Das neue dunkle Zeitalter (Teil 2)

12. Oktober 2011 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer, Slideshow

von Ronald Gehrt

Nach dem ersten Teil schlagen wir nun die Brücke den aktuellen Krisenherden. In den vergangenen Tagen wechselte die Stimmung an den Börsen – zumindest scheinbar – von Mutlosigkeit und Pessimismus zu Vorfreude und Goldgräberstimmung. Dabei ist eigentlich nichts passiert, was die Problemstellungen als solche betroffen hätte…

Man doktert an den Symptomen herum, indem man wilde Entschlossenheit zur Schau trägt, so viel Geld wie nötig unter Banken, Pleitestaaten zu verteilen und in den Anleihemarkt zu pumpen, um es so aussehen zu lassen, als wäre alles in Butter…

Die Ursachen, die ich in den vielen Kolumnen zuvor schon ausführlich dargelegt habe und deshalb hier nicht erneut auflisten will, werden hingegen gar nicht erst angegangen. Diese Vorgehensweise ist noch dümmer als in der Subprime-Krise, denn man erkauft sich damit nur Zeit, in der Hoffnung, es werden dann die Nachfolger im jeweiligen Amt sein, über denen das tobende Volk das siedende Öl ausgießt. Das entsetzlichste daran ist: Es könnte auch noch klappen!

Diejenigen aufrechten Politiker und Notenbanker, die für diese Scharade nicht verantwortlich sein wollen, stimmen dagegen und werden überstimmt … oder sie treten zurück und verlieren somit ihren Einfluss auf das Geschehen. Und für jeden Aufrechten, der geht, folgen andere, die, weil von den Verbliebenen ausgesucht, Musterbeispiele in Opportunismus sind. Was dazu führt, dass der Anteil an Jasagern und/oder moralisch zweifelhaften Gestalten auf entscheidenden Posten immer weiter wächst. Wer dagegen ankämpft, wird überrannt oder zerbricht an der Vergeblichkeit des Widerstands. Konsequenz:

Der Abstieg in ein erneutes, dunkles Zeitalter beschleunigt sich auch noch. Und die Zahl derer, die dies mit lethargischer Gleichgültigkeit geschehen lassen oder es nicht einmal bemerken, ist Legion. Es war, soweit wir wissen, bei jeder zerfallenden Hochkultur genauso.

An den Börsen geht diese Entwicklung natürlich nicht vorbei. Der erfahrene, nachdenkende Investor alter Schule verliert an Gewicht. Ein wachsender Anteil des umgehenden Kapitals wird von vollautomatisierten Handelsprogrammen bewegt, deren Bediener nicht wissen, was sich in den „Black Boxes“ der Programme verbirgt. Und um dergleichen tun bzw. in verantwortlicher Position zulassen zu können, muss man selbst schon eine gewisse Skrupellosigkeit und/oder Dummheit vorweisen können. Wer klug genug ist, hütet sich heutzutage, die Milliarden an Erspartem anderer zu verwalten und überlässt dies den jungen, hungrigen Bankern … die nicht selten nicht hungrig, sondern borniert und gierig, ansonsten aber zu nichts zu gebrauchen sind (die sogenannten „Golden Boys“).

Computer folgen Kursimpulsen, ob sie nun fundamental untermauert sind oder nicht. Und die zunehmende Zahl an Dummköpfen kann überhaupt nicht erfassen, wie plump die Versuche sind, die Ausweglosigkeit der Lage in den USA und Europa zu kaschieren. Für sie reicht es, dass irgendwer irgendwie neues Geld erschafft, von dem die Bürger zwar nichts erhalten und so die eigentlichen Basisprobleme konjunktureller Natur ebenso ignoriert werden wie die strukturellen Verwerfungen auch, die aber dafür sorgen, dass für den Moment wieder alles schön liquide wirkt… (Seite 2)

Print Friendly, PDF & Email

 

Seiten: 1 2

Schlagworte: , , , ,

13 Kommentare auf "Das neue dunkle Zeitalter (Teil 2)"

  1. EuroTanic sagt:

    Die Börse, ob alt oder neu schafft keine wirklichen Werte. Werte werden nur durch tatsächliche Arbeit erwirtschaftet. Die Welt braucht keine Börsianer Die Welt braucht Landwirte, Handwerker und Ingenieure.

