Das „Vollgeld“: was es leistet und was nicht

26. Juli 2014 | Kategorie: RottMeyer

von Prof. Thorsten Polleit

Wie ist das Vollgeldsystem zu beurteilen? Ist es wirklich eine Verbesserung gegenüber dem aktuellen System? Auch das Vollgeld wäre ein Geld, das „aus dem Nichts“ geschaffen würde. Um diese Fragen zu beantworten, bedarf es zunächst einer Diagnose der Krisenursachen…

Nach der jüngsten Finanz- und Wirtschaftskrise wird eine Reihe von Vorschlägen diskutiert, durch die das Bankensystem sicherer gemacht werden soll. Ein Verbesserungsvorschlag ist die sogenannte „Vollgeld-Initiative“, wie sie sich derzeit etwa in der Schweiz unter dem Namen „Monetäre Modernisierung“ formiert hat; sie sucht für ihr Vorhaben eine Volksabstimmung.

Die Idee eines Vollgeldes ist nicht neu, sie hat eine lange Tradition, die zurückreicht auf die Arbeiten amerikanischer Ökonomen, die der „Chicago School“ zugerechnet werden. 1939 wurde das Vollgeld unter dem Titel „A Program for Monetary Reform“ diskutiert.

Die Idee des Vollgeldes wurde vor allem popularisiert vom amerikanischen Ökonomen Irving Fisher (1867 – 1947) in seinem Buch „100% Money“ (1936). Fisher wollte mit seinem Konzept, das er in der Zeit der „Großen Depression“ verfasste, eine Reihe von Zielen erreichen: Inflation und Deflation sollten vermieden werden und dadurch auch Depressionen; und es sollte auch helfen, die öffentliche Schuld zu verringern.

Was bedeutet Vollgeld eigentlich? Wäre es ein Konzept, um die immer wiederkehrenden Missstände im Finanz- und Wirtschaftssystem zu beenden? Diese Fragen lassen sich am besten beantworten, wenn man sich zunächst vor Augen führt, wie das herrschende Geldsystem funktioniert.

Im heutigen Geldsystem (einem ungedeckten Papiergeldsystem) halten Banken nur einen sehr geringen Anteil ihrer jederzeit auszahlungspflichtigen Verbindlichkeiten in der Kasse; dies ist die „Mindestreserve“. In der Schweiz zum Beispiel beträgt die Mindestreserve derzeit 2,5 Prozent der „maßgeblichen Verbindlichkeiten“. Im Euroraum beträgt der Mindestreservesatz ein Prozent: auf 100 Euro Sichtverbindlichkeiten (die jederzeit abgezogen werden können) müssen Eurobanken einen Euro Mindestreserve halten.

Ein Vollgeldsystem zeichnet sich durch zwei Eigenschaften aus:

(1) Die Mindestreserve beträgt 100 Prozent, damit wird das Teilreserve-Banksystem aufgehoben. Das heißt, Banken sind fortan jederzeit und vollumfänglich in der Lage, ihren unmittelbar fälligen Zahlungsverbindlichkeiten gegenüber ihren Kunden nachzukommen.

(2) Eine 100 Prozent Mindestreserve bedeutet auch, dass Banken die Geldmenge durch Kreditvergabe nicht mehr ausweiten können. Die Geldmenge wird vielmehr allein und ausschließlich durch die Zentralbankpolitik bestimmt.

Wie ist das Vollgeldsystem zu beurteilen? Ist es wirklich eine Verbesserung gegenüber dem aktuellen System? Um diese Fragen zu beantworten, bedarf es zunächst einer Diagnose der Krisenursachen.

Kern des Problems

Ein Kernproblem des ungedeckten Papiergeldsystems ist, dass die Geldmenge durch Kreditvergabe, die nicht durch „echte Ersparnis“ gedeckt ist, ausgeweitet wird. Dadurch entstehen die gefürchteten Konjunkturstörungen („Boom und Bust“). Das Vollgeldsystem löst diese Problematik jedoch nicht: Auch im Vollgeldsystem erfolgt schließlich eine Geldmengenausweitung durch Kreditvergabe „aus dem Nichts“ – und zwar durch die Zentralbank. Und solange die Geldschöpfung aus dem Nichts fortgeführt wird, werden auch die Volkswirtschaften geplagt bleiben von „Boom und Bust“.

