Das Kreuz mit dem Kreuz

6. September 2015 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Au weia! Da ist es, das berühmte Todeskreuz in den US-Charts. Taucht es auf, wird es gefährlich an der Börse. Oder lustig. Oder auch beides. Seit dieser Woche steht das Kreuz auch im DAX geschrieben…

Ein Todeskreuz entsteht dann, wenn die Durchschnittskurse der letzten 50 Tage tiefer liegen als die der letzten 200 Tage. Klingt komisch, ist aber wichtig. Hirntoten Daddelmaschinen ist das längst aufgefallen. Sie verkaufen Rallys ab. Manche schwören ja auf solche Zeichen aus der technischen Analyse wie auf Globuli gegen Sodbrennen. Jetzt, da die Kurse gefallen sind, wundert es nicht, dass die Experten jetzt die Erklärungen dafür hinterher schieben. Seit Wochen schon warnte das Zeichen vor allem in den USA. Jetzt taucht es fast überall auf. Steht ein heißer Herbst vor der Tür? Schön wäre ja, also zumindest temperaturmäßig. 

DAX-todeskreuz

Fachleute sehen inzwischen ein glasklares Verkaufssignal: Außer die Zentralbanken funken mal wieder dazwischen wie die EZB vor einem Jahr. Aus dem Todeskreuz wurde damals ein „Goldenes Kreuz“ und es hieß, die EZB habe den DAX gerettet. Mario Draghi wurde zu „Super-Mario“ Auf ihn ist Verlass. Also nicht wundern, wenn der Markt fallen möchte, aber nicht fällt.

Mit dem jüngsten Börsendebakel, womit ja niemand hat rechnen können, ist ziemlich viel kaputt gegangen, bis auf die Stimmung, die ist immer gut, jedenfalls nach offizieller Lesart. Zum Glück haben wir ja die Zentralbanken, die eigentlichen Herren im Staat.

Während die US-FED mit ihrer sogenannten Zinswende noch herumeiert, und sie weiß, warum sie das tut, deutet die EZB schon mal weiteres Frischgeld an. Da freute sich die Börse, zumindest für ein paar Stunden. Das heißt nichts anderes, als dass sie in größerem Stil Anleihen den Inhabern abkauft und künftig vielleicht sogar Aktien. Irgendwann besitzt sie alles, bezahlt mit Geld aus dem Nichts, zahlt Zinsen an sich selbst und ist Eigentümer von allem, wofür andere gearbeitet haben.

„Die EZB könnte die Wünsche der Anleger erfüllen und mit lockeren Tönen die Laune am Markt heben“, sagt ein Experte. Als ob die Zentralbank auch noch für Börsenlaune zuständig wäre. Und: „Verlässliche Vorhersagen über die kurzfristige Preisentwicklung sind im Augenblick kaum zu treffen, denn sie haben kaum die Halbwertzeit von wenigen Stunden“. Und das von einem Experten! Ein anderer meinte dagegen: Vergesst Parlamente, vergesst Regierungen – gegen die EZB ist kein Kraut gewachsen! Dem ist nichts hinzu zu fügen.

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9 Kommentare auf "Das Kreuz mit dem Kreuz"

  1. toter_esel sagt:

    Die Höhe der margin debts dürfte wohl auch eine Rolle spielen, weshalb die Aktienkurse nicht fallen dürfen.

    Aber wenn man sich die vereinfachte Bilanz der EZB vorstellt

    Aktiva Passiva

    Währungsreserve Bargeldumlauf
    Kredite an Banken Einlagen von Banken
    Wertpapiere Einlagen von öff. Haushalten (=Eigenkapital)
    Kredite an öffentl. Haushalte

    sieht man, dass eine Ausweitung der Aktiva zur Erhöhung des Bargeldumlaufes oder der Einlagen der Mitgliedsländer führt.

