Das neue Zeitalter von „Trumpismo“

30. Januar 2017 | Kategorie: RottMeyer

von Bill Bonner

„Trumpismo“ sagten wir jüngst einem Kollegen. „Das ist alles, was du wissen musst.“ Wir freuen uns auf die nächsten vier Jahre. Bei der Freude dabei sind auch eine Mischung aus Neugier, Angst und Voyeurismus…

Selbstverständlich wissen wir überhaupt nicht, was passieren wird. Ganz und gar nicht. Aber wir haben eine leise Ahnung, wie es kommen wird.

Symbolische Selbstdarstellung

Es geht um die erste Person Singular.

Selbst George W. Bush sagte, es sei peinlich, „Ich“ zu sagen, wenn er über seine Politik und seine Pläne spreche. Trump ist da völlig anders. Er benutzt es regelmäßig und extravagant, auch wenn es egomanisch sinnlos ist.

Beim letztjährigen Konvent der Republikaner behauptete er, dass die Nation in der Krise sei. Dann erklärte er bekanntermassen:

„Ich allein kann es reparieren.“

Es ist neu für die Amerikaner, aber der Führungsstil ist Wählern südlich des Rio Grande vertraut. Statt sich auf eine kohärente Politik oder eine konsequente Ideologie zu konzentrieren, betont sie die schrullige Persönlichkeit und symbolische Selbstdarstellung:

Big Pharma ist schlicht – „weg mit Mord.“

„Trump sagt, er mache Fortschritte“ beim Carrier-Deal.

„Trump sagt, dass es keine Chance für ein Toyota-Werk in Mexiko gibt.“

„Mein Dank gilt Linda Bean für Ihre große Unterstützung und Mut … Kauft L.L.Bean.“

Und die Website BuzzFeed, die jüngst behauptete, dass angeblich der Kreml kompromittierende Informationen über Trump hätte, sei nur ein „Haufen von Müll.“

Gut und Böse

Der typische Arbeiter ist immer unter der Fuchtel eines Menschen, der ihn möglichst kurz und klein hält; sei es nun der Chef, die Polizei, die Regierungsvertreter, die Bürokraten. Nun ist Trump da und kämpft für „Joe Sixpack“.

Ein Milliardär. Oberbefehlshaber. Er fürchtet niemanden. Nicht die Medien. Nicht einmal die Geheimagenten der CIA. Er ist ein mutiger Wahrheitssager. Oder so scheint es …

Dieser Ansatz für die Politik hat mehrere Vorteile.

Erstens ist es einfach unterhaltsamer als traditionelle Partei blah-blah; es ist ansprechender und einfacher zu verfolgen.

Zweitens macht es Mr. Trump zu einem Champion: er hält sich an die einfache Formel für professionelles Wrestling und TV-Drama – mit einem Helden … bösen Jungs … und dem unvermeidlichen Triumph des Guten über das Böse.

Drittens, er vermeidet die weichen, zweideutigen Formulierungen der realen Politik … und wirkliche politische Verhandlungen mit dem Kongress (die würden wahrscheinlich alles noch schlimmer machen).

Trumpismo spielt mit den Massen. Der Held nimmt sich am ersten Tag die Bürokratie in Washington vor … am zweiten erledigt er ISIS … und am Wochenende sind private Unternehmen oder sogar Einzelpersonen dran. Das macht er dann via Twitter-Attacken.

Wildes „Hin und Her“

Unter Trumpismo wird der Held des Volkes nicht durch eine besondere Loyalität – weder an Individuen noch an Glaubensbekenntnisse – zurückgehalten.

Konservativ?

Liberal?

Demokrat?

Republikaner?

Wähler interessieren sich dafür nicht besonders. Und ihr Anführer auch nicht. Stattdessen ist er frei, das zu machen, wonach ihm ist … eine Gruppe gegen eine andere ausspielen, zum Beispiel. Er überrascht seine Feinde, indem er sie aus unerwarteten Richtungen angreift und gewagte und neuartige Positionen, die vorher noch nicht auf der agenda waren, einnimmt.

Trump muss nicht für immer im Clinch mit den Gegnern von gestern stehen oder für immer an die heutigen Freunde gebunden sein. Darum kann er Goldman-Alumni so leicht umarmen.

Obwohl er während der Kampagne völlig gegen den Clan war … und sie waren völlig gegen ihn … werden die Goldman-Jungs ihm jetzt nützlich sein. Und er wird sie auch feuern – genau wie er das bei seiner Reality-TV-Show gemacht hat – sobald er jemanden braucht, dem er die Schuld für die scheiternde Wirtschaft geben muss.

