Das schrecklichste Geschenk, das man machen kann

20. November 2015 | Kategorie: RottMeyer

von Bill Bonner

Regeln sind das, an was wir uns wenden, wenn wir nicht wissen, was zu tun ist. Und meistens wissen wir nicht, was zu tun ist…

Hier zunächst etwas, dass ich vor einigen Tagen geschrieben habe. Es zeigt nicht nur, wieso wir niemals die Zukunft kennen können… sondern auch, wieso wir damit besser dran sind. Infolge dessen, dass wir zumeist nicht wissen, was zu tun ist, sind unsere Investments – genau wie unsere Lebensphilosophien – aufgebaut auf einem Fundament aus Ignoranz.

Bestimmt. Konstant. Unnachgiebig. Ignoranz ist etwas, auf das man zählen kann. Ein Mensch ist nur in dem Maße weise (und da können Sie mich gerne zitieren), in dem er sich der eigenen Ignoranz bewusst ist.

Je klüger er ist, desto mehr sieht er sich selbst als ignoranten Trottel. Auf der anderen Seite ist der echte Trottel derjenige, der denkt, er sei weise. Er denkt er weiß Dinge, die er unmöglich wissen kann.

Es ist den Menschen nicht gegeben, ihr Schicksal zu kennen, so sagten es die Menschen der Antike. Wir können niemals wissen, was die Zukunft bringen wird – weder was unsere Investments betrifft, noch unsere Privatleben.

Und da wir nun einmal die Zukunft nicht kennen, können wir auch nicht hoffen, sie zu verbessern… außer in den nebensächlichsten und einfachsten Dingen.

„Ich werde besser dran sein“, sage ich zu mir selbst, wenn ich nur ein paar Sekunden zurückblicke, „Wenn ich noch nicht sofort vom Bordstein steige, sondern erst den Bus vorbeifahren lasse.“ Das wäre ein Beispiel.

Aber werde ich nächstes Jahr besser dran sein, wenn ich heute Google kaufen würde? Wird die Welt in 10 Jahren ein sichererer und besserer Ort sein, wenn man heute Bomben auf Krisengebiete wirft?

Das Geschenk der Hellsichtigkeit

Das Geschenk der Hellsichtigkeit ist keines, das man zu Weihnachten verschenken kann. Was für ein schreckliches Geschenk wäre das auch? Okay, man könnte heute schon die Zeitungen von Morgen lesen…Und ja, man könnte sehen, welche Richtung der Goldkurs einschlägt und seine Investments dementsprechend gut anpassen. Man könnte von Naturkatastrophen lesen… Streiks… Revolutionen… und zusehen, dass man irgendwo anders ist!

Aber wie langweilig wäre so ein Leben wohl. Es gäbe keine angenehmen Überraschungen. Und auch keine Chance zur Verbesserung oder etwas zu Stande zu bringen. Man könnte den Nobelpreis bekommen. Und wenn schon?

Es war ja vorherbestimmt. All das Streben und der Schweiß, den man gelassen hat, würde keinerlei Unterschied machen. Die ganze Sache war schon im Sack, bevor man überhaupt angefangen hat.

Stellen Sie sich einmal die Ödnis der Sache vor. Tag für Tag geht man durch die Windungen des Lebens ohne Sinn und Verstand und ohne dessen Risiken.

Jede Handlung…. jedes Wort… jede Veranstaltung …. alles ist schon für Sie in erhabenen Reliefs eingeschrieben. Und man selbst läuft stur seiner Wege, ohne sich auch nur ansatzweise zu wundern, was sie bedeuten sollen. Was hätte man auch davon?

Die Show geht ja ohnehin weiter… mit dir oder ohne dich… und wir spielen alle nur eine kleine Rolle darin.

Keine Geschichten der Zukunft

Wenn man wüsste, dass man selber besser dran sein würde, in dem man Lügen erzählt oder Menschen umbringt, würde man losgehen und es tun. Wenn man in die Zukunft schauen könnte – und die Macht dazu hätte, sie aufzubessern, bevor sie passiert – wieso sollte man es nicht tun?

