Das neue dunkle Zeitalter (Teil 1)

11. Oktober 2011 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer, Slideshow

Leben wir wirklich in der besten aller Zeiten. Auf den ersten Blick scheint das so: Modern, schnell und voller technischer Rafinessen. Der zweite Blick erinnert an die Geschichte, wo es auch schon „beste Zeiten“ gegeben hat. Und dann kam ein dunkles Zeitalter. Eine nachdenkliche Kolumne von Ronald Gehrt…

von Ronald Gehrt

Im 7. und 8. Jahrhundert war all die Bildung, all das Wissen, das in den vielen Jahrhunderten zuvor durch die Hochkulturen in Athen, Rom und Byzanz aufgebaut wurde, in Vergessenheit geraten. Es gab kein nennenswertes Schulwesen mehr, es wurden kaum Bücher geschrieben, Europa versank in Unwissenheit und Aberglaube. Eine kurze Zwischenerholung in der Zeit Karls des Großen geriet schnell wieder unter die Räder … und erst in der Renaissance, ab dem 14. Jahrhundert, wurden Bildung und Wissensdurst wieder salonfähig. Aber vieles war vollkommen verloren gegangen, das heißt, dass die Menschen der Renaissance vieles neu entdecken und erfinden mussten, was Jahrhunderte zuvor längst zum allgemeinen Wissen gehört hatte. Abwärtstrend, Gegenreaktion, lange Bodenbildung und Trendwende … wie an der Börse. Nebenbei bemerkt, denn darum geht es mir heute nicht.

Es geht mir darum zu warnen, dass wir erneut auf dem besten Wege sind, in ein erneutes dunkles Zeitalter abzustürzen. Und es soll mir keiner kommen und behaupten, so etwas könne nie wieder geschehen. Erstens wiederholt die Menschheit seit jeher alle ihre Fehler, weil sie gerade aufgrund dieses „das passiert uns nicht noch einmal“ nie aus der Geschichte lernt. Und zweitens wird es umso leichter, fatale Fehler zu begehen, je dümmer die Mehrheit der Menschen wird. Und genau darum geht es ja leider.

Die Parallele zu damals: Wachsender Wohlstand führt zu Faulheit, Trägheit und am Ende zu blanker Dekadenz, damals wie heute. Die Konsequenz war damals der Zusammenbruch der großen Reiche. Was wir gerade erneut beobachten. Die USA verlieren im Eiltempo an Einfluss. Und die EU, bei der ich manche Parallele zu Byzanz sehe, da auch sie als Gegengewicht zu einem anderen Großreich (USA) zusammengeleimt wurde, ist im Inneren und als Idee längst hinüber.

Was anders ist, ist der Umstand, dass dieses neue dunkle Zeitalter zwar ebenso Gefahr läuft, durch politische und wirtschaftliche Unruhen ins Chaos zu führen. Aber es ist ein Hightech-Chaos, das auf den ersten Blick aufgrund der scheinbar revolutionären Neuerungen wie Mobiltelefone, Computer und „soziale Netzwerke“ wie ein goldenes Zeitalter wirkt, faktisch aber die Düsternis zunehmender Unwissenheit, ja Dummheit ist.

Sehen, ja vor allem hören Sie sich bei den Jugendlichen und jungen Erwachsenen um. Natürlich kann diese Klientel in einem Tempo „smsen“, dass unsereiner die Ohren anlegt. Und es wirkt überaus beeindruckend, mit einem Auge fernsehen, mit dem anderen chatten zu können, während eine Hand eine SMS tippt und die andere Hand gerade ein Handy hält. Würde man nicht damit rechnen müssen, dass das Aussterben der Fortbewegungsart „gehen“ zu einem evolutionären Verkümmern der Beine führen wird, wer weiß, ob kommende Generationen nicht noch das fünfte und sechste Medium mit den Füßen bedienen könnte.

