Das Unerwartete: Starker US-Dollar, teures Gold

18. Februar 2017 | Kategorie: RottMeyer

von Prof. Thorsten Polleit

Es ist eine Nachricht, die vermutlich viele Anleger noch nicht erreicht hat: Das Gold hat zunehmend Boden gewonnen gegenüber dem US-Dollar. Wie wird die „US-Dollar-Politik“ von US-Präsident Donald Trump aussehen? Wird er eine Abwertung des Greenbacks anstreben? Oder wird Trumps Wirtschaftspolitik für eine Aufwertung des US-Dollar in den Devisenmärkten sorgen?

Von der Antwort auf diese Frage hängt viel ab. Vor allem für Edelmetallanleger. Denn bekanntlich spielt der US-Dollar-Außenwert eine überaus wichtige Rolle für die Preisveränderungen in den Edelmetallmärkten. Zumindest scheint es so zu sein.

Die nachstehende Grafik zeigt die Veränderungen des Goldpreises (USD/oz) in Abhängigkeit von der Veränderung des US-Dollar-Außenwertes. In der Betrachtungsperiode (1973 bis Januar 2017) ging im Durchschnitt eine Aufwertung des US-Dollars um 10 Prozent mit einem Rückgang des Goldpreises um 12 Prozent einher (und umgekehrt). Allerdings ist zu beachten, dass der Goldpreis – unabhängig von den Wechselkursbewegungen – im Durchschnitt knapp 9 Prozent pro Jahr zugelegt hat. Dieser Befund deutet an, dass es außer dem US-Dollar-Außenwert andere (bedeutsame) Faktoren gibt, die für die Goldpreisentwicklung verantwortlich sind. Dazu zählt vor allem die Geldmengenausweitung.

Es ist etwas in Bewegung geraten

Die obige Grafik legt folglich nahe, dass der Goldpreis prinzipiell auch dann steigen kann, wenn der US-Dollar-Außenwert steigt (wenn letzterer nicht allzu stark steigt). In den letzten Jahren ist jedoch etwas zu beobachten, was aus der obigen Grafik so nicht herauszulesen ist. Die nachstehende Grafik zeigt dazu den Goldpreis (USD/oz) in Abhängigkeit des US-Dollar-Außenwertes. Seit etwa Herbst 2014 ist der US-Dollar-Außenwert gestiegen, der Goldpreis hat sich dabei tendenziell seitwärts bewegt. Mit anderen Worten: Ein stärkerer US-Dollar hat – anders wie in den Jahrzehnten zuvor – nicht zu einem Nachgeben des Goldpreises geführt. Woran kann das liegen?

Die ganz offensichtlich veränderte Beziehung zwischen dem Goldpreis und dem US-Dollar-Außenwert könnte darauf hindeuten, dass der Status des US-Dollars als (alleinige) Weltreservewährung gewissermaßen „angeknackst“ ist. Zwar ist der US-Dollar nach wie vor das unumstrittene, unangefochtene Welt-Fiat-Geld (im Vergleich zum Euro, dem japanischen Yen und dem chinesischen Renminbi). Jedoch scheint in den letzten gut drei Jahren das Gold zusehends als „Reservewährung“ an relativer Bedeutung hinzugewonnen zu haben – was umso bemerkenswerter ist, weil ja seit Mitte 2013 die kurzfristigen US-Zinsen begonnen haben zu steigen, und steigende Zinsen bekanntlich die Goldnachfrage dämpfen.

Ist es denkbar, dass es sich um eine „Anomalie“ handelt, die sich bald wieder zurückbildet, und dass in diesem Zuge der Goldpreis wieder (merklich) fällt? Einige Faktoren sprechen dagegen. (1) Nach Jahren der Tiefzinspolitik und weiter wachsenden Schulden ist es für die US-Zentralbank (Fed) zusehends schwieriger geworden, die Zinsen wieder zu „normalisieren“. Und solange die US-Zinsen relativ niedrig bleiben (in nominaler und realer Rechnung), sollte das den Goldpreis (in US-Dollar gerechnet) weiter unterstützen. (2) Die wachsenden Probleme im Euroraum, aber auch in Japan sprechen für eine wachsende Nachfrage nach US-Dollar – schließlich gilt aus Sicht vieler Investoren der Greenback nach wie vor als die verlässlichste Fiat-Währung. Dass wiederum könnte aber auch den Goldpreis antreiben. Und zwar dann, wenn Investoren ihre Nachfrage nach Gold erhöhen, um sich gegen die Risiken einer wachsenden US-Dollar-Abhängigkeit abzusichern.

