Das Märchen vom großen Konsumrausch

31. Januar 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

(von Frank Meyer) Nun ist es amtlich. Die Meldung aber gut versteckt worden, denn das Weihnachtsgeschäft fiel auch 2011 wieder ins Wasser. Alle optimistischen Prognosen gehen mit den neuen Zahlen in Schall und Rauch auf. Sämtliche Hoffnungszeichen eines Kaufrauschs entpuppen demnach sich als Flackern in der Stromleitung oder schlichtweg als Propaganda…

Völlig unerwartet, überraschend und erstaunlich gingen im Dezember die Umsätze im Einzelhandel um 1,4 Prozent zurück. Dabei meldete der hessische Einzelhandelsverband kurz vor Weihnachten, dass das Geschäft wenigstens 1,5 Prozent über dem Weihnachtsgeschäft 2010 liegen werde. Und der Hauptverband HDE stand selbst noch wenige Minuten vor der Bescherung zum Heiligen Abend in Funken gehüllt vor sprühendem Optimismus.

Gefühlt sind die Umsätze in jedem Jahr bislang gestiegen. Die Statistik bringt den geneigten Betrachter schnell wieder auf den Boden der Tatsachen.


Tröööt! Hieß es von der Gesellschaft für Konsumforschung. So stieg der viel beachtete aber offenbar weniger aussagekräftige Konsumindex um 0,2 auf 5,6 Punkte. Der Index für die Kaufbereitschaft kletterte um 9,1 auf beachtliche 40,3 Punkte, was die Frage aufkommen lässt, wie es dazu kommen konnte. Die Antwort ist einfach: Zwischen Kaufwilligkeit und Kauffähigkeit liegen vielleicht doch noch größere Welten als zwischen Mars und Uranus.

Zurückzuführen sei der Anstieg auf die niedrigen Arbeitslosenzahlen und gleichzeitig steigenden Gehälter, erklärten damals die Experten der GfK. Tätääää

Toller Export, stagnierende Löhne und entsprechende Ausgaben. Steffen Bogs vom Querschuss hat eine imposante Grafik dazu erstellt. Danke Steffen Bogs für das Bild und Deinen genialen Blog!

Wie war das noch mal mit dem Weihnachtsgeschäft? Ein Rekordumsatz wurde erwartet. Leute stehen Schlange. Befürchteten Prügeleien um die letzten Geschenke blieben zum Glück aber aus. Es blieb friedlich. Zu friedlich, so die Endabrechnung fürs Fest. Dafür fühlte sich ob der Jubelmeldungen aus dem Radio jeder schlecht, der nicht einkaufen gegangen war, aus welchen Gründen auch immer.

Hoffnungsvolle Analysten klingelten im Dezember mit noch hoffnungsvolleren Prognosen. Wären sie ein einziges Mal vor die Tür gegangen, müssten sie sich heute nicht schämen wegen ihrer Fehlprognose. Ach, tun sie ja gar nicht…

Und nun? Dennoch startet die Branche zuversichtlich ins neue Jahr, heißt es. Das Konsumklima in Deutschland gibt Anlass zur Hoffnung wie jene Meldung über den Online-Handel, der so richtig Fahrt ins Geschäft hätte bringen sollen.„Endspurt und Online-Boom retten Weihnachtsgeschäft“, berichtete beispielsweise die dpa, als die Lichter noch brannten.

Der Handelsverband Deutschland (HDE) ist zuversichtlich, dass die Umsätze leicht über denen des Vorjahres liegen könnten, obwohl das Geschäft zunächst nur schleppend verlaufen war. (dpa)

Tatsächlich aber hatten ein Einzelhändler nominal 1,7 Prozent weniger in den Kassen als im November. Preisbereinigt belief sich das Minus auf 1,4 Prozent. Analysten hatten im Schnitt einen Anstieg von 0,9 Prozent erwartet. Im Vergleich zum Vorjahr legte der Umsatz nominal um 0,5 Prozent zu und nahm preisbereinigt, also real um 0,9 Prozent ab. Kaufhäuser und der Internethandel mussten einen Rückgang von rund zweieinhalb Prozent verkraften. Bitte?

Nanu?

