Das neue Inflationssignal

12. Mai 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

(von Manfred Gburek) Die „Bild“-Schlagzeile auf Seite 1 am Freitag war unmissverständlich: „Inflations-Alarm“. Was es damit auf sich hatte, war für die FAZ am selben Tag einen Leitkommentar ebenfalls auf Seite 1 wert. Hier eine Kostprobe…

„Mit extrem lockerer Geldpolitik und vielen Notfallhilfen kauft die EZB Wackelbanken und Schuldenländern Zeit, allerdings auf Kosten ihrer Glaubwürdigkeit und unter Gefährdung ihres eigentlichen Auftrags, die Preisstabilität zu wahren.“ 

Dazu das Fazit, zur Finanzierung brauche Euroland „den Markt, der solide Staatsfinanzen und strukturelle Reformen verlangt. Wenn Euroland dazu nicht bereit ist, wird der Euro auch als Weichwährung keinen Bestand haben.“

Halten wir also fest: Die EZB macht sich unglaubwürdig, riskiert, dass die Preise steigen, und Euroland könnte eines Tages die Gemeinschaftswährung aufgeben. In so einem Umfeld und mit solchen Aussichten sind solide Staatsfinanzen und strukturelle Reformen bestenfalls ein frommer Wunsch. Und ganz nebenbei: Was ist Euroland? Die Brüsseler Bürokratie? Um Gottes willen. Die EZB? Im Prinzip ja, aber ohne politisches Mandat und damit machtlos. Oder etwa 17 Länder auf der verzweifelten Suche nach einem Konsens, den es wegen weit auseinandergehender Interessen jedoch nicht geben kann? Diese Interpretation kommt der Wahrheit am nächsten.

Daraus folgt: Euro hin, Euro her, jedes der 17 Länder wird weiter sein eigenes Süppchen kochen. Das erleben wir gerade wieder in Griechenland, Fortsetzung folgt. Das erleben wir auch in Spanien, wo der Staat das ehemals aus Sparkassen zusammengewürfelte Institut namens Bankia zu retten versucht, während immer größere Teile der Bevölkerung der Regierung in Madrid mit Protestmärschen die Hölle heiß machen. Da geht es nicht mehr um langfristig angelegte Reformen oder um den Euro, um solide Staatsfinanzen schon gar nicht, sondern in Anbetracht der extrem hohen Arbeitslosigkeit ums nackte Überleben.

Als wären diese – bisher von deutscher Seite fast ignorierten – Zustände, die neuerlichen Zweifel an der Solidität von Frankreichs Staatsfinanzen und die ständigen Querelen um den Euro nicht schon schlimm genug, da packt die EZB auf einmal ein heißes Eisen an, das es wie eingangs zitiert auf Seite 1 von „Bild“ geschafft hat: Inflation. Aber nicht etwa im Sinn von Geldmengenwachstum oder steigenden Lebensmittel- und Spritpreisen, sondern ganz anders: Deutschland soll höhere Inflationsraten verpasst bekommen.

Im Ernst, eine Fraktion im EZB-Rat plädiert dafür. Die Begründung ist so skurril wie bescheuert: Falls die Inflationsrate in wirtschaftlich angeschlagenen Ländern wie Spanien oder Portugal merklich unter dem für alle Euroländer vorgegebenen Ziel von fast oder nahe bei 2 Prozent liege, müsse sie zur Erreichung dieses Ziels in wirtschaftlich starken Ländern wie Deutschland eben höher sein. Als wenn die 2 Prozent in einer Währungsgemeinschaft von 17 Ländern, die alle ihr eigenes Süppchen kochen, überhaupt ein erstrebenswertes Ziel wären.