Der Anstieg des Goldpreises (in US-Dollar und vor allem in allen anderen Fiat-Währungen gerechnet) könnte also eine fundamentale Veränderung des Welt-währungssystems anzeigen: Die wachsenden Probleme der Fiat-Währungen führen zu einer relativen Stärke des US-Dollar und damit einhergehend auch zu einer Aufwertung des Goldes. Das, was bislang vielfach als „unmöglich“ angesehen wurde – ein aufwertender US-Dollar, begleitet von einem steigenden Goldpreis -, könnte bereits zur „neuen Realität“ geworden sein.

Trump und das Zentralbankkartell

Unter der US-Präsidentschaft wird sich auch die Fed-Politik verändern – und das wird weitreichende Folgen für das Finanzsystem haben.

Wird die US-Zentralbank (Fed) unter US-Präsident Donald Trump weitermachen können wie bisher? Sie ist die führende Zentralbank der Welt, denn sie hat das Produktionsmonopol für den US-Dollar. Er ist nicht nur das Geld der größten Volkswirtschaft der Welt mit den größten und liquidesten Finanzmärkten. Der Greenback ist die nach wie vor unangefochtene Fiat-Weltleitwährung. Viele Währungen sind quasi auf dem US-Dollar aufgebaut. Das Weltgeldsystem ist de facto ein US-Dollar-Standard.

Die Politik der Fed bestimmt mehr denn je die Liquiditäts- und Finanzierungskonditionen auf den globalen Finanzmärkten. Das liegt vor allem auch daran, dass sich die Geschäfte der Großunternehmen und Banken in den letzten Jahrzehnten unter dem Greenback internationalisiert haben. Sie alle brauchen Zugang zum US-Dollar. In der letzten Krise 2008/2009 hat die Fed daher – von der breiten Öffentlichkeit mehr oder weniger unbemerkt – sogenannte „Liquidität-Swap-Abkommen“ mit anderen großen Zentralbanken geschlossen.

Dadurch haben sich die Zentralbanken bereit erklärt, sich bei Bedarf gegenseitig ihre eigenen Währungen zu leihen. Die Fed würde zum Beispiel der EZB jeden benötigten US-Dollar-Betrag zur Verfügung stellen. Die US-Dollar kann die EZB dann an strauchelnde Euro-Banken weiterleihen, falls diese keine Kredite mehr auf den Märkten erhalten. Damit ist das letzte Kreditausfallrisiko in den Finanzmärkten – und zwar bei Fremdwährungsverbindlichkeiten – ausgeschaltet worden. Das Zentralbankkartell unter Führung der Fed hat es möglich gemacht.
Alle großen Zentralbanken der Welt machen mit bei den Liquidität-Swap-Abkommen. Zur Freude des Banken- und Finanzsystems. Auch „Big Business“ freut sich über die schützende Hand des Zentralbankkartells. Und nicht zuletzt freuen sich natürlich auch die hochverschuldeten Staaten, die sich jetzt günstiger denn je neue Kredite beschaffen können – und mit ihnen die wachsende Zahl der Netto-Staatsprofiteure. Das Nachsehen haben die Geldhalter – die Kaufkraft ihrer Ersparnisse schwindet dahin – und natürlich die Netto-Staatsverlierer.

Wenn Trump mit „Make America great again“ ernst macht, wird er irgendwann auch den Politikapparat ins Visier nehmen müssen („Dry the Swamp“), und auch die Fed wird in seinem Zielfernrohr auftauchen. Bereits vor der Wahl Trumps machten Vorschläge die Runde, mit denen die Fed „reformiert“ werden soll. Eine Idee ist, die Fed einer Auskunftspflicht zu unterwerfen („Audit the Fed“). Eine andere Idee hat zum Ziel, den Beliebigkeitsspielraum in der Fed-Geldpolitik einzugrenzen, indem sie ihre Zinspolitik an einer vorab bekannten Formel (wie zum Beispiel der „Taylor-Regel“) ausrichtet.

