Das Problem mit der Demokratie

1. Dezember 2015 | Kategorie: RottMeyer

von Bill Bonner

Unsere Reise zurück in die Vereinigten Staaten verlief ohne größere Störungen. In Dublin kann man als Amerikaner eine „Vorverzollung“ machen. Das hat unsere Einreise in die USA etwas beschleunigt. Die Flughafen-Security ist die Art von aus der Masse resultierender Realität, die ich hier schon häufiger angesprochen habe. Sie existiert, aber nur, weil die Menschen bestimmte Dinge glauben.

Sie glauben, dass sie sicherer sind, wenn man davon ausgeht, dass jeder Passagier darauf aus ist, Chaos auszulösen und dass umfassende Screenings nach Waffen das verhindern können.

Eine Trigger-Warnung

Ist das wirklich so? Vermutlich nicht. Erstens gibt es nicht so viele Menschen, die bei einer kommerziellen Fluglinie Suizid begehen wollen. Und zweitens würde ein Screening Prozess wohl kaum einen entschlossenen Terroristen aufhalten.

Aber ich habe genug von Kontroversen. Ich habe mein Fett wegbekommen und bin heute fest entschlossen, nichts zu schreiben, das eine Beleidigung darstellt oder die Leser irritiert. Doch ich habe mal versprochen das Thema der Präsidentschaftswahlen in Argentinien aufzugreifen. Aber man kann nicht ehrlich über Politik sprechen, ohne zumindest die Hälfte der Bevölkerung zu beleidigen, also spreche ich lieber eine „Trigger-Warnung“ aus.

Wenn Sie glauben, dass Demokratie, etwa im Jahr 2015, das absolut beste politische System ist, um die Menschheit zu zieren… und dass sie das Nonplusultra der Zivilisation ist, die niemals verbessert oder zur Perfektion gebracht werden müsse… dann sollten Sie an dieser Stelle aufhören zu lesen. Denn so ist es nicht notwendigerweise…

Cronies vs. Zombies

Wahlen sind „Verbesserte Auktionen von gestohlenen Gütern“, schrieb der amerikanische Schriftsteller und Journalist H.L. Mencken. Ich möchte mich heute den Bietern zuwenden. Auch wenn ich Gefahr laufe, es allzu sehr zu vereinfachen, fanden die Wahlen in Argentinien vor kurzem zwischen zwei Gruppen statt: Auf der linken Seite waren überwiegend Zombies. Auf der rechten überwiegend Cronies.

Der Unterschied zwischen Cronies und Zombies ist nicht die Menge der gestohlenen Besitztümer, hinter denen sie her sind (beide Gruppen wollen einfach alles), sondern der Stückpreis. Die Cronies sind hinter den großen Anschaffungen her – Regierungsaufträge, Landwirtschaftssubventionen und Marktschutz.

Zombies – möglicherweise weil sie zahlreicher sind – favorisieren eher das Arbeitslosengeld, Zahlungen an Gewerkschaften und diverse Wohlfahrts- und Arbeitsunfähigkeitsprogramme.

Auf diese Weise läuft es vom südlichen Río de la Plata bis hin zum Rio Grande im Norden.

Mauricio Macri, der Kandidat der Cronies, hat die Abstimmung in Argentinien gewonnen und den Zombie-Kandidaten, Daniel Scioli, gesalbter Nachfolger der amtierenden Präsidentin Christina Kirchner, geschlagen.

Macri entstammt einer der reichsten Familien des Landes. Ausgebildet wurde er an der Columbia Business School und der Universität der Wharton School in Pennsylvania.

Reich zu sein hat seine Vorteile. Aber sie hat auch ihren Preis. 1991 wurde Macri von einer argentinischen Polizistenbande entführt und 12 Tage lang in einer Kiste im Keller gefangen gehalten worden, bis sein Vater ihn, durch die Zahlung von Lösegeld, freigekauft hatte.

Diese Geschichte erinnert mich an Julius Cäsar. Piraten hatten ihn entführt und Lösegeld gefordert. Cäsars Antwort: „Sie sollten besser hoffen, dass ich nicht freigekauft werde. Denn wenn sie es tun, werde ich zurückkommen und jeden einzelnen von euch umbringen“ (vielleicht mit anderen Worten, aber die Botschaft ist klar).

Cäsars Familie bezahlte das Lösegeld. Und Cäsar verfolgte die Piraten. Er fasste sie und ließ sie töten (er erlaubte ihnen, als Akt der Gnade, stranguliert zu werden, bevor sie gekreuzigt wurden). Soweit ich weiß, hat Macri seine Entführer nie gefasst. Und er hat sie auch nicht kreuzigen lassen. Das zeigt mal wieder, wie sehr sich das öffentliche Leben seit dem Römischen Reich verändert hat.



So tötet man einen Jeep
von Bill Bonner

„Hey, Dad, hast du das gesehen?“, fragte mich neulich mein Sohn Edward. Zuletzt berichtete ich über Edward als Junge, nun ist er ein Mann. Es ist viel passiert Laufe der vergangenen zehn Jahre.