Der HDE rechnet in diesem Weihnachtsgeschäft mit einem Umsatz in Höhe von 6,5 Milliarden Euro im Internet. Das wäre im Vergleich zum letzten Jahr mit 5,9 Milliarden Euro eine deutliche Steigerung…. Der HDE hatte für das Weihnachtsgeschäft im November und Dezember im Vergleich zum Vorjahr ein Wachstum von 1,5 Prozent prognostiziert. (Quelle: HDE)

Neuigkeiten vom bvh aus alten Tagen… Eine Umfrage der der CEG Creditreform Consumer GmbH und des Bundesverbandes des Deutschen Versandhandels e.V. (bvh) über beabsichtigte Weihnachtseinkäufe und damit verbundenen Ausgaben im interaktiven Handel entblößte damals Erstaunliches aus der Rubrik: „Schäferhund befragt Leberwurst“…

Das bisherige Jahr verlief für die Interaktiven Händler umsatztechnisch sehr stark. Aktuell rechnet der bvh bis zum Jahresabschluss mit einem Umsatzplus von rund sieben Prozent für den gesamten Interaktiven Handel im Vergleich zum Vorjahr. Für den E-Commerce-Anteil wird ein Plus von 15 Prozent prognostiziert.

Die positive Einschätzung für das diesjährige Weihnachtsgeschäft kommt also nicht von ungefähr. Verlaufen die kommenden Vorweihnachtswochen weiterhin so erfolgreich, werden die Erwartungen der Interaktiven Händler eventuell sogar noch übertroffen“, so Christoph Wenk-Fischer, Hauptgeschäftsführer des bvh.

Die Propaganda geht weiter. So heißt es nun, trotz des schwachen Weihnachtsgeschäfts kann die Branche zuversichtlich ins neue Jahr starten: Das viel beachtete Konsumklima ist im Januar trotz aller Schlagzeilen zur Überschuldungskrise und einer möglichen Konjunkturflaute so gut wie seit einem Jahr nicht mehr. Der GfK-Konsumindex kletterte nun auf 5,9 Punkte, was einem Kaufrausch nahe kommen dürfte oder einem Warnsignal, dass auch der Januar im Einzelhandel trotz aller Jubelmeldungen „Wir schoppen uns die nicht spürbare Krise schön! Tröööt Tröööt!“, Optimismus und Analystenprognosen buchstäblich ins Wasser gefallen sein könnte.

Ja, das Wetter. Im Notfall ist es daran immer Schuld. Zu kalt, zu warm, zu nass, zu trocken… Man sollte es verbieten. Dann klappt es auch mit den Wünschen – gerade zu Weihnachten und auch darüber hinaus.


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19 Kommentare auf "Das Märchen vom großen Konsumrausch"

  1. crunchy sagt:

    In Haßloch in der Pfalz, erfüllen sich die Wunschträume unserer Politiker: Testmarkt der GfK für Marktakzeptanz neuer Produkte und vermutlich auch Umfrageort zur Feststellung des Konsumklimas.
    Nur so repräsentativ für Gesamtdeutschland, wie unterstellt, ist die sonnige Pfalz wirklich nicht.
    Die Leute sind immer gut drauf, was nicht nur am Saumagen sondern auch an dem dazugehörenden Trank liegen kann, der bei angenehmen Temperaturen geauso wärmt, wie bei kühleren. Wie wäre es mal mit einem Ort in der Uckermark als Testort. Seit der Maueröffnung ist Deutschland doch auch dort repräsentiert?
    Den wird man vermutlich erst dann bemühen, wenn die Geldschwemme der Notenbanken zu Hyperinflation geführt hat… .
    Also: Kommen neue Zahlen von der GfK: Einfach weglachen! DeStatis muss schon genug aufrunden.

    • Frank Meyer sagt:

      Ist in Hassloch nicht ein großer Toom Markt? Oder heißt der etwa auch Wow-Markt statt Bau-Markt? Soweit ich gehört habe, geht es den Baumärkten allen nicht sonderlich gut. Und das mitten im Kaufrausch. Ich wundere mich nur, dass die Kosten über die GFB`s so gedrückt worden sind und die Marge weiterhin klein geblieben ist. Wo soll das enden? Trotz Sonne?

  2. Johannes sagt:

    Meine größten, etwas verspäteten Weihnachtsgeschenke habe ich mir heuer selbst gemacht.