Abgesehen davon: Wie fummelt man den ganzen Datenwust, der in die Inflationsrate mündet, so hin, dass unter dem Strich die 2 steht? Volkswirte haben sich ja schon viel Unsinn ausgedacht und sind mit ihren theoretischen Modellen immer dann gescheitert, wenn es mal wirklich ernst wurde, wie zuletzt aus Anlass der Finanz- und Wirtschaftskrise. Doch dem aktuellen Euroland-Musterknaben willkürlich eine Inflationsrate über 2 Prozent aufzubrummen, das ist der Gipfel. So, als würde der Klassenbeste dafür bestraft, dass seine Schulnoten besser sind als die der schlechten Schüler. (Seite 2)

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23 Kommentare auf "Das neue Inflationssignal"

  1. samy sagt:

    Moin,

    wie wahr, wie wahr! Volkswirte und ihre Elfenbeintürme …

    Wer glaubt, er könne die Massen an geschaffener Liquidität noch lenken, so sie erst mal in Bewegung geraten, dem ist nicht mehr zu helfen.

    Man kann der Südschiene nur noch den Austritt empfehlen, verbunden mit einem ohnehin schon riskanten Schuldenerlass und den besten Wünschen der Nordschiene.

    Alles andere droht in einer gesellschaftlichen Katastrophe zu enden, Hyperinflation oder Deflationsschock hin oder her, was spielt das im Ergebnis dann noch für eine Rolle?

    Mein Albtraum ist das Eingreifen der EU-Nachbarn (EUROGENDFOR), sollte GR nach weiteren Wahlgängen unregierbar werden.

    (So weit ich weiss, gibt es max. noch zweimal wahlen, dann wird die alte Regierung wieder eingesetzt. Stimmt das, weiß das hier jemand? Für die jetzige Regierung hieße das, noch zweimal Koalitionen verweigern, dann geht es ohne demokratische Legitimantion weiter, also gegen das Volk. Wie würde das Volk dann reagieren?)

    VG

    Nachtrag:

    Rosenberg und Faber, der eine eher Deflationist der andere ein Inflationist, beide meinen ab mitte des Jahres Turbulenzen kommen zu sehen, weil QEII usw. in der Wirkung verpuffen. Finde ich immer interessant, wenn Anhänger verschiedener Schulen zum gleichen Ergebnis kommen. Rosenberg sagt Gold könne über 3000$ steigen, die Kurse seien günstig.

    Rosenberg:
    http://video.ft.com/v/1628418924001/Gold-going-to-3-000-
    Faber:
    http://www.bloomberg.com/news/2012-05-10/faber-sees-crash-like-in-1987-if-u-s-stocks-climb-higher.html

    (Somit könnte vom Timing her QE III in der Luft liegen, schon wegen des US-Wahlkampfes, den sich kein Präsident verhageln lassen wird, denke ich mal)
    Ich selbst würde Gold wieder so ab unter 1500$ Zug um Zug zukaufen. Ganz sicher bei unter 1200$ …

    • Avantgarde sagt:

      „Man kann der Südschiene nur noch den Austritt empfehlen, verbunden mit einem ohnehin schon riskanten Schuldenerlass und den besten Wünschen der Nordschiene.“

      Du bist echt ein Witzbold…

      Deine „gesellschaftliche Katastrophe“ hast du dann SOFORT.
      GameOver.

      Über Inflation oder Deflation brauchst du dir dann keine Gedanken mehr machen…

  2. Stefan sagt:

    Bild titelt „Inflations-Alarm“? Wie war das noch mit dem Bild-Titelblatt-Kontraindikator? irgendwie riecht das mehr nach Deflation.

  3. wolfswurt sagt:

    Ende August 1999 Titelseite Bild: „Fällt Gold auf 100$?“

    Zugrunde lag ein wochenlanger Preisrückgang von 287$ auf 252,60$ der just am Tage bei 252,60$ zu besagtem Artikel führte.

    Im Anschluß stieg dann Gold innerhalb weniger Tage auf 300$ fiel wieder zurück auf 260$ um anschließend bis auf ca. 1860$ zu steigen.

    Frage: Seit wann warnt das Establishment bestehend aus Medien, Banken, Konzerne und Regierung die Masse vor einer Entwicklung?

    Umgekehrt wird ein Schuh daraus: Medien, Banken, Konzerne und Regierungen leben von der Fehleitung der Massen.

    Ergebnis: Deflation volle Fahrt voraus!