Stellen Sie sich vor, es wäre 1920… und Sie hätten die Geschichte des 20. Jahrhunderts in Ihrem Gehirn. Sie reisen durch Bayern und während Sie in einem Zug Waggon sitzen, steigt ein finsterer junger Mann, der kürzlich die deutsche Armee verlassen hat, in den Wagen ein. Sein Name ist, wie Sie wissen, Adolf Hitler… und Sie haben eine geladene Waffe in der Tasche. Was tun? Den Abzug ziehen? Wieso nicht?

Was auch immer passieren würde, es wäre wohl kaum schlimmer, als das, was tatsächlich passiert ist.

Aber leider Gottes haben wir keine Geschichten der Zukunft in unseren Gehirnen – Ignoranz ist alles, auf das wir bauen können… und Regeln sind alles, wonach wir uns richten können.

Wir dürfen nicht töten… wir dürfen nicht stehlen… und wir dürfen nicht lügen. Wir folgen diesen Regeln, weil wir Ignoranten sind. Genauso machen wir keine überteuerten Investments. Natürlich könnten sie im Wert steigen. Doch wissen können wir das nicht. Also bleiben wir bei unseren Regeln…



Euro Krise: Krieg ist immer ein sehr gefährlicher Einfluss

Grausige Nachrichten… Zunächst möchte ich mich bei allen Lesern und Freunden bedanken, die sich am vergangenen Freitag um meine Sicherheit gesorgt haben. Wie es geschah, waren die News über die Angriffe in Paris schneller in der Heimat, als sie mich erreichten. Als die Terroristen zuschlugen, war ich bereits auf dem Weg aus der Stadt hinaus. Ich habe davon nichts erfahren, bis ich die Märkte gecheckt habe.

Die „Paris-Angriffe“ haben einen Dow Jones-Abfall von 203 Punkten bewirkt, wie ich herausfand. Später habe ich die Details gelesen. Der Krieg gegen den Terror ist nun in seinem 14. Jahr. Und es gibt kein Zeichen für einen Sieg, weder auf der einen, noch auf der anderen Seite.

Doch nun sehe ich die vertrauten Bilder. Die Opferzahlen sind gestiegen. Die Flaggen sanken herab. Das Fieber steigt.

„Wir hätten sie nicht in unser Land lassen sollen“, sagte mein aufgebrachter Nachbar.

„Wen?“

„Die Moslems. Sie wollen uns töten. Ihre Religion sagt ihnen, dass sie das sollen. Wir müssen uns selbst verteidigen. Aber Präsident Hollande spricht immer nur von Krieg. Er führt keinen Krieg.“

„Kriege sind die Gesundheit eines Staates“, schrieb Randolph Bourne. Heute sind sinken die Schultern der Franzosen herab, die Herzen tun weh. Doch die französischen Obigen haben sich selten besser gefühlt: Frankreich ist im Krieg.

Die letzten internationalen News lieferte Hollande, als er sich aus seiner Villa schlich, um mit einem Motorroller zu seiner Affäre zu fahren. Jetzt ist er in der Lage, eine wesentlich größere Führungsposition einzuschlagen. Er hat einen „gnadenlosen“ Krieg gegen die Terroristen verkündet und weitere 1.000 Soldaten berufen, um in Paris und den Vororten zu patrouillieren. (Nun gibt es insgesamt 5.000 Soldaten, die in der Hauptstadt auf Streife gehen.)

Paris ist abgeschlossen. Die Grenzen werden bewacht (auch wenn einer der Terroristen offenbar über Belgien gekommen ist). Dann wurden die französischen Kampfflugzeuge gestartet, um Ar-Raqqa, im Norden Syriens, zu bombardieren – den Ort, von dem die Sicherheitskräfte Frankreichs annehmen, dass dort das Massaker geplant wurde.

Eine kleine Nummer

Im Vergleich zu anderen Massakern, war das in Paris eher eine kleine Nummer. Bei dem My Lai Massaker der Amerikaner im Vietnamkrieg wurden 350 Männer, Frauen und Kinder getötet. Der sowjetische Geheimdienst, der NKWD, massakrierte 1940 im Wald bei Katyn nicht weniger als 22.000 Polen…angeblich um die polnischen „Intellektuellen“ zu eliminieren, die sich gegen die sowjetische Besatzung stellen könnten. Im Jahr 1944 hat eine Gruppe der Waffen-SS im Dorf Oradour-sur-Glane, im von Nazis besetzten Frankreich, 642 Menschen abgeschlachtet…inklusive 205 Kindern. Der exakte Grund ist nie herausgefunden worden.