Die Befürworter des Vollgeldsystems sprechen sich für eine „vierte, unabhängige Gewalt“ aus, die auch unter dem Begriff „Monetative“ bekannt ist. Daraus spricht die Einschätzung, eine Geldschöpfung allein durch die Zentralbank sei „verlässlicher, sei „sicherer“, als wenn auch Geschäftsbanken Geld produzieren. Doch für eine solche Einschätzung gibt es leider keine belastbare Grundlage: Seitdem die letzten Überbleibsel des Goldstandards Anfang der 70er Jahre des vergangenen Jahrhunderts beendet wurden, waren es stets die Zentralbanken, die mit ihrer Politik – wissentlich oder unwissentlich – für Geldentwertung und Wirtschaftsstörungen gesorgt haben.

In einem Vollgeldsystem, in dem die Zentralbank der einzige Geldproduzent ist, stellen sich gewichtige Fragen: Wieviel Geld braucht die Volkswirtschaft? Und was ist der richtige Zins? Die Antworten auf diese Fragen können die Zentralbankräte jedoch nicht wissen. Allein der freie Markt kann die Antworten geben. Eine Zentralbank muss die Geldmenge und den Zins willkürlich festlegen und wird mangels richtigen Wissens dabei Fehler begehen – Fehler, die sich in Geldentwertung und Wirtschaftsstörungen zeigen.

Ein Vorteil, der im Vollgeldsystem gesehen wird, liegt darin, dass die Geldschöpfungsgewinne, die bislang den Geschäftsbanken zukommen, an die Zentralbank (und damit ihren Eigentümern, den Steuerzahlern) gehen. Der Zugewinn für die öffentliche Hand bei einem Wechsel auf das Vollgeld würde jedoch geringer sein, als es zunächst erscheinen mag: Die öffentliche Hand erhielte bei einem Wechsel zum Vollgeld zwar den gesamten Geldschöpfungsgewinn. Allerdings sind davon abzuziehen die bisherigen Steuereinnahmen auf Bankgewinne sowie Einkommensteuerzahlungen, die nun nicht mehr fließen… (Seite 2)

 

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7 Kommentare auf "Das „Vollgeld“: was es leistet und was nicht"

  1. Michael sagt:

    http://www.pieria.co.uk/articles/the_money_multiplier_is_dead
    (The money multiplier is dead)
    http://www.pieria.co.uk/articles/martin_wolf_proposes_the_death_of_banking
    (MARTIN WOLF PROPOSES THE DEATH OF BANKING)

    Das Umfeld Tod des Bankensystems ist heiß ein diskutiertes im Umfeld. Bankensysteme die (Tauschmittelogistik im weiteren Sinne) ist nicht außerhalb von Bedarfen gewachsen.

    Ich persönlich sehe diese sog. Weltfinanzthematik weniger als monetäres sondern eher als kulturelles Phänomen. Der Gleichheitswahn der Sozialisten ist nicht finanzierbar. Da kann man Hammer und Sichel noch so größer und größer machen und noch größere Köpfe auf rote Fahnen draufmalen es geht nicht. Man kann nicht alles haben. Manchmal treibt man für den selben Betrag mehr Aufwand … manchmal weniger.

    Ob man Kartoffelsuppe schmaust oder das Leben genießt ist eine Kulturfrage. In dem Sinne wären die Österreicher eine Art Subkultur oder sogar eine Counter Culture für Menschen die von Kartoffelsuppe die Nase voll haben. Dafür muss man noch nicht mal jung sein.
    https://www.youtube.com/watch?v=iDBxMend4GY

    Die Mama wird nicht die Grace Potter. Wer hat dann die Medizin?
    https://www.youtube.com/watch?v=qro7pvFaTcU

  2. Argonautiker sagt:

    Guter Beitrag, und das Problem des Zentralbankgesteuerten Vollgeld Systems auf den Punkt gebracht. Zumal dieses bestehende System ja nicht nur an der Ungedecktheit leidet, sondern auch am Zins, respektive Zinseszins und einigen Dingen mehr.