    Metallwoche- Abo um 90 Euronen, Querschüsse- Spende um 70 Euronen und dann noch so ein gebrauchtes Galaxy Tab- Spielzeug. Da fällt mir gerade ein, dass die Seite hier auf dem kleinen Tab, nicht sonderlich gut dargestellt wird, weil sie so ganz genau am Rand beginnt. (Als kleine Info)

    Sonst habe ich mich heuer, auch in Absprache mit Familie und Freundin sehr zurückgehalten beim Schenken.

    Möchte mich auch gleich anschließen und meinen Dank an Steffen von den Querschüssen aussprechen, wirklich toller Blog. 🙂

    Grundsätzlich frage ich mich sowieso immer, woher dieser Konsumrausch kommen soll, bei stagnierenden Löhnen und entgegen der allg. Inflationsberechnung immer stärker steigenden Preisen, vor allem bei kommunalen Abgaben.

    Ich verdiene an sich recht gut, aber in Kaufrausch verfallen kann nicht mal ich mir leisten. Von größeren Neuanschaffungen, wie PKW oder dergleichen rede ich da gar nicht.

    So gesehen überrascht mich der Artikel nicht sonderlich.

    • Frank Meyer sagt:

      Hallo Johannes, danke für die Info. Das mit der Darstelung der Seiten hier und dort ist eine Wissenschaft für sich geworden. Ich wollte im Herbst Steve Jobs verklagen, aber da war ich schon zu spät dran. Patrick hat im Hintergrund das Beste raus geholt. Und dennoch gibt es hier und dort immer wieder mal Probleme. Flash ist das größte Problem.

      Ja, mich hat die Weihnachtsschenkerei aich nicht gewundert. Vor allem habe ich aus dem Einzelhandel diekt mit bekommen, dass es nicht stimmt, was offiziell gesagt wurde. Das ist alles Marketing. Aber dass es so einen Schlag gegegen hat, überraschte mich doch. Nun, wenn es Pluszeichen gegeben hätte, wäre das überall auf den Titelseiten aufgetaucht. So aber musste man wirklich suchen. Aber 95% der Leute glauben wahrscheinlich immer noch, wie toll Weihnachten war, genauso wie sie an den Weihnachtsmann glauben. Viele Grüße in den Süden!

      • Johannes sagt:

        Salve Frank, ist ja grundsätzlich nichts dramatisches, nur hat man halt auf dem Tab immer das Gefühl, die Seite nach rechts schieben zu müssen. Was ich auch immer mache, jedoch ohne Erfolg. 😉

        Im Einzelhandel selbst war ich an sich nie rund um Weihnachten und wenn, dann in Italien. Da ist mir in Udine schon aufgefallen, dass immer mehr Geschäfte geschlossen haben. Outlets wie Palmanova und die großen Einkaufscentren mal ausgenommen. Von daher habe ich schlecht einen Vergleich.

        Aber mal ein anderes Thema, was mich interessieren würde und wo ich hoffe, Du kannst mir da helfen. 😉

        Kommt es nur mir so vor, oder nimmt das Interesse an der „Krise“ doch merklich ab? Gut, ich merke es auch bei mir selbst, dass ich nicht mehr alles in mich aufsauge. Aber irgendwie scheint da generell etwas die Luft draussen zu sein.

        Ratingabstufungen, wie zuletzt von glaube ich von Fitch werden kaum noch wahrgenommen und wenn in diversen Kommentarbereichen mit einem „gähhnn“ kommentiert.

        Nicht mal das Aufblasen der „Rettungsschirmes“ auf 1,5 Billionen scheinen noch sonderlich zu interessieren, vom ESM mal ganz zu schweigen.

        Der Baltic Dry, der noch vor nicht allzu langer Zeit als einer der Indikatoren für Konjunktur gestanden ist, ja, den gibts auch noch. Fällt massiv, interessiert auch keinen so richtig.

        500 Milliarden von der EZB an die Banken, jetzt muss gleich wieder nachgeschossen werden, man munkelt von 1 Billion- Interessiert das noch jemanden?

        Scheinbar, so empfinde ich das zumindest, scheint eine gewisse Krisenmüdigkeit eingetreten zu sein.

        Kannst Du das irgendwie bestätigen, mit Trafficzahlen auf Deine Page oder sonst irgendwie?