Wer dergleichen kann, fühlt sich uns alten Deppen überlegen. Aber fragen Sie mal diese Generation einige Dinge, die Sie als Basis-Allgemeinbildung betrachten würden. Wie heißt die Hauptstadt der USA? Wie heißt der deutsche Außenminister? Welche Sprache spricht man in Brasilien? Welcher Fluss ist der längste der Welt? Was sind Protestanten? Gibt es Eisbären am Nord- oder am Südpol? Nur so als Beispiel. Sie würden sich nicht wundern, Sie würden in Panik geraten, zumindest bei einem erdrückend großen Teil der Befragten. Vom Schwund des Wortschatzes mal ganz zu schweigen… (Seite 2)

Homepage von Ronald Gehrt

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30 Kommentare auf "Das neue dunkle Zeitalter (Teil 1)"

  1. braindead sagt:

    wie meist …
    ich ziehe meinen Hut
    es ist mir ein Rätsel wie es ihm immer wieder gelingt mir aus der Seele zu schreiben
    weiter so!

  2. EuroTanic sagt:

    Ich halte es gerne mit Georg Schramm: VOLKSVERBLÖDUNG „Die Wut wird größer aber die intellektuelle Verwirrung lässt nach” http://www.youtube.com/watch?v=RkNddCXSLvM&feature=player_embedded

  3. onir sagt:

    Kann mich nur anschliessen ……..

    Danke für die lesenswerten Essays

  4. Andre sagt:

    Wieder ein neuer Artikel von Herrn Gehrt. Ich werde ihn gleich einmal lesen.
    Hier noch etwas anderes: Frank war ja bei dem diesjährigen Wissensforum – look here 🙂

    http://www.youtube.com/watch?v=PeWe6fz2s-U

    Die DVD´s kann man ab sofort unter http://www.wissensmanufaktur.net/ bestellen. 🙂
    Also meine Bestellung ist soeben raus – freu mich schon darauf!

  5. healer sagt:

    Ich schliesse mich meinem Vorschreiber an, ich habe da sehr ähnliche Gedanken.
    Bin schon sehr gespannt wie es weitergeht.

    Mein Nachdenken darüber begann in den 80ern, als diese, dunkel gekleidete, Nullbock auf garnichts und No Future-Welle über uns schwappte. Heute glaube ich, dass all diese Dinge gewollt sind.
    Ein Dummes Volk lässt sich leicht lenken. im Grunde nichts weiter, als das alte Prinzip ‚panem et circensis‘
    Das funktioniert bis heute. Oder heute besser als jemals?
    Und das berührt nicht nur die Jungen Menschen, darüber sprechen die Menschen; Fussball….oh ja, wie wichtig, wenn 20 Leute hinter dem Ball her rennen. Formel 1 uuuh ja, wichtig, alle fahren im Kreis und einer gewinnt. GNTM, DSDS….. superwichtig, man muss ja wissen, über was wir morgen sprechen.
    Wenn am 15.10.11 viele Menschen aufstehen werden, um unseren Regierenden zu zeigen, was wir von ihnen halten, für wie viele ist es wichtiger zu Bundesliga-Spielen zu gehen, oder das Kissen vor dem Sofa voll zu furzen?
    Wenn schon über 40% aller Menschen in diesem Land die Wortbedeutung von ‚Rezession‘ nicht kennen, kann es sein, dass diese Leute zufrieden sind und im Grunde gar nicht mitbekommen, was hier passiert?
    Ist es in der aktuellen Diskussion um den Bundestrojaner eine adäquate Reaktion zu sagen: naja, wer nichts zu verbergen hat….?
    Diese Gleichgültigkeit gegenüber immer dreister werdenden Frechheiten des Establishments ist mir völlig unverständlich.
    Was muss passieren, dass das Interesse über die Ignoranz siegt?

    ….und diesmal mit Grossen Buchstaben 😉

    gruss vom
    healer

  6. Fnord23 sagt:

    Meine ehrliche Hochachtung, Herr Gehrt! Vernünftige Ansichten.