    Ich plädiere durchaus auch für ein freies Geld, also ein Geld was jeder herstellen darf, und welches sich dann, wie jedes andere Produkt eben auch durchsetzt, oder nicht. Muschelgeld war so ein Geld, und wer sich da mal einliest wird feststellen, daß es sich dabei zwar auch um Muscheln aber nicht nur um Muscheln gehandelt hat. Es war eben ein Geld, was sich aus dem Handel frei entwickelt hat, und dem man vertraut hat, oder nicht.

    Ob es dann also das Gold oder Silber Geld würde, würde man dann ja sehen. Ich würde es den Nutzern jedoch wünschen, daß es ein Geld wäre, welches als Rohstoff eben nicht knapp vorhanden ist, sondern reichlich. Denn ein knapper Rohstoff als Geld und damit Handelsgrundlage erzeugt natürlich auch Knappheit. Etwas was man ja eigentlich nicht will, denn es ist ja nur ein Platzhalter für den echten Wert.

    Es ist aber auch nicht so, daß sich nur Ein Geld durchsetzen müßte. Ich halte es durchaus für möglich, und auch sinnvoll, daß sich mehrere Gelder nebeneinander etablieren. Ein Geld was schnell beweglich ist, ein Geld, was sich besser zum Sparen und Lagern eignet, etc.pp.

    Hätte die „Schöpfung“ zum Hervorbringen ihrer Geschöpfe ihren „Handelskreislauf“ auf knappe Rohstoffe gesetzt, dann hätten wir eine recht knappe Welt. Wir haben aber, von Wüsten und dergleichen einmal abgesehen, im Allgemeinen eine recht üppige Welt. Und das aus dem Grund, weil die Schöpfung sich auf Bausteine besonnen hat, welche reichlich vorhanden sind. Soll heißen, der Nahrungs/Handelskreislauf der höheren Lebewesen stützt sich vornehmlich auf Wasserstoff, Sauerstoff, Kohlenstoff und bezieht man die Pflanzen mit ein, auch noch auf Stickstoff. Gold und Silber Austausch findet auch statt, aber da diese Stoffe eben recht rar sind, ist der „Handel“ mit ihnen auch nur recht selten.

    Ich finde, man kann immer noch sehr viel von der Schöpfung lernen.

    Etwas, was Geld jedoch nie macht, es vermehrt sich nicht selbst. Kein Rohstoff reproduziert sich selbst. Sauerstoff bringt kein Sauerstoff hervor, und Gold kein Gold. Es vermehrt sich nicht. Das heißt Zinsnahme darf nicht sein, denn Zinsnahme ist nichts anderes als das Andichten von Vermehrungsfähigkeit an Stoffe, die sich eigentlich nicht vermehren. Sodaß diese Vermehrung dann Andere übernehmen müssen, und diese Anderen dadurch in ein Sklaven Verhältnis kommen, denn sie müssen die Vermehrung vornehmen wo eigentlich keine ist. Das heißt mit Geld darf man kein Geld machen, weil das „Machen“ ist den lebenden Geschöpfen vorbehalten. Man muß also schon wirklich etwas tun um einen vergütbaren Mehrwert zu schaffen. Aber selbst im Bankgeschäft wäre das ja auch möglich, denn wenn jemand eben mit Geld handelt, dann bezahlt man ihn halt für diese Leistung, aber eben nicht per Zinsnahme, sondern man verhandelt dann eben die wirklich erbrachte Leistung.