    • Ashraf Khan sagt:

      Es würde ja schon reichen, wenn die Gefahr der Deflation in der Luft liegt. Dann macht man den Leuten Angst vor Inflation, sie geben logischerweise noch schnell ihr Geld aus bevor es weniger wert ist und treiben so natürlich die Inflation erst recht an. Diese selbsterfüllende Prophezeihung kann die Deflation dann durchaus verhindern oder zumindest verzögern, drauf wetten würde ich also noch nicht.

      Zum Artikel: Wenn man wirklich am Euro mit den derzeitigen Mitglieder festhalten will, dann muss man versuchen die Ungleichgewichte in den Leistungsbilanzen abzubauen. Und da das über eigene Währungen nicht mehr funktionieren kann, bleibt nur eine überdurchschnittliche Inflation in den Überschussländern oder eine unterdurschnittliche Inflation, vermutlich eher Deflation in den Defizitländern. Letzteres wird ja gerade in Griechenland probiert mit brutalen Folgen für die Industrie und die Bevölkerung. Vor diesem Hintergrund sollte man sich fragen, ob eine übermäßige Inflation für uns nicht das kleinere Übel gegen Deflation in den Südländern ist.

      • wolfswurt sagt:

        Hohe Inflation in den Überschußländern und Deflation in den Südländern in einem Währungsraum bedeutet folgendes:

        Der Marktmechanismus führt zu Käufen im Deflationsraum und verkauft im Inflationsraum.

        Kaufe die griechischen Oliven in Griechenland zu 0,50€ und verkaufe in Deutschland zu 2,50€.

        Nur mal so als Beispiel. Nicht dran aufhängen.

        Also, auch dieser Weg wird nicht funktionieren.

        Der Markt ist immer pfiffiger…

        • Ashraf Khan sagt:

          Ja aber genau das wäre ja ein positiver Effekt, wir würden Sachen aus Griechenland importieren und so gegen die Unterschiede in der Leistungsbilanz arbeiten.

          Ich denke der Markt will immer ausgleichend wirken, nur wird das eben niemals zugelassen.

          • wolfswurt sagt:

            Ob es zugelassen wird oder nicht spielt keine Rolle.
            Der Markt(bestehend aus millionen Individuen) sucht sich immer seinen Weg.
            Selbst im Ostblock gab es den Markt.

            Nicht funktionieren wird der Plan über unterschiedliche Inflation in einem gemeinsammen Währungsraum die naturgesetzten!!! Leistungsunterschiede auszugleichen.

          • Fnord23 sagt:

            Guten Morgen,
            das ist ja alles schöne Theorie. Mir fällt aber beim besten Willen nichts ein, was wir da im großen Stil aus Griechenland importieren können?

            VG

  4. Damokles sagt:

    Schön und gut… Inflation bei uns, bis das innere Preisgefüge die Wettbewerbsfähigkeiten und Leistungsbilanzen wieder ins Lot bringen. So oder ähnlich wird bei der EZB und vielen politischen Entscheidern gedacht. Es darf nur nicht so laut gesagt werden.

    Da sehe ich aber ein gewaltiges Problem: Wie macht man Preisinflation? Laut Heiner Flasbeck gibt es nur einen empirisch nachgewiesenen Zusammenhang zur Erzeugung von Preisinflation und der ist Einkommens- und Kaufkraftsteigerung der breiten Bevölkerung, bis hin zur Zweit- und Drittrundeneffekten. Dass alleine eine Geldmengenausweitung nicht reicht, kann man sehr schön in im Euroraum der letzten vier Jahre sehen. Oder auch in Japan der letzten zwanzig Jahre.

    Da erkenne ich nun zwei weitere Probleme:
    1. Wie verträgt sich das mit der hochgehaltenen internationalen Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands gegen über dem gesamten Rest der Welt? Welcher Politiker stellt sich hin und sagt: Wir müssen weniger exportieren!
    2. Wie fängt man eine sich verfestigte Preisinflation wieder ein? Wie teuer das ist, zeigen die Erfahrungen der späten siebziger Jahre.

