Das „militärische“ Geheimnis zum Reichwerden

2. Oktober 2014 | Kategorie: RottMeyer

von Bill Bonner

Ich bin aus Argentinien zurück. Die Argentinier haben alles gesehen. Sie wissen, dass Politik und Märkte Zyklen folgen. Gut folgt auf schlecht, worauf wieder „gut“ folgt. „Wir hatten eine harte Zeit“, sagte ein Argentinier, mit dem ich sprach. „Die Regierung war so dumm. Aber die Leute wissen jetzt, dass sie dumm war. Es wird einen Wechsel innerhalb eines Jahres geben, und fast sicher wird das ein Wechsel zum Besseren sein.“

Das Problem mit den USA ist, dass die Aktienkurse bereits gute Dinge vorwegnehmen. Die Fed muss es schaffen, ihren Rückzug vom Gelddrucken ohne Probleme hinzubekommen. Die Gewinne müssen weiter steigen. Inflation und Zinsen müssen auf Rekordtiefs bleiben.

Die Wirtschaft muss sich nicht sehr verbessern, aber sie darf keine großen negativen Überraschungen bringen. Und keine geopolitische oder andere Bedrohung – wie der Ebola-Virus – darf schlimmer werden. Ich würde besser in einen Markt investieren, bei dem die Kurse bereits ein Desaster vorwegnehmen, und dann angenehm überrascht werden, wenn es besser als erwartet ausgeht. An einen Markt zu gehen, bei dem Perfektion vorweggenommen wird, ist immer ein Fehler.

Wie man reich wird

Zunächst muss mal – um reich zu werden – erst einmal lieben, arm zu sein. Sie denken vielleicht, ich scherze. Das tue ich nicht. Ich übertreibe nur ein wenig. Es geht darum, dass Sie keine Angst vor Armut haben sollen. Denn wenn sie reich werden wollen, dann müssen Sie Risiken eingehen. Sie könnten zum Beispiel ein Unternehmen gründen. Oder Geld investieren. Normalerweise können Sie damit Geld verdienen. Das ist ähnlich wie einer militärischen Kampagne. Wenn Sie angreifen, konzentrieren Sie Ihre Truppen – Zeit und Vermögen – auf einen begrenzten Frontabstand, wo man einen Vorteil gegenüber dem Gegner hat. Geldverdienen ist auch konkurrenzfähig.

Man erhält einen Vorteil, indem man seine Kräfte auf eine begrenzte Front konzentriert, wo man einen Durchbruch erreichen kann. Später – um das zu schützen, was man verdient hat – nehmen Sie den gegenteiligen Ansatz ein. Sie werden ihr Vermögen diversifizieren. Das Risiko bei einem konzentrierten Angriff ist, dass es nicht funktionieren kann. Dann kann man die Schlacht verlieren. Und dann hat man eine Menge Probleme.

Finanziell gesehen bedeutet das: Wenn Ihre konzentrierten Bemühungen nicht funktionieren, dann könnten Sie sehr, sehr arm sein. Sie können vielleicht jahrelang in einem Startup arbeiten, nur um das dann Pleite gehen zu sehen. Oder Sie haben all Ihr Geld in ein Investment, das sich sicher auszahlen wird – am Ende. Und dann tut es das niemals! Wenn das ein Risiko ist, das Sie nicht schultern möchten, dann werden Sie wahrscheinlich nicht reich werden. Dann sind Sie besser dran, wenn Sie sich daran halten: ein guter Job, eine gute Karriere, ein vernünftiges Einkommen. Erhalten Sie eine gute Bildung.

Sagen Sie die richtigen Dinge. Versuchen Sie nicht im Weg zu stehen. Seien Sie ein gutes Elternteil, ein guter Bürger, eine gute Person. Leben Sie ein gutes Lebenund genießen Sie es.

Chancen nutzen

Reich zu werden benötigt mehr. Man muss Risiken eingehen. Und man kann keine Angst davor haben, wie es ausgehen könnte. Ich hatte Glück. Ich hatte kein Geld, als ich jung war. Und ich genoss die Armut. Ehrlich gesagt, als ich später zu Geld kam, bedauerte ich das fast. Was soll so schlecht an Armut sein? Es stimmt, dass die „besten Dinge im Leben nichts kosten“ – bis zu einem bestimmten Punkt. Es gibt drei Dinge, die wirklich zählen:

Was man tut…

wo man es tut…

und mit wem…

Geld ist involviert, aber nicht notwendigerweise so, wie Sie denken. Wenn man reich ist, kann man viele Dinge tun, die toll aussehen. Aber aus meiner Erfahrung und der von anderen reichen Menschen kann ich sagen, dass diese Dinge oft überhaupt keinen Spaß machen. Ein Freund hatte ein Vermögen gemacht. Dann verkaufte er sein Unternehmen.