        Der Kommentarbereich ist bei einigen Blogs etwas lahm derzeit, finde ich zumindest. Ruhe, wohin man sieht.

        Irgendwie scheint die Luft draussen zu sein, was mich wiederum vorsichtig werden lässt.

        Evt. und wenn Du Zeit entbehren kannst, wäre ich dankbar, wenn Du/Ihr Eure Meinung dazu kund tun könnt.

        Schon mal Danke und Gruss zurück in den Norden. 🙂

        • gilga sagt:

          Tja, die Leute werden halt alle müde… ich spreche schon seit Monaten kaum noch mit irgendwem drüber. Die reagieren immer alle genervt und haben schon vor Ewigkeiten aufgehört die Dinge zu verfolgen. Vom Wunsch die Hintergründe und mögliche Folgen wirklich zu verstehen mal ganz abgesehen.

          In den letzten Tagen steigt bei mir die Alarmstimmung auch wieder ein wenig an. Einfach zu viele rosa Wolken und zu viel Watte in die wir eingepackt werden (gilt übrigens auch für die Silberkurse). Hinter den Kulissen aber brodelt es m.E. nach gewaltig. Dauerbrenner Griechenland, Portugal, generell die Arbeitslosenzahlen und Probleme der einfachen Menschen (oder sollte man breite Masse sagen) etc. im Süden Europas, gewisse Nachrichten aus Asien, die absolut sinnlosen Beschlüsse der EU (Fiskalpakt, aber Hallo?! Hat ja bisher gut funktioniert), die Aktionen von FED und EZB, … Das alles ergibt kein Bild das Vertrauen erweckt. Irgendwann wackelt jemand oder etwas am Tisch und das sorgfältig aufgebaute Kartenhaus fällt gnadenlos in sich zusammen.

          Zur Aufmunterung „Diebold Accidentally Leaks 2012 Election Results“:

          Herzlich drüber gelacht heute morgen… 😉

          • Johannes sagt:

            Danke giga für Deine Einschätzung.

            Scheinbar haben wir ähnliche Erfahrungen in letzter Zeit gemacht, wobei ich schon bemerke, dass die nähere Umgebung ein etwas mulmiges Gefühl hat und der ganzen Sache auch nicht traut.

            Mich macht die derzeitige Ruhe auch sehr misstrauisch und leider muss ich auch gestehen, ich verstehe die Logik der „Eliten“ nicht mehr.

            Einerseits wird bei uns in Österreich seit Wochen/Monaten bezüglich eines Sparpaketes um ein paar Milliarden gefeilt. Andererseits werden Garantien in der 10-fachen Höhe für ESM etc. abgegeben, wenn es denn so kommt, wie in den Medien transportiert.

            Da passt einfach nichts mehr zusammen.

            Ich werde einfach wieder aufmerksamer werden müssen.

            Gruss

            Johannes

        • Fnord23 sagt:

          Hallo in die Runde,
          Hallo Johannes,

          da will ich mich als mittlerweile stiller Mitleser doch noch mal melden.

          Dein Eindruck, dass es in den Blogs ruhiger geworden ist, den hab ich auch.
          Bei mir ist das ja auch so. Das Lesen und Schreiben war ja auch Teil einer intensiven autodidaktische Phase zu den Themen Finanzen, Makroökonomie, Gesellschaft, Politik usw.

          Jetzt ist im Großen und Ganze alles durch. Man hat sich auf das, was kommen könnte, mental eingestellt und so weit es geht vorbereitet.

          Täglich grüßt das Murmeltier in Form von Herabstufungen, noch mehr Schulden und und und….aber es hat keine Auswirkungen mehr.

          So ist das bei unfreien Märkten und Planwirtschaft auf dem Weg in eine Diktatur. Es wird tröge und man konzentriert sich wieder auf die wichtige Dinge im Leben.

          Ich denke, die 5% Interessierten der Bevölkerung sind durch. Den restl. 95% wird es langsam etwas mulmig, aber Kopf in den Sand und gut. Die wollen das auch gar nicht wissen. Zuviel Ängste und zuwenig Selbstvertauen.
          Man hofft auf die Führer: „Die werden das schon regeln.“
          So braucht man keine Entscheidungen treffen und hat im Zweifel einen Schuldigen. So sind sie nun mal.

          Ob die Ruhe nun ein schlechtes oder gutes Zeichen ist?