Wie geht Präsident Trump mit „Deep State“ um?
von Bill Bonner

Wir wissen nicht, was passieren wird. Wir wagen es folglich auch nicht, eine exakte Prognose diesbezüglich abzugeben. Langsam aber sicher sind wir aber immer mehr davon überzeugt, wie es wahrscheinlich laufen könnte.Wir können uns grundsätzlich zwei Möglichkeiten vorstellen, wie Präsident Trump mit „Deep State“ umgeht.

Im Dienste der Menschen?

Es gibt leider nur eine sehr geringe Chance, dass Präsident Trump mit Blick auf sein Versprechen, „Deep State“ herauszufordern, aufrichtig ist. Es ist wenig wahrscheinlich, dass sein Gefolge von Wall Street-Bankiers und militärischen Führungskräften ihn dabei stützen wird.

In seiner Ansprache im Rahmen der Amtseinführung betonte der neue Anführer ja, dass unter ihm alles anders werden werde: er und seine neue Regierung werden eine Politik im Dienste der „Menschen“ anstatt der Insider betreiben.

Letztendlich heißt es aber, dass der Präsident die Insider von ihren „gemütlichen Stühlen“ entfernen muss, wenn er den Menschen dienen will. Und wenn der Präsident das tatsächlich so macht, wird es zu Showdowns und Machtkämpfen kommen. Letztlich wird dies zur unvermeidlichen Niederlage des Präsidenten führen.

Machtkampf

Herr Trump kann keinen Machtkampf mit „Deep State“ gewinnen. Genauso wenig wie Mr Greenspan es konnte. Greenspan hatte es ja nicht einmal versucht.

Trump braucht die Insider; er ist auf die Generäle und die Waffenhändler angewiesen. Er braucht die „cronies“. Er braucht die Elite. Wenn er regieren will, muss er die Macht mit diesen Insidern teilen. Wenn er das nicht tut und es dann einen Machtkampf gibt, wird er diesen Kampf verlieren.

Auch wenn der Präsident nicht bewusst „in den Krieg“ mit „Deep State“ zieht, könnte er vermeintlich zu vielen Leuten vom Establishment auf die Füße treten.

Anfälliger Präsident

Wie auch immer, die verschiedenen „kriegführenden Fraktionen“ von „Deep State“ würden dann gemeinsame Sache machen, um ihn, den Präsidenten loszuwerden. Ohnehin beinhaltet die Karriere von Herrn Trump eine Serie von impulsiven Fehlern, losen Gesprächen und glücklichen Pausen. Das Ganze ist garniert mit Prahlerei und einem Flair für das Vulgäre. Das macht ihn anfällig für seinen eigenen schlimmsten Freund – nämlich sich selbst. Und anfällig für seine Feinde im Establishment.

Der Kongress könnte ihn nach kompromittierenden Informationen (möglicherweise auch gefälschten Nachrichten?) mit einem Amtsenthebungsverfahren bedrohen. Oder es könnte die Gefahr bestehen, dass er einfach „isoliert“ wird und daher unfähig wird, legislativ tätig zu werden. Am Ende könnte er sein Wahlversprechen, Bürokratie abzubauen, nicht einhalten; und er würde auch auf seinen vielen Parties allein dastehen.

Vom Kongress abhängig

Deep State hat viele „antreibende Elemente“. Mr. Trump kann versuchen, sie gegeneinander auszuspielen. Die meisten sind auch nicht extrem bedeutsam; es wird ihn nicht wirklich interessieren, wenn die akademische Elite oder die Milchproduzenten sich gegen ihn wenden. Aber er braucht breite Unterstützung im Kongress. Man liest ja des öfteren, dass er eine „republikanische Mehrheit“ in beiden Kongresskammern hat, um seine Agenda durchzubringen.

Das ist nicht wahr. Was da im Parlament wirklich vorhanden ist, ist ein Haufen kluger, selbstsüchtiger Politiker, die ihre langen Messer wetzen und darauf warten, diese dem Präsidenten in den Rücken zu rammen.

Das war die erste Möglichkeit, wie Präsident Trump mit „Deep State“ umgehen wird. Die andere Möglichkeit, deren Eintreten wir als wesentlich wahrscheinlicher erachten, werden wir Ihnen demnächst hier im Tagebuch vorstellen.

Nur in aller Kürze so viel dazu: anstatt zu versuchen, den Menschen zu dienen (was unserer Meinung nach eine aussichtslose Sache ist) könnte Mr. Trump letztlich nur sich selbst dienen und damit erfolgreich sein.

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