    Es gibt wahrscheinlich viele Möglichkeiten die besser als das bestehende System sind. Das Vollgeld halte ich für nicht sehr weit über den Tellerrand geschaut. Die Ideen von Silvio Gsell sind hingegen gut und zu empfehlen. Also die Idee, daß Geld quasi „rosten“ muß. Also dadurch, wenn man es behält, es an Wert verliert. Denn Geld ist ja eigentlich nur Gut in Bewegung. Bewegt es sich nicht mehr, also wird es gehortet, dann tut es nicht mehr das, was seine Bestimmung ist, nämlich Güter zu bewegen, also ist es faul, und muß rosten.

    Und noch Eins, was mir am Herzen liegt. Handel und Geld ist sicherlich eine feine Sache, und auch wichtig, aber sicherlich nicht DER Sinn des Lebens.

    Gruß aus Bremen

  3. Argonautiker sagt:

    PS.
    Ich halte also JEDES System, welches konstruiert und nicht gewachsen ist, für das Leben ungeeignet, und zwar weil sich das Leben, wenn es sich an etwas Konstruiertes anpassen soll, zu dessen Diener wird. Und egal wie auch immer der persönliche Sinn des Lebens aussieht, er liegt sicherlich nicht in dem Sinn begründet, einem Werkzeug zu dienen. Denn nichts anderes ist Geld, ein Werkzeug, um sonst schwierig handelbare Güter, handelbar zu machen. Das Werkzeug muß dem Leben dienen und nicht umgekehrt, und wenn es ein Geld ist, welches für viele zum Nutzen sein soll, dann muß es auch jedem dieser Einzelnen dienlich sein, und nicht nur Wenigen, also muß es jeder mit gestalten können.

    Ein Konstruiertes Geldsystem dient IMMER nur den wenigen, die es konstruiert haben, und es anderen überstülpen, am meisten. Unser Organismus hat zum Beispiel den Blutkreislauf als Handelskreislauf, und dieser ist nicht konstruiert, sondern gewachsen. Ein gewachsenes System ist eben auch nichts statisches, sondern etwas sich stetig entwickelndes. Und Entwicklungsmöglichkeit ist etwas äußerst wichtiges für den Menschen.

    Wenn man sich anschaut wie es Entwicklungsgeschichtlich zum Herzen, dem Motor des inneren Handelskreislaufs gekommen ist, dann wird man sehen, daß es anfänglich Zellverbände gab, die sich aus Einzelzellen gemeinsam zu einem Wesen zusammengeschlossen haben. Die Zusammenarbeit und Arbeitsteilung brachte es mit sich, das es Zellen gab, die mehr außen waren, und Andere, die weiter innen lagen. Die Einen waren somit in der Lage mehr Nahrung von Außen aufzunehmen als Zellen die im Inneren lagen. Gab es als Einzeller die Osmose zum „Handel“, so benötigte man ab einer gewissen Größe von Zellverbänden effektivere Transportwege.

    Anfänglich geschah dies, und geschieht es auch heute noch, durch die Kapillargefäße. Ein hauchfeines Röhren System, das funktioniert wie beim Blutabnehmen. Da gibt es diese Haarfeinen kleinen Glas Röhrchen. Man sticht in den Finger, hält das Röhrchen an den sich bildenden Tropfen Blut und wie durch Zauber saugt das Röhrchen das Blut ein, ganz ohne Pumpe oder ähnliches. Das System funktioniert bis zu einer gewissen Größe von Leitungsdurchmesser und Organismus recht gut.

    Der Organismus wurde noch größer, so groß, daß die Transportleitungen einen höheren Innenquerschnitt annehmen mußten um die Menge an Handelsstoffen zu bewältigen. Leider funktioniert dieser Kapillare Transport nur dann, wenn der Rohrdurchmesser im Verhältnis zu den Molekülen klein genug ist. Werden aus Kapillargefäßen Adern, funktioniert das System nicht mehr. Dehnt sich das Kapillargefäß an einer Stelle zu weit aus, fließt es nicht mehr weiter sondern fängt an dort immer mehr zu versacken. Es bildet sich quasi eine Tasche mit Nährstoffen.

