zu horten, dürfte auch dem konservativsten Staatsbanker noch einfallen.“

Es spricht wenig für die Koordination innerhalb des Handelsblatts, dass dessen Schlagzeile zu einem Beitrag des Autors Jan Mallien nur einen Tag später lautete: „Finger weg vom Goldschatz der Bundesbank!“ Dazu das Lob für die Bundesbank dafür, dass sie diesen Schatz bisher gegen alle Versuche, ihn zu verplempern, tapfer verteidigt hat.

Aus der ganzen Episode lernen wir zweierlei: Erstens, dass sich inzwischen jedermann aufgerufen fühlt, zum Thema Gold seine eigene Meinung beizusteuern. Und zweitens, dass dabei die Qualität der Argumente auf der Strecke bleibt. Ein Goldschatz in der Größenordnung, wie er Deutschland gehört, ist ja keine beliebige Ware, Aktie oder Anleihe, die man mal eben verkaufen kann.

Sein Verkauf würde den Goldpreis entweder derart drücken, dass der tatsächliche Gewinn im Vergleich zum aktuellen Buchgewinn zusammenschmelzen müsste. Oder das viele deutsche Gold dürfte – die viel wahrscheinlichere Alternative – preisschonend bei der chinesischen und/oder einer anderen asiatischen Zentralbank landen. Schließlich ist es ja mehr als nur ein Handelsobjekt; es ist die einzige international uneingeschränkt akzeptierte Währungsreserve… Gerade dieser Aspekt gewinnt in letzter Zeit enorm an Bedeutung. Auslöser ist zur Abwechslung Japan… (Seite 2)

 

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7 Kommentare auf "Das Währungschaos kommt, der Goldpreis zuckt, und das ist gut so"

  1. FDominicus sagt:

    „Kann es zum Abwertungswettlauf wie in den 30er Jahren des vorigen Jahrhunderts kommen?“

    Ich finde, dies ist keine Frage mehr. Es ist ein Fakt. Alle Zentralbanken sind im Geld-druck-modus oder als was sonst soll man die „unkonventionellen“ Maßnahmen sehen.

    Schauen Sie auch weiter auf die Schuldenzuwächse, kann da weltweit ein Verlangsamen oder gar eine Trendumkehr erkannt werden? Nein. Somit trifft ein immer mehr an Zellulose auf ein relativ gleichbleibendes Güterangebot (wenn man den Zahlen über Griechenland trauen darf auf ein massiv abnehmendes Güterangebot). Was nur heißt wenn es keine „offenen“ Preissteigerungen gibt dann eben „weniger sichtbare“ durch die Inflation der Geldmenge. Man kann aber auch nicht sehen, daß z.B. Aktien etc billig würden, somit ist m.E. auch klar wo viel von dem Geld bleibt.

    Was man nicht weiß, ist in welche Richtung es kippen wird. Gehen wir auf eine massive nominale Geldvernichtung durch fallende Preise zu oder auf eine massive reale Geldwertvernichtung durch die Druckereien der Zentralbanken (oder Beides?) Ich persönlich denke Zentralbanken können allemalle schneller neues Geld schaffen, wenn Sie denn wollen. Die Frage ist halt nur ab wann werden Zentralbanken völlig unglaubwürdig?

    Es muß jeder für sich entscheiden, ob er überhaupt einer Zentralbank etwas „traut“. Für mich ist das keine Frage mehr….

  2. Reiner Vogels sagt:

    Gegen den Vorschlag Oliver Stocks sprechen wenigstens die drei folgenden Gründe, von denen jeder für sich schon ausreichend für eine Ablehnung ist:

    1. Es ist äußerst unwahrscheinlich, ja, kaum vorstellbar, dass die Politiker den Erlös aus dem Verkauf des Goldes wirklich zu 100% in die Schuldentilgung stecken würden. So wenig, wie ein hungriger Hund der Versuchung einer ihm hingehaltenen Wurst widerstehen kann, so wenig könnten die Politiker der Versuchung widerstehen, wenigstens einen Teil des Geldes für Wahlgeschenke bzw. für Stimmenkauf auszugeben.

    2. Deutschland hat keine Souveränität über seine Währung. Es würde also Gold, das überall in der Welt als Wert akzeptiert wird, gegen Papier-, bzw. Leinenfetzen eintauschen, deren Wert in den „verantwortungsvollen“ Händen des Herrn Draghi und seiner Kollegen liegt.

    3. Deutschland hat keine Souveränität über seinen Staatshaushalt. Eine Rückführung der deutschen Staatsschulden wäre ja nur dann sinnvoll und nachhaltig, wenn damit die Aussicht eine dauerhaft auf Seriosität ausgerichtete staatliche Haushalts- und Finanzpolitik verbunden wäre. Sonst würde ja die Schuldenlast nach wenigen Jahren wieder die alte Höhe erreichen.

