Das sollte jeden Amerikaner wütend machen…

24. Juni 2014 | Kategorie: RottMeyer

von Bill Bonner

Überall auf der Welt haben sich die Aktienkurse gut entwickelt. Auch der russische Markt stieg im Mai um 14% (seit Jahresanfang ist er damit per saldo aber immer noch 4% gefallen). Warum? Vielleicht hat es etwas damit zu tun, dass die Schulden der Welt Mega-Höhen erreicht haben…

Über 100 Billionen Dollar Schulden insgesamt, das war die letzte Schätzung, die ich sah. Warum sich Sorgen machen? Die Volatilität ist ultra-niedrig. Ein Index misst dies, indem er die implizite Volatilität am Optionen-Markt als Faktor nimmt. Und der entsprechende Index ist auf den niedrigsten Monats-Endwert seit 2007 gefallen.

Die Investoren haben keine Sorgen. Und sie sind auch nicht notwendigerweise gierig. Sie sind satt und sicher, dass nichts Schlimmes passieren wird.

Die Schlüssel für Papas Auto

Die Quelle dieser Sattheit ist nicht schwer zu finden. Regierungen und Zentralbanker arbeiten Tag und Nacht, um sicherzustellen, dass sich nichts ändert. Wie ich immer sage – die US-Finanzindustrie hätte in der Krise 2008 hart verprügelt werden sollen. Stattdessen – wie ein verwöhntes reiches Kind nach einem Verkehrsunfall – wurde sie aus dem Gefängnis geholt, und man gab ihr die Schlüssel für ein neues Auto… mit einer Flasche Whiskey unter dem Sitz!

Wenn der Preis des Geldes (Zinsen) sinkt, dann steigen die Gewinnmargen der Banken; indem sei selber nahezu Null Zinsen an die Fed zahlen, gab diese ihnen höhere Gewinne. Und indem sie für die Schulden der schwächsten Institutionen einsteht, gab die Fed große Boni an die schlimmsten Manager. Jetzt wirkt sich der Alkohol aus.

Überall auf der Welt schwanken die Märkte. Die Investoren haben ernsten Gedächtnisverlust. Die Geschäftsleute können nicht oben von unten unterscheiden. Und die armen Konsumenten bekommen Kopfschmerzen, jedes Mal wenn sie sich ihre Kontoauszüge ansehen. Ich habe versucht, die Merkwürdigkeiten der heutigen Null-Zins-Welt aufzuzeichnen.

Überall, wo ich hinschaue, sehe ich etwas Merkwürdiges…etwas, dass in einer nüchternen Welt nicht existieren sollte. Das Gerede geht um „Reichtum Ungleichheit“. Aber der wirkliche Grund der Ungleichheit ist größtenteils durch den Kredit-Schnaps der Fed versursacht worden, wie ich geschildert hatte.

Ein verzerrtes Spiel

Einige Menschen haben Zugang zu „freiem Geld“. Andere haben das nicht. Diejenigen mit Zugang tendieren dazu, in der finanziellen Elite zu sein. Es ist kein Wunder, dass die Reichen reicher werden; das Spiel ist verzerrt. Wir haben es zuletzt am US-Immobilienmarkt gesehen. Angeblich erholt sich der Immobilienmarkt in den USA. Aber wenn man sich den Markt näher anschaut, dann sieht man, dass die Umsätze mit Häusern, die an die „oberen 1%“ verkauft werden, steigen. Die Umsätze und Preise für die „99%“ – die überwältigende Mehrheit der Bevölkerung – stagnieren oder fallen.

Genauso verzerren die Durchschnittswerte auch das wirkliche Bild bei den Einkommen und beim Vermögen der Haushalte. Große Zuwächse für die „oberen 1%“ ziehen die Durchschnittswerte nach oben. Aber der durchschnittliche Amerikaner…und der durchschnittliche Haushalt…die rutschen ab. Zuletzt schrieb ich an dieser Stelle: Seit die Regierung die Golddeckung der Währung im Jahr 1968 aufgegeben hat, hat der durchschnittliche amerikanische Arbeiter jedes Jahrzehnt ungefähr 3.000 Dollar an Einkommen verloren, wenn die Zahlen um die „offizielle“ Inflationsrate angepasst werden.

Und wenn man die um eine realistischere Höhe der Inflation anpasst, dann lag der Verlust näher bei 5.000 Dollar je Jahrzehnt. Und selbst mit den offiziellen Zahlen hat ein durchschnittlicher amerikanischer Haushalt seit dem Ende der Rezession 2009 rund 5.000 Dollar an Vermögen verloren. Niedrige Zinsen machten es für Unternehmen möglich, sich mehr Geld zu leihen als je zuvor. Es gibt jetzt mehr Unternehmensschulden als ausstehende verbriefte Hypotheken.

Und raten Sie mal, welche Unternehmen am meisten von den niedrigen Zinsen profitieren? Die schwächsten Schuldner, natürlich. Das sind diejenigen, welche sonst am meisten für Kredite zahlen müssten. Jetzt, wo die Zinsen so gedrückt sind wie die Passagiere in einer japanischen U-Bahn, stehen die ungewaschenen Schuldner Wange an Wange mit den klugen, gut finanzierten und abgesicherten Schuldnern.

Die Merkwürdigkeiten gehen an jeder Ecke des Marktes weiter – mit Dutzenden von kaum profitablen Milliarden-Dollar-Unternehmen, welche überhaupt nicht existieren würden, wenn sie sich nicht zu Niedrigst-Zinsen Geld beschaffen könnten… (Seite 2)


 

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