    Über die Zeit entwickelt sich so eine Kammer voller Schätze. Die Tasche füllt sich, und füllt sich, so weit bis durch die Dehnbarkeit der Umliegenden Zellen ein Druck entsteht, der irgendwann so groß wurde, daß er kontrahiert und es zur ersten Pumpbewegung kommt. Das Urherz war geboren. Daran kann man auch sehen, was das Herz ist.

    Eine Gemeinschaft hatte sich gebildet, die allein aus dem Grunde ihres gemeinsamen Zusammenwirkens, so viel Nahrungsüberschuß erwirtschafteten konnten, daß sich der Überfluß an einem Orte sammelte. So lange sammelte, bis die innere Kammer so voll war, daß es zur ersten Pumpbewegung kam und von dann die Nährstofflösung von diesem Ort aus auch durch größere Leitungen durch den Organismus gepumpt werden konnte. Das Herz, der König eines Organismus war geboren.

    Der König ist der Ort der gerechten Verteilung des aus der Gemeinschaft entstandenen Überflusses. Man darf das an diesem Punkt durchaus mal mit den Egoshootern vergleichen, die sich heute unsere Könige und Regierende nennen.

    Man sieht an diesem System auch recht gut, das ein sich entwickelndes System eben einem konstruierten sehr viel voraus hat. Und man sieht, das ein echter König, ein Herz ist, dem die Schätze von alleine zufließen, und seine Aufgabe es ist, sie zu verteilen, nur deshalb dürfen seine Schatzkammern gefüllt sein. Handel ist also ein in Bewegung halten.

    Eine Möglichkeit wie das unser zu einem Menschen herangereifte Organismus ermöglicht, ist ein zweikreisläufiges System. Die eine Herzkammer pumpt das Blut, den Währungsträger, unseres Organismus durch die Lungen, durch die es mit Sauerstoff angereichert wird, einem äußerst unhaltbaren und reaktionsfreudigen Stoff, der dem Blut quasi eine begrenzte Haltbarkeit verschafft, sodaß exakt diese begrenzte Haltbarkeit es für die Einzelnen Zellen unrentabel macht es über den notwendigen gebrauch hinweg zu sammeln. Ohne Sauerstoff verlieren die zirkulierenden Nährstoffe ihren Wert.

    Und das ist noch nicht das Ende der Fahnenstange. Entwicklung halt. Ein konstruiertes System ist eigentlich die Verhinderung schlechthin, es nutz ab und stirbt. Entwickelnde Systeme haben das Sterben integriert, sodaß das stetige Sterben und neu Werden viel, viel länger währt.

    Bemerkenswert finde ich auch, daß diese gewachsenen Systeme aufeinander aufbauen und nicht das Eine das Andere ablöst. Das Herz hat also nicht die Kapillare ersetzt sondern als die Kapillare an ihre Grenzen kamen haben sie aus sich das System um das Herz erweitert, und die Kapillare habe auch nicht die Osmose abgelöst, sondern die Osmose hat sich um die Kapillare nur erweitert. Es findet all dies gleichzeitig statt. Wie sollte also ein Handel von Staat zu Staat auf ähnlichen Systemen basieren wie der Handel von Mensch zu Mensch. Die lebendigen Dinge wachsen von Klein nach Groß. Das ist nun mal so.

    Gruß aus Bremen

  4. Michael sagt:

    Lieber Argonautiker,

    “ Handel und Geld ist sicherlich eine feine Sache, und auch wichtig, aber sicherlich nicht DER Sinn des Lebens.“

    Das ist wahr. Ansonsten erlaube ich mir einzuwenden, dass die Probleme unserer Zeit eher darin bestehen dass nicht mehr das Tauschen sondern das Täuschen im Vordergrund des Wirtschaftens steht. Das ist die präziseste und doch umfassendste Definition die mir einfällt.

    • Argonautiker sagt:

      Ich sehe da zwar keinen Widerspruch, aber es stimmt schon,…

      ich gebe dir schöne Glasperlen und du gibst mir dafür das Beste was du hast, dein Land mit all den Schätzen die dazugehören. Und siehst du nicht ein, daß das ein gutes Geschäft ist, dann massakriere ich dich und die Deinen so lange, bis du einsiehst das es ein gutes Geschäft ist. Und dabei ist es geblieben, nur ausgefeilter.