Trump würde auch vor der Frage stehen, was mit dem von der Fed geführten internationalen Zentralbankkartell geschehen soll. Man stelle sich nur einmal vor, Trump pfeift die Fed zurück, und die Fed stampft die Liquidität-Swap-Abkommen ein. Weg ist das „Sicherheitsnetz der besonderen Art“ in den Kreditmärkten. Ein Albtraum vor allem für nichtamerikanische Banken, die günstigen Zugang zu US-Dollar brauchen. Ihre Zinskosten würden steigen. Sie könnten im Extremfall zahlungsunfähig in US-Dollar werden, wenn sie ungedeckte US-Dollar-Verbindlichkeiten aufgebaut haben und die eingeschläferten Kreditausfallsorgen mit Wucht zurückkehren.

Die Folgen, die ein Ausstieg der Fed aus den Liquidität-Swap-Abkommen hätte, lassen sind im Grunde im Voraus gar nicht abschätzbar. Er hätte das Zeug, eine neuerliche große Finanz- und Wirtschaftskrise auszulösen, die nicht nur das Aus-land, sondern auch die Vereinigten Staaten von Amerika selbst treffen könnte.

Das Problem ist dabei nicht so sehr, dass der US-Dollar den Status der Fiat-Weltwährung innehat, sondern dass er seit Ende 2008 von der Fed in einer Weise den Märkten zur Verfügung gestellt wird, die im Grunde der Ausgabe von „Helikoptergeld“ schon sehr nahe kommt.

Die Fed ermuntert mit ihrem „Bail out“ Ausländer, sich in US-Dollar zu verschulden. Und es erfordert eine immer größere Dollarvermehrung, um Krisen zu entschärfen. Dadurch baut sich eine unheilvolle Dynamik auf, die den US-Dollar entwertet und seinen Fiat-Weltwährungsstatus untergräbt. Was wäre Trump zu empfehlen? Eine Möglichkeit ist, alle anderen wichtigen Währungen auf den US-Dollar zu verschmelzen und so stärkere Kontrolle über die US-Dollarvermehrung zu erlangen. Doch diesem „Globalistentraum“ jagt die Trump-Administration nicht hinterher.

Eine andere Möglichkeit ist, die Fed zu zwingen, aus den Liquidität-Swap-Abkommen auszusteigen. Das Dollar-Sicherheitsnetz wird nach und nach abgebaut, um allzu große Verwerfungen im Weltfinanz- und -wirtschaftssystem zu verhindern. Beide Wege würden aber nur einen Exzess des Fiat-Dollars beenden. Viele andere blieben jedoch bestehen. Die einzige Möglichkeit, den US-Dollar wieder auf ein verlässliches Fundament zu stellen ist, ihn wieder an das Gold zu binden und gleichzeitig einen freien Markt für Geld zuzulassen.

Vielleicht ist ja Trump der US-Präsident, der das Zentralbankkartell zerschlägt, indem er diesen Schritt vollzieht. Es wäre – um mit Neil Armstrong, dem ersten Mondbesucher, zu sprechen – im Grunde nur ein kleiner Schritt für einen Menschen, der bereits US-Präsident ist, aber ein großer Sprung für die Menschheit.

© Prof. Dr. Thorsten Polleit – Marktreport Degussa Goldhandel GmbH

 

Ein Kommentar auf "Das Unerwartete: Starker US-Dollar, teures Gold"

  1. Insasse sagt:

    Swap und Swamp – irgendwie kommt mir bei dieser Ähnlichkeit der Begriffe der Verdacht, dass insoweit eine (unheilvolle) Beziehung besteht. Man müsste dann von Liquiditäts-Swamp-Abkommen sprechen, was der Sache rein aus Sicht der Veranstalter, nämlich der Zentralbanken, ja auch viel näher kommt.

    Dann schaun mer mal, ob Trump den Swa(m)p trockenlegt…

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