Was bringt Menschen dazu, sich gegenseitig abzuschlachten?

Was ist der Auslöser für diese Massaker?

Neid, Hass, Angst – die üblichen Emotionen?

Psychologen haben das My Lai Massaker mit „anhaltender Angst“ begründet. Angeblich hat das dazu geführt, dass die amerikanischen Soldaten durchgedreht sind. Die Gewalt der Katholiken gegen die Hugenotten in Frankreich war Teil der religiösen Kriege, die im 16. jahrhundert in Europa herrschten.

Mein Diktum: Die Menschen sind manchmal gut und manchmal schlecht, aber sie unterliegen immer Einflüssen.Und Krieg, soweit ich das sagen kann, ist immer ein sehr gefährlicher Einfluss.

Quelle: Kapitalschutz Akte
Das schrecklichste Geschenk, das man machen kann (von Bill Bonner)
Krieg ist immer ein sehr gefährlicher Einfluss (von Bill Bonner)
Weitere Informationen: Investor Verlag

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7 Kommentare auf "Das schrecklichste Geschenk, das man machen kann"

  1. Sandra sagt:

    Das jede Hoffnung trügerisch ist, weiß jedes kleine Kind. Alle haben die Erfahrung schonmal gemacht: Wer alles darauf setzt, kann sehr schnell eines Besseren belehrt werden. Selbst felsenfest Versprochenes kann nicht immer eingehalten werden, da alles eben manchmal anders kommt, als man sich denkt.

    Wie kann man damit umgehen? Wer die Chancen und Gelegenheiten nutzt, die sich bieten und die man hat und haben kann, muß im Grunde nichts bereuen. Wenn etwas falsch war, macht man es bei nächster Gelegenheit anders. Man muß dann nicht darauf hoffen, von einem anderen eine zweite Chance für irgendwas eingeräumt zu bekommen.

  2. Helmut Josef Weber sagt:

    Sehr geehrter Herr Bonner,
    wer Hitler 1920 erschossen hätte, wäre ein Mörder und kein Geschichtsbuch würde ihn kennen;
    wer Hitler 1938 erschossen hätte würde noch heute als Mörder in einem Atemzug mit Lee Harvey Oswald genannt;
    wer Hitler 1941/42 erschossen hätte, wäre ein Mörder und schuld daran, dass Krieg verloren ging;
    wer Hitler 1944 erschossen hätte, wäre ein Held.
    Wer ein Held wird regelt die Geschichtsschreibung und nicht sein handeln, denn dieselbe Handlung kann ein Verbrechen oder eine Heldentat sein, es kommt nur auf den Zeitpunkt an.
    Als ich meine private Altersversorgung vor vielen Jahren in Angriff genommen habe, habe ich erst gar nicht versucht in die Zukunft zu spekulieren, sondern ich habe in die Vergangenheit geschaut um zu ergründen, bei welcher Art der Anlage/n ich gut schlafen kann.
    Und ich denke, ich habe richtig gelegen, denn was tausende Jahre seinen Wert behalten hat, wird nicht gerade dann wertlos, wenn ich es etwa 20 Jahre für meine private Altersversorgung benötige.

    Viele Grüße
    H. J. Weber

    • cubus53 sagt:

      Völlig richtig. Ausserdem hängt das „Held werden“ auch davon ab, ob man auf der Seite der vermeintlichen „Guten“ oder der „Bösen“ steht. Ein Friedensnobelpreisträger auf der Seite der „Guten“ darf auch schon mal ungestraft ein Krankenhaus bombardieren, mit Kindern als Opfer. Alle westlichen Heul-Susen mit den „Je sui Paris“ Schildern würde ich gerne mal dorthin schicken.

  3. Sandra sagt:

    Mal umgekehrt gefragt.
    Warum gibt es so viele Menschen, die viele Rückschläge und herbe Enttäuschungen hinzunehmen haben und daher entsprechend ihr Vertrauen erodieren?
    Meine Antwort: Sie lernen es nicht und setzten auf die Hoffnung i.V.m. Zukunftsversprechen.