    Wozu ein solcher Aufwand, bei dem der Erfolg noch höchst ungewiss ist, wenn ein Währungsrealigment viel effektiver ist? Alleine das zeigt schon, wie dysfunktional die Währungsunion wirklich ist. Aber das ist ja eine heilige Kuh der Politiker.

    PS: In Griechenland hat es nach den letzten Zahlen keine Deflation gegeben, trotz allen Sparens. Das ist es doch, was den Ökonomen die Hoffnung raubt, dass Sparen alleine den Gleichgewichtspfad erzwingt.

    • FDominicus sagt:

      Geldmengenausweitung reicht: Entweder früher oder später. Das es „noch“ nicht so weit ist bedeutet leider gar nichts. Jede weitere Billion die noch aus dem Nichts geschaffen wird wird Ihre zerstörerische Arbeit entfalten.

      In Griechenland mögen die Privaten sparen, was aber mit Sicherheit nicht für den Staat gilt.

      Es gibt auch kein „sparen“ in anderen Ländern. Es wird auch alles daran getan Sparen als „Teufelszeug“ zu diskreditieren.

      1) Tendenzen sind doch klar erkennbar.
      2) Das ist doch kein Thema. Allein schon mit nur annähernd „normalen“ Zinsen ergibt sich das. Man kann ja wohl kaum sagen der derzeitige zu leistende Zins hat etwas mit einem „Marktzins“ zu tun.

      Währungsalignment geht nicht solange es eben den Euro gibt. Ich habe darüber schon öfter geschrieben. Im Augenblick werden die Griechen vor Ihren Delebets durch den Euro geschützt. Sobald es die neue Fiat-Drachme geben wird, werden die schneller abwerten als ein Keynesianner. „In the long run we’re all dead“ sagen kann.

      Ich wette auch 1000:1, die ein wenig clevereren Griechen haben Ihr Euros aus dem Land geschaffen. Diejenigen die das nicht können oder wollen, werden ein füchterliches Erwachen erleben….

      Zu PS: wie können Sie eine Deflation bei permanent überproporitional steigenden Geldmengen erwarten?

      • Avantgarde sagt:

        „Sobald es die neue Fiat-Drachme geben wird, werden die schneller abwerten als ein Keynesianner. “In the long run we’re all dead” sagen kann.“

        Dann denken wir doch noch etwas weiter 🙂
        Wird der GR-Staat dann seine Auslandsschulden in harten Euro zurückzahlen können?
        NEIN – völlig indiskutabel.
        Zahlungsausfall – sprich D verliert seine Exportüberschüsse ganz schlicht.

        Wie viele deutsche Produkte werden dann in GR wohl noch abgesetzt werden können?
        Wohl fast keine mehr.

        Nun ist GR in der EU ungefähr so wichtig wie Hessen und man könnte GR isoliert auch vernachlässigen.
        Dumm nur wenn selbiges in I,S,P…. geschieht.

        Bei so einem Szenario gibt es gar nichts mehr zu Lachen – auch für uns hier nicht.

        Dann denke ich doch lieber in the long run…. 🙂

  5. Damokles sagt:

    Geldmenge ist keine homogene Masse. Es gibt eine Geldmenge im Finanzsektor, die dazu dient, Ansprüche und Verschuldungen abzubilden. Wenn diese in der Summe nur in sich selbst zirkuliert, hat sie nur auf verwandten Märkten wie Rohstoffe, Energie und Immobilien preissteigernde Wirkungen. Ich vergleiche das mit einer großen Wolke, die über dem erdbodennahen Leben schwebt. Solange die nur vor sich hingrummelt, sind die Auswirkungen gering.

    Hier unten aber haben wir auch noch die Geldmenge, die für die realen Güter- und Dienstleistungen benötigt wird. Diese schrumpft! Sie wird für die „Wolke“ entzogen über Steuern, Zinsen und Ausgabensenkungen aller Art. Zudem nährt sich die „Wolke“ aus sich selbst via Kreditschöpfung. Das kann nur begrenzt inflationär wirken und das tut es laut Wirtschaftsdaten auch. Der größte Teil unserer Preissteigerungen sind energiepreisgetrieben.

