Das Vermehren der Geldmenge schafft keinen Wohlstand. Im Gegenteil.

17. November 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

(von Prof. Thorsten Polleit) Die Zentralbanken weiten die (Basis)Geldmenge aus, um die Finanz- und Wirt-schaftskrise zu „bekämpfen“. Diese Politik findet viel Zustimmung, in Fachkreisen, bei Politikern und vor allem in der Banken- und Finanzindustrie…

Zwar hat das Ausweiten der (Basis)Geldmenge die Aktien in die Höhe getrieben, wie aus der unteren Darstellung zu entnehmen ist, und Risikoaufschläge auf Banken- und (den meisten) Staatsanleihen reduziert.

 

Jedoch werden immer größere Geldmengenausweitungen nötig, um die Aktienkurse, die ja die erwarteten Prosperitätsaussichten der Volkswirtschaften widerspiegeln, hochzuhalten oder gar weiter zu beflügeln.

Es ist ökonomisch nachvollziehbar, dass in der Finanz- und Wirtschaftskrise eine Ausweitung der Geldmenge zunächst die Aktienkurse antreibt. Die Wahrscheinlichkeit sinkt ja, dass Banken, Staaten und Unternehmen Pleite gehen, und das hebt die Unternehmensbewertung.

Dieser „wundersame Effekt“ kann jedoch aufgrund von zwei Faktoren schwinden: (1) Die Finanzmarktakteure bezweifeln, dass die Zentralbank genug neues Geld in Umlauf bringt, um Pleitewellen wirksam abzuwehren; und (2) die Finanzmarktakteure beginnen, Inflation (also Geldentwertung und Zwangsumverteilung) und die damit verbundenen negativen volkswirtschaftlichen Konsequenzen zu erwarten.

Geldmengenvermehrung in den Vereinigten Staaten von Amerika –einige wichtige Daten

„QE1“:

Fed-Ankündigung am 25. November 2008, dass die Fed Treasuries in Höhe von 600 Mrd. US-Dollar aufkauft; zudem Käufe von Hypothekenpfandbriefen („Mortgage-Backed Securities“- „MBS“) von Fannie Mae und Freddie Mac in Höhe von 175 Mrd. US-Dollar. Am 18. März 2009 Ausweitung um weitere MBS-Käufe in Höhe von 750 Mrd. US-Dollar und 300 Mrd. US-Dollar in US-Staatsanleihen.

„QE2“:

Ankündigung am 3. November 2010, Aufkauf von langlaufenden Treasuries in Höhe von 600 Mrd. US-Dollar (und zwar 75 Mrd. US-Dollar pro Monat) bis Ende Juni 2011.

„Operation Twist“:

Fed-Beschluss am 21. September 2011, 400 Mrd. US-Dollar an langlaufenden US-Staatsanleihen aufkaufen zu wollen, finanziert aus 400 Mrd. US-Dollar fällig gewordenen kurzlaufenden US-Staatsanleihen. Beschluss am 20. Juni 2012, „Operation Twist“ um zusätzliche 267 Mrd. US-Dollar auszuweiten.

„QE3“:

Fed-Ankündigung am 13. September 2012, MBS in Höhe von monatlich 40 Mrd. US-Dollar aufzukaufen – und zwar so lange, bis der Arbeitsmarkt sich „substantiell“ verbessen…

Beide Faktoren können eine Erklärung liefern, warum die Wirkung der Geldmengenausweitung auf die Aktienkurse immer weiter abnimmt. Der „Inflationsfaktor“ könnte dabei eine besonders gewichtige Rolle spielen.

Inflation macht weite Teile der Bevölkerung ärmer. Reale Einkommen und reale Ersparnis sinken, die Kaufkraft nimmt ab. Das wiederum schmälert die Gewinne vieler Unternehmen. Die Investitionstätigkeit sinkt und die Arbeitslosigkeit steigt. Wachsende wirtschaftliche Not lässt den Staat immer stärker in das Wirtschafts- und Gesellschaftsleben eingreifen – in Form von mehr Regulierung, höherer Besteuerung, mehr Wirtschaftslenkung.

Eine wachsende Zahl von Unternehmern und Bürgern wird so abhängig vom Staat, von seiner Finanzkraft und von seiner Umverteilungsmacht.

Weil jeder an der staatlichen Umverteilungsmacht teilhaben möchte, stellt sich immer mehr Zustimmung ein, wenn der Staat sich ausdehnt – notwendigerweise zu Lasten der Privatwirtschaft.

Gerade Inflation ebnet so den Weg in ein immer sozialistischer werdendes Gemeinwesen – und das bedeutet den Verlust von Freiheit und materiellem Wohlstand.
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