  2. retracement sagt:

    Die Welt braucht erst mal gar nix. Schon erstaunlich wie der Mensch immer über die Welt denkt. Der Mensch braucht etwas – nicht die Welt.
    Das Wort „Welt“ ist ohnehin sehr überladen und vereinnahmend.
    Komisch, daß immer von Marktteilnehmern die Rede ist?
    Keiner redet von Weltteilnehmern . . .

  3. EuroTanic sagt:

    Jau, so war das gemeint.

  4. retracement sagt:

    Hab zum Glück noch das Pflaster auf dem Mund und nen Balken über den Augen. Aber als Dreieck neige ich zur Symmetrie. Diese ist aus meiner kurzfristigen Wahrnehmung ziemlich gestört. Momentan führt mehr Information direkt in die Klappse. Ab und an schau ich bei den Gelben und bei ZeroHedge vorbei. Wir machen uns das Leben echt zur Sau.
    Glaube, manche hätten gerne unsere Probleme?

  5. konnt_ja_keiner_ahnen sagt:

    *****

  6. Robert sagt:

    Die öffentliche und veröffentliche Meinung ist wirklich erstaunlich.

    Wenn eine Fußballmannschaft 0:4 verliert und der Trainer meint, sie hätten trotzdem gut gespielt, dann fällt die Meute über ihn her und seziert haarklein dessen Geisteszustand bis in sein Privatleben hinein und dass er wohl nicht ganz dicht sein kann.

    Wenn Regierungen Phrasen wie „Rettungsschirm“ oder irgendwelche Abkürzungen lancieren, dann werden die einfach nachgeplappert. Da wird nichts analysiert, nichts geprüft, nirgends nachgefragt. Ein bettelarmes Land wie die Slowakei , in dem eine Lehrerin 400 Euro im Monat verdient, wird kritisiert, weil es für die reichen Ländern nicht garantieren will. Irre.

  7. auroria sagt:

    Wenn die Webers und co. sehen, dass es nicht mehr zu retten ist, dann ist es besser, sie ziehen sich zurück (idealerweise arbeiten an der Zukunft nach dem Reset), als den Tod der Währung zu begleiten.

    Den Untergang des € mit dem „Abstieg in ein erneutes, dunkles Zeitalter“ gleichzusetzen, halte ich für voreilig.

    Es besteht eine gute Chance, dass die Gelegenheit genutzt wird eine bessere Struktur zu schaffen.

    Was ihre Kritik „Computer folgen Kursimpulsen, ob sie nun fundamental untermauert sind oder nicht.“ angeht, arbeiten Sie mit ihrem System22 nicht genauso?

    „SYSTEM22 DSE ist ein im Herbst 2010 neu entwickeltes Trading-Handelssystem mit täglicher Signalgenerierung. Es investiert mit Hebel-Zertifikaten in Dax, S&P 500, Euro/US-Dollar und Gold und ist deutlich spekulativer als das SYSTEM22“

  8. Kintao sagt:

    „Es besteht eine gute Chance, dass die Gelegenheit genutzt wird eine bessere Struktur zu schaffen.“
    Die Chance mag vielleicht bestehen, aber ändern wird sich nix. Die äußere Form ändert sich, aber es wird immer Leute geben die andere Leute ausbeuten und versklaven werden. Das ist Fakt.

  9. Silberdax sagt:

    Die Börsen trennen sich von Dollar und Euro-Staatsanleihen – unvorstellbare Höchstkurse sind im Anmarsch.
    Jeder sollte seinen Ausstiegszeitpunkt genau definieren und dann
    endgültig und für immer diese Spielhölle „Börse“ verlassen !
    …das natürliche Ende wird hart für das Geldsystem:
    „die hard“ – die Letzte Folge ist schon im Vorspann.
    http://www.mmnews.de/index.php/wirtschaft/8669-geldsystem-als-matrix-fuer-schuldsklaverei-

  10. Silberdax sagt:

    Die „silberne Revolution“ :
    Jeden Monat mindestens 2 Silberunzen physisch kaufen – und weglegen und nicht mehr drandenken und weitersagen :
    Viel effektiver, als vor Banken und Regierungsgebäuden rumsitzen und nichts ändern können ! TUT WAS – und bringt dem Geld wieder seinen Wert zurück !!! NUR DAS BEENDET DAS GELD AUS LUFT ZINSSYSTEM !

Schreibe einen Kommentar

Sie müssen eingeloggt sein, um einen Kommentar schreiben.