„Anonymus… das internationale Netz von Hacker-Aktivisten… haben sich dem Krieg gegen ISIS angeschlossen.“ Wow, das waren mal Neuigkeiten!

Ein Mann in einer Guy Fawkes Maske – er sprach Französisch – schwor ISIS Rache für die Bombenangriffe auf Paris. Soweit ich es weiß, ist dies das erste Mal, dass eine unbekannte, unauffindbare und nicht identifizierbare Gruppe jemandem den Krieg erklärt hat.

Anonymus hat keine Truppen, keine Bomben, keine Panzer, keine Flaggen, die sie schwenken können, keine Medaillen und keine großen Aufträge zu vergeben. Sie übernehmen keine Städte. Sie vernichten keine Armeen. Sie vergewaltigen keine Frauen und verteilen keine Süßigkeiten an die Kinder. Was für eine Art von Krieg soll das nun sein? Ich habe einen Essay aus meinem Archiv rausgekramt, um einen näheren Blick darauf zu werfen, wie weit diese ganze Hacker-Sache gekommen ist.

Zeit-Verschwender und Plagegeister

Der amerikanische Schriftsteller und Volkswirt George Gilder argumentiert, dass Informationen dem Wohlstand vorstehen und ihn erschaffen. „Am Anfang stand das Wort“, so schreibt er es in seinem Buch Wissen und Macht: Die Informationstheorie des Kapitalismus und wie er unsere Welt revolutioniert (Original: Knowledge and Power: The Information Theory of Capitalism and how it is revoultionizing our World).

Das „Internet der Dinge“ ist ein Versuch, der Welt Fleisch zu geben. Bisher ist das Skelett ziemlich kahl. Doch auch wenn das Internet nicht in der Lage ist, Wohlstand zu erschaffen, so kann es ihn aber sicherlich zerstören.

Denken Sie an all die Stunden, die Sie bei Facebook vergeudet haben! Denken Sie an all die Milliarden von nutzlosen E-Mails, die bearbeitet werden müssen. Denken Sie an all die Stunden, die Sie damit verbracht haben herauszufinden, wie man die automatische Heizung/ und Kühlung per Fernbedienung programmiert…. Neue Software auf dem Computer installiert… Fotos an Verwandte sendet…und wie man sonst auch mit den neuesten Launen der Technologie mithalten kann.

Aber all das sind nur Zeitverschwender und Plagegeister.

Das Wired-Magazin hat vor kurzem einen gut publizierten Test durchgeführt. Könnten Computerhacker die Steuerung eines modernen Automobils übernehmen, indem sie die Kontrolle über das elektrische System übernehmen? Andy Greenberg vom Wired-Magazin berichtete:

„Ich fuhr mit 70mph durch einen Bezirk von Downtown St. Louis, als die Tat begann, sich breit zu machen. Obwohl ich das Armaturenbrett nicht berührt habe, begannen die Lüftungen des Jeep Cherokee bis zum maximalen Anschlag, kalte Luft auszustoßen, und vertrieben den Schweiß auf meinem Rücken durch das in den Sitz integrierte Klimasystem. Als Nächstes schaltete das Radio zum lokalen HipHop Sender und die Musik dröhnte auf voller Lautstärke. Ich drehte den Regler nach links und drückte den Power-Knopf, doch ohne Erfolg. Dann gingen die Scheibenwischer an und Wischwasser wurde auf die Scheiben gespritzt.

Während die beiden Hacker noch mit den Scheibenwischer und dem Radio spielten, gratulierte ich mir selber dazu, unter Druck noch so ruhig zu bleiben. Dann stoppten sie die Transmission. Augenblicklich hörte das Gaspedal auf zu funktionieren. Der Jeep verlangsamte sich und kroch nur noch dahin. Zu der Zeit hatte ich schon eine lange Straßenüberführung erreicht und keine Möglichkeit zu entkommen. Das Experiment war langsam kein Spaß mehr.“

Um dieses Chaos auszulösen, mussten die Hacker nichts an dem Jeep verändern. Physisch mussten sie keine Hand an den Wagen anlegen. Stattdessen sind die durch das Entertainment-System „rein gekommen“, das mit dem Internet verbunden ist, wie es in den meisten modernen Autos ist. Das hat den Hackern Zugang zu dem Kontrollsystem gegeben.

Die Hacker haben keinen Wohlstand geschaffen, sie haben ihn zerstört. Sie haben ein 25.000 Dollar Auto wertlos gemacht. „Hacker töten einen Jeep“, war die Schlagzeile im Wired-Magazin.

Quelle: Kapitalschutz Akte
Das Problem mit der Demokratie (von Bill Bonner)
So tötet man einen Jeep (von Bill Bonner)
Weitere Informationen: Investor Verlag

 

7 Kommentare auf "Das Problem mit der Demokratie"

  1. Falkenauge sagt:

    Demokratie als angebliches Nonplusultra der Demokratie.