      Das schlimme ist, das ist kein amerikanisches Prinzip, denn die wurde ja vernichtet, weil sie sich nicht darauf eingelassen haben, sondern, das Prinzip ist von uns aus ausgewandert und kommt nun potenziert auf uns zurück.

      Schönen Gruß

      • Michael sagt:

        Aus dem Tauschmittel wurde ein Täuschmittel. Das Täuschen gehört auch zum Leben und dient in der Natur inbesondere andere in die Falle zu locken, wie du anmerktest.

        Das Übel der Welt kommt nicht exklusiv aus Amerika. Da kommt nicht mehr Übel her als von anderswo auch. Das Thema warum jetzt welcher Mensch wie unter dem Geldsystem oder der Umverteilung leidet kann man auch nur im Einzelfall ermitteln.

        Ich sehe im Zins kein Problem und im Zinseszins auch nicht. Mehr hat noch nicht geschadet. Es kommt eher stark drauf an wer was damit tut.

        Für Mitteleuropa habe ich 2 große Probleme ausgemacht.

        Politiker die hörten als einige fundamentale Keynesianer sprachen, ‚Schulden sind uns egal‘. Dachten die Politiker, ‚ Uns auch, der Meinung schließen wir uns, wir sind ab heute fundamentale Keynesianer und denken nicht mehr wie Häuslbauer. Ab heute wird im großen Stile auf Schulden gebaut‘. Am Ende bleiben die Luftschlösser.

        Der zweite Punkt ist das drängen des Individuums in die Rolle des unselbstständig Erwerbstätigen und Konsumenten. Das heißt ja nichts anderes als dass Bürokraten und Politiker feststellen, ‚Du Bürger und bist zu blöd zum investieren, deswegen nehmen wir dir das Geld vorher weg‘. Klar denn sie sind ja die ‚fundamentalen Keynesianer‘ und denken nicht wie Häuslbauer. Dabei kapieren sie noch nicht mal, dass der Staat nicht investieren kann, da er auch Konsument ist aus dieser Sicht.

        Blasenbildung ist anderes Thema. Nicht allein ob der Blase an sich, jene die begannen sie aufzublasen sind zu dem Zeitpunkt schon raus. Die haben dann die Tauschmittel und nicht die Schulden, etwas vereinfacht betrachtet.

        Dieses verdeckte Weiterreichen und Endlagern von Schulden bei Anderen und nicht die Weitergabe von Kredit ist anglikanisch angehaucht. Sei es der Konsumkredit den jemand aufnimmt und damit die Schulden für just jenen übernimmt der den Umsatz dann schon als Gewinn einstreicht … usw…

        Im Kapitalismus würde im Freien Markt ja jener belohnt der Gewinne über bescheideneren Einsatz von Ressourcen erwirtschaft. Wenn Industrien sich eine Supply Chain organisieren ihre Altschulden auslagern an abhängige Lieferanten diese dann drücken, dann kann man nicht mehr Umwegproduktion sprechen. Die Umwegproduktion wird meiner Ansicht nach vom Lieferanten angestoßen, der wiederum viele Kunden hat und damit Stabilität in den Wirtschaftsraum kommt.

  5. Argonautiker sagt:

    @ Michael 26. Juli 2014 um 21:52

    Da scheiden sich unsere Geister.
    Ich halte Zinsnahme für unlauteren Betrug und für nicht förderungswürdig.
    Denn das Täuschen und Betrügen halte ich in einem Verband für falsch. Wie gesagt innerhalb eines Verbandes, sonst nicht, was wir als Land mit gleichen Gesetzen wohl sind.

