Das neue dunkle Zeitalter (Teil 1)

11. Oktober 2011 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer, Slideshow

Leben wir wirklich in der besten aller Zeiten. Auf den ersten Blick scheint das so: Modern, schnell und voller technischer Rafinessen. Der zweite Blick erinnert an die Geschichte, wo es auch schon „beste Zeiten“ gegeben hat. Und dann kam ein dunkles Zeitalter. Eine nachdenkliche Kolumne von Ronald Gehrt…

von Ronald Gehrt

Im 7. und 8. Jahrhundert war all die Bildung, all das Wissen, das in den vielen Jahrhunderten zuvor durch die Hochkulturen in Athen, Rom und Byzanz aufgebaut wurde, in Vergessenheit geraten. Es gab kein nennenswertes Schulwesen mehr, es wurden kaum Bücher geschrieben, Europa versank in Unwissenheit und Aberglaube. Eine kurze Zwischenerholung in der Zeit Karls des Großen geriet schnell wieder unter die Räder … und erst in der Renaissance, ab dem 14. Jahrhundert, wurden Bildung und Wissensdurst wieder salonfähig. Aber vieles war vollkommen verloren gegangen, das heißt, dass die Menschen der Renaissance vieles neu entdecken und erfinden mussten, was Jahrhunderte zuvor längst zum allgemeinen Wissen gehört hatte. Abwärtstrend, Gegenreaktion, lange Bodenbildung und Trendwende … wie an der Börse. Nebenbei bemerkt, denn darum geht es mir heute nicht.

Es geht mir darum zu warnen, dass wir erneut auf dem besten Wege sind, in ein erneutes dunkles Zeitalter abzustürzen. Und es soll mir keiner kommen und behaupten, so etwas könne nie wieder geschehen. Erstens wiederholt die Menschheit seit jeher alle ihre Fehler, weil sie gerade aufgrund dieses „das passiert uns nicht noch einmal“ nie aus der Geschichte lernt. Und zweitens wird es umso leichter, fatale Fehler zu begehen, je dümmer die Mehrheit der Menschen wird. Und genau darum geht es ja leider.

Die Parallele zu damals: Wachsender Wohlstand führt zu Faulheit, Trägheit und am Ende zu blanker Dekadenz, damals wie heute. Die Konsequenz war damals der Zusammenbruch der großen Reiche. Was wir gerade erneut beobachten. Die USA verlieren im Eiltempo an Einfluss. Und die EU, bei der ich manche Parallele zu Byzanz sehe, da auch sie als Gegengewicht zu einem anderen Großreich (USA) zusammengeleimt wurde, ist im Inneren und als Idee längst hinüber.

Was anders ist, ist der Umstand, dass dieses neue dunkle Zeitalter zwar ebenso Gefahr läuft, durch politische und wirtschaftliche Unruhen ins Chaos zu führen. Aber es ist ein Hightech-Chaos, das auf den ersten Blick aufgrund der scheinbar revolutionären Neuerungen wie Mobiltelefone, Computer und „soziale Netzwerke“ wie ein goldenes Zeitalter wirkt, faktisch aber die Düsternis zunehmender Unwissenheit, ja Dummheit ist.

Sehen, ja vor allem hören Sie sich bei den Jugendlichen und jungen Erwachsenen um. Natürlich kann diese Klientel in einem Tempo „smsen“, dass unsereiner die Ohren anlegt. Und es wirkt überaus beeindruckend, mit einem Auge fernsehen, mit dem anderen chatten zu können, während eine Hand eine SMS tippt und die andere Hand gerade ein Handy hält. Würde man nicht damit rechnen müssen, dass das Aussterben der Fortbewegungsart „gehen“ zu einem evolutionären Verkümmern der Beine führen wird, wer weiß, ob kommende Generationen nicht noch das fünfte und sechste Medium mit den Füßen bedienen könnte.

Wer dergleichen kann, fühlt sich uns alten Deppen überlegen. Aber fragen Sie mal diese Generation einige Dinge, die Sie als Basis-Allgemeinbildung betrachten würden. Wie heißt die Hauptstadt der USA? Wie heißt der deutsche Außenminister? Welche Sprache spricht man in Brasilien? Welcher Fluss ist der längste der Welt? Was sind Protestanten? Gibt es Eisbären am Nord- oder am Südpol? Nur so als Beispiel. Sie würden sich nicht wundern, Sie würden in Panik geraten, zumindest bei einem erdrückend großen Teil der Befragten. Vom Schwund des Wortschatzes mal ganz zu schweigen… (Seite 2)

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