    Es ist doch der unverstandene Widerspruch, dass „oben“ die Milliarden und Billionen nur so aus dem Nichts sprießen und „unten“ kaum Geld für Investitionen oder Sozialleistungen vorhanden ist. Beispiel: Wie viele Monate hat man hier für 1,5 Mrd. Bildungspaket gerungen und wie schnell entstand ein „Rettungspaket“ im Umfang von 250 Mrd? Das war doch entlarvend.

    Fazit: Eine Geldmenge allein sagt für mich nichts über eine mögliche Preisinflation aus. Es ist relevant, in welchen Händen sich dieses Geld befindet. Deshalb meine These: Gesteuerte Preisinflation ohne signifikante nominale Einkommenssteigerungen gibt es nicht. Aber es kann sein, dass die „Wolke“ in ein kräftiges Gewitter übergeht. Das ist dann wohl die „Ketchup-Inflation“, die das Eurosystem zerstören wird.

    • Avantgarde sagt:

      „Es ist doch der unverstandene Widerspruch, dass “oben” die Milliarden und Billionen nur so aus dem Nichts sprießen und “unten” kaum Geld für Investitionen oder Sozialleistungen vorhanden ist. Beispiel: Wie viele Monate hat man hier für 1,5 Mrd. Bildungspaket gerungen und wie schnell entstand ein “Rettungspaket” im Umfang von 250 Mrd? Das war doch entlarvend.“

      Tja – manchmal drängt sich schon der Verdacht auf, daß das sogar gewollt ist…
      Wobei man fairer Weise schon sagen muß, daß eine Garantie noch keine Zahlung ist.

      anderes Beispiel:
      Die damals in allen Medien über Wochen hoch und runter diskutierte 5-Euro-Erhöhung für H4.

      Mammamia – was für ein Gelaber ob „wir“ uns das leisten können…

      Ein paar Monate vorher hat man die BayernLB gerettet – ganz lautlos zwischen Tür und Angel.
      Nur die ZINSEN für die Rettung entsprachen dem Betrag für die H4-Erhöhung – nur die Zinsen wohlgemerkt.

      Keine öffentliche Diskussion, keine Bild-Story – nix.
      Schlicht nix.

      • MARKT sagt:

        Da kann man doch nur Staunen, wie gut die Vierte Gewalt (oder ist es die Erste)im Staate funktioniert.
        Bleibt nur die Frage:
        Ist der Autor tatsächlich ein BILd und Spiegel(fehl)geleiteter, oder einfach nur TEil dieses Meinungskartells.

        Solange alles Geld auf dem immer gleichen Haufen geleitet wird , dürfte Inflation unser geringstes Problem bleiben.
        Wenn gleichzeitig diese Geldmengen über Rettungsschirme mit Dinglichen Sicherheiten unterlegt werden , muss sich doch die Frage stellen, weshalb sollte das „große Geld “ in Sachwerte flüchten? Es erhält diese mit der Zahlungsunfähigkeit der Staaten (Deutschlands) doch automatisch, sollte der ESM und später Eurobonds alternativlos durchgewunken werden. Und ich habe (den Medien und Politikern) sei Dank leider keinerlei Zweifel daran.

        „Abgesehen von den Risiken, die so eine Entwicklung zwangsläufig mit sich bringt, entstehen durch sie auch neue Chancen. Diese bestehen ad hoc darin, dass man zunächst vor allem bei Aktien und Edelmetallen ein weiteres Mal die Chance bekommt, günstig zuzugreifen, um durch eine entsprechende Konzentration des Geldeinsatzes beim nächsten Kurs- bzw. Preisaufschwung möglichst hohe Gewinne herauszuholen.“

        Deshalb dürfte es wohl insbesondere bei Aktien aber auch bei EM in den nächsten Jahren noch einige Möglichkeiten geben zuzugreifen.
        ICh bin kein EM-Gegner und finde es auch nicht schlecht einen Fuß in diesem MArkt zu haben, aber für den zweiten wäre es für mich deutlich zu früh.