    Die EZB betreibt bewusst Inflation, wohlwissend, dass sie ihre Aktiva nie wieder „los“ wird. Ihr Ziel ist es, Zeit zu gewinnen. Das gelingt ihr auch, doch die Geldpolitik sämtlicher Zentralbanken läuft auf einen globalen Schulden- und Vermögensschnitt hinaus. Glücklicherweise begreifen die Menschen nicht, wie unser Zinsundzinsessystem funktioniert, verstehen exponentielles Wachstum nicht. Daher können die Notenbanken mit ihrer Nullzinspolitik eine Laufzeitverlängerung dieses Geldsystems erreichen, wobei dessen Zusammenbruch wegen der Verschleppung umso schlimmer werden dürfte.

  2. Annerose sagt:

    irgendwann besitzt sie alles, bezahlt mit Geld aus dem Nichts, zahlt Zinsen ans sich selbst
    und ist Eigentümer von allem, wofür andere gearbeitet haben“

    j a , und genau so ist es gewollt !!!!!!!!!!!

    • toter_esel sagt:

      In den USA soll es schon so sein.

      Ich weiss auch nicht, ob es sinnvoll ist, die Zahlen verstehen zu wollen. Es gibt eine EZB-Bilanz (Summe ca. 185Mrd) und eine des Eurosystems (ca. 2,2Bio.). Die Differenz, immerhin 92%, sind dann wohl LTRO, TLTRO, OMT… oh my God…

      https://www.ecb.europa.eu/pub/pdf/annrep/ar2015annualaccounts_de.pdf?2270652f747116d21dde027f24d67c2b

      Dort steht u.a.:
      „Aktiva bzw. Passiva werden nur dann in der Bilanz ausgewiesen, wenn es
      wahrscheinlich ist, dass der damit verbundene künftige wirtschaftliche Nutzen oder
      Aufwand der EZB zugutekommt bzw. von ihr zu tragen ist, im Wesentlichen alle
      damit verbundenen Risiken und Nutzen auf die EZB übergegangen sind und die
      Anschaffungskosten oder der Wert des Vermögensgegenstands bzw. die Höhe der
      Verpflichtung zuverlässig ermittelt werden können.“

      Wir buchen, Sie fluchen.

  3. toter_esel sagt:

    Was mich an dieser Geldpolitik wirklich stört:

    Dass es UNSER Geld ist.

    Geld, dem wir vertrauen, dafür arbeiten und damit einkaufen gehen, es sparen sollen für später, und es an Gläubiger natürlich zurückzahlen.

    Und soll ich Ihnen was sagen? – Ich sag´s trotzdem: Es gibt nicht EINEN Grund, auch nur eines davon zu tun.

    • Insasse sagt:

      @toter_esel:

      „Dass es UNSER Geld ist.“ – Woher wissen Sie das?

      „Und soll ich Ihnen was sagen? – Ich sag´s trotzdem: Es gibt nicht EINEN Grund, auch nur eines davon zu tun.“

      – Nicht vertrauen: dito
      – Nicht einkaufen: wovon sonst?
      – Nicht sparen: dito, das Geld nicht, deshalb umwandeln in die (jeweils) richtige Sparform
      – Nicht zahlen als Schuldner: Für Sie und mich als Klein-Maxi gilt der Rechtsstaat, im Gegensatz zum Staat selbst und übergeordneten Institutionen auf EU-Ebene. Da haben Sie als kleiner Schuldner schlechte Karten…

      • toter_esel sagt:

        Hallo Insasse,

        es ist nicht so einfach, meinen Denkansatz zu erklären. Ich versuch´s mal.

        Wir sollten nicht das SELBE Geld benutzen, was anderen Ortes verzockt wird. Wir sollten für dieses Geld nicht arbeiten gehen, denn wir können niemals eine Leistung erwirtschaften, die die Finanz-„Märkte“ decken würde. Wir zahlen auch jede Menge Zinsen, wenn wir mit diesem Geld bezahlen. Und in dem letzten Punkt muss ich mich korrigieren: Wir sollten uns niemals in diesem Geld verschulden.

        Im Endeffekt geht es darum, dass es vorhersehbar und unverantwortlich ist, was die Zentralbanken betreiben. Wir können uns also nur davon frei machen. Ich geb´ Ihnen mal einen kleinen Tipp: Was kostet z.Zt. ca. 14,70$ und wird von JPM Chase gern gekauft?

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