          Was ich schon merke: Ichwerde nicht mehr als Spinner und Verschwörungstheoretiker bezeichnet. Auch was wert.

          Alles Gute Euch und den Betreibern und VG aus Sachsen

          • Frank Meyer sagt:

            Hallo Fnord! Große Freude, von Dir zu lesen. In der Tat, es ist ruhiger geworden. Die Kommentare nehmen überall ab. Die Leute können das Thema Europa und dergleichen nicht mehr hören. Es ist öde geworden. Willkommen im Biedermaier 2.0. Eigentlich ist auch alles gesagt, die Messen gesungen und die Geschichte geht ihren Weg. Wozu Zeitverplempern?

            Wir Blogbetreiber haben die Wahl, unser Schreiben einzustellen oder die agressivere Form zu benutzen mit ganz vielen Ausrufezeichen und GROSSBUCHSTABEN. Dazu schreienede Überschriften in ROT.
            Ich bleibe bei dem, was ich bislang seit fast fünf Jahren mache. Mit Humor die Dinge da draußen begleiten.

            Ja, es ist ein komisches Gefühl, nicht mehr als Spinner gewertet zu werden. Das merke ich auch im Freundeskreis. Spinner oder gar VT`ler. An meinem EfftEfft-Spray liegt es wahrscheinlich nicht 🙂 Das bedeutet nur, dass man selbst stehen geblieben ist oder sich das Umfeld bewegt hat. Ich weiß es nicht. Ich bezweifle zutiefst, dass 5% der Bevölkerung „durch“ ist.

            Die letzten fünf Jahre mit ca. 1.500 Beiträgen waren ein Lernprozess, ein Reflektieren der Dinge, die schief standen und man die als kerzengerade bezeichnet hat. Die Medien holen auf. Nicht dass sie sagen können, sie hätten nicht gewarnt? Viele Grüße, Herr Fnord. Warum freue ich mich gerade so, dass Du etwas geschrieben hast?

          • gilga sagt:

            Ja, die Info- bzw. Lernphase bei den interessierten Personen ist durch und die Vorbereitungen/Anpassungen, sofern notwendig und möglich, sind getan.

            Vernünftige Sachwertquote, keine Kredithebelung, nur noch kurzlaufende Verträge, kleine Notration für den schlimmsten Fall der Fälle (an den ich zumindest in Dtl. mittelfristig nicht glaube) und Anpassung des Lebenstils… mehr geht halt in Sachen Aktion nicht. Bei mir war eigentlich nur der 1. Punkt noch zu erledigen. Der Rest war ohnehin schon getan, da ein interessantes Optimierungsproblem für das ein oder andere Wochenende.

            Die zweite Stufe wäre dann die Information Dritter wie Frank das dankenswerter Weise durchführt. Aber wie gesagt, die Mehrheit der Menschen ist Beratungsresistent. Man merkt zwar, dass da irgendwas los ist (ist ja auch schwer da vorbei zu kommen) aber bisher hatte es keine ernsthaften Konsequenzen für einen selbst und man weiß ja eh nicht was man tun soll. Souveränes entscheiden insbesondere in finanziellen Dingen wurde einem ja abtrainiert (es sei den es geht um die „Vorteile“ von Kreditfinanzierungen).

            Was mir gefällt ist, wie man nach diesem „Lernprozess“ die Nachrichten die insbesondere zu diesen Themen in der Presse so kommen ganz anders wahrnimmt. Ich möchte nicht behaupten alles besser zu wissen als unsere Entscheider dies tun… aber ich würde erwarten das man mir als Bürger und Steuerzahler glaubhaft erklärt, warum Entscheidungen so und nicht anders getroffen werden. Aber da bekomme ich stets nur Behauptungen oder Totschlagargumente geliefert. Nirgendwo ganzheitliche Konzepte oder wenigstens Visionen. Keine klare Linie der gefolgt wird und die Erfolg zeigt. Ich kann Entscheidungen nicht anhand von Grundprinzipien denen alle Entscheidungen unterworfen werden (Täuscht mich der Eindruck oder war Politik in der BRD vor 30-40 Jahren noch anders?; ich war da eh noch Quark im Schaufenster eines DDR-Ladens) nachvollziehen geschweige denn antizipieren.