    „Wählen bedeutet die Illusion des Einflusses im Austausch gegen den Verlust der Freiheit“
    http://fassadenkratzer.wordpress.com/2013/05/17/fassade-demokratie/

    • Habnix sagt:

      Nicht die Regierung muss das Volk regieren, sondern das Volk die Regierung regieren.

      Wenn die Demokratie führt, brauchen wir keine Führer.

    • Habnix sagt:

      Wählen zu müssen ist keine Demokratie.Das Wort muss,weist schon auf Unfreiwilligkeit hin und das ist dann weit weg von Demokratie. Aber hier muss keiner wählen. Darum wähle ich freiwillig meistens nicht zu wählen,denn das beinhaltet Demokratie und trägt dem Umstand je nach dem,mehr Veantwortung für die Demokratie als die,die meinen sie müssten ihre Stimme abgeben und wundern sich nach der Wahl das sie keine Stimme mehr haben.

      Wer wählt nicht zu wählen hat auch gewählt.

  2. Argonautiker sagt:

    Da beschreiben Sie anhand eines speziellen Vorgangs etwas, was sich derzeit generell immer mehr vollzieht. Nutzte man früher das zur Verfügung stehende Energiepotential um etwas aufzubauen, gewinnt man immer mehr den Eindruck, daß diese Energie nun überall zum zerstören benutzt wird.

    Das trifft man, wie im Artikel beschrieben, im Internet, aber auch am Supermarkt an der Kasse, oder während der Kommunikation, natürlich federführend in den Medien, der Politik, und nicht zu vergessen in der Wirtschaft. Sowohl in der Wirtschaft, in der GEhandelt wird, wie auch der Wirtschaft, in der man sich mittels Alkohol BEhandeln läßt. Also eigentlich überall.

    Ein Miteinander ist „out“. Ganz besonders beliebt, daß ängstlich präventive Verteidigen. Das heißt um den Frieden zu erhalten, haut man dem Anderen gleich mal eine rein, bevor er einem eine reinhauen kann, und versichert dabei hoch und heilig, daß man das nur tue, um den Frieden zu sichern. Da fragt man sich, was tun die, wenn sie zu streiten anfangen?

    Miteinander gibt es nur noch, um Partner zu suchen, die einem beim präventiven Verteidigen behilflich sind. „Wollen wir nicht Freunde sein, dann können wir dem da, besser eine Reinhaun“ – „Au ja“ … Rums.

    Es kriecht aus allen Ecken und Ritzen empor, dieses Zerstören wollen, um des Friedens willen.

  3. EuroTanic sagt:

    Ich halte Demokratien als Herrschafft der Mehrheit schon aus rein mathematischen Gründen für „zweifelhaft“. „Denn statistisch gesehen sind nahezu die Hälfte der Bürger in einer Demokratie dümmer als der Durchschnitt.“ Das finde ich bedenklich. 😀

  4. Habnix sagt:

    „Die Hacker haben keinen Wohlstand geschaffen, sie haben ihn zerstört. Sie haben ein 25.000 Dollar Auto wertlos gemacht. „Hacker töten einen Jeep“, war die Schlagzeile im Wired-Magazin.“

    Nein mein Lieber, du hast so ein tolles offenes Auto gekauft, das man nicht abschliesen kann,aber weil es so offen ist, war es von vorne rein wertlos.Der Verkäufer hat dich getäuscht.

    Die Industrie 4.0 ist ungefähr das selbe.

    Und noch eins, weil es so schön ist.

    Lohnabhängig und ohne Lohntüte und nur ein Konto bei einer Bank ohne Bankgeheimnis, dann ist das so als wenn mein Portmonnaie bei der Bank irgend ein X-beliebiger Dritter hat, den ich nicht kenne und jeder Gangster sieht rein ob noch was zu holen ist.

    Am 1. April 2005 verschwand das Bankgeheimnis in Deutschland nun vollständig.

    Hauptbetroffene sind Rentner, Erben, Studierende, Empfänger von ALG I+II(HartzIV), Sozialgeld, BAföG, Kindergeld und Wohngeld.

    Ein Anfangsverdacht oder ein richterlicher Beschluss sind dann nicht mehr nötig.

    Fünf Tage vor Weihnachten, am 19. Dezember 2004 wurde dieses Gesetz heimlich still und leise von Hans Eichel im Bundestag eingebracht und vollzogen.

    Wenn damals nur mit der Lohnabhängigkeit Adolf Hitler alles machte, um wieviel mehr lässt sich mit der Kontoabhängigkeit für Regierungen heute erreichen?

    2017 soll, glaube ich, auch das Bankgeheimnis für Sparbücher fallen.Ja, wir sind schon ein offene Gesellschaft.Niemanden gehört etwas. Keiner hat mehr ein Eigentum. Zwar vielleicht Besitz aber der Besitz ist kein Eigentum.

    Wir dürfen ruhig jetzt mal aufwachen oder ?

Schreibe einen Kommentar

Sie müssen eingeloggt sein, um einen Kommentar schreiben.