    • Fnord23 sagt:

      Hallo Damokles,

      so denke ich mir das auch. Solange nur „Geld“ in den Finanzhyperraum gepumpt wird, und das „Mehr“ keinen Weg in die Realwirtschaft findet, haben wir keine übermäßigen Preissteigerungen, als die normalen.

      In einem inflationistischen Geldsystem über Inflation zu reden, ist genau so sinnvoll wie darüber, dass Wasser nass ist. Wovor alle Angst haben ist, dass Wasser nasser als nass sein wird.

      Die, die da an der Pumpe sitzen, versuchen aber gegen die Trockenheit anzupumpen. Was ja auch klappt, bis jetzt. Bis es dann schlagartig von staubtrocken auf schwülwarm umschlägt…..

      Wenn die kleine Angst kommt, und die Leute ihre Guthaben schlagartig in Sachwerte tauschen, dann haben wir Preissteigerungen aus psychologischen Gründen. Bin mal gespannt auf was der Michel kommt, außer das klein Häuschen zu sanieren. Aber die AGIT-PROP-GRUPPE der Regierung macht super Arbeit

      Was mich immer wundert:
      Warum so viele auf das EURO-bashing einsteigen? Ich meine, wir erleben das Endspiel eines Zinseszins-Zyklus. EURO, DOLLAR, YEN egal… Ohne EURO wäre das Spiel schon durch. Ohne Gegenpart hätte es den Dollar schon zerlegt. Die zweite große Währung stabilisiert das System. Gesetz der Dualität!

      Wir haben mehrere Blasen die platzen werden. Die Fiatgeld-Blase, die Aktien-Blase und die ultimative Blase of it all: The Human Bubble!

      Hab mir heute Abend „ Knowing“ mit Nicolas Cage angetan. Zum Schluß des Untergangs der Erde werden ein paar Auserwählte geholt.

      Außerirdische, oder wer auch immer:
      „Bitte holt mich ab. Ich will hier weg!“ (auch wenn ich nur ein kleines normales Menschlein bin)

      VG aus dem Erzgebirge

  6. samy sagt:

    Aloha,

    Inflation, um die innereuropäischen Handelsbilanzen auszugleichen setzt voraus, dass 1. die breite Masse der Deutschen mehr Geld verdient, um es für Produkte und Dienstleistungen in (Urlaub) und aus der Südschiene auszugeben, und 2. das die Deflation in der Südschiene auch preisdrückend in diesen Ländern wirkt, also der Ouzo und die Souvlakis am gr. Strand billiger werden. Das scheint aber nicht der Fall zu sein. Die Lebensmittel in Griechenland sind relativ teuer. Ganze bereits möblierte Häuser sind dafür billig zu mieten (200 € im Monat), hoffentlich muß mit diesen Einnahmen niemand Hypotheken bedienen.

    Ein schöner etwas längerer Artikel von John Mauldin (english) über die dt. Zwickmühle:
    http://news.goldseek.com/MillenniumWaveAdvisors/1336905620.php
    Hieraus:

    „The fact that Bild, arguably Germany’s most influential newspaper, chose to run with the story in its Friday edition shows just how deep-rooted Germans‘ fears of inflation are. Nine decades later, the hyperinflation of the early 1920s still haunts the country….

    … Is there any wonder about the timing of the Bundesbank retreat? They looked at Greek and French elections and then at the ongoing Spanish crisis, which is trending from very bad to awful with a risk of horrific. They glanced at the balance sheets of their own banks and those of French banks vis-à-vis sovereign debt from peripheral Europe, then took a peek at German-voter polls and flipped through their own balance sheet, and decided that the only entity with enough money to stem the crisis was the ECB. And that means a “little” inflation.

    I think the vast majority of Germans (and to be fair, the entire world) have no idea how many trillions of euros are going to be needed to keep patching the leaky ship that is the eurozone. It is even possible that most German politicians actually think it might only be 3% inflation…“

    Usw … usw…. Mal sehen wie lange das Spiel noch so geht und wie lange die Bundesanleihen derart niedrig verzinst sind, wenn sogar die Bundesbank eine höhere Inflation anstrebt(!).

