Das vorläufige Ende der US-Hausbau-Baisse

31. Oktober 2011 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

von Robert Rethfeld

Seit dem Platzen der US-Hausbaublase sind sechs Jahre vergangen. Auch wenn die Zeit nicht alle Wunden heilt: Sechs Jahre US-Hausbau auf Niedrigniveau bedeuten einen historisch langen Zeitraum. In den sechs Jahren zwischen 2005 und 2011 ist die Einwohnerzahl der USA um 16 Mio. von 295 auf 311 Mio. – gestiegen…

Jüngste US-Inflationsdaten lassen einen Anstieg der US-Mieten erkennen. Familien, die in früheren Zeiten ein Haus gekauft hätten, trauen dem Markt noch nicht. Sie mieten sicherheitshalber Appartements. Doch bei weiter steigenden Mieten wird ein Punkt erreicht, an dem eine Familie den Neubau oder den Kauf eines Hauses in Betracht zieht.

Mitte 2005 erreichte die Stimmung in der US-Hausbauindustrie ein letztes Mal einen euphorischen Wert (siehe Pfeil folgender Chart). Seitdem kracht und knarzt es im Gebälk.

Niemals war die Stimmung unter den US-Hausbauunternehmern schlechter als zum Jahreswechsel 2008/09, dem Höhepunkt der jüngsten Rezession. Seither verläuft der Indikator auf niedrigem Niveau seitwärts. Der Index wies im Oktober 2011 einen Sprung nach oben auf.

Im September 2011 ist der mittlere Verkaufspreis neuer Häuser inflationsbereinigt auf den niedrigsten Stand des laufenden Jahrhunderts gefallen (folgender Chart).

Die Rendite für 10jährige US-Anleihen markierte Anfang Oktober mit 1,71 Prozent einen wichtigen Tiefpunkt. Parallel dazu notierte der Zinssatz für 30jährige US-Hypotheken-anleihen zu ersten und bisher einzigen Male unterhalb der 4-Prozent-Marke.

Jetzt gilt es eins und eins zusammenzuzählen: Der US-Hausbau-„Bust“ befindet sich im sechsten Jahr. Die US-Bevölkerung ist in diesem Zeitraum um 16 Millionen gewachsen. Die US-Mieten ziehen an. US-Häuser sind inflationsbereinigt so preiswert wie niemals zuvor im laufenden Jahrhundert. Die US-Darlehenszinsen notieren nahe dem Rekordtief, sind aber im Anstieg begriffen. Wenn nicht jetzt, wann dann, ist der ideale Zeitpunkt, um in den USA ein Haus zu erwerben?

Ein vorläufiges Ende der Hausbau-Baisse hätte positive Auswirkungen auf die regionalen US-Banken. Diese können sich momentan vor Cash kaum retten. Erste Banken sagen ganz offen, dass sie das Geld der Anleger nicht wollen, da sie es nicht verleihen können. Und da die Anlagezinsen kaum noch gesenkt werden können – sie sind ja schon bei null – beginnen einige Banken, an der Gebührenschraube zu drehen, um die Anleger davon abzuhalten, sie mit „Cash zuzumüllen“. (Seite 2)

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Ein Kommentar auf "Das vorläufige Ende der US-Hausbau-Baisse"

  1. MARKT sagt:

    Die These, dass die Zinsen einen Wendepunkt erreicht haben und im Ansteigen begriffen sind, halte ich für sehr gewagt. Dieser kleine Zinsanstieg die letzten Wochen , der alleine gestern schon zu einem Großteil negiert wurde, ist ausschließlich auf die Operation „Twist“ der FED zurückzuführen, keinesfalls aber auf einen funktionierenden, sich ändernden Markt.

    Ich gehe davon aus dass die Pferde eben nicht saufen werden. Übrigens aus antizyklischer Sicht. Der WEndepunkt dürfte mindestens noch drei Jahre in der Zukunft liegen. Weshalb sollte ein 50 Jahre anhaltender Trend bereits nach einer sechsjährigen und gut 25%igen Korrektur zu Ende sein. Das Korrekturniveau wird mindestens 35-40% der Preise ausgehend vom Allzeithoch betragen, eher sogar 50%.

    Die vorgesehenen Investitionsprogramme für „Reiche Ausländer“ können in der Tat eine kurzfristige Erholung einleiten, bergen aber mittelfristig enormen sozialen Sprengstoff. Es gibt zwar 16 Mio. mehr einwohner in den USA seit Ausbruch der Finanzkrise, aber auch 18 Mio. mehr die von Lebensmittelkarten leben . Deshalb bezweifle ich dass dies bei der eingeschlagenen Politik die potentiellen Immobilieninvestoren der nächsten Jahre sein werden, vor allem , wenn man berücksichtigt, dass deren Zahl auch derzeit noch expotentiell ansteigt.

    Gruß Markt

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