    Genau mein Thema. Ich bin ja ehrenamtlich in diesem Bereich tätig. Bildung, Kinder.

    Wenn ich diese Ansichten Politikern und anderen Entscheidungsträgern nahe bringe, dann schauen die mich an, als wäre ich von einem anderen Stern.

    Die einen verstehen das nicht, weil vermutlich da was fehlt?

    Und andere wissen genau was ich meine, treffen aber auch gegenteilige Entscheidungen. Immer häufiger haben meine Mitstreiter und ich den Eindruck, als wolle sich eine Elite dumme und hörige Volkssklaven heranziehen.

    Insofern graut mir vor einem neuen dunklen Zeitalter. Und wir werden das nicht aufhalten.

    VG aus Sachsen

  7. Reiner Vogels sagt:

    Sehr geehrter Herr Gehrt,

    selbständlich haben Sie recht. Aber war es wirklich jemals anders? Schon Schiller wusste: „Was ist Mehrheit? Mehrheit ist Unsinn. Verstand ist stets bei wen’gen nur gewesen. Der Staat muss untergehn spat oder früh, wenn Mehrheit siegt und Unverstand regiert.“

    Und einer der sprachlich elegantesten und klügsten Autoren unserer Zeit, Michael Klonovsky, rät: „Warum sich aufregen? Die Dummen gewinnen ja doch.“

    (Beide Zitate aus dem Gedächtnis, daher keine Garantie für absolut wörtliche Wiedergabe)

    Im übrigen zur historischen Richtigstellung: Auch in der Renaissance war Bildung kein Massenphänomen, sondern eine Angelegenheit einer verschwindend kleinen Elite. Und im Hochmittelalter gab es keineswegs nur Banausentum. Wir verdanken dieser Zeit so absolute Wunderwerke wie die gotischen Kathedralen und die außerordentlich lesenswerten Schriften der großen Theologen von Anselm bis Thomas. Das waren keine ungebildeten Dumköpfe, sondern außerordentlich gelehrte, willensstarke und kluge Denker.

    Deshalb ist die heutige Zeit nicht nur besorgniserregend: Für das Weiterkommen der Menschheit genügt es, dass es eine kleine Schicht von Denkern, Erfindern und Wissenschaftlern – als Christ würde ich hinzufügen: Gottsuchern und Betern – gibt, die die Menschheit voranbringen. Die gibt es mit Sicherheit heute auch.

  8. Lesch sagt:

    Sorry, aber ich widerspreche: War es nicht schon immer so, dass die „ältere“ Generation den „Jungen“ vorgeworfen hat zu „verblöden“, wenn sie sich nicht wieder „etwas mehr“ an die alten Tugenden halten würden?
    Und waren es dann nicht meist doch immer die „Jungen“, die Veränderungen
    um nicht zu sagen Revolutionen angestoßen haben?
    Mit meinen 42 habe ich als Hobby-Musiker mit ner Menge Anfang- und Mid- 20er Kontakt und wenn ich die mit meinen Arbeitskollegen vergleiche, erschreckt mich doch eher die dröge Gleichgültigkeit der „satten“ Endvierziger!!
    Im Prinzip stimme ich zu, dass die „Volkverblödung“ durch die beschriebenen techn. Errungenschaften etc massiv zunimmt.

    ABER: Das geht durch alle Generationen!!

    Auf die „verblödete Jugend“ zu zeigen ist mir zu billig.

    • Fnord23 sagt:

      Richtig, wer auf die Jugend zeigt, der zeigt eigentlich auf sich selbst.

      Unsere Kinder sind doch nur unsere Gene und unsere Erziehung. Und wenn uns da was nicht gefällt, da haben wir als Gesellschaft wohl etwas falsch gemacht.