            Stattdessen passieren genau die Dinge die von den vielen Kritikern immer wieder vorhergesagt wurden (Zusammenbruch der Wirtschaft im „europ. Süden“)… und nun denkt man so langsam darüber nach und greift einzelne Kritikpunkte auf, weiß aber bis auf Versprechen und Floskeln in dieser Richtung erst recht nichts zu liefern. Ein echtes Trauerspiel.

  3. EuroTanic sagt:

    Dann muss Merkel wohl in Zukunft aufblasbare Einkaufstüten unter’s Volk verteilen damit die Bilder des Aufschwunges und des konsumfreudigen Michel in den deutschen Einkaufspassagen weiter ihren politschen Verlautbarungen entsprechen 😀

  4. […] viaDas Märchen vom großen Konsumrausch | Rott & Meyer. Share| Januar 31, 2012 at 9:33 pm by admin Category: Deutschland, Lügenpropaganda, Wirtschaft […]

  5. stonefights sagt:

    @All
    Ich möchte den Kommentar mal sehen, der nur noch jeden Buchstaben in einer Zeile reinbekommt aufgrund des Einrückens 🙂
    Nun mal ERNST ohne Rotwein. Fnord23 hat es sehr gut auf den Punkt gebracht.
    Auch ich war die letzten beiden Monate lediglich ein stiller Leser, was keine Auswirklung auf einen Einwurf in den Klingelbeutel haben wird.
    Faierweise hat die Woche der Metalle natürlich Auswirkungen darauf.
    Und doch ist es wieder schön, den ein oder anderen Kommentator lesen zu können.
    Meine teilweise „panischen“ Aufweck-Versuche der letzten zwei Jahre habe ich seit ca. einem halben Jahr sukzessiv selbst in meinem engsten Familien-Kreis aufgegeben.
    Lediglich vor den Weihnachtsferien versuchte ich (aufgrund einer Kaffee-Diskussion…) mein vielleicht letztes Aufbäumen gegen die Schlafkrankheit, einigen Mitarbeitern eines meiner Kunden unser Schuldgeldsystem (incl. Quellenangaben) zu erläutern, mit dem Wunsch, feedback zu erhalten. Das Ergebnis war erdrückend und unverändert,
    kein feedback, nochnichteinmal Gegenwehr oder Verhöhnung, einfach nichts…
    Die kommentierten 5 Prozent stelle ich somit in Frage, weit weniger sollten es meiner Erwartung nach sein, nur Deutschland betrachtet. Das gilga-Phänomen, die Nachrichtenlage anders, quasi zwischen den Zeilen zu interpretieren, ist sehr bedrückend für mich. Es bleibt bei mir immer der Eindruck, alle „Anderen“ schlendern auf dem Jahrmarkt der Illusionen unbetrübt umher, und ich mache währenddessen ständig den Klodeckel einer öffentlichen Frauentoilette auf.
    Deswegen ist es so wichtig und auch schön, das jeder seinen Frank behält,
    man kann es auch edlen Humor nennen.
    Somit ein riesen Dank an die Humoristen dieser Seite ! Bleibt so, es könnte schlimmer kommen.
    LG vom Ratkäppchen und sein böser Golf

  6. Fnord23 sagt:

    Hallo Ihr,

    noch mal zu den 5%:
    Ist ja auch die Frage, in welchem Umfeld man sich bewegt.

    Aber von 100 Menschen, die ich kenne, sind mind. 5 erwacht.
    Bei mir sind es ein paar mehr, weil ich lockere Kontakte z. B. zu ATTAC unterhalte. Dort sind bestimmte Themen eh aktuell.

    Was können wir noch tun?
    Wie in jeder Glaubensrichtung sollte man den Auftrag nicht vergessen: Missionieren
    Nur so wird sich das große Ganze verändern.

    Die Christen tun es, die SPD tut es und die Vertreter der Finanzbranche tun es auch. (Bei mir stehen 2 mal pro Jahr die Bibelforscher vor der Tür und holen sich regelmässig ihre Antwort ab.
    Ich liebe Rituale. Irgendwann kriegen die mich:-)

    Meine Kinder besuchen eine freie Schule. Wir versuchen dort ein Projekt auf die Beine zu stellen: Monetäre Bildung

    Da gibt es schon ein paar Eltern, denen das wichtig ist. Die reakrionären Kräfte sind aber auch da…..