    Es wäre auch noch schöner wenn das Gehirn, nur weil es cleverer ist, sich extrem mehr Nährstoffe zukommen lassen würde als seinen Hautzellen. Den Organismus möchte ich aber mal sehen, der in sich auf Konkurrenz aufgebaut ist. Wie gesagt, wir reden hier von einer Wertegemeinschaft, nicht von konkurrierenden Gegnern. Da würde ich das täuschen und Betrügen auch für legitim halten. Allerdings zu verlautbaren, wir sind eine Gemeinschaft, allerdings hinterrücks sich weiter so zu verhalten als wäre man keine, ist mehr als Fragwürdig. Das ist nämlich auch noch Feige dazu.

    Und das mit dem feststellen der Politiker und Keynesianer, das die Häuslebauer eben nicht clever genug sind, um zu investieren, würde ich eher so sehen, daß sich da eben nicht ganz so Clevere zusammengetan haben und denken sie wären die besonders cleveren, indem sie Andere ausbeuten, es aber eigentlich nicht sind, weil ihnen als Mensch nämlich eine ganz wichtige Eigenschaft fehlt, nämlich die Nächstenliebe, was sie final auf Irrwege führt .

    Man sieht ja auch wohin das führt. Ihr Betrug hält die Menschheit in einem System gefangen, welches wie ein Teufelskreislauf funktioniert. Die ach so Cleveren konstruieren ein System, bauen es jedesmal wieder auf ein Zinssystem auf, welches naturgemäß wachsen muß, ohne dabei wahrzunehmen, daß der Mensch sich nur bis zur Pubertät wirtschaftlich physisch auswächst, und dann in einen Erhaltensmodus umschaltet, der normalerweise viel Jahre länger als die physische Wachstumsphase dauert. Etwas was den Horizont der ach so cleveren Politiker und Keynesianer eben übersteigt. Sie berauben die Menschheit mit ihrer vermeintlichen Schlauheit, der emotionalen, geistigen, kulturellen, Entwicklung, die nämlich nach dem Erreichen des wirtschaftlichen Ausgewachsenseins einsetzen könnte.

    Das Prinzip des Menschen ist nicht auf ein dauerndes Wachsen ausgelegt, wie soll es also mit einem System klar kommen, welches jedoch genau dies fordert. Das ist ja das Problem welches wir derzeit haben. Zu viel cleveres Geld fordert zu viel Zinsen, die die Häuslebauer, wie sie sie nennen, einfach nicht mehr erwirtschaften können. Und weil keine Zinsen mehr zu erwarten sind, wird nicht mehr wirklich investiert. Zentralbanken schaffen derzeit Geld um es künstlich in die nach Zinsen schreienden Börsenmärkte zu schaufeln, damit es nicht kollabiert. Folglich bläht es sich erst künstlich auf, bis es dann crashed. Das halten sie wirklich für schlauer wie die Häuslebauer?

    Ich hoffe mal, ich verstehe sie da jetzt irgendwo einfach falsch.

    Wissen sie im Grunde hat die Schöpfung der Gattung Mensch in seiner physischen Verfassung ein Maß zueinander mitgegeben. Sie sind etwa zwischen 1-2 Meter Groß, wiegen zwischen 40 und 150kg, und sind soundso stark. Kann ein schwacher 50kg heben, kann eine Starker vielleicht 200kg heben. Es hat schon seinen Sinn, wenn die Schöpfung der Gattung Mensch im physischen keine so großen Unterschiede hat zukommen lassen. Im Fühlen und im Denken können die Unterschiede jedoch größer sein, beziehungsweise sind sie eh nicht mehr meßbar. Das sollte zu denken geben, in welcher Hinsicht das Wachstum ins Unbegrenzte hinein möglich ist, oder finden sie nicht?

    Das einige Menschen nun ihr Denken dazu nutzen, um eben diese physische Begrenztheit zueinander in form von „Anbauten“ doch zu umgehen, das halte ich für alles andere als clever. Mit Geld kann man zwar physisch viel anbauen, was eigentlich nicht gegeben ist. Doch wozu?

    Einzig wo ich ihnen zustimme ist, daß viel zu viele Menschen in die Unselbständigkeit drängen.

    Gruß aus Bremen

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