Das Leben ist ein Suppentopf

8. Dezember 2009 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer, Zeitlos

von Frank Meyer
(aus dem im November erscheinenden Rohstoff-Magazin)

Seit der letzten Edelmetallmesse Anfang November 2008 wurden die Nerven der Anleger auf harte Proben gestellt. Raus aus Aktien, rein in „sichere“ Papiere und wieder Kommando zurück. Schnelles Agieren brachte die besseren Ergebnisse. Die Kostolany`sche buy & hold Strategie hat ausgedient, zumindest für Aktien. Diese stiegen durch immer mehr an greenspan`schem Geld bis zur Jahrtausendwende. Dann platzte die Blase und erlebte als Echoblase 2007 eine Renaissance. Das Jahr 2000 markiert einen wichtigen Wendepunkt, den Beginn einer Zeitenwende…

Seitdem reiten die Bullen den Markt der echten Werte, wurden zwischendurch an den Häusermarkt gelockt und trampeln nun über das Bare. Einem ständigen Mehr an Kredit steht heute besonders in den alten wirtschaftlichen Zentren der Welt eine stagnierende Gütermenge entgegen. Die Ausgelaugtheit der „alten Welt“ steht dabei im Gegensatz zu echter Nachfrage und Schaffung von echten Werten in den aufstrebenden Ländern wie China, Indien und Südamerika. Inzwischen greift China geschickt nach dem Stab des Empires und zerschlägt jetzt auch gerne auch eine Windschutzscheibe, gleichzeitig aber gute Nachbarschaft betonend.

Dass die Dinge so lange funktionierten muss nicht heißen, dass sie es auch künftig tun werden, vor allem, wenn wir die Zukunft schon heute verfrühstückt haben. Im Frühjahr gestanden Wirtschaftswissenschaftler aus St. Gallen ein, in wichtigen Punkten geirrt zu haben. Woran orientiert man sich, bis die Bücher neu geschrieben worden sind? Bingo! An den alten Büchern. Es ist, als ob man mit einem Teekocher zum Mond fliegen will. Es sind schwierige Zeiten. Ohne ein gewisses Maß an Eigenverantwortung scheitert heute selbst das Einbrocken einer eigenen Suppe. Zu wackelig ist der Herd, auf dem man hantiert. Schätzungsweise zwei Millionen Ökonomen verkaufen weltweit ihre Prognosen. Dabei belegen Statistiken eine Trefferquote von knapp über 50 Prozent. Warum nicht gleich würfeln? Schaut man, woher so viele dieser Ratschläge herkommen, hat man in etwa eine Vorstellung, wessen Interessen dahinter stecken.

Nur Dummköpfe behaupten, nicht in einem Markt investiert zu sein. Hat man den großen Bogen um Aktien, Anleihen oder Edelmetalle geschafft, steht man auf der sicheren Seite des Bargeldes. Oder man hat die Schildkröten-Anleihe des Bundes, Lebensversicherungen, Fondspolicen oder Riester. Vor einem Jahr war das total „in“. Heute ist Bargeld im Vergleich zu Aktien oder Edelmetallen wesentlich weniger wert, was nicht heißen muss, dass es in Zukunft auch so sein wird. Wie zynisch, auf einem Haufen Papier mit staatlich verordnetem Vertrauen zu sitzen. Verschwindet dieses Vertrauen, bekommt Voltaire mit seinem Satz recht: „Der Wert von Papiergeld sinkt früher oder später auf seinen inneren Wert – Null. Es gibt ja Leute, die haben es jenseits der Banken oft gut diversifiziert im Safe, unter der Diele und im Garten vergraben. Sichere Häfen sind nur solange sicher, bis sie unsicher werden. Geld ist wie ein Topf mit Wasser. Es verdampft nach und nach. Fachleute nennen so was Inflation. Wenn zusätzliches Geld ins System geschleust wird, verdünnt es die vorhandene Menge und umso schneller steigt der Dampf auf.

Was wäre passiert, wenn im letzten Herbst neben den Gebrüdern Lehmann, der Rest der insolventen Banken verschwunden wäre? Wir wissen es nicht, aber man sagt uns, es ist für uns, wenn es verhindert wird. Ist es das? Die Zombie-Rate hätte zumindest massiv abgenommen. Wir müssten keine Billionen an Steuern aufbringen, die die Halbtoten am Laufen halten. Eine Bereinigung hätte einen jahrelangen Betrug aufgedeckt, hätte wohl auch Recht und Ordnung strapaziert. Scheitern ist keine Option, hieß es. Und so können wir auf Parkbänken in die Herbstsonne blinzeln und auf den Winter warten. Man kündigt mehr Kontrolle an, damit so etwas wie im Herbst 2008 nicht wiederholt. Nie wieder einen Tropfen Alkohol, ruft der Trinker, und greift zur nächsten Flasche. KomaSaufen und KomaKaufen – zwei Dinge für eine bessere Welt.