    Es wird wohl so weitergehen, dass die nächste Diskusionswelle ins Haus steht, wenn es auf einer höheren Stufe eskaliert.

    Auch wäre es jetzt mal nicht schlecht über Visionen zu sprechen.

    Weitermachen!

    VG aus Sachsen

  7. Fnord23 sagt:

    Frank Meyer says:
    31. Januar 2012 at 22:18

    ……..Viele Grüße, Herr Fnord. Warum freue ich mich gerade so, dass Du etwas geschrieben hast?

    Antwort:

    Hallo Herr Frank Meyer,

    ja, ich hab dich auch lieb….:-) und meine Frau weiß davon.

    VG
    aus Sachsen

  8. Wollen sagt:

    ..Das ganz Große verändern..,ist unmöglich.

    Wollen denn wirklich alle von dem Istzustand wissen?, ehrlicherweise so lange es den einen und den anderen gut geht wird er/sie sich bestimmt nicht tiefer mit dem Thema Politik,Finanzen beschäftigen,bewusstes Abkapseln.“Alles ist schön“
    Ein guter Lohn und schon sieht die Welt ganz gut aus,,was gehen mich die anderen an..egoistische Scheuklappen Mentalität auf den Straßen.Fragen werden erst dann gestellt, wenn die Lohntüte kleiner wird, die Zufriedenheit in Unzufriedenheit umschlägt.
    Dafür ist die politische Macht zu groß, vielleicht wird es kleine politische Zugeständnisse geben einen großen Umbruch, sorry nene.

    Was mir aber auch immer auffällt, ist die schreckliche Unaufgeklärtheit,viele von sich so sehr überzeugt sind, dass sie selbst andere Meinungen nicht zulassen,ein großer Glauben an dem, was gesagt wird,nichts wird hinterfragt..,keine Fragen werden gestellt.
    Hab´s mittlerweile aufgegeben,in irgendeine Richtung „aufklärerisch“ zu wirken,wenn n kleiner Teil aufgeklärt ist, gut und schön,,
    Gute Informationsquellen stehen jedem zur Verfügung..,braucht sich niemand beschweren hinterher!, sage ich mir dann, wer nicht hören will..
    Ganz interessant ist,die Geschichte (Rom,Aufklärung) sich immer wieder ähnelt im Aufbau,Ablauf bis hin zu größeren politischen Umbrüchen.

    Wenn man sich den Fall Wulf anschaut,wird müde gelächelt, ein Witz darüber gemacht,und schon hat einen der Alltag wieder fest im Griff…
    Wenn alle die Wahrheit erfahren?,nicht alle können mit der reinen Wahrheit umgehen,hab ich mir mal sagen lassen.

  9. JayJay sagt:

    @Frank hat Recht, wir befinden uns im Biedermeier 2.0
    Den meisten geht die ganze Sache mit dem Euro, Schulden & Europa/Welt am A…h vorbei, sie wollen oder können diese Sache nicht verstehen. Wenn die Leute dann irgendwann aus ihrem neuen Biedermeier gerissen werden, dann wird das Jammern groß sein.
    Ich habe es auch schon lange aufgegeben, die Leute auf das drohende Ungemach was uns in nicht all zuferner Zukunft erreichen wird, hinzuweisen. Sollen die doch sehen wo sie bleiben, so schlimm wie sich das auch jetzt anhört.
    Gold & Silber Ahoi

  10. Wollen sagt:

    Klar hat Frank Meyer recht, immer;), zeugt von nem guten Sachverstand.

    Wobei ich mir unsicher bin, ob das Europa so wie es jetzt auf dem Papier
    beschrieben ist existieren wird.Bei den immer größer werdenden Unterschieden der wirtschaftlichen Entwicklungen in Europa kann hier keiner eigentlich mehr behaupten ein geeintes Europa zusehen oder ein Europa zusammenwächst..

  11. Avantgarde sagt:

    Seit der Amtszeit Schröders sind die Lohnerhöhungen in D jedes Jahr unterhalb der Produktivität zurückgeblieben.

    Woher sollte eine stärkere Binnennachfrage auch herkommen??

    Egal welche Statisik man bemüht – die Konsumausgaben sind seit 10 Jahren flach wei ein Brett.
    Da helfen auch kein Juhu-Klimaindikatoren.

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