Und was tat er? Er ging jagen. Überall auf der Welt. Und er tötete so viele Tiere, dass er ein Lager mieten musste, um die Trophäen zu lagern. Er sagte: „Das ist alles Mist. Es war ein Versuch, die Zeit zu füllen. Der Versuch, so zu tun, dass es wichtig sei, ob man das Tier tötet oder nicht. Es war eine Zeitlang aufregend, aber ich wurde daran krank. Ich wollte in mein Geschäft zurück. Das war es, was ich richtig gern machte. Das ist für mich das wirkliche Abenteuer.“ Ein Vermögen aufzubauen macht mehr Spaß als eines zu haben. (Seite 2)

 

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2 Kommentare auf "Das „militärische“ Geheimnis zum Reichwerden"

  1. Reiner Vogels sagt:

    Sehr geehrter Herr Bonner,

    obwohl ich nicht weiß, ob Sie die Kommentare zu Ihren Glossen lesen, spreche ich Sie persönlich an.

    Wie immer habe ich auch diese Glosse mit großem Vergnügen gelesen. Diesmal geht sie um etwas Besonderes, etwas, das mich verlockt, Ihnen zu schreiben.

    Sie erleben das, was ungezählte Menschen zu allen Zeiten erlebt haben, wenn sie die unmittelbare Not des Existenzkampfes hinter sich gelassen hatten und wirtschaftlich und privat-familiär in festen Häfen angekommen waren.

    Dazu, daß das geschieht, muß man nicht reich im Sinne von Milionenvermögen sein, es genügt, wenn man sein vernünftiges Auskommen und seine Familie hat.

    Wenn Menschen dies erleben, was meist erst in den mittleren Lebensjahrzehnten der Fall ist, merken sie, daß der Mensch nicht davon leben kann, dass seine Bedürfniss befriedigt werden.

    (Deshalb ist der Marxismus zum Scheitern verurteilt. Er hat eine defizitäre Anthropologie.)

    Der Mensch will mehr. Er will etwas, das nicht nur seinen Leib befriedigt. Er will den Hunger in seiner Seele stillen. Es ist nun mal so, daß Gott, wie der Prediger (Kohelet) schreibt, dem Menschen die Ewigkeit ins Herz gelegt hat.

    Jeder muß sich damit auseinandersetzen, und jeder muß seinen Weg finden. Aktivitäten wie Wohltätigkeitsorganisationen, Basteln von Zigeunerwagen, Großwildjagd in Afrika und vieles andere mehr füllen am Ende nicht wirklich das Leben aus.

  2. Michael sagt:

    Traditionelles Unternehmertum zeichnet sich durch das Empfinden der Zeit vor der Fakturenlegung und die damit verbundene Arbeit als Vorfreude aus. Wenn sie etwas für sich selbst errichten, dann legen sie sich selbst die Faktura. Der Reichtum entsteht aber am Weg zur Faktura die empfangenen Tauschmittel im Ausgleich sind eher das Vermögen, das ein risikofreieres Neuanstossen des Einsammelprozesses nach neuerlicher Bekundung erlaubt. Es fällt eben das Element des Zwangs zum Wiedereinsammeln, aber viel mehr das damit verbundene Timing soweit flach, als dass allein die Bedürfnisse oder der Bedarf des Kunden die Fertigstellung erfordert.

    Die Darstellung der Bauer trägt die Früchte seiner Arbeit auf den Marktplatz und präsentiert diese voller Stolz den Kunden am Marktplatz, diese würdigen den ach so prächtigen Blumenkohl aus freien Stücken. So eine ähnliche Erfahrung hab ich grad noch mal erlebt bei der Münze Österreich und den themenbezogenen Ausgaben. Der Reichtum hat viel mit der Erfahrung respektive bewussten aktiven Wertschätzung anderer Menschen Ideen und konkreten Umsetzung zu tun.

    https://www.youtube.com/watch?v=cBuJagewqRo

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