      VG aus Sachsen

  9. wolfswurt sagt:

    Na na na, hier wurde aber eine der wichtigsten deutschen Epoche vergessen: das golden Mittelalter von 900 bis 1300 nach der Zeitenwende mit der Hochblüte der deutschen Hanse.

    Nicht zu vergessen der deutsche Ritterorden, welcher den Osten kultivierte.
    Die Marienburg läßt heute noch grüßen.

    Anschließend begann im deutschen Sprachraum die dunkle Zeit, mit dem Höhepunkt des 30 jährige Krieges, bis ins 17 Jahrhundert.

  10. Krisu sagt:

    Hallo miteinander.
    Dazu ein frisches Erlebnis des Abends im Supermarkt vor Ort (kein Discounter). Der Mitarbeiter an der Kasse scannt die Ware ab, das Gemüse muss er wiegen und einen bestimmten Code tippen. Nimmt der junge Mann also den Blumenkohl zur Hand und fragt mit unsicherem Blick: „Blumenkohl??“ Nur zur Info: es war kein ausländischer Mitbürger, sondern mit urdeutschem Namen. Irgendwann letztes Jahr, derselbe Supermarkt, ähnliche Situation: fragt die junge, gut im Futter stehende Kassiererin, „ist das Petersilie oder Schnittlauch?“. Es war Petersilie.. Jetzt erkläre denen doch mal EFSF oder ESM..

  11. auroria sagt:

    Passend zum Titel (Das neue dunkle Zeitalter):
    http://www.sueddeutsche.de/politik/schwere-vorwuerfe-gegen-teheran-usa-beschuldigen-iran-eines-mordkomplotts-1.1159911

    „Die US-Justiz behauptet, die Iraner wollten den Botschafter Saudi-Arabiens in einem Restaurant ermorden.
    Elemente der iranischen Regierung seien daran beteiligt gewesen und hätten den Plan gebilligt. Er kündigte an, das Regime in Teheran zur Rechenschaft zu ziehen.“

    Auftakt zum Iran Krieg?

  12. mfabian sagt:

    „Ich habe überhaupt keine Hoffnung mehr in die Zukunft unseres Landes, wenn einmal unsere Jugend die Männer von morgen stellt. Unsere Jugend ist unerträglich, unverantwortlich und entsetzlich anzusehen. “
    (Aristoteles, 384-322 v. Chr.)
    😉

  13. huneke sagt:

    Unsere Jugend ist heruntergekommen und zuchtlos. Die jungen Leute hören nicht mehr auf ihre Eltern. Das Ende der Welt ist nahe. (Keilschrifttext aus Ur, Chaldäa, um 2000 vor Christus)

    Die Jugend von heute liebt den Luxus, hat schlechte Manieren und verachtet die Autorität. Sie widersprechen ihren Eltern, legen die Beine übereinander und tyrannisieren ihre Lehrer. (Sokrates, gr. Philosoph, 470-399 v.Chr.)

    Alles nicht neu. Allerdings finde ich eher den Rückgang an Umgangsformen bei Erwachsenen erschreckend. Der absolute Individualismus führt zu völliger Rücksichtslosigkeit.

    Eine Situation aus meinem Alltag fand ich herrlich:
    Eine ältere Damen fragt einen jungen Mann im Zug, warum Er sich nicht anständig kleiden könne. Daraufhin erwiderte Er, dass Er sich nicht verstellen möchte und doch alle Leute ruhig sehen könnnen, was und wer Er ist.
    Darauf Sie: Aber das will vielleicht niemand so genau wissen.

  14. e-t sagt:

    Keine Ahnung ob Herr Gehrt hier mit ließt:

    1) Man hat im Irak 3500 Jahre alte Tonscherben gefunden, auf dem sich die ‚ältere‘ Generation über die Rübelhaftigkeit der ‚Jungen‘ aufregt. Insofern ist das nichts Neues – vielleicht eine Gesetzmäßigkeit.