    Eine solche seriöse Haushaltspolitik ist in Deutschland aber de facto nicht möglich, da Deutschland über die verschiedenen „Rettungsmechanismen“ für den Euro für die Defizit aller anderen Eurostaaten „alternativlos“ und unentrinnbar in Haftung genommen worden ist. Es führt nicht zum Ziel, wenn in Deutschland sparsam gewirtschaftet wird, solange die Partner im Eurosystem jederzeit über die Eurorettungen Zugriff auf den deutschen Staatshaushalt und die dort gegebenenfalls erwirtschafteten Überschüsse haben.

    Fazit: Solange es die Zwangsjacke des Euro gibt, ist die Situation für die deutschen Staatsfinanzen alternativlos aussichtslos. Herzlichen Dank, Frau Merkel!

    • Peter G. sagt:

      Ein bisher wenig beachteter Aspekt der Rückführung der Goldvorräte ist deren Bedeutung für den Fall der Vergemeinschaftung der nationalen Währungsreserven. Dies wurde auf dem Gipfel in Cannes gefordert. Es ist kaum anzunehmen, dass sich deutsche Politik dem auf Dauer widersetzen wird bzw. will.

  3. cubus53 sagt:

    „Alternativ aussichtlos ?“

    Jetzt verstehe ich gar nichts mehr.

    Frau Merkel hat doch kürzlich gesagt, dass die Eurokrise so gut wie gelöst sei ? Ich weiss auch, wie sie die Krise gemeistert hat : Alles bleibt beim alten, d.h. die Euro-Staaten können munter weiter Schulden machen und wenn’s mal finanziell ganz arg brennt, kommt die Draghi-Feuerwehr. Und die löscht alles !

    Also, kein Grund zur Beunruhigung, einfach ruhig weiterschlafen !

  4. crunchy sagt:

    „Zuckungen des Goldpreises während der vergangenen Tage, ohne dass sie ihm schaden konnten, sind dafür ein untrüglicher Indikator. Sie werden bald in den nächsten Aufwärtstrend übergehen“
    Jo, vor ziemlich genau einem Jahr hatte ich mich derselben Meinung desselben Autors angeschlossen. Dabei überkam mich das mulmige Gefühl, dass da irgendwas nicht stimmen könnte, soviel Einigkeit bei der Prognose. Nun, dafür bekam´ ich ein´s auf die Nase. Und, was lehrt´ mich das heut´? Solange der fundamentale Trend nicht gebrochen wird, kann man ruhig auch mal danebenliegen. Das heisst: Jetzt erst recht!
    Nur spezifiziere ich jetzt: Silber, Silber und nochmals Silber, muss der Deutschmann/frau physisch haben. Haben muss man Silber, weil die Investorengemeinde das Märchen von dem Boom glaubt und darauf setzt.
    Möglicherweise hält der Glaube länger als ein Jahr und der Verkauf wird steuerfrei. Meine letzte Vision, den Silberhebel auch physisch umsetzen zu können, ist mit meinem hier verkündeten Verkauf in der dritten Aprilwoche 2011 einigermassen aufgegangen.
    Und, wenn nicht?
    Dann darf man sich darauf freuen, dass alles nur ein böser Traum
    war.
    Wer nicht versteht, wovon ich rede, der sollte mal in die
    Metallwoche reinhören. Mir hat das viel gebracht.

  5. wroesner sagt:

    Mich würde interessieren, wie der Autor solcher oder ähnlicher Empfehlungen selbst investiert ist. Denn, es ist ja nur allzu verständlich, wenn man sich die eigene Strategie schön-prognostiziert. Gold hat seinen einige Jahre währenden Aufwärts-Trendkanal dieses Jahr verlassen und wird vermutlich entgegen aller Fundamentalanalyse weiter fallen. Natürlich nicht wie ein Stein, aber in der üblichen Zigzagbewegung mit einigen Zwischenerholungen wie wir sie im Moment sehen.
    Ebensowenig wie die Gelddruckerei der Zentralbanken in eine Inflation führen wird, genauso wenig kommt es zur Goldpreisexplosion. Der wesentliche Grund dafür ist, dass wir in eine Deflation gehen, gegen die nicht einmal die schnellste Gelddruckmaschine ankommt. In dieser DEflation werden alle Vermögenswerte eingedampft. Auch Gold, Immobilien, Aktien (Unternehmenswerte) und Anleihen. Was seinen Wert notwendigerweise steigern wird, ist daher einzig „cold hard cash“.

  6. FDominicus sagt:

    Ich habe mich positioniert, wie ich es in meinem Blog geschrieben habe. Und was ich allen nur empfehlen kann.
    – Geld darf niemals auf nur einem Konto liegen
    – Geld darf niemals nur in der EU auf einem Konto liegen
    – physisches Gold sperrt man in einen eigenen Tresor oder nimmt es mit nach Hause
    – man sieht zu keine Schulden zu haben
    – man versucht sich die überlebensnotwendigen Dinge zu sichern

    Dazu noch ein wenig normaler Verstand. Nicht alles auf eine Karte setzen und dann hat man mehr getan als 95 % aller anderen die meinen der Staat wird es schon „richten“.

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