Angst war nie ein guter Ratgeber. Mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit waren die Schwierigkeiten aus dem Herbst 2008 vorhersehbar gewesen. Wer nur etwas Überblick und einen Hauch an gesundem Menschenverstand besaß, konnte es ahnen und vermuten, dass Vorsorge nicht die schlechteste aller Ideen gewesen wäre. Zugleich wäre man denen, die Aktien immer für billig halten, nicht ganz auf den Leim gegangen. Angst machte zugleich große Entscheidungen möglich, die die Welt jetzt scheinbar in größerer Sicherheit wiegen, ohne dass diese Sicherheit vorhanden ist. Billionenschwere Eingriffe von Regierungen und Notenbanken halten das Karussell am Laufen. Zugleich ist feststellbar, dass erst durch die Schwierigkeiten großen Banken die Regierungen und Steuerzahler als Geisel haben nehmen können – der eigentlich größte Coup an der ganzen Geschichte, jetzt an den Steuertöpfen saugen zu können – ein Einbruch mit vorgehaltener Waffe. Wie wollen Regierungen die Finanzmärkte stärker regulieren, wenn sie vom Großkapital unterwandert sind?

Notenbanken fabulieren seit Wochen über den Ausstieg aus dem leichten Geld, dem Karussell den Schwung nehmen, dem Säufer seinen Stoff. Ab welchem Punkt rennt er randalierend durch die Gegend? Das wird spannend, wenn die Notenbanken überhaupt gedenken, auszusteigen. Nicht die Gier der Banker ist das Problem, sondern die weltweite Überschuldung. In den USA benötigt man für das Schaffen eines Dollars an Wert elf neue Dollar an Kredit. Zugleich fordert man Banken auf, Kredite an die Überschuldeten zu vergeben. Mister Market schaut um die Ecke und versteckt Brandsätze im Ofenrohr. In Blasenwirtschaften sind die Dinge eben ver-rückt. Sie stehen nicht mehr an ihrem Platz. Ein Blick in die Geschichtsbücher und eine kleine Berechnung mit Wahrscheinlichkeiten lassen künftige Ergebnis erahnen.

Worauf sollte man sich einstellen? Die Sache ist ganz einfach. Ausschau halten nach Schwierigkeiten und handeln, bevor diese eintreten. Die Erfahrungen unserer Alten können als Blaupause dienen, eignen sich besser als alle computergestützten „Ich-werd-dann-mal-reich-Programme“. Unsere Alten haben ehrlich verdientes Geld nicht wie wir verkonsumiert, sondern gespart. Oft hat man es ihnen dann einfach abgenommen. Der wirksamste Schutz dagegen war Gold. Es gibt Zeiten, da braucht man keine Edelmetalle, genauso Zeiten, wo man sie haben sollte bzw. haben muss. Bevor Blasen ihre Nadeln finden, sind Edelmetalle eine gute Versicherung gegen die Folgen. Ich sehe mich um – und sehe eine Welt voller Luftballons.

Unsere Entscheidungsträger werden für Wachstum sorgen wollen, und wenn dabei scheinbares, nominales Wachstum ohne Substanz herauskommt. Sie geben dafür Geld aus, das sie nicht haben, um Dinge zu kaufen, die niemand braucht – bis wir uns zu Tode gewachsen haben. Notenbanken stellen Geld zu künstlich niedrigen Kosten bereit. Der Rest steht in den Kochbüchern…

Stellen wir einen Topf auf den Ofen und lesen in Omas alten Kochbuch. Als Vorwort steht da: „Mädel, gib immer weniger aus, als Du einnimmst und geh sparsam mit den Zutaten um“. Das schrieb vermutliche ihre Mutter hinein. Und wir lesen weiter… Schulden gehören keinesfalls zu den Zutaten. Ausgewogenheit ist die Garantie für ein gutes Gelingen. Weitergeblättert finden wir folgende Anleitung:

Für die Zubereitung einer guten Suppe nehme man eine gewisse Menge Flüssigkeit (Bargeld). Dann gebe man die Grundzutaten nach und nach hinzu (Gold, Silber), reichere alles mit verschiedenen Gemüsen in einem ausgewogenen Verhältnis an (Aktien, Immobilien, Anleihen guter Qualität) und zeige Geduld, wenn die Suppe köchelt. Gute Suppen brauchen Zeit. Man würze mit reichlich Ehrlichkeit, Anstand und Bescheidenheit. Je nach Geschmack füge man Hilfsbereitschaft, Solidarität und Freundlichkeit hinzu. Auf kleiner Flamme gekocht, sollte man unbedingt einen Deckel auflegen, damit nichts in den Topf fällt, was nicht hinein gehört, wie Lichter vom Ende eines Tunnels und verschmutzende Worte der Fachleute. Nachwürzen kann man mit Heiterkeit, einem Hauch Zynismus und einer Prise Demut. Wohl bekomm`s!

P.S. Sollte einer nach meinem Rezept fragen, gib es ruhig weiter.

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