    2) Warum ging das Wissen der Antike verloren? Ich habe ‚mal von der Theorie gehört, daß das Römische Reich über dehnt war und germanische Stämme zum Schutz der Grenzen beauftragte. Die Völkerwanderung tat ihr übriges. Ab einem bestimmten Zeitpunkt waren diese Mengen an Nicht-Römern so groß, daß die Stämme die lateinische Sprache und die römische Sitten ablehnten. Insbesondere in der römischen Armee der Spätphase gab es sehr große Abteilungen von Nicht-Römern, die ihren eigenen Gepflogenheiten nachgingen.
    Dadurch, daß immer weniger Menschen Latein sprechen/lesen konnten ging das antike Wissen verloren.

  15. Takuto sagt:

    Gratulation zum wieder mal hervorragenden Artikel. Vielleicht kann man noch dazu sagen, Stress entsteht nicht in erster Linie aus Arbeit, sondern rührt vom Druck her. Und wegen all des Freizeitdrucks hat man den Stress.

    Auch muss man vorsichtig sein, wenn man meint, dass sich die alte Generation immer schon über die junge aufgeregt hat. Diese Komponente gibt es immer, doch gibt es (immer schon!) Phasen des Niedergangs und solche des Aufbaus. Und die jetzige Phase ist mit Sicherheit keine des Aufbaus! Chatten, smsen usw. ist nämlich nicht besonders produktiv, um es mal vorsichtig auszudrücken.

    • Lesch sagt:

      „Chatten, smsen usw. ist nämlich nicht besonders produktiv, um es mal vorsichtig auszudrücken.“

      Traden, hedgen usw. ist nämlich viel produktiver, um es mal anders auszudrücken. Richtig?

      Wer sind die, die festlegen was „produktiv“ ist? Und für wen oder was produktiv und vor allem warum?

      Alles eine Frage des Standpunktes.

      • Takuto sagt:

        Wenige Dinge sind m.E. so wenig der subjektiven Betrachtungsweise unterworfen wie „Produktivität“. D.h. zu deutsch Erzeugung, und man meint damit Erzeugung von Nahrung, Kleidung usw. Bildung kann man im übertragenen Sinn vielleicht dazu rechnen, doch smsen usw. zerstört ja auch die Bildung.

        • Lesch sagt:

          Nun, nach dieser Definition von „Produktivität“ steht „traden und hedgen“ in etwa auf der gleiche Stufe wie „chatten und smsn“. Oder ERZEUGT „traden und hedgen“ Nahrung, Kleidung, Bildung? Aktuell ist eher das Gegenteil der Fall.

          Wer wirft den ersten Stein?

          • Takuto sagt:

            100% Zustimmung. Ich bin kein Trader und kein Hedger. Andererseits muss man ja nicht *alle* unproduktiven Tätigkeiten gleich verbieten. Die Exzesse sind das Schlimme!

  16. Fnord23 sagt:

    Tja Damen und Herren, wenn wir hier durch sind, dann sind alle wieder normal in der Rübe. Dann stehen die Beine wieder auf dem Boden der Realität und nicht in der Schlange vor dem „Apfelladen.“

    Leider wird es hart werden müßen. Der Mensch lernt nun mal nicht anders. Es muß schmerzen. Ich kann mir auch nicht vorstellen, wie sich diese ganzen Systemverknotungen geräuschlos lösen liesen.

    VG aus Sachsen

  17. drosselklappe sagt:

    Das Traurige an solchen Analysen ist die Tatsache, dass dadurch nichts besser wird.
    Ich habe den „Spiegel“ mal genau deswegen abbestellt, weil dieses Rumgerühre im Negaativen mich weder aufgebaut, noch mir jemals einen Ausweg gewiesen hat.
    Ich frage mich in solchen Situationen wie hier bei der Lektüre als erstes: cui bono? Ist auch schon etwas älter diese Frage, etwa 2000 Jahre. Wem nützt es? Im Zweifel doch immer dem, der damit Ängste schürt und auf seine Abo-Seite lockt. Muss nicht so sein, könnte aber. Bringen tut solch eine Lektüre jedenfalls erstmal garnichts außer Frust.