  4. Helmut Josef Weber sagt:

    Hallo Sandra,
    da ist was dran.
    Ich frage mich allerdings dann, warum die ca. 85% der Wähler immer noch die Parteien wählen, von denen sie belogen und betrogen worden sind.
    Jeder dumme Hund kommt nicht mehr, wenn er einmal von einem Stein getroffen wurde; warum kommen aber die Wähler immer wieder über die Urne zu den Parteien?
    Damit beweisen diese 85% auch nicht gerade ihre Intelligenz.
    Vielleicht eine Art Stockholmsyndrom?

    Viele Grüße aus Andalusien
    H. J. Weber

  5. Argonautiker sagt:

    Eigentlich mag ich ihre Beiträge sehr, und ich mag mich auch nicht in ihre Philosophie einmischen, die soll schon jeder für sich selbst finden, aber diese Aussage stimmt nun wirklich nicht.

    „Es ist den Menschen nicht gegeben, ihr Schicksal zu kennen, so sagten es die Menschen der Antike.“

    Die altertümliche Welt ist voll von Orakeln und Wahrsagern, die angeblich sehr wohl in der Lage waren das Schicksal von Menschen zu erkennen, so die Überlieferungen.

    Um nur mal ein Paar hinlänglich sehr bekannte als Person zu nennen:
    Orakel von Delphi, Merlin, Kassandra,…, darüber hinaus gab es regelrechte Berufszweige, wie Medizinmänner, Schamanen,…

    Dazu kommt, das mir meine Wahrnehmung sagt, daß es sehr wohl Bestimmung gibt, allerdings ist sie nicht die Einzige Kraft in der Welt, sodaß die Welt eben nicht vollkommen vorher bestimmbar ist, aber eben auch. Die Trinität lehrt zum Beispiel die Dreifaltigkeit der Grundkräfte. In der Christlichen Religion dargestellt durch:

    Vater-Sohn-Heiliger Geist

    Der einende Kraft, repräsentiert durch den „heiliger Geist“
    Die duale Kraft, als Schöpfer, repräsentiert durch, „den Sohn“
    Die kausale Kraft, als bestimmenden Gott, repräsentiert durch, „den Vater“

    Um die dahinter stehende Philosophie zu verstehen, ist ein Denken im Zulassen von Widersprüchen notwendig. Soll heißen, es gibt Bestimmbares, aber die Welt ist nicht vollkommen vorherbestimmt, da es auch die Schöpferischen Kräfte gibt, welche außerhalb der Bestimmbarkeit liegen. Und wie es der Name schon sagt, die eben etwas vollkommen Neues, noch nie dagewesenes hervorrufen können. Und diese drei Grundkräfte können nicht nur im Entweder Oder auftreten, sondern auch um Sowohl als Auch, sodaß sie eben auch durchaus zu selben Zeit wirken, beziehungsweise sogar die Zeit selbst wirken, sodaß die Welt eben recht Widersprüchlich ist.

    Ich würde mal sagen, wenn es gar keine Bestimmbarkeit gäbe, dann wäre Börse nicht möglich. Die Bestimmbarkeit ist nur nicht absolut. Aber Bestimmbarkeit erlebt man jeden Tag, in nahezu allen Dingen, denn wenn ein Architekt zum Beispiel sagt, er könnte ihnen dieses oder jenes Haus bauen, dann geht das auch. Vielleicht nicht absolut, aber es geht. Wenn sie mit dem Architekten nicht gerade einen Griff ins Klo gemacht haben, dann wird das so, wie es werden sollte, bis auf die schöpferischen Ausreißer, des Unvorhergesehenen. Wäre das nicht so, dann gäbe es nichts woran ein Spekulant sich halten könnte, also gäbe es ihn nicht, und damit auch keine Börse.

    Warum die Märkte, die sie schildern hingegen so wenig bestimmbar sind, liegt daran, daß viel mehr Schöpferische Kräfte auf ihn einwirken, als Bestimmbare, sodaß der Einzelne sich schwer mit der Deutung tut.

    Und dann kommen wir wieder überein, daß das nicht zu 100% geht, ist auch gut so, denn wären die absolut, oder nahezu absolut vorhersehbar, dann wären die schöpferischen Kräfte wohl abhanden gekommen, und vor dem Ausfall einer der drei Grundkräfte bleiben wir hoffentlich bewahrt, auch wenn Merkel und Konsorten da hart dran arbeiten.

    Beste Grüße aus Bremen

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