    VG

    • crunchy sagt:

      That´s it! Trau, schau wem! Der norwegische Staatsfond hat, wie auch die Chinesen, erklärt, dass er in Euroanleihen nicht nur nicht mehr investiert, sondern die Investitionen reduziert zu Gunsten von Entwickungsländern. Was, bitte soll man dann noch kaufen, ausser echtem Ge(o)ld?

      • samy sagt:

        Hi noch einmal,

        irgendwie ziehen Gewitterwolken auf, oder?

        Eine Zahl ist mir noch in Erinnerung, kann ja den Link noch einmal raus suchen. Die US-Staatsanleihen (10Y) sollten per Wochenschluß, also Freitag’s, nicht mehr unter 1,8% Verzinsung schließen. Dies sei ein starkes Signal für eine deflationäre Welle.

        So kurz vor den Wahlen würde QE III dann mit großer Sicherheit folgen. Oder schlimmer, ein kleiner Waffengang gegen den Iran, hat doch, so weit ich weiss, ein kriegsführender Präsident nie eine Wahl verloren.

        1,8%, die Zahl könnte interessant werden.

        VG

  7. crunchy sagt:

    Danke, Gburek! Sie haben viel geschrieben, ein einziges,
    dort gelesenes Wort genügt: b e s c h e u e r t !

  8. Adam Smith sagt:

    „So, als würde der Klassenbeste dafür bestraft, dass seine Schulnoten besser sind als die der schlechten Schüler. “ Das ist ja wie bei der ZVS!

    Zu meiner Zeit – vor 40 Jahren habe ich einen Studienplatz gesucht, aber es galt auch noch später- haben die Schüler aus BW einen Malus von mehr als einer Note (!) verpaßt bekommen, weil ihre Noten über dem Gesamtschnitt von Deutschland lagen. Im Gegensatz dazu haben die Schüler aus NRW einen Bonus von über einer Note erhalten, weil sie darunter lagen. Der Unterschied lag darin, daß in BW 20% eines Jahrgangs Abitur machten und in NRW 40 % – nur damals waren die Kenntnisse in Statistik bei den Leuten, die über das Schicksal von anderen entschieden haben, noch nicht gut. Oder lag es daran, daß die ZVS- Zentrale in NRW lag? Auf jeden Fall gut für mich, sonst könnte ich derartige Feststellungen nicht machen, sondern hätte Medizin statt Nationalökonomie studiert!

    Greetz to all

  9. samy sagt:

    Ich will es auch in diesen Thread noch einmal einstellen, passt ja hierher …

    http://www.goldreporter.de/bundesrechnungshof-empfiehlt-bundestag-heimholung-der-deutschen-goldreserven/gold/22232/

    Huuiiii, da ist aber jemand ganz früh aufgestanden.

    Wenn es nicht so traurig wäre …

    Mal in die Runde gefragt, was wäre das für ein signal an die Märkte? Die letzten, die ihr Gold heimgeholt haben, dass waren damals die Franzosen, weil die Amis ihren Vietnamkrieg kaum noch finanzieren konnten. In diesem Zusammenhang hob Nixon dann irgendwann die Bindung des Dollars an Gold auf. Die Inflation gewann weiter gewaltig an Fahrt und erst Paul Volcker konnte das mit einer Hochzinspolitik stoppen.

    Ein Feigenblatt nach dem anderen fällt. Inflation als Ziel der Bundesbank, Gold heim holen … wo endet das?

    VG

    Nachtrag:

    Auch die Zinsen für 10 Y US-Anleihen sind unglaublich niedrig. US-Bonds unter 1,8%, seit ca. 8-10 Wochen gehen die zinsen Richtung Süden. UK ebenso, heute um 4,5% auf nun 1,88% gesunken.

    http://pigbonds.info/

    In diesem Licht könnte man auch die Goldreserven-Nachricht sehen. Klassische Sicherheiten wie US-Bonds und EM gewinnen in unruhigen Zeiten, auch wenn das noch so widersprüchlich klingt.

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