    • Frank Meyer sagt:

      Mir geht es auch so. Ich habe nach und nach alle Zeitungen abbestellt, die über Negatives geschrieben haben. Nun habe ich gar keine mehr, außer die Knax-Zeitung der Sparkasse. Kostet aber nix. Und dann habe ich alle Links gelöscht, wo Negatives drin war, denn das steckt an. Nun, dann habe ich selbst angefangen zu schreiben und hatte wirklich nur vor, Gutes zu schreiben. Das ging auch schief. Und jetzt überlege ich, einen Warnschild an den Blog anzubringen, damit ich mich nicht vor mir erschrecke. Hilflose Grüße vom Blogwart.

      • Fnord23 sagt:

        Okay, versuchen wir das doch mal so:

        Einmal pro Woche einen „POSITIVTAG“.

        Wobei wir erst klären sollten was positiv und was negativ ist.

        Das liegt ja im Auge des Betrachters. Doch versuchen könnte es der Herr Meyer ja mal.

        VG aus Sachsen

      • Takuto sagt:

        100% Zustimmung zu Herrn Meyer! Auch ich habe vor einiger Zeit, als wieder eine Sau durchs Dorf getrieben wurde und in allen Systemmedien der gleiche Artikel abgedruckt wurde, auch im Internet, alle Links zu diesen gelöscht. Printmedien habe ich sowieso keine mehr.

        Natürlich kann man nicht nur positiv sein, aber indem man auf die negativen Zustände hinweist und einen Ausweg anbietet, macht man alles richtig, so wie auf rottmeyer.de.

  18. auroria sagt:

    100% Wiederspruch zu diesem Artikel!

    Wenn die junge Generation sich heute nicht mehr so gut Telefonnummern merken kann, oder ohne Navi nicht mehr den Weg findet, kann man sie als faul und dumm bezeichnen.
    Oder als intelligent und effizient, weil sie in der Lage sind komplexe Werkzeuge zu nutzen und sich nur die Informationen merken, die sie müssen.

    Ist ein Bieber, der vor Ort ein paar Bäume fällt um sich seinen eigenen See erschafft nur zu faul um im Fluss ein paar Kilometer zum nächsten schon vorhandenen See zu schwimmen, oder ist er schlau?

    Sind Menschen, die sich Strassen, Brücken und Tunnel bauen und mit Fahrrädern, Autos, etc. darüber fahren, zu faul zum Laufen und haben es verlernt sich durch den Wald, über Berge und Täler durchzuschlagen?
    Oder waren die Menschen die zu Fuß das Land durchqueert haben und dabei Tage und Monate statt Stunden unterwegs waren die dummen?
    Waren die Menschen, die anfiengen Pferde zu reiten auch schon zu faul zum laufen?

    Ein Autofahrer bedient auch gleichzeitig mit einem Fuß das Gaspedal, mit dem anderen die Kupplung, hat eine Hand am der Gangschaltung und eine am Lenkrad, während er mit 200km/h auf der Autobahn rast.
    Geübte Fahrer lenken mit den Knieen, haben die Freie Hand, ein Ohr (und ein Auge) am Radio und noch eine Zigarette im Mund.

    Man kann sehr leicht über die jeweils junge Generation herziehen. Aber ein Blick in die Geschichte hilft weiter.
    Wie war das damals, als die völlig verrückte Jugend bei Auftritten der Beatles ausgeflippt ist?
    Oder als die 68er „Wer 2 mal mit der selben pennt, gehört schon zum Establischment“ Generation sich ins Koma gekifft, stat wie heute gesoffen hat.

    Und falls sie Computerspiele suchen, welche die Kreativität oder zum Denken anregen, helfe ich gerne weiter. Die fördern auch das räumliche Denken, das Internet das Lesen und die Englischkentnisse.
    Es war auch nicht zuerst der Heimcomputer, sondern erst das Kino, dann das ÖR Fernsehen (mit den bekannten Bildungsprogrammen Lindenstraße, Musikantenstadel und Schwarzwaldklinik).

    Was Sie als Dekadenz bezeichnen ist vielfach eine Folge technologischen Fortschrittes. Was spricht dagegen, wenn die Leute mehr Friezeit haben und diese so nutzen, wie es ihnen Spass macht. Ist die Zeit im Wartezimmer besser genutzt, wenn die Leute sich dort die Bunte durchlesen?

    Das Wissen geht auch nicht verloren, sondern wird heute durch die technischen Möglichkeiten besser archiviert, als je zuvor.
    Ja, wir lagern Teile unseres Gehirns / Wissen aus an Computer, die zur verwaltung dieses Wissens wesentlich besser geeignet sind.
    Man kann nur begrenzte Mengen Wissen im Kopf sammeln, deswegen haben schon die Ägypter ihr Wissen in Bibliotheken ausgelagert. Im Gegensatz zu deren Büchern, kann man aber wissen in digitaler Form problemlos kopieren.

    Die Situation ist heute fundamental eine andere als früher.
    Ja, Europa und Amerika sind im Abstieg, aber das Wissen wird nicht verloren gehen.
    >2 Mrd. Asiaten, Inder, Brasilianer, Russen, etc. sind so heiß darauf, dass sie schon jetzt unsere Computer hacken um da ran zu kommen …

    • braindead sagt:

      durchaus ok die Argumentation.

      Ich kann die 100% Demotivation jedes ehrlich arbeitenden Wesens in diesem System voll und ganz nachvollziehen.

      dann noch die kurze Frage wie aus dem gespeicherten Wissen das BGE fürs angesprochene Publikum und natürlich auch die vorangegangenen Generationen entsteht?

      Konsequenz wäre doch mal kurz die kollektive Kündigung aller sozialversicherspflichtigen Jobs seitens der Arbeitnehmer, vorher Lebensmittel etc. für ~ 3 Monate bunkern, Guthaben soweit vorhanden abheben …

      Dann würde man doch ziemlich schnell sehen was Sache ist vermute ich.

      Und zum gespeicherten Wissen… Ist das heute so viel dezentraler als in Alexandria, bzw. Inet- & Funk off und das dunkelste Mittelalter war ein Ort der Hochintelligenz?

      Anmerkung: Dies ist eine rein fiktive Utopie einer möglichen parallelen Realität!

    • Takuto sagt:

      Ja, grundsätzlich ist die Argumentation ok. Aber sie geht am Kern vorbei. Es dreht sich ja gar nicht um die Erfindung neuer Techniken, sondern um die falsche Nutzung und vor allem falsche Einstellung der Leute, die sie benutzen. Und wie auroria selbst sagt, das Wissen wird zwar nicht verloren gehen, aber zu den Völkern wandern, die im Aufstieg begriffen sind und eben nicht wie wir im (eben auch geistigen) Abstieg. Natürlich wird sich das wieder mal umdrehen, und so schwarz sehe ich für Deutschland nicht.

  19. teebee sagt:

    @ AURORIA
    „Ein Autofahrer bedient auch gleichzeitig mit einem Fuß das Gaspedal, mit dem anderen die Kupplung, hat eine Hand am der Gangschaltung und eine am Lenkrad, während er mit 200km/h auf der Autobahn rast.
    Geübte Fahrer lenken mit den Knieen, haben die Freie Hand, ein Ohr (und ein Auge) am Radio und noch eine Zigarette im Mund.“

    bewundernswerte fähigkeiten. fehlt nur die wahrnehmung der tatsache, dass der da nicht allein
    rumschippert.

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